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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-15 · 32 (15.8.1919) · p. Seite 407

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
32 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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Nr. Dr. BLOCH S WOCHENSCHRIFT Seite £>Oä des* Nationaljudentums, wie Geschichte und Analyse den-geistig^en, b^ziehtmgsweise seeKscihen Grundgehalt dieses ■nationalen- Sonder-Ich uns aufzeigen. Deshalb erstrebt die Partei [überall, in Berlin, in Frag, Wien, Budapest, Agram, genau so wie in Wima, Lemberg uM'Kiew die; Konstituierung als eigene-Nationalität zum Zwecke der beabsichtigten Orientierung des Lehens der Juden und* der Errichtung eigener nationaler Schulen daselbst. Man lübersieht dabei, daß mit einem Nominalismusnoch, keine Realität eingeführt isty daß! ein Schema noch nicht wirkliches Lebenbedeutet, daßi die Anwendung der "Nationalitätenschablone hier die S t rec ku ng auf P r ok r u s t e s b e 11 b exle uJt e n würde. Aus krampfhafter Verzerrungaber kann nicht Gesundheit erstehen. Wirkliches Eigenleben entstellt nur aus wirklicher Sprach- und Kulturgemeinschaft. Hier in unseren ' Ländern kann eine solche nur durch Wiedereinführung-der aussehheßhch-eigenen Verkehrsgemeinschaft; beziehungsweise durch durchgreifende .Verkehrssonderung entstehen. Gegen diese unsichtbaren Ghettomauem aber, selbst Wenn die aller theoretischen- Begiimdbatkeit widerstrebende Konstituierung als Sondernation keine Rechtsbeschränkungen sanktionieren würde, müssen wir uns noch in letzter Stunde mit aller Macht stellen. Heute ein Kollektivbekenn tnis der gesamten Judenheit zur jüdischen Nation als zu einer bereits jetzt und hier vorhandenen Realität herbeiführen zu wollen, dieser Gedanke ist theoretisch- und praktisch unsinnig und töricht." (S. 80/81,) „Diejenigen, die diesen Standpunkt vertreten, übersehen, daß gerade eine solche Neuorganisierung sehr fragliche Vorteile böte, und zwar aus folgenden Gründen: Der Standpunkt der Partei ist bezüglich des! -dabei einzuhaltenden Modus procedendi nicht einheitlich. In den meisten östlichen Ländern ist ein Zwangskataster geplant. Alle bisher als Religionsijuden immatrikulierten Personen sollen nolens volens von nun an als zur Nationsgemeinschaft gehörig regislaäert werden; man schreckt also hier vor einer derartig reaktionären' Maßnahme, wie es* die etwaige Vergewaltigung der innersten Ueberzeugung der einzelnen^ Personen wäre> nicht zurück." „Den gegebenen Verhältnissen entsprechend; wo bei der bloßen Diskussion dieser Frage die Taufziffern Schon mächtig ist nicht daran zu zweifeln, daßf im' Falle der Verwirkh^ihung zumindest eine die ganze Judenheit durchsetzende Spaltung eintreten wird; daßj aber wahrscheinlich sogar ein Massenexodus aus1 dem Judentum dieÄmausweichiliche Folge einer solchen Errungenschaft wäre. Denn sehr viele werden> auchH ohne wirklieb von ihrem Gewissen dazu gedrängt zu sein, die Gelegenheit benützen, mit einer sehr glaubhaften Begründung auf den Lippen in aller Stille zu verschwinden und im geheimen oder auchV lfaut über diese Erlösung von ihrem Judentum sich' zuerfreuen. Persönlich mag dieses Verhalten wie rnrmer gewettet werden, vom Standpunkt des Judentums aus betrachtet stellt es natürlich eine außerordentliche Bedeutungsmindera% desselben dar." (S. 85/86.> „Ohne Anlegung von Natibnalkätastern aber -wäre dm^nationale Bekenntnis auch; formal sinnlos'. "''ABto;'diessieä.'. Gründen gegenüber müssen wir immer wieder fragen: hat das Bekenntnis zur jüdischen. Nation £ür den Sta.at einen Sinn? Wiederholen' wir, welches» die Gegenstände sind; bezüglich deröfder-Staat sich1 für die Nationalität; seiner Ein- ^o|Eiiigrinteressiert. Er wän§c!Sct^2U; jiiäBBeni ob <*\a in Ausübung ihtes Selbstbestiminungsrechtes aus freien Stücken seine Herrschaft anerkennen; er wünscht, zu wissen, in welcher Sprache er die Bildungsstätten am Orte ihres Wohnsitzes für sie errichten soll, in welcher Sprache die Aemter mit ihnen verkehren sollen. Ins Reälpraktische übersetzt, lautet also, wenn die Frage der Herrschaftsanerkennung ausscheidet, die Frage an den Bürger folgendermaßen: „Zu welchem Sprach- und Kulturkreis bekennst du dich?" Nach' dieser Richtung ist aber zumindest für jeden Westjuden die Antwort von selbst gegeben." (S. '91/92.) „Keinem der engliscben oder amerikanischen Zionisten wird aber der Gedanke kommen, daßi die jüdische Nationalität in der politischen Konstruktion ihrer Lander als öffentlich-rechtlich fungierende juristische Person mit staatlichen Hoheitsrechten konstituiert werden solle, mit nationaler Sonderung vom' Staatsvolk." (S. 55.) . . „Was also ist dieses verbindende Element in Wirküchkeit? — Die gemeinsame jüdische Abstammung. Ob die Fachmänner an eine jüdische Rasse glauben, die bis auf die Zeiten Esras oder an eine Solche, die bis auf Abraham zurückgeht, oder ob fedie Identität derselben mit der Judenheit der ritike überhaupt ablelmen, die Tatsache, daß» für die überblickhare Reibe von Generationen mit ganz verschwindenden Ausnahmen die rein jüdische Abstammung außer allem Zweifel steht, ist heute ein Faktum, das jenseits jeder Diskussion liegte Die Tatsache der Abstammung von jüdischen Eltern und jüdischen Ahnen, die volkliche Gemeinsamkeit des Blutes; auf die Vergangenheit bezogen: — das wirksame, große Erlebnis derselben Religion und derselben GescMchte; auf: die Zukunft bezogen; — der virtuell gemeinsame Besitz aller jener Volksbeanlagungen, welche von der wissenschaftlichen Kritik heute mit der Rasse verknüpft werden; alles dasjenige, woran, wir durch] unsere Geburt gebunden sind, die unumstößliche Gewißheit also der ethnischen Zusammengehörigkeit ist dasjenige, was unter allen Umständen von den Juden jedes Landes gesagt werden kann und — sofern die eigenen theoretischen Ansichten des Verfassers richtigsind — von den Juden der ganzen Welt überhaupt." (S. 78:) „Darnach! ist es nicht fraglich, wie das Bekenntnis der Juden wahrheitsgetreu erfolgen müßte. Wir haben unter solchen Gesichtspunkten nicht das Recht, das Bekenntnis eines Juden zur deutschen, zur ungarischen oder zur englischen Nation unter moralische Strafsanktion zu stellen. Volle Konsequenz des? supponierten Gedankensystems unserer Nationalisten wäre es ja auch, sich als Untertanen des palästinensischen Staates zu erklären und nicht, sich mit einem intransigent gebärdenden Radikalismus hierzulande zu begnügen." (S. 92.) „Es dürfte sich jedoch1 aus der Revision aller der Gedankengänge, die in der Ideenwelt des jüdischen Nationalismus heute bestimmend mitwirken, ergeben haben; daß der Begriff der „Ethnischen Einheit", des „jüdischen Stammes" für unsere Frage bis in den letzten Winkel aller ihrer Komplikationen der allein geeignete ist, daß wir ] edoch kein Recht haben, mit dem Begriff der Nationalität in der bisherigen Weise zu operieren." (S. 164.) „Ein derartig gegliedertes Bekenntnis ist kein nationales Amphibientum, sondern ein Ausdruck der Tatsäehliehkeitv Wie auch die wirkliche Liebe der Juden zu dem Volk; in dem sie wohnen, durch

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