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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-22 · 33 (22.8.1919) · p. Seite 425

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
33 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 83 I Dr. BLOCH'S W Styl erwischt wurde. Immer sind es biedere Christen, welche. Massen von Nahrungsmitteln aufkaufen und verschleppen. Unter diesen Umständen muß) man das' Verhalten der Salzbürger Landesregierung als ebenso ungesetzlich' als1 ungerecht entrüstet zurückweisen, welche einer antisemitis'chen Frauendeputation, antisemitisch geantwortet .hat Ueber den Vorfall wurde gemeldet: Eine größere Abordnung-von Frauen hat im Prä sidium der Landesregierung vorgesprochen und bittere Klage darüber geführt, daß sich durch den Fremdenverkehr im heurigen Sorntner in Stadt und Land- Salzburg die Emäh5rung's!vern;ältniss,e immer schlechter gestalten. Hieb'ei hat die Abordnung insbesondere darauf hingewiesen, daß sich' unter den Fremdem e i ii g e w a 11 i g e r P r ö z e n t s1 a t z v o n j ju! d i s c hre n Krieg s'gewinnern befindet, und hat daher das Begehren gestellt, 'daß derfür die Ernährung der einheimis'chen Bevölkerung so äußerst nachteilige Fremdenverkehr binnen drei Tagen eingestellt werde. Die Vertreter der Regierung mußten zugeben, daß das' Benehmen eines' großen Teiles1 der Fremden sehr viel zu wünschen übrig lasse und daß die vorgebrachten Beschwerden nach verschiedenen, der Lan desregieruaig auch' aus: den Länderbezirken zugekpm meinen Mitteilungen keineswegs ungerecht sind. Die Regierung habe sich' bei Zulassung des! beschränkten Fremdenverkehrs!, insbesondere von der Absicht leiten lassen, den zumeist [unterernährten, vielfach geradezu notleidenden Angehörigen des Wiener M i tt e 1 - u n d A r b1 e i t e r ■•all a n d e. s die Möglichkeit der Erholung in gesunder, frischer Alpenluft zu bieten, Was allerdings bedauerlicherweise nur einem sehr geringen Prozentsatz dieser Bevölkerungsklassen, vielmehr jedoch1. d e in v p n d e r A b o r d n u n g e r- ^ah'nteh Personen zugute gekommen sei. Der Salzbürger Landesregierung diene zur Kenntnis5, daß eine einfache Statistik der Juden sie„darüber belehren müßte, daß die weitaus1 überwiegende Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung dem kleinen Mittelstand und den arbeitenden Klassen angehört, welche von; den Preistreibern und ScMeichhandlem aller Konfessionen genau so ausgebeutet iwtirde; wie alle anderen Mitbürger, Wenn nun diese Leute aus Hunger, Lufthunger und Müdigkeit ihr Recht der Freizügigkeit auszunützen und aufs* Land fahren, wo sie von den bäuerlichen Kriegsgewinnern und Preistreibern weiter ausgenützt werden,. so hat keine Landesregierung das1 Recht, sie zu beleidigen und sich zum' Werkzeug einer gehäsisigen und unwahren Demagogie zu machen. : Was ain Verlogenheit in dieser Preßkampagne der christlichsozialen Blätter geleistet wird, zeigt folgende angebliche Zus'chrift.im' „Allg. Tiroler Anzeiger": ^ÄUenth'alben ist das. Maß der Empörung über diese Eindringlinge zum' überfließen voll. Das Herz krampft sich uns Fra'üen zusammen, wenn wir nach! zermürbender Lebensmitteljagd mit der abgenützten, halbleeren Markttasche und vollständig leerem Geldtäschlein heimeilen, um für unsere Familie, die so kostispieligen und dabei doch' kaum streichenden Mahlzeiten zu bereiten und dabei an den Gruppen gestikulierender, wohlgenährter Landfremder vorbei-, kommen, die Von weitem sch'on das Kainzeich'en der heutigen Zteit an sich! trägen; in ihren'fettglänzenden, rosi,-» gen Gesichtern, den gemästeten Gestalten, in teure Stoffe und feines Schuhwerk gekleidete - , -: .Wöhl lock-en -uns jetzt aus Schaufenstern und von Verkauf sständeri viel gute Dinge, mit denen/jrir die hungrigen Mägen daheim befriedigen könnten; aber diese leckeren Bissen sind nicht-für unö dal Sie sind im modernen Staat der ,^Preiheit, Gleichheit und BrüderHchkeit" nur für jene V^Äuserwäihlten" da, die mit ,,manikurten'V ringgej-; 8chtaaückten gierigen Händen jetzt , in unser Geschick einj-. greifen möchten. Me-eine Stunde-lang hlaben diese Männer OCHENSCHRIFT -! ~ Seite 621 s die Härten des Krieges kennen gelernt, nie haben ihre Frauen um ihre Lieben in der „sicheren Etappe" zittern müssen; nie sehen diese Frauen den sauer und ehrlich er-: worbenen Verdienst des Mannes, den Spargroschen verh gangener besserer Tage wehen Herzens durch .ihre Finger gleiten, nie müssen sie schmerzbewegt ^generationenlang» liebevoll gehüteten Familiensch'atz zum Verkaufe jfcragen, nur um das nackte Leben zu fristen I Nach! reichlicher Sättigung/ stehen diese Fremden auf der Straße beisammen, sprechen mit den Händen" und machen , sich Notizen; und in fremd anmutenden deutschen Lauten hören wir „Geschäft" um „Geschäft" abschließen. Und diese Geschäfte werden abgeschlossen über die Köpfe unserer ehirlichen, tücKtigen ein^ hleimisch'en Gewerbsr und Handelsleute hinweg, die in rastloser, redlicher und daher bedächtigerer,) aber nichtsdestoweniger erfolgreicher Vorarbeit sich müs* *hen, das hartgeprüfte Heimatland zu allmählichem, besehet, denem, aber sicherem "Wohlstand herauszuführen. Gewissen-, los werden unsere kargen Lebensmittel zu Wucherpreisen aufgekauft, während kaum ein Tröpfchen Milch für unsere Kinder und Kranken übrig bleibt. Die Zuschrift schließt: Zusammen mit unseren Männern werden wir schon noch den rechten "Weg und die Kraft finden, Heimat und Volk vor dauerndem Schaden durch diese Parasiten zu bewahren." Unter diesen Umständen werden wohl die Juden gut daran tun, die Alpenländer zu verlas'sen. Man wird wohl auch in späteren Zeiten ihr Geld auch anderswo nehmen. * * * Berichte von Reisenden, die aus Budapest gekommen sind, besagen, daß die Pogroms' in dieser Stadt doch' ärger gewesen sind, als! die' offiziellen Meldungen zugeben wollen. Unter Beihilfe und Führung Tumanis'cher Soldaten haben sich in den Straßen wilde Knüppelszenen abgespielt, die: an die Armeniergreuel erinnern und bei denen viele Leute schwer verletzt wurden. Auch aus! der Straßenbahn wurden Juden herausgezerrt und niedergeschlagen. Diese Pogrömgefahlr wurde zwar eingedämmt, s'cheint aber noch weiter zu 'bestehen, wie aus» folgendem1 Aufruf des1 ehemaligen Ministers Vaszony im Amtsblatt hervorgeht: Es ist keine Selbstüberhebung, wenn ich daran erinnere, daß ich als> Erster in Ungarn die Gefahr des* Bolschewismus! bemerkt und meine Stimme dagegen erhoben habe. Ich habe also das1 Recht zu fördern, daß man meinen Worten Gehör schenke. Gibt esi doch' niemanden in Ungarn, den die Bolschewisten mehr gehaßt hätten als mich. Es ist unzweifelhaft, daß die meisten Führer der Bolschewisten der jüdischen. Rasse entstammen, aber es ist auch' gewißf, daß diese Propheten der Hölle sich seit langer Zeit von der jüdis'chen Religion losgesagt haben, daß sie Gott verleugnen, und also in Wirklichkeit bloß ihrer Abstammung Jiachl Juden sind. Und wir müssen auch feststellen, daß die bolschewistische „jüdische Inquisition" bei ihrem Zerstörungswerk auch die Geschäfte und Fabriken der Juden nicht ges'chbnt hat. Die Herrschaft des Hasses möge in Ungarn ein Ende nehmen. Auf der ganzen Welt haben wir keinen Freund. Allesi hatt uns verlassen. Wir bluten aus tausend' Wunden, und nur brüderliche Liebe und schwere Arbeit Schulter an Schulter, können uns aus' der schrecklichen Tiefe wieder emporheben.; Vaszony sagt wohl nichts Neues1 mit seiner Feststellung, daß die Juden die Opfer der Kommunisten sind und waren und sich' aus politischen und mateh riellen Gründen mit verh'ältnisniäßig geringen Ausnahmen unter den schärfsten Feinden der Bolschewiken befinden. Es1 s'cheint aber, daß auch in Ungarn die Verbrecher aus1 der Zeit der Monarchie die Aufmerksamkeit und Verantwortung von sich1 auf die Juden ablenken wollen. * * *

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