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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-08 · 31 (8.8.1919) · p. Seite 397

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
31 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 397 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 81 Dr. BLOCH« WOCHENSCHRIFT Seite 49a Juden zahlen zu können, welche mit uns für die Ideale des Ordens kämpfen und mit offenen Herzen und offenen Händen bereit sind, alles Gute und Edle zu fördern. Ich will Verwahrung einlegen dagegen, daß. Fehler einzelner allen zur Last gelegt werden; es wäre krasseste Undankbarkeit, *zu vergessen, daß Tausende und aber Tausende unserer jüdischen Mitbürger voll Begeisterung ihr Leben für des Vaterlandes Recht und Ehre in die Schanze schlugen und des Volkes Unglück nicht weniger tief empfinden als alle übrigen; ich! will warnen vor dem Beginnen, jetzt Uneinigkeit in unser Volk zu, tragen, jetzt, da wir nichts notwendiger brauchen, als einig und treu zusammenzustehen in der höchsten Not, die unser Volk getroffen hat. Solange wir unter uns uneins sind; solange dürfen wir nicht hoffen, daß wir uns wieder erheben werden aus dem, furchtbaren Unglück; das auf uns lastet und uns zu Boden drückt. Heute heißt es mehr als je: Ohne Unterschied des Glaubens, des Standes -und der Bildung müssen alle, die es gut mit dem Vaterlande meinen, in Treue festhalten an dem "Wort: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. "Was schlecht und gemein ist, müssen wir bekämpfen, komme es, woher es will. Und wer seine Pflicht gegen "das Vaterland nicht erfüllt, den treffe die allgemeine Verachtung, er sei Christ oder Jude. Von unserer Jugend aber bleibe vor allem das Gift der Verhetzung lern. Unsere Jugend bleibe unsere Hoffnung auf eine "Wiedergeburt unseres Volkes, auf Gesundung und Wiedererstarkung unseres Vaterlandes. Dampferverbindung Amerika—Palästina. . Das Kopenhagener Zionistische Bureau meldet: Laut einer Mitteilung - der amerikams'chea Zionistischen Organisation h!at die CunaTd-Linie bekanntgemacht, daß sie einen regelmäßigen Dampferverkehr zVeisblhten Amerika und' der Levante, mshesondere Aegypten : und' Palästina, einzurichten beabsichtigt. Solange die unsicheren Handelsverh'ältnisse noch' andauern, Verden die Schiffe der Gunard-Linie Palästina (Jaffa) allerdings nur anlaufen, .wenn sie 2000 Tonnen Fracht für Palästtina mitführen. Die Cuinard-Linie erklärt, daß! sie den voraussichtlichen Exporteuren die günstigsten Bedingungen gewähren wird, um1 am Aufbau des1 Handels in dem neuen Lande teilzunehmen. Auf den Gräblern der Hasimonäer;. Die Gräber der Hasmonäer hegen in der Nähe von Modiim auf dem Berge, den die Araber „Churbat. Haam" (Die Ruine eines Volkes)) nennen. Auf diesem Berge befindet sich1 die Gruft „der drei jü'dis'chen Sultane", 'wie es1 im' Vblksimunde heißj;. Drei kleine Stufen fuhren in einen kellerartigen Raum, auf dessen Boden ein dreieckiger Stein ruht. An jedem dieser Dreiecke befindet sich ein Grab. Um diese Gruft beraum befinden sich5 noch1 mehrere Gräber, die gleichfalls1 den Hasmonäern zugeschrieben werden. In einem dieser Gräber sah der Erzähler verschiedene Glas- und öThächerben, lüber Welche der arabische Fführer die Legende erzählte, daßj früher sehr viele zu diesen Gräbern gewandert seien und dort inbrünstige Gebete verrichteten. Die Betenden brachte brünstige Gebete verrichteten. Die Retenden brachten kleine Krjügleüi mit sich, in welchen sie die bei dem Gebete vergossenen Tränen sammelten und sie dann in das' Gras' warfen. Neben den Gräbern springt ein silberklarer Quell aus' dem Boden. Dies1 scheint eine Anspielung auf die Oelknüglein. zu sein- Heute werden die Gräber der Hasmonäer nur. von fremden Touristen aufgesucht, und auch1 diese unterziehen sich nur selten der großien Mühe, mit welcher die Ekletterung des1 Berges', auf welchem diese Gräber liegen, verbunden ist. _ Der effenbeinerne Palast de* Königs AfVab. " Bisher wußlte man nur von dem elfenbeinern«** Palast des Königs Ahahi auai dem biblischen Beliebte (1. Kön. 22, 39); nun islt er wirklich! gefunden worden. Vertreter der "Harvard-Universität halben schon seit einigen Jahren auf dem' Hrügel, auf dem! die alte Stadt Samaria lag, Ausgrabungen vorgenommen, um Spuren der alten Geschichte Israels zu entdecken. Ihre Mühe islt iaun reichlich1 belohnt worden.' Sie haben in der Tiefe TJeherrestte eines großien Palastesf entdeckt. Die Maurerarbeit ist ohne Zweifel altisraelitis'ch. Man nimmt als isicher an, daß! es der Palast iaffc, den ömri erbaute, und der nachher von Ahaft so verschönert wurde, daß! man ihn den elfenbeinernen nennen konnte. Daneben befinden sich .noch Erweiterungsbauten, die vermutlich von Jemi (842 v. Chr.) und Jerobeam» II. (785 v. Chr.) Iherrüjiren* Auch' sind sehr viele Scherben, mit alten hebräischen Zeichen beschrieben, gefunden worden,' wie sie sich in der Inschrift des1 Siloa-Tunnels und auf dem Mesasteine (850 v. Chr.) befinden. Sie müssen also ebenfalls dem 8. oder 9. Jahrhundert v. Ohr» angehören, besonders da sich neben dem Gotteshemen Et auch! der des Baal darauf befindet. — Wieder eine Bestätigung der so oft angefochtenen und doch! durch die Ausgrabungen gerade in unserer so skeptischen Zeit als wahr erwiesenen historischen Treue des Alten Testaments! Korrespondenzen. Diie Trauer \ des 17. August. Am 17. d. •wird es swei Jahre, 'daß der Tempel in der Leopoldstadt abgebrannt ist. Hit dieser Erinnerung tauchen auch! die begleitenden Umstände wieder in unserer Seele , auf. Die kommandierten Militärgottesdienste mit dem famosen Feldkuraten. Der diktatorische Clemenceau — in der "Westentasche — an der Spitze der Gemeinde, "der von einem "Wiederaufbau aus Gemeindemitteln nichts "wissen will. Alles häßliche Dinge und Personen, die der ver-. dienten Vergessenheit anheimgefallen sind, es jedenfalls je früher, desto besser werden. Was aber unvergeßlich! bleibt, solange man vom Tun und Lassen jüdischer Gemeinden sprechen wird, das ist das Sehandmal, das für die "Wiener Judenschaft die noch immer — nach: zwei vollen Jahrent— unberührte Tempelruine bildet. Nicht so sehr das ist die Schmach*, daß der Tempel nicht gebaut wird, als vielmehr: daß diese beispiellose Pflichtverletzung einer Gemeindeleitung von außen selbst nicht als Schimach, empfunden wird. Wo smd «leim je»«»1! Wiener Frommen, die sich mit Feuereifer ins Zeug legten, den Brandschaden im Preßburg; er Ghetto wieder gut zu machen? Für welche abgebrannte Schul in Brody, Holleschäu, Jungbunzlau würden hier in Wien nicht sofort tatkräftige Hände Aktionen einleiten? Wie würden sich! die Landsmannschaften rühren, wie stets, wenn ihr Lokalpatriotismus angerufen wird! Aber für einen Wiener Gemeinde tempel?t Für wen soll der? Wer soll sich! für den erwärmen? Die Polen?! Die Ungarn?l Die Glaubensdder Volksgenossen aus! ""der T^chiecb'o-Slowakei?! Wer hier in Wien, das doch' längst keine homogene Gemeinde kennt, die sich an die Brust schlagen müßte: „Meinen "Weinberg habe ich nicht gehütet?!-' Wer von allen denen, die im Vordergrunde unseres öffentlichen jüdischen, Lebens stehen? Wer von ihnen hat, außer vielleicht bei der Barmizwah!, allenfalls bei seiner Trauung, sicherlich' bei einer Herzlfeier, einen jüdischen Tempel von innen gesehen? Und selbst von denen, <fia das Ead der Gemeinde drehen, wer Von allen diesen Herrschaften braucht einen Gemeindetempel in der Leopoldstadt? Die ein'-n, S<-hiffschulfe!reu*, besuchen einen Kuitusaemeindegottesdienst grundsätzlich nicht. Für Paraden im Zylinder genügt den Vorstehern, zumal bei den bescheidenen Ansprüchen der Gegenwart, der „so intim wirkende** Tempel in dem — repräsentativen Bau der Seitenstettengasse. Oder ist der Tempel Gegenstand besonderen Wohlwollens der einen oder der anderen Loge?

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