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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-22 · 33 (22.8.1919) · p. Seite 427

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
33 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 427 (sequence 7)
Language
German
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...Nr. 83 Drf BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 593 Ukraine, Gr oßmann,. erstattet: hat. Aus diesem- -Berichte folgt, daßin der Zeit vom November 19181 .bis' zum5 Mai 1919 in nicht weniger als 127 Städten? der Ukraine Judenpogrome stattgefunden nabein, bei denen 30—35.000 Juden ums1 Leben gekommen sind. Die Namen, der Getöteten sind vom Nationalen Sekretariat der Juden m der Ukraine genau registriert, so daß für diese Angäben die volle Verantwortung über- .nbmmen „werden, kann. Der angerichtete Schaden wird auf ungefähr eine Milliarde Rubel geschätzt. Schlagt die Juden tot! Dieser, bei den östlichen Nachbarn so beliebten Reglerungsteaßiregel auch' bei uns Eingang zu verschaffen, ist man-jetzt von mancher Seite eifrig bemüht. Am -rimrigsten ist ein gewisser Ladislaus Adam N. Ol'schowy, angeblich in Brünn"Wir haben Vor einiger Zeit, Aüs-züge aus einer Flugschrift veröffentlicht, worin er die Zweckmäßigkeit, hohe Sittlichkeit und Religion dieses Summarverfahrens' durch zahlreiche Stellen aus1 dem Alten und Neuen Testament beweis! Ton mehreren Seiten kommt uns1 nun ein neues1 Zeichen seiner Tätigkeit zu. Es* ist eine Postkarte,- die auf der einen-Seite 'drei Sehr Wenig anmutende kartenspielende Galizianer" zeigt, auf der anderen Seite, gestützt auf Moses, den „Anführer, Prophet, und Ankläger ^der Juden beim' baldigen jüngsten Gericht", neuerdings: sum1 Mord und Totschlag auffordert. Die Judenmassakers1, so verkündet er in fetter Schrift, wären; sind' und inüssen sein. Mail könnte 'sich' über die Tätigkeit dieses: Mensehen, von »dem1 man weiß, ob er Halunke, Narr oder beides' ist, füglich MnWegsetzen. Unsere Bevölkerung, weiß denn, doch zwei Dinge. s'chbn. etwas zu genau, als1 daß sie der menschenfreundlichen Aufforderung entäprechen; sollte,- Sie Weiß erstens, daß bei solchen Gelegenheiten doch' immer nur die armen Teufel, zum' Handkuß kommen, während die in den Ringstraßenpälästen unbehelligt bleiben, daß sie es verstehen, mit "den Machern, des Antisemitismus persönlich auf recht gutem Fuße zu bleiben, und zweitens, daß das arbeitende Volk verdammt wenig Lust hat, sich' von Lumpen ä la Olschbwy gegen andere alst seine wirklichen Feinde hetzen zu lassen. Diese Rechnung wird ohne den Wirt gemacht. Bemerkehs1wert ist an der ganzen .Angelegenheit nur eines: der Versender soll ein kleiner LandgeisUieher in der Nähe von Brünn sein. Die Versendungen kosten schwere tausende. Wem1 will er glauben mächen, daß er das1 alles1 aus1 seiner eigenen Tasche zahlt, und wer 'steekf inWirtcffcWkeit dahinter? Sollte sich vielleicht die Polizei dafür interessieren, so könnte sie möglicherweise beim Postamt "49 zweckdienliche Spuren finden. Bort Werden näüiKcI?, wie wir hören, die zum Massaker auffordernden Ansichtskarten in großen Mengen aufgesehen. Wie groß sie sind, möge - nur die- Tatsache beweisen, daß ein und derselbe Gewährsmann, hümoristis'cher Weise noch dazu ein Jude, an drei aufeinanderfolgenden Tagen je eine Zuwendung erhalten hat. („Der Abend.") Poinis&h'e Greueltäten in. Ostgalizren. Wir erhalten folgende Mitteilung: Man hat siebt nach^eräde daran gewöhnt, polnische Schändtäten als1 etwas' Selbstverständliches hinzunehmen und dabei höchstens ein Gefühl - das Mitleids' mit denjenigen zu empfinden, diet diese Schandtaten .auszustehen; oder zu. überwinden. haben, allein .Menschen bei lebendigem Leibe peinigen und leiden zu lassen, das ist entsetzlich1 und viel sciirecklicher als. Pogrome, die wenigstens das? Gute für sich haben, daß das Opfer meuchlingst Mngemortlefc wird, ohne auf die Dauer leiden zu müssen. Die also dbarakterisierte Art langsamer» aber. sicherer Hininbrdung zahlloser unschuldiger Menschen, welche sonst nichts verbrochen haben, als daß sio volkshewußte Ukrainer sind, spielt sich! seit dein seligen 16. Mai 1919 in ganz Ostgalizien ab. Ajs diesem Tage nämlichT h'at die in Paris ausgerüstete, sattsam bekannte Hallersche Armee die Stellungen der Ukrainer um Lemberg durchbrochen, fiel banden-, richtiger Kanditen artig, in fremdes Gebiet ein und begann einen Raubzug. Und was5 die Baller- Schen Soldaten nicht besorgten, dafür wären in der Folge die polnis'chen Behörden mit Eifer und Binigebung tätig1, indem1 sie alles Ukrainische aus* dem angestammten Lande der Ukrainer: aus Ostgalizien auszumerzen trachteten und diejenigen, die ihr Volkstum nicht verleugnen Wollten, einfach in den: Kerker Warfen. So wurden täglich*' Hunderte von Ukrainern aus dem ganzen, von den Polen besetzten Gebiete weggeschleppt und teils in den Internierungslagerti von Domibic, WadowiCz. Bimow us!#. untergebracht, teils' in den düsteren Kasematten der Festungen. Moslin und Warschau eingekerkert, wo viele von' ihnen elendiglich' zügrunde gingen. Auch! in der berüchtigten Strafanstalt „Brygidki" bei Lemberg, die für die gefährhebsten Verbrecher bestimmt ist, sitzen über 2000 Ukrainer, darunter etwa 200 Geistlich)©, die von dem polnischen Aufsichtspersonal drangsaliert, mißhandelt und mittelalterlichen Folterqualen unterworfen werden. Ins Gefangenenlager von Wadowicz wurden auch Mütter mit ihren Säuglingen und Kindern im zartesten Alter eingeliefert und starben dort an Hungertyphus, Unter den Inhaftierten befinden sich alle Klassen der ukrainis'chen Bevölkerung, vom gewöhnlichen Bäuerin angefangen Mal' hinauf zum Konsistorialrat und Universitätsprofes^Sor. Allerdings scheinen es die Polen mehr auf die Intelligenz des? ukrainischen Volkes abzusehen, um sie vor Neuordnung der Dinge rechtzeitig aus? der Welt zu Schfaffeä. Morde und Greueltaten, welche an gefangenen ukrainischen Soldaten und Zivilpersonen verübt Wurden, sind dokumentarisch festgestellt worden und haben sich' namentlich in Jesupol, Radechow, Lysiatycze, Stryj, Zloozor und SokaT in erschreckender Anzahl ereignet. Die Niedjermetzelnng verwundeter oder kranker Soldaten in Spitälern durch; polnische Legionäre sollen als etwas UehiicheS. gang und gäbe Sein. Ein krasses1 Kapitel der Verfolgung der Ukrainer5 durch die Polen bildet die Vergewaltigung" von F r a u e n u n d! M ä d c hre n; Die polnische Soldateska erblickt wahrscheinlich auch hierin ihre Aufgabe, ukrainische Frauen und Mädchen, insbesondere au» intelligenten Kreisen, gewalttätig zu entehren, die sich zur Wehr setzendem, Werden unbarmherzig geknebelt und in rohester Weise behandelt Ein Schrei des5 Entsetzens durchzieht däs1 ukrainische Mutterland, aber niemand hört ihn, niemand! will ihn hören. Nicht allein aus ukrainischen Kreisen dringen die Klagen über polnische Bestialität und Unmenschlichkeit in die Oeffentlichkeit. sondern äueb einwandfreie Personen, die aus Stanislau und Lemberg nach Wien kommen, bestätigen diese Tatsachen und geben obendrein noch Einzelheiten bekannt, deren Schilderung jedes Herz erschüttern muß. Haben es die polnis'chen Machraäber Übrigens je abzuleugnen versucht, was die ihnen nahestehende, zumindest aber

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