Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 33 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 422 (sequence 2)
- Language
- German
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Seitens Dr. BLOCH« ,W< Darin beifit es: Beinern £tima nach könnte Palästina (mit Jerusalem _ iR? «ster Beine) eines der gesündesten Länder sein, hatten wir nicht die endemischen Volkskrankheiten, die Malaria und das TracÜom (einschließlieh der übrigen, vielfach «^sterblichen Augenkrankheiten). Es ist -wohl -nicht zu Tiel je*Mt, wt-'tn mau - die jähricne Morbidität an Malaria, fc. B. in Jerusalem» bei den Eingeborene», die schon in frühen Kinderjahreh verseucht werden, und bei den Eingewanderten, "sofern sie sich' nur . einige wenige; Jiahre im jUande aufhalten und nicht peinlich bemüht sind, sich vor der, Infektion zu schützen, auf 80 bis 90 Prozent verann schlagt. Mit anderen "Worten: wenigstens einmal im Jahre erkranken 80 bis 90 Prozent von ihnen; an „Fieber", bei den meisten aber wiederholen sich die Attacken;— zumal; in der Malariasaison — in Zwischenräumen von Monaten und tWochen. Jedesmal wird aber > durch* die Krankheit, die meist ungenügend behandelt—wird und ungeteilt bleibt, der Organismus geschwächt und die Arbeitskraft und EK werbsfähigkeit des Befallenen stark herabgesetzt. Die Ur^ sache dieser Plage ist; in den- Sümpfen der Ebene zu suchen, in Jerusalem wird deren Bolle durch, die offenen oder zu* - mindest nicht abgedichteten Zisternen ersetzt. Diese ste». tuenden Wasser gewähren den Stechmücken, unter denen die Anopheles als Malariaüberträgerin hauptsächlich Beachtung verdient, die denkbar basten Brutstätten. Menschen-; bände haben, diesen Zustand der Verwahrlosung geschaffen und durch, Menschenhände ist er wieder au beheben. Die ek- und epidemischen ansteckenden Augenkrankheiten, darunter in erster Linie das Trachom, das meist in früher Kindheit acquiriert wird, sind außerordentlich verbreitet, besonders unter der annen Bevölkerung (Traehbm allein unter den Juden in etwa 30 Prozent, unter den Arabern auf dem Lande wohl etwa 60 Prozent), setzen ihrerseits die Arbeitskraft und Erwerbsfähigkeit herab, füh-. ren in vielen Fällen aur Erblindung und haben ihre Wurzel in denselben unhy,gienischen Verhältnissen! wie die Malaria, den ungesunden Wohuungsverhältnissen und dem Wassermangel. Die Zisternen in Jerusalem, so sehr lue die Verbreitung der Malaria fördern, — zur Wasser« verfior'gung genügen sie absolut nicht, und Wasser ist, zumal gegen Ende des Sommers, da der aus der Bogen», «eit aufgespeicherte Vorrat zu Ende geht, ein für die ärmere Bevölkerung teurer Artikel. 3m Vergleiche zu diesen Landplagen sind die -übrigen Krankheiten, z. B. die in Europa so häufigen Kinderkrankheiten Masern, Scharlach, Diphtherie, recht selten, die Tuberkulose spielt eine untergeordnete und die Syphilis gar keine Bolle. Hingegen ist der Prozentsatz der Säuglingssterblichkeit wie des Kindbettfiebers wohl ein relativ höherer, wiederum bedingt durch die mangelhaften hygienischen Verhältnisse .Zudem setzt ja Unterernährung in den hohen und höchsten Graden die .Widerstandsfähigkeit des Körpers herab und leistet den' verschiedensten Krankheiten. Vorschub, die dann natürlich einen -schwereren Verlauf nehmen; hier ist nochmals zu den erwähnten Krankheiten die Malaria besonders zu nennen .{wenn -wir von den Augenkrankheiten absehen wollen, weil sie nicht direkt ans ILebeh gehen). Das Jewish! Health Bureau (1912 durch Nathan Strauß gegründet) hat sich im Lande eine wichtige Position erworben. Es zerfällt in drei Abteilungen, in denen, neben fortlaufender wissenschaftlicher Erfors'chung der Volks« krankheiten, praktisch' eine systematische Bekämpfung demselben angestrebt wird. IDer hygienischen Abteilung dieses Instituts gliedert sich! eine Trachomabteilung (Leiter Dr. Feigenbaum) zur Bekämpfung der. endemischen Augenkrankheiten an. Die*-, selbe organisierte, und unterhielt zum Teil vor KriegsausR bruc'i «ine systematische (Sßhul-)Bshnn-iiung df-r augenkranken Kinder an einigen Punkten des Landes (Haifa, Behöt both, Bischon-le-Zion, Artuf, Ghederah, Ekron), in Jerusalem, die tätliche Behandlung in 13 Anstalten (darunter aueft nicht jüdische). Zurizeit mußte we^geh vielr fachler Schwierigkeiten diese Tätigkeit eint. $e&o!hräiikt werden. Die Konsultationen betrugen . V-m März 1914 bis Januar 1915 B4.907 - * 1. Januar 19 IS bis 1- Januar 1916 . . 80.686 » 1. Januar 1916 bis 1. Oktober 1916 . . 87.692 Vor dem Kriege worde ein großes Trachomkran kfcuhaus geplant. Die Augenklinik iLtmstn Zion« (Leiter früher Dr. Erlanger, jetzt Dr. Ticho) wurde 1898 von einem ^frankfurter Komitee gegründet und hat seitdem eine segens,- «eiche Tätigkeit entfaltet. In der unentgeltlichen Poliklinik (Behandlung aller ohne Unterschied der Konfession) wur'r ftan vor 4e» Krieg* Medikamente unentgeltlich oder gegen JGHENSCHRIFT «>>sS / " ■- "« eine mäßige Bezahlung verabfolgt. ■ Vom 1. Juli 1912 bis 1. „Oktober suchten die Poliklinik 23.609 Patienten auf.; Dip Einzelkonsulationen betrugen . ' 1 vom 1. Juli 1912 bis 1. Juh 19J3.....o7.2ü"y .1. » 1913 > 1. » 19Ü . '. . . .107.672 > 1. » 1914 > 1. » 191& : . . . . 85.385 - > 1. > 1915 > 1. » 1916.....112.1*8 » l. ' » 1916 >1. Oktober 1918' . . . 66.659 |ür die klinische Aufnahme im Spital sind zurzeit etwa 20 Betten vorhanden, davon 5 unentgeltlich, - inklusive Beköstigung. Zur Aufnahme gelangen alle ohne Unterschied der Konfession, Juden werden bei .sonstiger Parität bevor-» fcugt. ■*. luturne gröt£;-r3 kie ne op. r. Pa ienten. Operation*» . Eitgnfie 1. Juli 1912 big 1. Juli 1913 . . 365 3fil 280 1. » 1913 » 1. » 1914 . . 446 388 771- 1. »1914 > 1. » 1915.. . 25« -415 829 1. » 1915 >■ 1. Oktober 1916 814 562 754 1.330 -1.839 2.822 ."Zu den Institutionen, die der New-Yorker Verein j,Hadassah" -gegründet hat;, gehört die Trachombehandlung in jüdischen.....Schulen. (Dr. Tic ho), di» sich auf 21 Anstalh ten erstreckt. Es werden regelmäßig dreimonatliche Gesamt^ Untersuchungen der Schulen vorgenommen, die Kranken nach ärztlicher Weisung durch ausgebildete Schwestern behandelt, .die Kranken, alle 14 Tage zwecks Kontrolle und eventueller Behandlungsänderung durch den Arzt : unteiy, sucht. Operative Eingriffe oder Spitalspflege werden nötigenfalls in der Augenklinik „Leina an Z io h* geboten. Soweit der Bericht Dr. Feigenbaums vom 29. Oktober 1916. Nach.' alledem, was1 seitdem, vor allem in dem letzten Jahre aus Palästina gemelde-t wuixle, mußten wir annehnien, daß,!vvenn auch' nicht alle Mangel in so kurzer Zeit sich? beheben lassen, so doch wenigstens1 ein;- so unentbehrlicher Faktor, wie die einzige jüdische Augenklinik in Jerusalem, nunmehr keinen Mangel leiden werde. Wir sahen' sie im Geiste in ihrer günstigen Lage bei Meab sfcheärim, Arzt und Pflegerinnen in ' Voller, ungehemmter Arbeit 1 " ' /; fiiVie arg enttäuschte uns daher der telegraphische Hilferuf, den wir vor wenigen Tagen von David Jellin erhielten: Sendet unverzüglich Geld zur Wiedereröffnung der einzigen jüdischen Augenklinik in Jerusalem, die am 1. August aus Mangel an Mitteln geschlossen werden müßtel Wieder trat das* ganze Elend der Augenkranken des! Heiligen Landes uns vor die Seele". Wir gedachten des! einen und des andern, der vom Trachom befallen, von "diesem und jenem „Apotheker" sich' Medikamente verordnen ließ, bis er eines Tages sein Augenlicht eingebüßt hatte. Wir gedachten der Schnelligkeit, mit der sich' diese tückische. Krankheit, jetzt durch die Kriegsgefangenen aus dem euro* päischen Osten in Deutschland und bei uns' auch eingeschleppt, auch' ' hierzulande verbreitet. Und gerade unter den jüdischen Einwanderern, die jetzt in Palästina zu erwarten sind, werden so viele ins! Land kommen, die auch anderer Augenleiden wegen «ärztlicher Behandlung dringend bedürfen; Da öoll jetzt die einzige jüdische Augenklinik Jerusalems ihre Pforten s'perren?! {Bereits Wahrend des Krieges hatten wir mit Untere Stützung unserer Behörden alles vorbeireitet, um von hier aus ein Ambulatorium, nach Palästina zu senden und es später zu einer Poliklinik auszubauen, Der politische Umsturz trat dazwischen.' Heute sehen why daß unser Eingreifen zur. Besserung der sanitären Verhältnisse imLande der Väter noch immer nottut: Wir hatten uns damals an einige, medizinische Autoritäten um ihr Gutachten über unseren Plan ge*