Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 32 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- Seite 409 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022380--27878-3053320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 32 Jh. BL'OCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 505 heber fles Terrors, die Blutrichter und 'Großdiebe, sich sunt größten Teile bereits in Sicherheit gebracht haben. Pogrom und Plünderungen sind (keine Sühne für das, was eine gewissenlose Horde Ungarn angetan hat. Es wird vielmehr, bald auch' in Ungarn das ordentliche: Gericht erstehen, das die wirklichen Schuldigen zur Verantwortung ziehen wird, -wo immer sie sich' jetzt' Verkriechen, und das dem Verletzten -Kechtsemjpfinden des Volkes Genüge leisten wird.'* 'I i! .1 l*i mmi Man muß zugeben, daß in diesem Artikel versuch!t Wird, sich auf den Boden der Gerechtigkeit zu stellen, "wenn auch1 natürlich die antisemitische Färbung nicht fehlt. Wiederum' 'wird hervorgehoben, daß der ganze .BoMiheWismus' eine judis'che Bewegung ist, obwohl dbchf die jüdischen Fiührer gar nichts1 machen könnten^ Wenn die Mästete der Bevölkerung incht von dem' kommunistischen Gedanken beseelt wäre.. Auch' darf keineswegs verschwiegen werden, ohne die Bols'cheWisten entschuldigen zu wollen, daß sich' die Worte „gerade jüdische Führer das' Land in unsägliches Elend gestürzt haben, blutgierig und eigensüchtig waren", auch auf jene Leute übersetzen ließen, Welche durch Anstiftung des Krieges1 das' Land in. un'slagliches* Elend gestürzt haben, durch' iEre gewinnsüchtige Aufforderung' zum1 Durchhalten und ihte reichen Profite blutgierig und1 eigensüchtig Waren. Diese Leute sind nun die feudalen Führer der christ-' lichsbzialen Partei, die tausendmal größeres Unheil angerichtet haben als! jede aridere Gruppe. Auch muß zurückgewiesienWerden, daß7die jüdische Intelligenz die Kommunisten unterstützt hat. Es M notorisch, daß das' Gegenteil der Fall war. Aber davon, abgesehen, ist die Bekehrung des ch^itlichsozialen Blattes zur Ablehnung der Pöb'elin&tinkte anerkennenswert und, ein Zeichen der Einsicht. Es ist den Redakteuren klar geworden, daß der, ^Gewalttätigkeit; .gegen v Juden wieder nur. Gewalttätigkeitentsteht, die sich schließlich! gegen alle richtet. Die Lehrmeister der fussis'chen Bolschewisten waren doch' nur die s'chWarzen Hundertschaften, welche im Ghfetto unmenschlich! gegen die Juden tobten. Äüch'Merin Deutstehösteiieich hat ursprünglich! die antisemitische Hetze die Menge solange angetrieben. Recht und Gesetz zu übertreten, bis sie schließlich den Zweck ih'reT Erziehung erreicht hat.. Nur daß die .über den' Damm' de'sf Gesetzes hinübergetretene Flut sich1 Schließlich auch über das ganze Gelände ausbreitete und auchr Pfarrhöfe und Klöster bedrohe. Von den Geistern, Welche sie früher selbst gegen die Juden gerufen Bat,' WUTde auch! die „Reichs!- post" wiederholt umzingelt. Es ist ihr daher klar geworden, daß Hoch' nur die Gesetzlichkeit das Beste für sie selbst und ihre eigene Partei ist, Weil man niemals Wissen kann, gegen wen und Wohin sich' die Gewalttätigkeit Schließlich richtet. Daher der Artikel, der gleich durch' seinen Ton und Inhalt großes Aufsehen hervorgerufen hat. Doch Wie will die „Reichs'post" in ihrem' neuen Geist leben, wenn sie nicht aufhört, die Juden in ihrer Gemeinsamkeit zu beschuldigen, da sie doch' selbst ausspricht, Wieviel Unschuldige unter ihnen leben? Und warum' predigt sie der Oeffentlichkeit aber nicht ihrem' eigenen Abendblatt?' Wir haben in der letzten Ausgabe unseres Blattes einen Auszug aus einer einzigen Nummer der „Wiener Stimmen" veröffentlicht und jedermann konnte sich davon überzeugen, daß dieses Pogromblatt; ganz im! blutrünstigen und hetzerischen Styl jener antisemitischen Druckschriften anläßlich' der Wahlen in die Nationalversammlung gehalten ist, welche die Gefahr eines Pogromes in bedrohliche Nähe brachten. In Verleumdungen, Paus'chalanklagen, hetzerischen Bildern und Publikationen können die „Wiener Stimmen** wahrlich' von niemandem überboten werden. Sie sind nun das Abendblatt der gleichen Zeitung, Welche am Morgen gegen Pogrome auftritt. Wie man Bort, ist dieser Umstand durch1 die Tatsache zu erklären, daß "die „Reichsfpost" und ihr Abendblatt verschiedene Redaktionen haben. Hoffentlich wird die gemäßigte Redaktion siegen Und Wir werden von der ewigen Gefahr von Unruhen befreit Werden, die Wurzel und Ursprung in der antisemitischen Hetze zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden haben. * * * Jetzt ist es auchr einem Kinde klar, Woher die plötzlicbfe Besichützerrolle der „Reichspost" für Ungarn gekommen ist. Diese Zeitung, Welche so eifrig, für die Austreibung der Galizianer eintrat, hat eine Menge Lanzen für die Ungarn gebrochen. Einige Tage nach' dem Erscheinen dieses Artikels* kam Josef von Habshurg auf 'die ersten Stufen des ungarischen Thrones1. Die Wiener Christlichsozialen erwiesen dieser Macht natürlichvon vornherein eine Freundlichkeit und fahren jetzt in dieser Methode fort. So ist man jetzt entrüstet darüber, daß die neue ungarische Regierung von (der Wiener Pres'se heftig angegriffen wird. Denn unter dem geregelten neuen Rechne werde Ungarn imstande sein, das hungernde Deutschösterreich] mit Nahrungsmitteln zu versehen. Darauf ist nur kurz zu bemerken, daß das* „ordentlich1", das heißt von den Feudalen und Agrariern regierte Ungarn Während des Krieges auch keine Nahrungsmittel lieferte und' dadurch Wesentlich zum Zusammenbruch beitrug. Wenn aber die christlich- Sbziale Pres'se Wünscht,. daß wir mehr Nahrungsmittel erhalten. So braucht sie nur ihre Gefolgschaft, nämlich! die ch'ristlichsozialen Bauern zur Einhaltung ihrer gesetzlichen LieferungSniliChten aufzufordern. Denn diese Bauern, welche sich' wahrlich! nicht über geringen Gewinn zu beklagen haben, verhöhnen bekanntlich' den Wiener Hunger. * * * Als ein Zeichen dafür, Welchen nobeln Tones, welcher Wahrheitsliebe und welches edlen Geschmacks sich unsere einheimischen Offiziersblätter befleißen, Wollen wir folgenden Artikel der-„Mlifärsbzialen Rundschau" veröffentlichen, ohne diesem blitzenden Geistesprodukt der „Erzieher des Volkes* in Waffen", auch' nur ein Wort wegzunehmen. Der Artikel lautet: „Untrügliche Kennzeichnen. In der Nähe des Budapester Hotels Hungaria, einer der Hochburgen der 8e(mitd-magyarischen Diktatoren, sprach jüngst ein „Bour-. geois" vom' Lande einen Jüngling an, der stolz erhobenen Hauptes, dem' besagten. Hotel, dem Born aller irdischen Segnungen, entgegenschritt. Der Provinzler faßte sich ein Herz, trat mit dem internationalen Proletariergru& auf den. feinen Herrn zu und sprach: .^atschuldigen Sie, Herr Volksheauftragter, können Sie mir sagen, wo hier in der Nähe der Sitz der Bäteregierung ist?" Ja, sagte der feine Mann und 'wies auf Was Hotel hin, doch er war auch neun gierig und fragte den vermeintlichen Genossen, woher er denn auch -wisse, daß er „Volksbeauftragter'' sei. Der war nun seiner Sache sicher und sprach mit erhobener Stimme: „Ihre eigentümliche" Nasenform, dann die noch .an ider Oberlippe Vorhandene „N-ässe-", wie ihre .„selbstbewußte" Haltung ließen mir keinen Zweifelt« — Der Begierungsmann tat unwillkürlich einen raschen Griff zur rückwärtigen Hosentaschte, etwas ähnliches tat darauf der andere und Wortlos gingen beide auseinander. — GleichwSje die zutreffende „Personsbeschreibung" ein untrügliches Kennzeichen der noch gegenwärtigen Sachlage ist, ebenso untrüglich ist der bezeichnende Ausgang dieser kleinen, aber;,,wahren" Episode, als Vorzeichen der jetzt rasch reifejiden Erlösung des gelobten Landes*." Seit dieser Zeit ist die ungarische Regierung wirklich1 gestürzt und das gelohte Land Ungarn he-