Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 31 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
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Seit» 488 Dr. BLöGH'S WOGHEWSCBRIFT weiße Gewänder gehüllt, in feierlich! gehobener Stimmung den Speisesaal betraten, wo sie ein gemeinsames MaM erwartet hat. Nach aufgehobenem Mahle legten sie die Kleider, die sie bei Tische getragen wieder ab' und gingen neuerdings1 an die Arbeit, bei der sie bis zum Abend ausgeharrt, um sich1 dann abermalsi im Speisesaal zu versammeln. Von dem gemeinsamen Mahle wird berichtet, daß sie gelehrten Gesprächen gewidmet waren, wobei immer .nur einer sprechen durfte, wie jhn gerade die Reihe traf, während die anderen andächtig lauschten. „Sie wenden", sagt Josephus, „erstaunlich1 viel Fleiß auf die Schriften der Alfen an, um1 daraus! wahrzunehmen, was1 für Seele und Leib ersprießlich". (Bell. jud. II, 8, 6.) Die Essener unterhielten weitreichende Verbindungen, sie müs'sen zahlreich1 verbreitet gewesen sein, denn wir lesen vielfach von den Reisen ihrer Delegierten. Auf ihre weiten .Wanderungen nahmen sie nichts mit, weder Gepäck noch! Nalrrungsmittel, denn sie fanden überall offene Türen, überall Genossen, die sie gastfreundlich aufnahmen und für alle ihre leiblichen Bedürfnisse sorgten. Sie haben,. berichtet Josephus, nicht eine Stadt für sich, sondern in jeder wohnen viele von ihnen, und den von a u sl w är t s kommenden Genossen steht, Was! an Vorrat vorhanden, offen, als1 wäre es1 ihr. Eigentum, und sie kehren da bei denen, -die sie nie vorher gesehen, wie bei nächsteh Verwandten ein. Daher nehmen sie denn auch nichts auf ihre Reisen mit, als Waffen zum Schutz gegen Räuber. In jeder Gemeinde ist ein Pfleger für die Fremden bestellt, der fu? Kleider und Lebensbedürihisse sorgt. (Bell. jud. H, 8, 4.) Uebereinstimmend hiermit berichtet Philo: Keiner hjat sein eigenes Haus, das' nicht zugleich1 allen gehörte. Denn abgesehen davon, daß sie in ganzen Gesellschaften zusammenwohnen, steht es auch' den aus der Fremde kommenden Genossen offen. (Quod. omH. pr. .1, II, 458,) Wir haben es! also hier mit einer weitverzweigten wohlörganisierten Gesellschaft zu tun, deren Mitglieder zu bestimmten Zwecken Reisen unternahmen und weithin Verbindungen unterhielten, Zusammenkünfte veränshtalteten, ihre Zentren hatten — von denen die Kolonie am 'Asphaltsee die bekannteste —-j von wo aus' sie Ihre Wirksamkeit entfaltetem Der Eintritt in .diese Gemeinschaft war nicht leicht. Der Bewerber mußrte vorerst ein volles" Jahr außerhalb der Gesellschaft leben, sich aber gleichwohl der strengen Lebensweise unterwerfen. Aber erst nach einer weiteren zweijährigen gutbestandenen Prüfung erfolgte die fönnliche Aufnahme. Bevor er jedoch zum gemeinsamen Mahle zugelassen wurde, leistete er einen Eid, und zwar den ersten und letzten, denn der Essener durfte sonst niemals1 schwören, da ihm das! bloße Wort hoher als1 jeder Eid gelten mußte. Bei seiner Aufnahme Schwur er: „dafi er die Gottheit verehren, gegen die Menschen Gerechtigkeit üben,- niemand weder aus eigenem Antriebe noch auf fremden Befehl verletzen, stets die Ungerechten halen und den-Gerechten beistehen, Treue gegen jedermann, besonders gegen die Obrigkeit üben wolle, denn niemand habe die Macht, sie sei ihm denn von Gott gegeben. Ferner mufl er geloben, im Falle, daß er selbst zur Herrschaft gelangen sollte, nie seine Macht milbrauchen, noch seine Untergebenen in Kleidung oder Sahmuck überglänzen zu wollen, die Wahrheit stets zu liehen, die Lügner rücksichtslos zu entlarven, die Hände von fremdem Gut, das Gewissen von un- % rechtem Erwerb rein zu halfen, vor den Brüdern nichts zu verheimlichen, andern aber nichts z u Verraten, selbst wenn es das Leben kosten sollte; endlich die Lehre der Gesellschaft niemandem anders mitzuteilen, als er sie selbst empfangen und die Bücher der Gemeinde heilig zu halten.« > Am Sabbat fand, jnan sie sämtlich in ihrem' Gotteshause, und zwar in strengster Ordnung, sitzend; die Jüngeren hinter den Aelteren, der Vorlesung mit verhaltenem Atem lausehend, welche einer ausi ihber Mitte aus der heiligen Schrift hielt,, worauf ein anderer, in der göttlichen Lehre Erfahrener, die unverständlichen ßtellen erläuterte, zumeist symbolis'ohi. Sie unterwiesen sich' gegenseitig in der Frömmigkeit, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Häuslichkeit und in den, sonstigen Tugenden. „Sie prüften alle Dinge nach den folgenden dreifachen Regeln: Ob sie mit der Liebe zu Gott, ob sie mit der Liebe zur Tugend und ob sie mit der Liebe zum Nebenmenschen übereinstim'men. Die Liebe zu Gott bekundeten sie auf mehrfache Weise: durch Keuschheit, durch die strenge Enthaltung von jedem Eide und jeder Unwahrheit und dadurch, daß sie Gott als Ursache alles Guten, nicht aber des; Bösen ansehen. Die Liebte zur Tugend bekunden sie damit, daß sie jede Habgier, Ehr- und. Vergnügungssucht verachten, enthaltsam, nüchtern, bescheiden, gesetzestreu, standhaft und musterhaft in allen Dingen waren. Die Liebe zu dem Nebenmenscben betätigten sie durch Wohlwollen, durch1 ihre gegen alle auf gleiche. Weise geübte Menschenliebe und ihre b'ewunderuingswiürdige Gütergemeins'chaft. ..*"*) Soviel in allgemeinen UniiiSsen von den charakteristischen Merkmalen der essenischen Kolonien. Heidnische und judäische Historiker preisen sie als göttliche Männer, deren Anblick jedes Laster verscheucht, jede Grausamkeit verbanntl So gestaltet War das Bild der altjüdjschen Kommunisten, wie (es von jdjen RjLstoiikem übereinstimmend überliefert wird. Aus! ihrer Mitte kamen die ersten Mitglieder der urchristUchen Gemeinden. Mit den Früchten der zweitausendjährigen „Kulturarbeit" des abendländischen Christentums waren sie glücklicherweise nicht' genährt -twährend die jüdischen Kommunisten der Gegenwart, „Kinder der Assimüätion", unter dem (überwältigenden Einflüsse des arischen Geisteslebens erzogen worden sind. „Der Jude ist nicht der gleiche, der er damals war, er ist durch alle Himmel und Höllen des Abendlandes hindurchgegangen und hat an seiner Seele Schäden genommen." Zwislchen den ältjüjdisehten Kommunisten und1 den modernen Bolschewiken herrschen ähnliche Beziehungen, wie etwa zwischen den Mitgliedern der urchristüchen Gemeinden und der blutrünstigen Sippe der Liener „Reichspost". Da verstehen wir das1 erschütternde Wort,, welches der großje Döllinger in seiner Akademierede über die Juden in Europa am 25. Juli 1881 in Mühchen gesprochen: „Die Juden hat der Christ er s't s.o gemacht, dies sagt uns die Geschichte, seit dreizehn, Jahrhunderten mit tausend Zungen." Vom Jahrmarkt des Lebens, Glossen zur Tagesgeschichte. Die . ungarische 'Räteregierung ist endlich! gestürzt und hat ihr unglückhcheS Vaterland verlassen. Damit hat einte tiefträurige Narrenposse dasi verdiente Ende gefunden. Es* ist mit besonderer Genugtuung zu verzeichnen, daß es dabei zu "keinem1 Blutvergießen kam1 und daß der Weg der Verhandlungen zur Lö&iung der ungarischen Frage genügte; Damit; haben die Volksbeaüf- *) Für werbliche Belastung« und »Einflüsse der im Blute schlummernden. Urerinnerungen« ist auch Karl Marx ein lebendiger Beweis. Der Vater des deutschen Kommunismus faßte diesen so .ideell auf, daß er lieber darbte und hungerte, als daß er am >Diebstahl«, d. h. am Reichtum der andern partizipierte.