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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-15 · 32 (15.8.1919) · p. Seite 410

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
32 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 410 (sequence 6)
Language
German
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Se t* 506 Dr. BLÖCH'ß WOCHENSCHRIFT Nr. 32 findet sich wieder in christlichen Händen. . Das Offiziersorgan kann sich' also wieder beruhigen. Seine Leitung könnte aber darüber nachdenken, "wie es eigentlich' zum Kommiinisimius gekommen ist. Nie wäre dieser ohne die unmenschlichen Härten des Krieges1 zum' Vorschein gekommen. Den Krieg, gemacht aber haben jene Leute, welche zugleich die Juden verfolgt haben, die Feudalen' und Klerikalen und,- wie sich jetzt herausstellt, . die hohe Generalität. Diese haben das Unglück des Volkes1 und seine Rache neraufbeschworen. Wir sind nun neugierig, ob sich1 das Blatt auch gegen diese Leute wenden wird, welche das* Volk ebenso ausgebeutet haben Wie die 'Kömmunisten, und ob; es' auch T>ei diesen einen so noblen Offizierston in seiner Kritik ent-. wickeln wird. * ' * * Die Einreisebewilligung nach Tirol ist gesperrt, worden, weil die Einreisebewilligungen nicht den richtigen Adressaten, sondern an andere Personen gegen Entgelt ausgefolgt; wurden. Die ganze Angelegenheit ist mysteriös. Denn wie kann der falsche Adressat sich' die Legitimationspapiere, des richtigen Adressaten verschaffen/ die er dochf verweisen muß? Aber ganz gewiß ist es nicht erwiesen, ja nicht einmal wahrscheinlich; daß 'die schuldigen Telegraphenbeamten und ihre Hintermänner Juden waren; Das hindert die ^Wiener Stimmen" nicht, an folgender Verleumdung unter dem' TXtel: „Eine Maßregel, die wir den Juden zvTvei- -:.. . danken hVb'en. . „Wie man 4dem „Allg. Tiroler Anzeiger". mitteilt, werden seit einiger Zeit vom Tiroler Einreiseamt nach Wien keine Einreisebewilligungen für Tirol mehr erteilt^ da in ^Wien ein jÜdis'clhes' Konsortium besteht, ^das derartige , telegraphische Bewilligungen unterschlägt, den Adressaten abschlägige Bescheide zukommen läßt, Während die Bewilligungen, wahrscheinlich um schweres Geld, an Personen ausgefolgt .werden, die diesem Konsortium genehm sind. Die neberech^mmüng Tirols mit. ö. s 11 i c h e n Individuen Samt Kindern und Kindeskindern, schreibt hiezu der „Allg. .Tiroler Anzeiger", gebietet ein sehr energisches Halt, soll unser Land nicht zu einem zweiten Palästina herabsinken. Die tirolische Bevölkerung wird es1 gewiß nur begrüßen, Wenn die geplante Ausweisung aller Fremden mit 1. September in die Tat umgesetzt wird. ' ..„Nun haben wirs!. In einer Zeit, da Tausende von Wienern ihren Urlaub' antretenkönnten, um ihn im schönen ilrolerland zuzubringen, wird die Einreise nach' Tirol gesperrt, weil sich das Land auf eine andere Art vor dem Zustrom der Juden nicht mehr schützen kann, und weil die Bewilligungen, die bisher von der tirolischen Landesregie-, rung telegraphisch' den Wiener Gesüch'stellern übermittelt wurden, diese gar nicht erreichten, sondern von einer n i e d e r t r ä c h ti g e n S i p p e unterschlagen und an Mitglieder des' auserwäh'lten Volkes verschachert wurden/' So wird nach' wie vor auch' im Freiheitsstaat, die Methode befolgt, bei jeder Gelegenheit die Juden in Bausch und Bogen anzugreifen, ohne einen "Schuldigen zu nennen, — weil es1 keinen gibt und man keinen nennen kann. Das' ist christüchsoziale Moral. * * * ■ Eine scharfe Resolution gegen die antisemitische Hetze nahm der Kongreß der Vertrauensleute der Lazarettinsässen Deutschlands in einer Tagung an: „Die Lazarettnsäissen Deutschlands nehmen mit Entrüstungf Kenntnis von den Versuchen der r^ktionären Parteien, die Schuld arn Kriege und seinem; Ausgangs den Juden aufzubürden; die Lazarettinsassen stellen fest, daß die jüdischen Kameraden im Felde ihre volle Schuldigkeit getan haben, und sie erklären, daß' die jüdischen Aerzte und Krankenpflegerinnen .an Sachkenntnis', Aufopferung und Menschlichkeit? in keiner .Weise von ihren . christlichen Kollegen . und Pflegepersonal überboten Worden sind. Die Lazarettinsassen erwarten, daß 'die deutsche Bevölkerung der immer unverhüllter zutage tretenden -Pogromhetze den schärfsten Widerstand entgegensetzt. Für die Lazarettinsässen gibt es1 keine konfessionellen Unterschiede, für sie ist oberstes Gesetz Pflichterfüllung." Es! ist wohltuend, nach den zahlreichen Hetzaufrufen nülitäris'cher Seite äu<&r-eine Stimme 'der -Einsiehst aus1 diesenj Kreisen zu hioren. : - AntisemitiscWe Umtrjefce auf den Budapesier HocihlsieWufeii. Budapest, 11. August, Die antisemitische Bewegung, die söförfc nach!' 3em?;Sturz'-'d3r.;Rafedifctaiar-'eincesetzt hat. ist noch' immer nicht abgeflaut. Die Bewegung, die mit der gewalttätigen Entfernung der Juden aus den Ministerien und hauptstädtischen Aemtern begonnen hat, sich dann auf die' Hochschulen verpflanzte, zur Insultierung der jüdischen Hörer und Professoren führte, um sich' schließlich in argen Straßenexzessen, in häufigen Ueberfällen wehrloser Juden auf den Straßen Luft zu machen, dauert noch immer an. Allerdings! sind die antisemitischen Hetzer von der Straße verschwunden, da ihr Treiben auf 'der Straße unmöglich gemacht Wurde. Sie setzen nun ihre Tätigkeit an den Hochschulen und in ■ den Aemtern um so eifriger fort; so sah1 sich der Rektor der Technischen Hochschule gezwungen, zu verkünden, daß, Wenn die Ruhte und Ordnung an der Hochschule nicht hergestellt werden könne, er die Vorlesungen bis auf weiteres sisüeren müsse.. Hierauf be^ab sich ein aus' 24 Mitgliedern bestehtendes. Komitee 'zum Rektor, erklärteihm die Aufrechterhaltung der Ordnung zu garantieren, wenn die Juden die Vorlesungen nicht w'eiter besuchen. Der Rektorging hierauf ein und forderte die jüdischen «Hörer, etwa "60 Prozent aller Hörer, auf, den Vorlesungen einstweilen fernzubleiben. Hierauf beschlossen nun auch die jüdischen Professoren dieser Hochschule, keine Vorlesun-. gen abzuhalten. Dieselben Entschlüsse faßten tiie jüdischen Professoren an der medizinischen Fakultät, die von ihren chTsitlichen Hörern besehimpft Avurden. Die Alliierten Stoffen Polen'für 25 Jähre'besetzen. Der „Goiniec Krak:owski" bringt die sensationelle Meldung, daß in den Kreisen der Alliierten das' Gerücht verbreitet sei, Wonach' die Alliierten in Polen für die Dauer von 25 Jahren die Administration übernehmen wollen, weil in Polen Unordnung herrsche und jede einzelne Provinz auf eigene Faust Politik: betreibe. Es'-ist charakteristisch, zu bemerken, daß, während "die polnische Presse beim Vertrage über den Schutz der Minoritäten über Mißächtung der polnischen Souveränität Jammerklagen ausstieß, sie dieses "Gerücht, das1 zweifellos die Souveränität Polens' in wteit höherem' Maße betrifft, ruhig hinnimmt und die verschiedenen Zeitungen klarzumachen versuchen^ wie gut und nutzlich eine Administration durch die Alliierten für einen großen Teil der Verwaltung sein würde.

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