Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 32 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- Seite 414 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sqite «10 Dr. BLÖCH'S WOCHENSCHRIFT Nr. 32 Slxa^ßen. Jjp Zluge wür<len J;l^kate und -Jßauncr -geirogen lait ' An^Kä^fea/' -R'ie ." ,,(^recMigkeit für die Juden.. in Osteuropa*',;,,.Mit flireni Mund sprechen ,sie Frieden, in ifaiSSäi Herzen lügen sie", „D&s irergpssene' jüdische Blut achreit zum Himmel". „Die Abl^jnnilinge pftlnischei: Juden pröte^ieren* gegen den Mord ihrer Brüder" usw. Am Dar niel-Sbnas-Meyer-Plein wurden nodhinals Beden gehalten, wönaeli sich der Zug auflöste. Die gleichlautende Resolution alfer .'Versammlungen wurde der fränkischen, englischen, amerikanischen, deutschen und japanisqhen Gesandtschaft ün Haag "übermittelt. Protesttelegramme mit dem Ersuchen um *H31fls -vrarden ferner abgeschickt an Wilson, sowie die Ministerpräsidenten ÜSitti, Clemenceau und Lloyd George. 'Die Protestkundgebungen haben auf die Bevölkerung Amsterdams und Botterdams einen überaus starken Eindruck gemacht, und. fast alle Zeitungen haben Berichte über Miß; gebnacht. 'Bei den "Versammiungon wurden übri-. gens, wie schon durch" TV-olfbureau gemeldet, übsr 70i000 Gulden zugunsten der Togromopfer gesammelt. Gherraboiner Dr. Siegln, Mayhaum, s. A. Am 31. Juli ist öherrabbiaer Dr. Siegln. Maybäum, einer der iührenden Rabbiner Deutschlands, gleich' hervorragend als Theologe, wie als Kanzelreiaer, na^^^agereni Leiden verschieden. Geboren am 29. Äpril 1844 in Mskolz -in Ungarn, besuchte er die Jesfehiwoth' in Prefibnrg und Eisenstadt, kam dann an das Rabbinersejninar in Breslau. Hach seiner Entlassung fungierte er als Rabbiner in Alfo - Kabin (18ZÖ^1$73). Dann in Saaz in Böhmen (1873—1881), worauf er eine Berufung nach! Berlin erhielt- Er zählte zu den ersten Dozenten der Lehranstalt für die -Wissenschaft des Judentums und war einer "der Gr4ijider des! Deutsdhen Mm.raerverbandes. Ein gegeborener Ungar Mitte sieh M. in die Eigenart der Berliner Gemeinde, in ihre Kreise, Gruppen, Stände, und Kasten mit inemerkenswertem Geschick schnell eingelebt, er hatte viel Sinn für die besondere Gedaafcenrichtung, Wesensart und -Färbung der einzelnen Parteiungen und wurde so tateachlich der Berater der Gemeinde, dem nian Verbauen entgegenbrachte. Durchr seine glänzende Rednergabe hat er sich in der Berliner '^üdistehen Gemeinde efiie starke Position, die min ein segensreiches Wiie^. ermöglichte, gese&affen. Seine, Predigten hatten starken Zulauf, häufig kamen junge christiiche Theologen, JV1 a y - bäum predigen zu hören. Seine Scnriften Aber die Entwicklung des altisraelitischten Priestertums! 1880, des Prophetentums 1889, haben allgemeine Anerkennung .gefunden. Ebenso mehrere Bände Predigten, ein Werk über jüdischeHomiletik-. Die "Traüerfeier fand' Montag mittag unter zahlreicher Beteiligung in - der aeuen Synagoge in der Oranienbusgeisstraße statt. Die Feier wurde durch Gesang des Synagogenolhbrs eingeleitet, worauf Rabbiner Dr. Ho chheid die Gedächtnisrede hielt. Mit einem Gesänge des 03&rkantors As*ch schloß, der Tranerakf. hn, Ans^lu& daran fend die Ueberführung der Leiche nach^dem-jßidis^hen^ Friedhofe in Weißenstee .statt, fHier sprac^teki Professor Guttm an n für die Lehranstalt,/«^...die^Wisisensdiaft. des Judentums und Bafehiner Dr.; R,os^en th:al aus Köln für den Rabbinerveiband in Deutschland. Rabbiner Doktor Vogel stein (Königsberg) rief' dem* scheidenden Lehrer tiefempföiidene Al)^lnedsgrttße nach. Nach einem Schlußgesang <wurde die Leiche in der Ehren - reihte beigesietzt. 6; : : . i! 13eknitter4in^ in O'sl^liiEi^ii; Das1 Mdistehe-Pre%iareau in -Stockholm meldet: in. X)$tga&ien, M^w^^^M /to *m üjferaiaiem ktewohkten Gebiet, .:wo .die Juden bisher im polnisch-ukrainischen. Kampfe sich neutral verhielten, haben die Polenangefangen, Jud^f zwangsweise zum Militärdienste heranzuziehen. Gegenwärtig werden die Jahrgange 189.4 und 1895 rekrutiert. Da diese Maßnahme eine Verletzung der jüdischen Neutralität bedeutet, hat die Delegation des ostgalizischen Jüdischen Nationalrates1 dagegen den schärfsten Protest erhoben. '! . :; . Einiriei^säe macW Palästina. . Die unleidliche Not, in der ein großer Teil der Juden, darunter besonders die Kriegsfluchtlinge, lebt, die Pogromverfolgungen, die sie im Osten zu erleiden haben und die Ausweisung, welche in Deutschosterreich', der Tseheeho-Slowakei und in anderen Ländern über ihren Häuptern Schwebt, so wie nicht zuletzt die uralte-Zionssehnsticht läßt den Drang vieler Juden, möglichst sofort nach Palästina zu gelangen, in alter Stärke fortbestehen. Darum ist es am Platze, aus' einer Zuschrift des Londoner zionis'tisehteni ZentralblureauS eine bezügliche maßgebende Mitteilung zur allgemeinen Kenntnis1 zu bringen: „Das1 Verbot für Boden verkauf in Palästina ist derzeit noch' in Kraft und wird wohl auch nicht aufgegeben werden, bis die Zivil Verwaltung in Palästina eingerichltet ist Derzeit steht das Recht, die Einreis'ebewülligüg zu ert'ei- 1 en, aus-schließli c h! den engli s ehen Mi-Ii-. t ärbehfö r d en z u, wie 1 cK.e große S eh wierigkeitenma elften. Sie verlangen in jedem einzelnen Falle: nicht nur den Nachweis!, daß der betreffende Einreisewerber Palästinenser ist und während des Krieges1 Palästina zu verlassengezwungen war, sondern es muß auch' ein besonders wichtiger Grund für die Rückkehr abgegeben' werden. Wenn. unser Bureau sich allzu häufig mit nicht ganz äussichtsreichen Gesuchten an die Behörde wendet, läuft es Gefahr, den Erfolg durchaus1 notwendiger und aussichtsreicher Gesuchte zu beeinträchtigen. ' Darnach Ikommt für die nächste Zeit nur die Repatriierung von Palästinensern in Betracht und steht die Bewilligung den englischen Behörden in London zu, welche Herüber mit dem dortigen zionistischen Zeritralbureau das Einvernehmen pflegen. Es1 erscheint deshalb gänzlich zwecklos', Wenn die hiesige, britische Misteion oder die englischen Vertretungen in anderen Hauptstädten überlaufen .werden, um die Bewilligung der Einreisezu erlangen. ' Selblsteedtend füht't es bei dieser Sachlage auch nicht zu dem1 erstrebten Ziele',»sich den Eintritt in Palästina zu sichtern, wenn die betreffenden Auswanderungslustigen für teures' Geld sich5 selbst oder durch1 Veimittlung fragwürdiger Agenten Pässe und Durchreistebtewilligungen . durch Italien oder andere zwis'chenliegende Länder beschaffen, vielmehr droht diesen;J£igen!wil%en die - Gefahr, daß sie, nachdem1 sie sich bis an die Grenze Palästinas durchgeschlagen haben, dort; angehalten und zwangsweise wieder zurücl^efördert wierdten. ' - . So -sind in letzter Zeit1 Fälle bekannt" geworden, daß Agenten in Wien diesen Auswanderern bei der italienisch^ bewilligungen ,,über Taranto nach Konstantinopel" verschafft- und ihren ©pfern dabei emge^det'haben, - es! würde ihnen leicht fallen, von Triest direkt nach Palästina zu fahren. 'Tatsächlich! abter; würden sie in Triest nicht auf das1 Schiff gelassen, -sondern mußten -rrr^gemäß. .der fDücchreistebewilligung -^■t.ihren Weg nach taranto nehmen, wo sie die erhoffte Ver-