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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-08 · 31 (8.8.1919) · p. Seite 391

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
31 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 391 (sequence 3)
Language
German
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Nr: 31 Dr. BE0§H*S WÖGHENSGHRIFT Seite iü>7 ■ ke;t<- —/eine^Absagei-insbesondere auch. gegen»den religiösen Talriotismus.tdi« -Anbetung von > Gott mm hehren < Vaterland«,-der; ihm ein Götze war. Noch 'deutlicher -«.als im Gesetz*leuchtet hier die neue Orientierung in die Welt:! nicht auf. den Glanz des Vaterlandes, seine wirksame militärische Sicherung, noch auf seinen wirtschaftlichen Aufschwung > kommt es*an, - sondern darauf, dal Gott lebt in der Gesellschaft, der Menschengemeinschaft. Dieses Leben aber zeigt .sich in-erster Linie im;SchicksaL der Geringen. Was. sie für ein Los unter euehJiaben, darauf kommt es an, daran erkennen wir, ob es gut oder schlecht mit euch steht, das war die Botschaft des Propheten. 'Wie donnert ein Jesa ja: >Wehe denen, die Haus an Haus rücken, Feld an Feld reihen, bis kein Raum mehr ist und v sie allein das, Land besitzen l< Wiq . geißelt : er den Wucher im Handel, . die. Klassenjustiz, das -Recht, das zwischen Größen uud Kleinen Unterschiede macht, den, Luxus des Reichen, der sich auf der Not der Armen erhebt. Immer wieder diesseloe große Orientierung: »Gott-mufr-gelten mit seiner Gerechtigkeit und;deshalb muß »der Mensch gelten. Das Yaterland.hat keinen Wert an sich und wird verworfen, wenn nicht die einfachea Beziehungen von Mensch zu Mensch klar und edel sind, wenn nicht der Mensch im Menschen auch in seiner Arbeit geehrt wird. Ein Volk hat nur dann einen-Wert vor Gott, steht nur . dann festpweiuH.es eine Stätte göttlichen Lebens ist, eine Offenbarung, göttlicher Gerechtigkeit. Die Propheten wollten nichts davon wissen, daß die Erhaltung des Staates, <so wie er ist in seinem augenblicklichen Bestand, die erste Toraussetzung zur Ermöglichung des Gottesreiches sei, fohne die* alles falle.« So sehen wir, daß der xKampf für soziale Gerechtigkeit zu den Urtraditionen des1 jüdischen Volksstammes zählen. Allein ^selbst der Gedankengehalt des1 Kominunismus hat -zweifellos nicht minder einen-iedlen Rem jüdischen Ursprungs, der aber in seiner verbrecherischen Zerrgestalt, wie er sich gegenwärtig präsentiert, vom Judentum so wieit Entfernt ist, wie *etwa, dafci Lvehirsystem' der spanischen Inquisitoren * von den X>rimdprinzipien des mosaischen Dekalogs. Wie lebten und was* lehrten die berühmten altjüdischen Kommunisten in vorchristlicher Zeit? - '• Beber die jüdischen" Kommuitistengemeinschäften der Vorchristlichen Zeit^wurde viel geschrieben;- döeb ist -das- Rätsel des 'Esfsenismus;nicht vollständig'aufgehellt. Schon der Name „Es^ner" oder „Essäer" bietet der ErMärung viele Schwierigkeiten. Philo spricht die Vermutung aus1, es mochte der Name „Es&äer" mit dem griechischen Worte Hosioi-Heilige identisch siein. Im Talmud;'fnhren sie allerlei andere •' Bezeichnungen.1 . P h i 1 o (widmet ihnen auslührliche Hebevolle Schilderungen, Josephus1, so Oft ■ er sich anschickt, die drei judisichen-Sekten: Sädduzäes, Phariisäer "und Es'sener ausführlichzu behandeln, beginnt .mit aller Begeisterung -sofort die Essenerzu rühmen und zu preisen. ,>Sogar der ^skeptische Phnius", sagt "^K-eim (Gesch.. Jesu von Zaz. I, 298);,verrät Sympathie und Erregung, >wenn ier die ,iWeltnaiüden4 ' schildert, welche den von ihm selbst so 'tief «empfundenen Jammer der Menschheit irgendwie aüberwunden haben.44 Sie wohnten jn großer Anzahl an der Westküste des Asphaltsees. Engedi, die schone palmenreiche Oase, war ihr Hauptort. Philo, am Eingange seiner EösenerschildeTungen, berichtet, *sie „wohnen in: Dörfern, indem säe^die Städte wegen der in denselbein . herrschendien Sündhaftigkeit meiden, wissend, .dtaß, - wie :rdurch! schädliche Luft Krankheiten, ,so durch die Gesellschaft unheilbare Ansteckung füT;.die Seele entstehe", (Quod. oiiai. prob. Uber II, 457.) Eine genaue 'Prüfung der Quellen läßt die Tatsache außer Zweifel,-daß es verschiedene, die<-essenis'che Lebensgewöhhheitan . .mehr öder . minder strengbeobachtende "Verbände „gegeben; nur Jsblassen sich flie scheinbar (widersprechend lautenden Berich^ 'erklären, -von denen -die einen 'die '.Essener\, am JDoten *Meer, die' anderen .;sie in /.den, ."Städten, andere wieder .-sie in Dorfern wohnen, die Städte aber wegen der ia ihm herrschenden Laster meiden^ noch andere sü in vielen Städten Judäasi, in vielen Dörfern und großen mensichenreichen Gemeinden zu Hause sein las-!sten. Es1 gab eben enggeschlossene Essenergemeinslchaften und solche, welche in der Welt lebend und wirkend sich weniger an jdie strengen Vorschriften banden. Die Verwalter des1 Gemeingutes wurden durch allgemeine Wahl bestimmt. Neben diesen war zu Dienstleistungen jeder von ihnen verpflichtet. Große allgemeine Versammlungen wurden zu je 7 und 7 Mal 7 Tagen gehalten. . In allen Berichten Werden sie für treu und zuverlässig geschildert, deren Versprechen fester wie ein Ejd war. Auch im Studium der heiligen Schriften waren sie fleißig, das sie als Stütze für Seele und Leib hielten. Sie mieden die Vergnügungen als etwas Bö3es und hielten esi'für eine Tugend, den Leidenschaften nicht zu linterliegen. Mit den Mitteilungen des Josephus stimmen überein die Meldungen des Alexandriners Philo. Sie-sammeln, sagt Philo, weder Gold noch1 erwerben sie -sich aus Verlangen nach Einkünften Grundstücke, sondern verschaffen sich bloß, was zum nötigen Lebenslauf gehört. Denn während sie fast allein unter allen Menschen ohne Güter und Besitz sind, mehr infolge ihrer Einrichtung als aus Mangel an Glück, halten sie sich für die Reichsten, indem, sie Genügsamkeit in den Bedürfnissen uni frohen Sinn, wie dies denn auch in Wahrheit ist, für Reichtum, .halten. (Quod. omn. proU über H, 457.) Handel .und Gastwirtschaft oder Schiffahrt kennen sie auch nicht im Traum, weil sie jede Veranlassung zur Habgier verbannen. Sie bewähren ihre Liebe zur Tugend durch Verachtung des) Geldes, durch die' Enthaltsamkeit und Genügsamkeit in den Bedürfnissen. (Ib. 458.) Da sie die Gleichheit aller Menschen proklamierten, so war in ihrer Gemeinschaft kein Sklave zu finden. Sie verdammten die Besitzer von Sklaven, nicht blöß weil sie .in ungerechter Weise die Gleichheit verletzten, sondern auch als1 gottlos, weil sie das Gesetz der Natur aufheben, die wie eine Mutter alle auf gleiche Weise, geboren und erzogen und zu leiblichen "Brüdern, nicht dem Worte, sondern •der Tat nach,'gemacht, deren Verwandschaft aber die listige und dureh das Glückübermütig gemacht* Habsucht zerstört und statt Vertraulichkeit Feindschaft, statt Liebe Haß, hervorgebracht hat. (Quod. omn. pr. I, II, 457.) "Sie sind Verächter des: Reichtums8 und haben bei sich 'auch eine bewundeirungsvvürdige Gütergemeinschaft eingeführt. (Jos., Bell, jud» H, 8, 3; cf. Philo' n, 458.) Sie -verabscheuen'den Krieg.. Handwerker, die Pfeile, Lanzen, Schwerter, Helme, Panzer oder Schilder, verfertigen, Waffenschmiede, Verfertiger von Krifg&geräten oder überhaupt zum Krieg gehörigen Dingen,• oder. auch..nur von solchen, die im Frieden zur Schlechtigkeit fuhren könnten, sind bei ihnen nicht zu finden. Gerühmt wird ferner ihre große Begeisterung für wahre Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, (cf. Ehdlo H, .632, cf. Quod. omn. pr, I, II, 458^) Bi£ II ührvorm. verbrachten sie in strenger Arbeit — meistens in der Landwirtschaft. Die Bebauung des! Rodens erschien ihnen die heilsamste Tätigkeit. Eine Stunde vor Mittag unterbrachen sie sich in ihrer Betätigung, .rnngürteten sichmit Idnnentüchern, •um ein Reimgungsbad zu nehmen, worauf sm in

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