Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-15 · 32 (15.8.1919) · p. Seite 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
32 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022380--27877-3053319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 604 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT keine derartige 2Jwangsaktion.illusorisch: gemacht werden, kann. Von der plötzlich' mit labermiichtiger Gewalt alle Empfindungen und Impulse. beherrschenden heißen Liehe zu Heimatsstaat und Heimatsvolk hei Ausbruch des Weltkrieges auch hei den selbst hievon aufs! stärkste überraschten zionistischen Führern gibt es1 manche unwiderlegliche Zeugnisse. Und ein historisches Beispiel für dieses merkwürdige Doppelphä-' aomen der vollen Opferfähigkeit für denv eigenen Stamm und für dasi Volk, dem man nach Sprache und Gei&tesart angehört, sind die spanischen Juden. Ein wirkhehes' gefuMsmäßiges Verwachsen mit dem Lande, in dem seit vielen Jahrhunderten die Grabsteine der Väter stehen, ist ja auch selbstverständlich." (S. 95.) „So aber ist eben die Bezeichnung desjenigen Sprach- und Kulturkreises, in dem man steht, das einzig mögliche und wahre nationale Bekenntnis1. So paradox es' zunächst klingen mag, die Pflege der spezifisch! jüdischen Interessen ist damit gut vereinbar. Denn die ganz verschiedenen Angelegenheiten, um die es sichr hier handelt, sind ohne irgendwelche Schwierigkeiten trennbar." (S. 93.) „Die poUtische! Zusammenfassung der Juden auf dem Wege ihrer Registrierung als-eigene Nation soll ferner dem Zweck dienen/ sie vor dem Verlust ihrer Eigenart zu schützen und das Judentum dadurch' vor der Auflösung zu bewahren. Sie ist aber ein dazu untaugliches1 Mittel. Pötenzierteste nationale Gesinnung hat eine ganze Anzahl von Führern des Zionismus nicht an der Mischehe hindern können. M i s' c hie h e ai u n d R a s s e n k r e u z u n g si n d a b e r eiai viel erns'terer Gegner für die Kontinuität des Judentums als ein fremdnatioaaj&s1 .B-e-k^äa-i-ttis."...-(S.\87.)<■■. Die ganze Fülle des* Tatsachenmaterials, das dieses gedankenreiche Buch enthalt, können wir nur in kurzen Andeutungen wiedergeben. Freunde und Gegner seiner Anschä,uungi twerden hier reichlich Belehrung schöpfen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Bela Kun und Genossen sind aus1 Ungarn geflüchtet und haben ihre Herrschaft an andere abgegeben. Niemand freut sich so darüber wie die Juden, die reichen, sowohl, gegen deren Treiben wir wiederholt Stellung genommen haben, wie die des» Mittelstandes und die armen Leute in Budapest, die von der Räteregierung ebenso wie die Schicksalsgenossen aller Konfessionen, entsetzlich gequält wurden. Aber auch alle anderen Juden, welche nicht unter der Herrschaft Bela Kuns gestanden sind, freuen jsich! über seinen Sturz und nicht aus'ltapitalistisehen Interessen. Denn es1 ist schon das Schicksal der Juden, daß sie . fiir die Verirrungen jedes einzelnen von ihnen die Verantwortung tragen müssen. Eine solche Verirrung, zum größten Teil ein Verbrechen, war nun nach allen Begriffen der menschliehen Gesellschaft der praktische Koinmujnisknus in der Form des' bewaffneten Bolschewismus. Die Idee, einen Ausgleich: zu schaffen zwisfchen dem bitteren Unrecht, das der Masse in diesem Kriege zugefügt twurde und den Kriegsgewinnern muß unbedingt auf gesetzlichem Wege dur^efuhrt werden mit vollster Schonung des Menschenlebens und des redlich erworbenen Eigentums'. Ein Weltverbesserer darf doch upmöghch: die Methoden nachmachen, die er selbst verflucht, die Gewalttätigkeit gegen, ganze Schichten der Bevölkerung, die Plünderung: und die Bedrohung. Aber welche Bewegung immer auftaucht, dürfen an ihrer Spitze keine Juden stehen, denn sonst ist sie nicht mehr durchzuführen, früher oder später stößt sie Wegen der Personenfrage auf den Antisemitismus und muß scheitern. . Um wieviel mehr, der Bolschewismus,, der als1 eine Zusammenfassung, von Irrsinn und Verbrechen den Zorn weiter. Kreise gegen sich heraufbeschwört. Aber, wie schon gesagt, wäre es1, auch Irrsinn und Verbrechen, die Verfolgung der Kommunisten auf alle Juden auszudehnen, welche selber die Opfer* und Feinde des Bolschewismus gewesen sind und nun doch für diesen, büßen sollten, Die Tagespresse, die doch) so häufig „jüdische Presse4' genannt wird, hat doch den Bolschewismus mit aller Macht bekämpft und wurde denn auch von diesem in seinem Machtbereich eingestellt. Die jüdischen Großkapitalisten haben sich sogar aus1 Furcht vor dem bolschewistischen System an die bürgerlichen Antisemiten geklammert. Darf man also sagen, daß die Juden Freunde des! Bolschewismus' waren?- Diese Bewegung, bat jüdische Führer gehabt; an diese halte man sich persönlich^, wenn man gesetzliche Handhaben hat, alle anderen Juden aber lehnen jede Verantwortung entschieden ab. , Trotzdem Wurde der Versuch gemacht, die Juden in Budapest die konmiunistisdhfen. Siüuden büßen zu lassen und einige ^örperscbaften zeigten gute, Lusjt, Pogrome anzustiften. Man kann aus1 der. Entfernung natürlich nicht wissen, warum.' diese Versuche wieder eingestellt wurden, ob ,die eingerückten Rumänen als1 Beschützer der Juden aufgetreten sind, ob die Entente energisch abgewinkt hat,, ob die Bürgerschaft selbst von.' Gewalttätigkeiten genug -hat, oder ob die neue Regierung klug genug, war einzusehen, daß sie bei neuen Unruhen selbst in großer Gefahr Schwebe. Die Situation hat jedenfalls schön sehr bedrohlich ausgesehen, denn jeder Jude auf den Straßen -wurde mißhandelt. Angesichts dieser Meldungen fand sich das Blatt der Wiener Christiichsözialen, die „Reichspost" , zu einem Artikel veranlaßt, dem wir folgende, höchst bemerkenswerten Stellen entnehmen: „In Budapest .-wie .im! übrigen Ungarn sind Bächer Mater, den flüchtigen Bolschewiken her und, die Volksstima mung wandte sich!, wie zu befürchten war* in nächster Folge gegen die Juden. Zwar ist es vorläufig noch eine Uebertreibung Von Pogromen in Budapest zu sprechen, weil einige bolschewistische jüdische Studenten überfallen worden sind. Aber ebenso falsch! jst es zu behaupten, daß diese Bewegung; gegen die Juden .vonaußen her ins Volk hineingetragen werde. Dazu braucht es keiner Szev gediner, Begierungsagenten. Die Ausschreitungen in Budapest haben Vielmehr, sehr leicht ..erklärliche innere Ursachen. Jedermann in Ungarn wußte, daß die Mehrzahl der Bot; schjewikenführer, die das Land in dieses unsägliche Elend gestürzt haben, Juden waren> daß gerade jüdische Führer idie blutgierigsten und eigensüchtigsten waren und daß gerade die jüdische Intelligenz den . furchtbaren Terror der Bolr« ech&wäken eifrig unterstützte. Aul Gruad dieser T a s.ach'e haben schbn vor» vielen Wochen jüdirf sehe Blätter die Juden g ewarnt, sich' an den Exzessen der. -Kotomuiiisten zu beteiligen, weil dann die Juden ..im!allgemeinen: dafüri verantwortlich! gemacht würden. Es war daher unschwer, vorauszusehen, iwelche Rückwirkung ' diese; Tatsachen auf das Volk haben würden, sobald der Terror, gebrochen. Aus unseren Berich-, ten geht überdies hervor, daß sich an diesen Aüsschreifi tungeh derselbe Ppbel'beteiligt, der unter der Kun-iEerrachaf t' kommunistisch plünderte . und jetzt Pogrome veranstaltet. - Unser, Empfinden. wendet sich entsdhie;-. d e n gegen" j e d e L yu>n c h! j u s. t iz, da sie, blind - ohne Anhören des Beschuldigtecn' das >. Urteil fällt.. Die Ausschrei-, fcungen in Budapest sind aber, um1 so mehr zu bedauern) als dadurch! Schuldige ujid - Unschuldige wahllos betroffen werden, ja gewiß in der/ Mehrzahl Unschuldige, da die Urh

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.