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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-08 · 31 (8.8.1919) · p. Seite 395

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
31 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 395 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31: Dr. BLOGH'S WOCHENSCHRIFT Seite m tion erpreßit. Der. ScMußeffekt dieses geistreichen, offenbar zrar Hebung, derKultur geschriebenen Feuilletons1 ist die durchsichtige Erläuterung, daß. bisher alle Pogroms' durch die jüdische Chützpe hervorgerufen, 'wurden.! Damit nicht genug, debütiert das Abendblatt immer noch der gleichen Nummer des1 angeblich im zivilisierten Oesterreich'; erscheinenden Blattes' mit folgender Notiz, die wir hiemit wegen ihrer offenkundigen Wahrheit und Ehrlichkeit weiterverbreiten wollen: „Ein. Unartenlosier auf der Straßenbahn. In den "Beiwagen der Straßenbahn am Kai steigt, eine kleine, aber auserwählte Gesellschaft ein. Zwei Herren und zwei Damen, denen ein Dienstmädchen mehrere Schwere Koffer nachträgt. Die Herren mit typis'cb-jndiscb'-galiiÄischem Gesicbtsausdruck, englisch gestutzten Barten, tadellös und nach! der neuesten Mode gekleidet, ebenso ihre schmuckbeladenen Begleiterinnen, deren üppige Körperfülle im Vergleiche zu ihren kurzen, kaum die Knie bedeckenden Röcken direkt lächerlich: wirkt. Auf den ersten Blick erkennt man die jüdisich-galizischen Flüchtlinge, die während der Kriegs'zeit in Wien reich geworden sind. Die Herren reden von Geschäften, die Damen sprechen vom 'Landaufenthalte, den man soeben aufsuchen wolle. Die etwas1 zu lang offen gebliebene Tür des Waggons und die hiedurch! entstandene Zugluft nötigt einen der Herren zum heftigen Niesfen. Rasch will er nach seinem Taschentuch' greifen: Da er es aber nicht sogleich findet, so sehne uzt er sich, fortwährend weitersprechend -und gestikulierend, einfach mit der Hand durchs Fenster auf die vorneige b en de n. P a s s a n t e n herunter. Ein strafender Blick seiner gestrengen Ehehälfte trifft ihn. „Aber Moses, bedenke doch, wo wir sind." Der Schaffner schließt mit einer nicht mißzuverstehenden heimlichen Gebärde die Tür: — Erlebt und berichtet von Edmund Daniek." Noch immer in der gleichen Nummer finden wir auch noch einen politischen Artikel, der sich gegen bereits am. Vortag" zurückgetretenen Presseleiter des Staätsamtes für Aeußeres richtet und unter, vielen Angriffen auf. sein Judentum1 und seine Unfähigkeit — 'seine* Entfernung verlangt. In dem Artikel stehen nun folgende infamen Zeilen: Arische Beamte des Staats'amtes wurden aus Ersparungsräcksichten auf die: Straße gesetzt, dafür in dreifacher Anzahl Judenmädiels und8 Judenjüngels auf Kosten der Steuerzahler versorgt, die mit ihrem Gekicher und fre chem We.s'en den Gängen und, Sälen des Staatsamtes bisweilen d.esi Aussehen von gewissen Warteräumen' auf den Polizeikommissariat e n gaben. Wir wis'sen nicht,' ob tatsächlich im S taatsamt jüdische- Beamte und Beamtinnen angestellt wurden. Aber wenn es geschehen istso arbeiten sie gewiß um» einen verhältnismäßig geringen Gehalt, wie alle anderen.Beamten, und erfüllen ihre Pflicht. Da kommt nun ein antisemitischer „geistiger Arbeiter", ein „Führer des Volkes1 in der Presse", ein „Vorbild für die Partei" daher und vergleicht die fleißigen, braven und'sittsamen Mädchen^ die Töchter ehrenwerter jüdischer Familien, unverkennbar mit verhafteten Straßiendirnen. und ihre : männlichen Kollegen, mit Zuhältern,, welche auf den strengen Kommissär warten I Dasi■« zu behaupten, hat die .christlichsoziale Zeitung den Mut, dasi. ist ihre Frucht der- Preßfreiheit. Die niedrigste Bes'cMrmpfuhg, die man einem Mädchen zufügen kann, spricht sie ohne. Bedenken aus. So sieht .'die. geistige Führung der; GhristlichsoziaIen\aus, so., arbeitet ihre Presse, so vertritt, sie das Bürgertum für das5 Geld, das sie anläßlich der WaMen in die Nationalversammlung in reichem Ausmaß bekommen hat, um die Gesteilschaft gegen den Radikalismus4 und* verderbliche Instinkte zu schützen. * * . * Von der Nationalversammlung wurde beschlossen, die Namensänderung mit einer Gebühr zu belasten, welche bei 20.000 Kronen beginnt und nur in be: sonderen Fällen bis zu 10 Kronen ermäßigt werden kann. Bei diesem Anlaß gab es wieder eine Judendebatte. Der Berichterstatter hob. hervor, daß neben den Adeligen eine Menge Eingewanderter einen neuen Familiennamen wünschen. Natürlich ging es gleich auf die Juden los1, als ob nicht die weitaus überwiegende Mehrheit der in Wien Zugewanderten Christen wären, deren Wohngebiete im Gegensatz zu Galizien nicht zerstört mirden. Nun kann man gewiß nur einem geringen Teil der Juden Vorwürfe machen, und zWar jenen, welche her der Taufe ihre semitische Vergangenheit auch im Familiennamen loswerden möchten. Ueber diese haben wir nichts mehr zu reden und überlassen ihre Behandlung vollständig den neuen Religionsgenossen. Dagegen wird man es begreifen, wenn manche Juden keine Lust mehr haben, die barbarischen Namen weiter zu behalten, welche ihren Vorfahren von der Frechheit und irrsinnigen Erfinchingsgäbe josefinischer Beamter angehängt wurden. Daiä hat Nationalrat Stricker mit Recht betont. Diese fratzenhaften Namen, an denen sich die geistlosen und rohen Antisemiten immer so besonders gütlich tun, sind für sie ein Ballast, , der sie ärger drückt, als wenn ihre Vorfahren ein Verbrechen begangen hätten. Wenn diese nun darnach streben, im Lebenskampf nicht ärger bedrückt zu sein, als jeder andere Bürger, so geht das niemanden etwas an, weder die Chris&chsozialen noch die Großdeuts'chen. Man findet ja auch' nichts daran^ wenn zahllose arische Beamte mit schallend slawischen Namen sich wegen der Gage und Pension schöne deutschösteireiohische Namen verschaffen. Dann muß man Herrn Bauchtanz wohl auch gestatten, sich Tänzer zu nennen. EJn nüchternes Urteif über den Wert der „Minoritatsrecbte" und „nationalen Autonomie". In Fortsetzung seiner Studien über das jüdische Problem in Polen untersucht der „Manchester Guardian" die Fragen, wie eine Lösung dieses Problems möglich sei und sehreibt: Die Polen, politisch und kulturell ein unreifes und rückständiges Volk, haben nicht durch1 eigenes Verdienst, sondern einfach durch die Siege zuerst der Deutschen über die Russen und* dann der Alliierten jüber die Deutschen die Macht gewonnen, ihr Land zu einer Hölle der drei Millionen Juden zu machen. Zweifellost ist die Wurzel des Uebels, ob nun die Polen oder die Juden dafür zu tadeln sind, die außerordentliche Isolierung dieses im Kern fremden Rasisenelementes. Aber daraus zu folgern, wie die Polen tun, jäaß dasi Heilmittel für dieses Uebels darin besteht, die Juden in den Rahmen der polnischen Nationalität zu bringen, verrät eine vollkommene Unkenntnis der Nationalitätsidee. Rasse und Sprache sind Kleinigkeiten, verglichen mit dem geschichtiichbn Abgrund zwischen diesen beiden Völkern. Beide haben gelitten, beide gekämpft,' aber niemals in derselben Sache und mit denselben Empfindungen. Oute Bürger des polnischen Staates können die Juden sein, wenn man es ihnen möglich macht, es zu wollen, aber auch das werden sie nicht, solange die Polen nicht aufhören, sie in den Patriotismus hinednzupeitschen. . '

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