Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 33 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 2× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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Seite S22 Dr. <BLOCH*& WOCHENSCHRIFT Nr. 33 Wie *lie pofniesfoe Soldateska ihire Siege feiert, Ein furchtbarer Pogrom in Minsk.- Warschau, 20: August. Am' -7; August, dem Tage des1" Einmarsches, der politischen Truppen in Minsk, fand ein Pogrom statt, bei welchem 32 Juden, darunter Frauen, Kinder und Gfeis'e, ermordet wurden^ 500 jüdische Häuser und Geschäfte wurden ausgeplündert. In der Synagoge wurden drei Thbrarollen und viele Gebetmäntel zerissen. Nach der am nächsten Tage erfolgten Ankunft des Komman- "danten der polnischen Truppen und einer amerikanischen Kommission mit General Jadwin und Professor Gotthart an-der Spitze, wiederholten sich, trotz eines vom Kommandanten der Truppen erlassenen Aufrufes gegen die Räubereien und trotzdem die vAmerikaner in Automobilen durch die Straßen fuhren, die Ueberfälle, diesmal aber ohne Menschenopfer. Die jüdische Gemeinde hielt in Anwesermeit der amerikanischen Kommission eine Versammlung ab. Nach einer längeren Rede des! Generals' Jadwin wurde ein6 Schärfe: Protestresolution gegen die Pogrome beschlossen. . : 60, in Minsk verhaftete Juden wurden halb' nackt und blutig geschlagen, nach Wilna. gebracht. Schreckliche Nachrichten kommen aus der Umgebung von Minsk. Größe Judenmassen verlassen die Orte und «udhen Zuflucht in den Wäldern. —' Nach dem Aufrufe Mergenthaus1 an die jüdische Bevölkerung von Minsk, der, von polnischen Flugzeugen abgeworfen wurde, veröffentlicht die bolsehewikische Zeitung in Minsk einen sehr scharfen Artikel gegen den Zionisten Morgenthau, der mit den Worten schloßt Man muß alle Zionisten dem Henkergerichte übergeben. Die Zionisten leben in großem Schrecken, da ihnen die Verhaftung seitens der Bolschewiken droht . A'nftsleinltlseffie Skandale in Berlin.!■■■. ' * Die Dame mit der Olh'rfeige. Die - „Deutsche Tageszeitung" in Berlin äußert ihre Empörung darüber, daß auf dem Berliner Potsdamer Platz eine jüdische Dame einetn Händler, der das1 antisemitische „Deutsche Wochenblatt" verkaufte, infel Xxesicht. geschlagen und $eine Verhaftung durch' . einen Schutzmann veranlaßt habe. „Die Menge habe' für den-Händler Partei ergriffen und es1 wäre beinahe zu ernsten Ausschreitungen gegen die) Dame und den Schutzmann gekommen. Seit die Regierung eine Stelle zur Bekampfuag des' Antisemitismus1 geschaffen ,iiabe, fühlten sich die Juden „völlig als* Herr der tage" und legten „ihrer. Hemmungslosigkeit keine Zügel mehr an." Die „Deutsche Tageszeitung"' richtet eine Anzahl Fragen an die Regierung, von deinen die vierte lautet: „Was1 gedenkt sie gegen diese Lynchmethbde einer Dame der jüdischen Gesellschaft zu .tun?" t Dazu bemerkt das! „Berliner' Tageblatt", daß idie Dame auf dem Potsdamer Platz sich' mehr in Gefahr begeben zu haben scheint, als1 .während des Krieges1 die sämtlichen Redakteure der „Deutschen .Tageszeitung*'. Die Stelle zur Bekämpfung de» Antisemitismus^ die der „Deutschen Tageszeitung" mißfällt, mußte leider geschaffen werden, da. antisemi- * tiseh'-reäktionäre Klüngel das Land mit Flugblättern tiberscri'wemmen, die ebenso sehr von dem Geld}- iüberflüß wie Von der Gemeinheit dieser Kreise zeugen. Ob die Dame recht daran getan hat,- den Händler zu ohrfeigen, könnte man nur entscheiden, wenn man über die -Aufführung' des' Mannes"•Näheres wüßtet. Sollte er seine sehfcnutzige Ware mit" pöbelhaften Bemerkungen laut angepriesen; und die Dame direkt beleidigt haben, so wird man es1 begreifÜcK "finden müssen, daß er eine klatschende Antfwort erhielt Wenn der Händler nur schweigend sein Wochetnblättchen"feilgeboten hat, so hat die Ohrfeige sich: verirrt. Sie hatte Sann seine zahlenden Auftraggeber treffen müssen, die aber leider auch1 jetzt so andere Leute vorschicken und persönlich den Ohrfeigen fernbleiben, wie die meisten von ihnen wahrend des Krieges* den . Granaten ferngeblieben sind. " ' Antisemitische RevolVertoelden am Kurfüstendamw In -' ' BerJln. An der Ecke des' Kurfurstendamms*; und der Joachimsthaler Straße kam es zu schweren antfsemitischen Ausschreitungen. Schon seit einiger Zeit wurden dort allabendlich von v antisemitischem Gesindel Lärmszenen veranstaltet: Die Dinge spielten sich gewöhnlich so ab, daß etwa sechs bis acht Lümmels1, die offenbar für diese Tätigkeit bezahlt werden, einen Burschen begleiten, der antisemitr'- s'che Schriften verkauft. Ein Mitglied dieser Bande hielt dann eine Rede und provozierte so Auseinandersetzungen mit dem Publikum, und aus der Diskussion . wurde schon wiederholt eine Prügelei. Vor kurzem trug einer der Burschen, vor dem alten Cafe Westens; auf einer Stange ein Plakat mit. der Aufschrift: „Judengegner, leset das „Deutsche Wochenblatt!" Es' ereigneten sich; wieder ungefähr die gleichen Szenen wie an den Abenden vorher, aber diesmal wollten einige jüdische Herren dem Unfug, gegen den kein Polizist und niemand von den recht ■zahlreichen „Ordnungstruppen" einschritt,, ein Ende machen, und sie nahmen dem Flugblattverteiler seine Zettel - fort: Es! entstand - ein ^großer Krawall und. ein junger Mann wurde von Raufbolden zu Boden geschlagen und schwer mißhandelt. Als die Herren, die sich gegen den Skandal aufgelehnt hatten, darin zum Bahnhof Zoologischer Garten gehen wollten, . folgte ihnen der antisenutische Pöbel unter Bedrohungen und .Schimpfworten. Plötzlich' fielen aus1 deT antisemitischen Gruppe mehrere Revolverschüsse. Einige Personen wurden verletzt, eine.der Verwundungen scheint ziemlich' schwer zusein. Ein Herr, der dem bis dahin von keiner Polizei gestörten Auftritt beigewohnt hätte, fuhr, wie er vuns' mitteilte, in einem Auto zum Joachimsthalscihen Gymnasium, wo sich' eine mihtärische Sicherheitswache befindet. Sein, Ersuchen, man möchte ein paar Mann zum Schutze der Ordnung entsenden^ wurde mit der Begründung abgelehnt, die Sicherheitswache habe nur die im Gymnasium b'efmdlichen militärischen Utensilien zu 'bewachen. Schließlich erschienen doch nodh' Polizisten und trieben die Gruppen auseinander. Man darf wohl fragen, ob', den Sicherheitsbehörden'" nicht bekannt gewesen ist, daß seit , vielen Tagen,■+ immer - an der gleichen Stelle, solche Skandale planmäßig, von ersichtlich bezahlten Individuen; veranstaltet wurden und warum sie' es' nicht längst f% nötig gehalten haben,. Maßregeln zu ergreifen? Die Pogrome In der Ukraine. Angeblich' mehr als 30:000Todesopfer. ' Berlin, 18. August. Die ^Jüdische Rundschau", das! Organ der zionistischen Vereinigung für Deutschland veröffentlicht einen -ausführlichen ßericht,, den das1 Mitglied des jüdischnationalen -Sekretariats;der