Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 30 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 473 Erzbergers' Rede hat.aber noch! eine Fortsetzung für Oesterreich.„Hier Watte nämlich1 Graf C z e r n i n eine Eingabe an dien Kaiser und an die Verbündieten gemacht, Welche in 'überzeugender Weisie klarlegte, was1 jederm'ann wüßte, daß nämlich! der Krieg unmög: lieh weiter zu führen wäre. Unsere christlicbsoziale und alldeuts'che Nebenregierung, die wir hatten, schrie ebenso wie die deutsche .Nebenregierung: Durchhalten! Durchhalten! Neue Heere Wurden auf die Schlachtbank geführt, neue Armeen im Hinterland vom Hunger getötet, aber wir mußten durchhalten, um1 dein Ehrgeiz und der Sicherheit der Nebenregie- " rung.zu geniigen. Nun aber plakatieren diese ehemaligen Machthaber: Der Schmachfrieden ist ein Werk der Juden! ' Ein Judengemetzel in Odessa. Tausleinde Tode. — Das Judenviertel in ' Brand ge'site ck t. . B.u k ar e slt. Das rumlänis'ch'e Preßbureau meldet aus' Ki schinew:. Aus Odessa eingetroffene Flüchtlinge erzählen, daß in Odessa ein großer Pogrom stattgefunden hat. Die Truppen des Generals Gregoriew, die Odessa besetzt halten, haben eine erbitterte Verfolgung der Juden begonnen.. Das Judenviertel in Odes'sa Wurde zerniert, worauf sich ein ■ Gemetzel erhob, dem nicht ein einziger Jude entrann. Sodann Wurde das Judenviertel in Brand gesteckt und die Feuersbruhst datierteß Tage und Nächte an. Unter dem Eindrucke der furchtbaren Ereignisse hat die jüdische Bevölkerung der ganzen Ukraine eine Trauer von 14 Tagen angeordnet, der sich die Juden von Bessarabien angeschlossen haben. . Die Wa'hirjhleit iiibler diie polnischen Pogrome. : i ^Manchester Guardian" ' Schreibt unter diesem Titel „Unsere Regierung scheint Schwierigkeiten mit der Feststellung der Wahrheit über die judenfeindlichen Gewalttaten in Polen zu h'aben. Vor mehr als einer 'Woche kündigte HarmsWorth' dem Hause an, die Regierung beabsichtige die Veröffentlichung eines eher diesen. Gegenstand von unserem-'Gesandten in Warschau, Sir ^Percy Wyndh? am, erhaltenen Berichtes. Gestern aber gab sie dem Kommandeur K e n- Worthy die Auskunft, der genaue Bericht sei noch nicht leingetroffen und das auswärtige .Amt h!abe bisher nur einstweilige telegraphisch'e Berichte erhalten.; Harm Worths! Erklärung, die Regierung habe die Regierung der Vereinigten Staaten angefragt, ob die britischen Regierungsvertreter sich an der amerikanischen UntersUchüngskommission in Polen beteiligen "könne, wird als! Zeichen dafür angesehen, daß das auswärtige Amt von den bisher, von unserem Warschauer Vertreter erhaltenen Berichten nicht befriedigt ist. Nur wer mit den verzweifelten Bemühungen der_ politischen Behörden, die Wahrheit über die judenfeindlichen Ausschreitungen zu verbergen, vertraut ist, kann begreifen, wie Schwer es für diplomatische Vertreter ist, den Schleier zu lüften." Eine Massenkundgebung igiegen die Poigrome in Polen und in Galizien, Ams/ter dam. Samstag hat hier eine Massenkundgebung gegen die Pogrome in Polen und in Galizien stattgefunden. An der Kundgebung haben sich' auch viele inichtjüdis'che Organisationen beteiligt. Es wurde ein Antrag angenommen, m dem die Versammlung der europ;äisch'en Juden im1 Zusammenwirken mit dem hollä^diScheh Journalisten verband, der höltän'dischen Abteilung der „Jto" und anderen jüdischen Organisationen gegen die Mißhandlung und Unterdrückung, der die Juden in Osteuropa, namentlich in Polen, in der Ukraine und in Rumänien ausgesetzt sind, auf das heftigste protestiert und. im Friedensvertrag eine Garantie für die religiöse und politische Freiheit sowie die nationalen Rechte der Juden in Osteuropa erbittet Gleichzeitig wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Völkerbund durch strenge Ausführung der Bestimmungen des Friedensvertrages die Rechte der Juden wahren und den Ausschreitungen ein Ende machen wird. Nach der Versiammlung wurde ein Umzug veranstaltet, an dem sich mehrere tausend Personen beteiligten. Die Wirkung der antisemitischen Hetze im Ausland. Auf Veranlassung der. englischen Besatzungsbehörde wird zurzeit in Köln a. R. unter anderem1 auch eine Schrift „Der Antisemitismus in Deutschland", gedruckt in London bei William Glowes! and Sons, vertrieben. — Man sieht, zu Welcher Minderung deutschen Ansehens bei Ausländern der kulturwidrige Antisemitistmus führt. Ein ehrendes Zeugnis für die deutschen AusFandJsjuden. Der vormalige Leiter der Regierungs'schule zu Dalton-Natal in Südafrika, Henry Tietjen, schildert in den „Bremer 'Nachrichten" die Heimreise der zweitausend deutschen Internierten aus Süd1afrika. Ausseinen Ausführungen interessieren uns als Juden besonders die folgenden Worte: „Wiewohl mir ferne liegt, in diesen Zeilen, die nur Begebenheiten schildern sollen, die RaSsenfragen zu betrachten, So verlangt doch die Gerechtigkeit, die Nächstenliebe der deutschten Auslands] uden rühmend hervorzuheben. Nicht in Holland allein bemühen sie sich im Verein mit den .übrigen in Rotterdam weilenden Landsleuten, uns Gutes zu erweisen; auch in Afrika verrichteten sie für die Frauen und Kinder der Internierten Werke und Taten, die die kirchlichfrommen, doch geizigen und selbsüoh'tigen Bauern von deutscher Herkunft beschämen mußten, und mancher Gefangene verdankte esi damals dem' Ed'elimute der afrikanisch-deutschen Juden, wenn die Seinen vor äußerster Not bewahrt blieben. Allgemein aber wurde jene herzliche, uns1 im Auslande von deutschen Patrioten erwiesene Anteilnahme, nachdem wir im Zuge die holländis'ch-deutsche Grenze passiert hatten. Als uns die Bewohner von Emmerich' auf deutschem Boden willkommen hießen, da ahnten und fühlten wir, daß die Leiden unjd Mühen Ider Kriegstjah^s den hochgemuten Geist des deutschen Volkes und den Gedanken der Einheit und Zusammengehörigkeit doch nimmermehr ertöten konnten." Ein rusisisöNer Metropolit lüfcier Juden und Botsiehtewiken. J. P. Z. Piaton Rösiebdensfwensky, orthodoxer Metropolit von Südrußland, ist nach NeW-York gekommen, Wo er in der russischen Kirche einen Dankgottesdienst für seine Rettung aus! den Händen der BolScheWisten zelebrierte. Er hat Odessa gleichzeitig mit den Franzosen verlassen. Den Reportern erklärte er, daß Rußland jetzt von einer chinesischen Armee kommandiert werde. Man behauptet, daß der größte Teil der BolScheWisten: Juden seien. Ich sage jedoch, daß die Juden darunter leiden werden, weil einige abtrünnige Juden Bolstehewisten sind. Die un-