Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 30 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 1× ep/1004307
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-Nt. 30 Dr. BLeCH'S WOCHENSCHRIFT Saite 473 Sklave ( - a^tt^tt . «2y .) und auch' das jüdische Volk oft „mein Diener" (/ 12$ ) nennt. Aber die Stellen, wo der-Prophet seinen Namen deutlich A w d i aufnicht rm^ßzu verstehende Weise erwähnt., ruhten uns ja .auf den richtigen Weg. Wj,e einfach, wie natürlich: liest sich jetzt die Stelle Jes. 42, 1 ff. „0, Awdi, ich unterstütze Ihn", eine Aufmunterung, die wir auch hei Jer. und Jech. finden. „Meinen Geist verleihe ich ihm,, er soll mein Orakel für die Völker verkünden. (Dieser Prophet) schreit nicht, ergreift das Wort nicht und predigt nicht (wie die anderen Propheten) in der Oeffentlichkeit." Er verbreitet vielmehr seine Weissagungen schriftlich, weshalb auch' seine poetische Kraft in der ganzen Bibel unübertroffen erscheint. „Ein geknicktes Rohr zerbricht er nicht und einen dunkel brennenden Docht verlischt er nicht." Damit will er sagen, daß er nicht, wie andere Propheten, einem dem1 Untergange geweihten Volke vernichtende Strafpredigten hält. Ihm1 ist vielmehr das glückliche Lob zugefallen, ein. Verkünder des Heils 'zu sein. Als C y r u s seinen siegreichen Eroberungszug gegen Kleinasien unternahm', jubelte ihm' unser Prophet bereits' als Zerstörer des babylonischen Reiches zu (Kapr 45). Da es damals aber noch' eine babylonische Regierung gab, lies man sich dies von dem gefangenen Judaer nicht gefallen und es erging ohne Zweifel dem Propheten, wie einst seinem Vorgänger in Jerusalem' unter König. Zidkija. Er wurde höchstwahrscheinlich als Hochverräter in Ketten geschmiedet und in eine^ Kasematte geworfen, wo er all das litt, was im' Kap. 53 vom luisehüldigen heiligen Dulder —; der dort deutlich wiederholt (52, 13;, 53, 11) A w d i. genannt Wird — geschildert wird. Weil aber die ersten Uebers'etzer irrtümftcherweise diesen Namen mit „mein Diener" wiedergeben, ' kam davon der ganze Mißbrauch seitens der. christlichen wie der jüdischen Legendens'chmiede heraus, welche die angebliche, rätselhafte, namenlose, leidende Person als Messias ansprachen, dem' von beiden Parteien nachträglich genau dieselben Leiden zugeschrieben wurden. . - Der 'V. 53, 12 ist die flagranteste Lösung des Orakels: „Daher werde ich1 ihm! öffentlich einen* Teil geben, mi;t Mächtigen wird er an der Beute beteiligt sein. Weil er sein Leben in Gefahr brachte und als Hochverräter gehalten wurde." Da haben wir es. Die persischen Sieger haben gewiß Awdi wi*? einst die Babylonier Jeremias behandelt, ihn vom Kerker befreit und iiim! aus' Dankbarkeit einen Teil an der Beute gesichert. Bezeichnend ist es, daß dasi Attribut „mein Diener" weder im1 ersten Teil Jes'. noch! in den letzten Kapiteln 55!ff., die nicht von diesem herrühren, vorkommt Das' gibt!zu denken Anlaß. Der zweite namenlose Prophet (daß Maleachi kein Personenname ist, (hat schon der Talmud (Megilla 15) festgestellt) hieß. IJT^K Er ist als Elias1 IL anzusprechen. Das' wird auf klarste Weise am Schlüsse des Buches (3, 23) angegeben: „Ich schicke euch den Propheten Elija" usw. (auch viele andere Propheten sprechen von sich1 im' Namen Gotteb1 in der dritten Person). Die hier mangelhafte Form des Nanians, ohne u am1 Schlüsse, fceugt schon,.- daß wir es! hier mit einer Person vom Zeitalter des zweiten Tempels1!zu tun haben, denn die letzten Bücher des A. T. haben auch andere Personen aufzuweisen, welche denselben Namen führten, alle aber sind ohne t. n~ g^3*r|eheft;(vgL Esra 10, 21,, 26; I. Cttr. 8, 27), während der Name, des ersten Elias fast immer voll erscheint. Das Kapitel 3 beginnt mit der Hinweisung auf die Reformen des Propheten in Sachen der Familienzwistigkeiten, womit der Weg fürs göttliche Gericht gebahnt sein werde: „Ich schicke meinen Boten, der einen Weg mir bahnen soll. Dann wird plötzlich |in seinem Saale erscheinen der Herr, welchen ihr vermisset." Gemeint ist der richtende Gott, der im letzten V. des vorigen Kapitels als vermißt erwähnt wird. Ja, aber wer ist eigentlich der Bote? Nun, das wird am' Schlüsse dieses Kapitels deutlicher wiederholt: „Ich schicke euch den Propheten Elias, bevor Goües großer und schrecklicher Tag heran - bricht. Dieser soll d ie Herzen der Väter für die Kinder und die der Kinder für ihre Väter wiedjer schlagen lassen." Das bezieht sich augenscheinlich auf dte Moralpredigt des Propheten über Verstoßung der Frauen mit ihren Kindern (2, 10—16). Es kann sich also keineswegs auf Elias I. beziehen, der doch mit solchen Dingen nie zu tun hatte. Nur die übertriebene Sehnsucht nach Rückkehr tles lebendig geglaubten, geheimnisvollen Wundertäters und Reformators de» 9. Jahrhundert v. C|btF. in einer gespannten apokalyptischen Zeit hat die Augen -der ersten Uebersetzer verblendet und sie sahen gern in diesem1 V. eine Verheißung der Rückkehr Elias T. Der Wunsch war also auch hier der Vater des Gedankens. Nun war der krankhaften Phantasie Tür und Tor geöffnet. Das Christentum baute darauf den Glauben an der Sendung Johannes: des Täufers, den es als den erwarteten Elias ansah. Imf Judentum hingegen wurden auf dieser Basis die unzähligen Legenden über angebliche Eliasoffenbarungen gebaut. Ja, die Lösung strittiger ritueller und juridischer Fragen wurde ernstlich von der Erscheinung des Propheten Elias abhängig gemacht. Die mittelalterlichen Kommentatoren wagten es nicht, an diesem' altehrwürdigen Glauben za rütteln und auch die freiesten christlichen Bibilkritiker, welche dasf Allerheiligste und Grundsätzlichste des jüdischen Glaubens und der jüdischen Tradition nicht respektierten und alles geradezu vandaiisch umstürzten, machten bei diesem absichtlich mißverstandenen Vers halt und niemandem will der so naheliegende wahre Name des Propheten Maleachi einfallen, um, Gott behüte nicht dem' alten christlichen Vorurteil nähezutreten. Es ist, glaube ich, die höchste Zeit, auch darin der Wahrheit den Weg zu räumen, am einen Ausdruck unseres Propheten zu benützen. S. M. Laser. Grusinische Juden. (Aus meinem demnächst * er scheinenden Kriegstagebuch.) In einem Lager russischer Kriegsgefangener, bei dem ich eine Zeit Militärdienst leistete, hätte ich Gelegenheit, einen eigenartigen Typ russischer Juden kennen zu lernen. Und ich erachte esalsi mitteilensiwert für die jüdische "Oeffentlichkeit. — Es war ein russischer Gefangener, der in unserer Kanzlei Ordonnanzdienste versah; er sah sehr einfach; und robust aus, doch verrieten seine Gesichtszüge, daß er Jude sei. Da ich ihn aber nie anders? sprechen hörte als: nur russisch — sogar mit Juden sprach! er nicht anders' glaubte ich, dem äußeren Scheine nicht trauen zu dürfen. Eines; Frühmorgens1 kam er in die Kanzlei, als! ich gerade noch' bietete und die „Te-