Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 33 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 421 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 33 Dr. Bloches Jahrgang XAXV1 i Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Poitiparkassenamt Deutschösterreich: 810.976 Ungarn: 5.634 Tschecho-Slowak.: 10.976 oooo Redaktion uad Administration: Wien, H/1, Praterstraße 9 . Telephon 45.359 Wien, 22. August 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, H/1. Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien Bezugspreis: Halbjährig . ... 15 Kronen Ganzjährig . . 30 Kronen Einzelexemplare 8d Heiter Anzeigen: Die zweimal gespalten» Petitzeile TO Heller Inhalt: L e i t a r t i k e 1: Die jüdische Augenklinik in Jerusalem in Not! — Vom Jahrmarkt des Lebens:. Glosgen zur Tagesgeschichte. — Der antisemitische Skandal. — Antisemitische Revolverhelden am Kurfürstendamm in Berlinl — Die Pogrome in der Ukraine. — Schlagt die Juden tot! — Polnische Greueltaten in Ostgalizien.— Wohin der Antisemitismus führt. — Ernst Häckel und der Religionsunterricht. — Korrespondenzen: ErOJShung von Kinderkriegsküchen für jüdische Kinder. — Eine antisemitische Eisenbahnerdemonstration auf dem Ballhausplatz. — Der Kultusbeamte vogelfrei? — Versammlung der tschechischen Juden in Mähr.-Ostrau. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die jüdische Augenklinik in Jerusalem in Not! :; Von Dr. Btax Grunwald. ' . t Gerade waren wir in Alt-Kairo auf einem der lehrreichsten Ausflüge in die Geschichte, insbesondere die unseres Judentums^ begriffen. Die Geniza, diese Fundgrube wertvoller Denkmäler: unseres Schrifttum's, die Spuren eines Maimonides', ja Erinnerungen an Gestalten aus unseren nationalen Anfängen, alles hielt uns in Atem1. Plötzlich wurden wir durch einen grausigen Anblick in die rauhe Wirklichkeit zurückgerisiseh. Vor uns standen Kinder, das Gesicht von Fliegen übersiät,;,den Verbreitern jener furchtbaren Landplage des1 Orients; der ägyptischen Augenkrankheit, des1 Trachom. Und diese Fliegen zu Vertreiben . verbietet ein alter mohamedaniseber Aberglaube i So istanden diese Bettelkinder vor uns, das eine auf einem Auge, das andere völlig erblindet. Auf die strahlende Schönheit rings umher fiel ein tiefer Schatten. Ausi Hern Hintergrunde dieser Szenerie aus 1001-Nacht kroch das! Elend, die physische Not des einheimischen Proletariates hervor. '* Der Gedanke an diese Kehrseite all der gleißenden, orientalischen Pracht verließ uns seitdem nicht mehr. Doch! trösteten wir uns: England, unter dessen Szepter, aus 'dem verwahrlosten Nillande wieder der „Garten Gottes"4 entstanden ist, England wird seine Bonne auch in diese Tiefen1 strahlen lassen. Zumal, seitdem wir dann Heliopolis, dieses Paradies europäischer Kulturwunder mitten im Wüstensande, gesehen, beteten wir zu dem Gotte unserer V,äter, es möchte gleiches' Geschick auch' unserem' armen Väterlande, unserem Erez Jisroel, geschehen. i _ Und nun gar, als! wir im Schmutze Jaffas wateten', alsl wir Uns durch' die abschüssigen Wihkelgänge Jerusalems drängten, selbst als wir Petachi Tikwa besuchten 1 Auf Schritt und Tritt Mütter mit augen;- krahken, wenn nicht gar erblindeten Kindern auf dem Arme, Greise, das erloschene Auge jammervoll zur Sonne erhoben, an den Häusern sich hintastend. Junge Bettler, mitleiderweckend, durch den grausigen Anblick völliger Erblindung. Dort lernten wir die Vorsicht, bei jedem1 Palästinenser, der unsere Schwelle betritt, uns! erst seiner Trachomfreiheit zu vergewissern. So verbreitet ist diese, tückische Seuchen Ganz auffallend stieg die Zahl der Augenleiden in; Palästina vor etwa 10 bis 12 Jahren. Eine plötzlich auftretende Epidemie wirkte besonders verheerend in Jerusalem. Zu vielen Hunderten hatte die Bevölkerung, groß! wie Mein, den Verlust eines1, hläufig der beiden Augen zu beklagen. Ganz erlos'ehen ist die Seuche bis! heute nicht, Jahraus, jahrein steBfe Pialästina zu der Klientel unserer Wiener Aog^ khnik ein stattliches Kontingent. Wohl hatte bereits im Jahre 1882 die englische Misisionsgesellschaf t in der heiligen Stadt eine Augenklinik errichtet. Von weither, aus Damaskus wie aus1 Gaza, pilgerten ihr Patienten zu. Da aber die Mis'sio-nsanstalten auch dort, wie überall, ihren Charakter als! Seelenfallen nicht verleugnen, werden sie, wie begreiflich1, von den jüdislchen Kranken möglichst gemieden. So mußte die Errichtung einer jüdischen Aiigenklinik in der Stadt Davids* von der gesamten Judenheit mit Freuden begrüßt werden. Ueber die sanitären Verhältnisse Jerusalems, insbesondere den. Stand der Augenkrankheiten und diese; jüdische Augenklinik, besitzen wir aus "der Feder des Herrn Dr. Arjeh Feigenbaum in Jerusalem tSinen gründlichen^ ziffernmäßig belegten Bericht, den wir ,der Güte unseres Freundes, Herrn David Jeilen, des führenden Mannes1 der Jerusalemer Gemeinde, verdanken. Diese Aufstellungen stützen sich! aül die wissenschaftlichen. (Veröffentlichungen des* Nathan Strauß'schen Gesrmdheitsamtes1, in Jerusalem und umfassen ungefähr die Jahre 1912 bis 19HS* also eine Zeit, in der mitunter gleichzeitig möiiarärztiierte Hilfe zur Stelle war. r t