Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 31 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 394 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 499 Dr. BL©£H'S WOGHENSfipiIFT Nr. 31 die Iiier herausfordernd .leben, -die Spielsalons und Reimplätze bevölkern und sich auch im Fall der Ausweisung mit ihrem Geld schon einen Weg , bannen werden. Aber sie sind auch! ein splendides Publikum der christuch'sozialen Rasthäuser, wo Schleichhandel und Preistreiberei zu Hause sükL und werden daher pardonniert. Die Galizianer aber, von denen so viele ebenso arbeitsame als ehrliche und meist arme Leute sind, die .werden ohne RücksicM im Haufen verÜrannt. Wien sollte also unbarmherzig sein, während es zugleich das Mitleid der ganzen Welt für sich selbst verlangt. Selten sind wohl Wahrheit und Dichtung, so nahe beieinander gestanden, Wie in dem Pogrom^ prozeß von Holleschau, wo es nach! dem Umsturz, zu Mord, Raub und Plünderungen kam. Alle drei Verteidiger der Angeklagten versuchten, die Ausschreitungen so darzustellen, daß. sie die Hauptschuld auf die jüdischen Opfe*. schieben. Sie erklären, daß sich die Juden während des Krieges drückten und das Fernsein von der Front benutzten, um sich izii bereichern und Wuchergeschäfte zu nrachien. Trotzdem hätten sie aus' diesem. Benehmen nicht die Konsequenzen gezogen und sich', bescheiden benommen, sondern provoziert und . die tschechische Bevölkerung auf jede mögliche. Weise gequält. Die Verteidiger warfen den Juden auch, vor, daß sie ihre österreichische Gesinnung, übermäßig,, betonten und sie durch Siegesfeiern und Fackelzüge zum Ausdrucke brachten. ( Nach dieser gemeinen Demagogie;. welche an den Polnaer Prozeß erinnert, kam die Sprache der- Wahrheit und der Ziffern zu Wort; Der'verteidigerr der Privatbeteiligten* Dr. "Dönat kommt auf " die Vor*' wnrfe der HoUeschäüer "Juden: zurück, gegen* die-: er/ entschieden, protestiert. Er weist auf Grund amt licher Da-tein.nach, daß die- Jud*n zu gioQ<em P r ozen t $ a t z e i n g e r ü c k t W a r en;. daß v i el.e ver w undet und gefangen wurden und ekngroßer -Teil auch "im Felde g.efällen;ist; Was^ Preistreiberei und Wucher anlangt, erwähnt er, daßr von Holleschatier Juden wegen dieser Delikten nur neun Personen angeklagt waren, von denen aber niemand verurteilt wurde, während von* der übrigen Bevölkerung 70 angeklagt Waren, von denen. 22. bestraft worden sind. Die Schadenssumment seien;durch1: eine amtliche Schätzungskommission, die.:' von\ Haiis zu Haus ging, festgestellt Wörden. So ist es immer, wenn die Ziffern sprechen. Wir haben schon seht häufig verlangt,«daß. die Sta^ tistik dieses1 Krieges1 erscheine. *Der Gerichtshof in Holleschau hat denn auch', der» Wahrheit die Ehre gegeben und die Hühderer. trotz 1 allen, gehässigen anüsemitischen Lügen und Aussagen, verurteilt. Als1 mildernd nahm er an „das. besondere Verhältnis' der Holleschiauer. Bevölkerung zu den Juden". Das' „besondere Verhältnis'" der Holleschauer. Bevölkerung offenbarte sich vor allem darin; t daß. sich öie Kaufleute, die von weit und breit zum .Jahrmarkt nach Holleschau gekommen - waren;, sogleich alsi es hieß, es\ gehe gegen die Juden;, los; .wie, die Wilden Tiere auf die jüdischen Häuser, stürzten, alles. Hab und Gut wegschleppten und den Rauh, auf ihren. ' Marktwagen heimführten; offenbarte auch,der Zeuge, der einen Angeklagten alsi, iheiter bezeichnet^. weiU er sich über den, Pogrom ebenso, herzlich gefreut, habe wie er, der, Zeuge. Was! als.JMaßstab. Mr. den. Kulturgrad und ethische- Veranlagung detHölleschauer., „Rasse" zu Werten .ist, hat. der Richter: al&Yein:..>,b6.? sonderes -Verhältnis'.' zu nmiichreiben.beliebt. So sieht es*. bei den von der. Gerechtigkeit befreiten Völkern aus1, bei den Tschechen wie bei den Polen. r ■ '* *, * ■. Ein Teil der; christlichflozialen Presse, namentlich-aber die berüchtigten „Wiener Stimmen", haben einen geradezu gefährlichen. Pogromton angenommen. Die „Reich's'post" schrieb zwar, kürzlich im «Leitartikel des Morgenblattes mit einem. Funken von Einsicht und Selbsterhaltungstriebe „Wir sind/nicht für .^pgrome,- denn diesje sind. ein. zu gefährliches Mittel", aber, das1.. Abendblatt des. gleichen Blattes'., tut das Möglichste, um..die Instinkte, des1 Pöbels aufzupeitschen. Die Tapferkeit dabei ist nicht sehr groß. Denn, gegendie .'Arbeiterr und Soldatenräte, welche, ein Dorn, in .den. Augen 'der Christlichsozialen. sind, wird, recht behutsam.und .gemäßigt. aufgetreten. Diese Räte Wilsen nämhch ihren-Ansichten., auch den gehörigen Nachdruck zu . verleihen, wogegen wir uns! übrigens y aussprechen, wenn das. Gesetz, überschritten wird.. Aber wie gesagt, gegen, mächtige Feinde ist die Sprache^ der-dhrisÜichsozialen Presse recht bescheiden und sanftmütig. Dafür entschädigen sie &ich (dann, gegenüber den wehrlosen. Juden/ über welche: die. volle- Schale: des antisemitischen Geifers ausgegossen wird-.. .Hauptsächlich! .wird. mit. zWeLhand.- \greiflichen Verleumdungen,..gearbeitet: Die. Juden haben.- den Krieg, angezettelt und* die .'Juden, haben den ßchmachfriedjän herbeigeführt . Auf mehrere dieser schamlosen. Hetzartikel, haben, wir. nun. kürzlich, geantwortet. Wir haben, an der.. Hand. geschichtlicher Tatsachen, die. Rolle gekennzeidhhe% welche die christhchsoziale. Partei im . Krieg, und beim Frieden, gestielt hat,...Was'f die Generäle,; die Diplomaten;' die: Feudalen.lind die Agrarier, lauter Führer und.Hintermänner dieser Partei? getrieben haben. Wir haben ihre Gewissenlosigkeit, ihre Ausbeutung, ihre Unfähigkeit und alle ihre Sünden nochmals! aufgedeckt. Daraus wurde in. der xjhristlichlsozialen Presse eine krasse Fälschunggemacht undbehauptet; wir hätten der bodenständigen Bevölkerung,: ins; Gesicht? gespuckt: Das1, wtoWiev von derchristiich'sozialen. Politik gemacht: und. nicht von: uns^ die bodenständigeBevölkerungi"wurde; voitf dene Ghristuch'sozialen" endlose betrogene und' hat sie; Öerm3, auch!- sebHeßdich! davon;- gejagte Was'; aber "den^Ton anbelangt; den die christhchi soziale^ mit: feudalem- und . kapitalistischem Geld ge^ machten Pres'se. anschlägt; darüber gibt eine einzige Nummer-des1 genannten Abendblattes vom' Titel bis zum Briefkasten, hinreichende Belehrung. Auf dem . Titelblatt befindettsich ein Bild mit dem Titel „Die , Oper Weltfriede" im folgender' Darstellung : Auf der Bühne^'S'chießen und^ stechen*'äUe^Mens'chenr aufeinander los1, Während Wilsen, als*?^ Jude gezeichnet, den Vorhang öffnet. .Das! Orchester besteht aus einem Haufen, abscheulicher jüdischer. Karikaturen, welche während des1: Spielens mit freudigem. Grinsen, dem GemetzeL auf der. Bühne, zuschauen. Die Unterschrift lautet,, die* Oper; werde gestielt, nach, dem . Programm der. AUiancejistaelitet.universelle auf . dem, Theater der . Weltgeschichte. Also, wieder.- einmal, die Lüge: Der Scbmachfrieden. ist ein.,Werk.'der.. Juden... Das. Feuilleton,;der gleichen .'Nummer.: heißt - „Chützpe" und js|t ein^. Sammelsurium; erfundener Geschichten.von. angebheher^jüdisicher Frechheit:... Wie- Juden in. der Eisenbahn die., anderen Mitreisenden t verdrängen, wie; jüdische .^üngel sichL lüsternauf Christenmädchen; stürzen,.iwie, eine Jüdin sich kleiner Kanzlei* Protek-,