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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-01 · 30 (1.8.1919) · p. Seite 375

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
30 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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Nr, 30 Br. BLOCH'3 WOCHENSCHRIFT Seite 471 dem gekiiuimiteil Rücken jüdischer Greise, Frauen und .Kinder aus'gefoch-ten wird, wenn blutbesudelte. Hände, -die in Eingeweiden gewühlt und Heiligtümer geschändet haben, am missetäterischen Werke sind, der Kultur ein untilgbares1, brennendes' Schandmal auf'zupräig'ßiv Werden diese Herren der "Welt die verzweifelten Rufe der erniedrigten Menschenwürde endlich vernehmen? Werden [sie in (heiligem Zorne aufflammen und die Verbrechen strafen und sühnen, die an der Schwachen, wehrlosen Menschenkreatur begangen wurden? . Wenn nicht alle Sittlichkeit ausgemerzt, alle Men|se;Michkelt erstorben ist, dann muß; der Tag. des Gerichtes' und der Vergeltung anbrechen, der diese Barbaren — und sie sind es in der Ausgeburt, der häßlichsten Fratze — zur Rechenschaft zieht und sie züchtigt. Die Untaten des! Pogroms wühlen auf ein Meer von- Schmerz und Entsetzen; seine Greuel beflecken die. Zivilisation mit unsäglicher Schmach und alle Fortschritte, Bildung und alles Wissen sind nichft imstande, die tiefen Schatten zu verscheuchen, welche sich über .die Menschheit durch solche Verbrechen herniedersenken. Diese blutigen Male sind nicht reinzuwaschen; sie kleben an der Kultur; sie düngen eine Drachensaat, getränkt mit dem Weh und den "Zähren ertöteter Nächstenliebe. Der Pogrom entweiht die Sehnsucht nach den Segnungen des Friedens; seine Mordlust schmäht das göttliche und natürliche Recht und zerrt den Namen „Mensch" in die iNiederung 'der Kanaille. Die Woge des Hasses1, von der sich der Pogrom tragen läßt, muß zerschellen an der sittlichen Ordnung, an dem .Damm, den sie gegen Unnatur und Unkultur aufgerichtet hat, an dem Abscheu, der sich in Zorn und Galle Wandelt. Das eheme Gesetz „Du sollst nich't morden" liegt in Triirnmern, ist' mißachtet und mit Fsüßen getreten. Es erhebe sich' das Weltgewissen und richte es: wieder auf! Die Fackel, die der Aufklärung leuchten sollte, ist matt und fahr geworden; sie verglimmt in den russigen Schwaden des grellen Feuerscheines und der Brände, welche barbarische Raub- und Rachgier angefacht und damit auch die Menschenrechte; in Schutt und Asche gelegt haben. , . Die Flüche und Venvünschungen der Schuldlos gemarterten Seelen entladen sich über den Häuptern der erbarmungslosen ScHäctiter; sie haben den Genius der Menschlichkeit gehöhnt und geschmäht und gegen den „Gott der Liebe" gefrevelt. Möge den Opfern ein „Gott — der Rache" erstehen! Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Es bleibt leider nichts anderes übrig, als sich einmal auch gründlich! mit Danzersi „Armeezeitung" zu beschäftigen. Daß: dieses Blatt überhaupt noch er- 1 scheinen kann, ist ausschließlich eine Wirkung der bekannten Wiener Gemütlichkeit. Denn esl gehörte ^'u den;ärgs!ten und 'bösesten Kriegstreibern. Der Schaum stand ihm förmlich1 vor dem; Munde vor lauter Eifer und Geifer, um die armen österreichischen Völker nur gewiß auf „das Feld der Ehre" zu schleifen. Was die Militärblätter, die natürlich fast ausnahmslos hohe Subventionen aus Steuergeldern vom ehemaligen Krieg s!rninisterium! empfingen, an Kriegshetze überhaupt leisteten, das 'spottet jeder Beschreibung. Man erinnert sich noch der berüchtigten Ankündigung in der „Militärischen Rundschau","welche amtliches' -Organ des Ministeriums war und schon im Jahre 1912 anläßjüch der Aimexionskrise und teilweisen Mobilisierung auf der ersten Seite zu sagen wagte: „Wir werden täglich Gefechtsberichte veröffentlichen." Damals! aber kam es trotz diesem wütenden Treiben gar nicht zum Kriege! Daß nun die militärischen Blätter damals mit solcher Wut und Wucht in die Kriegstrompete stießen, hatte seinen Grund darin, daß sie ebenso wie die christlichsozialen 'Blätter unter dem Befehl des Erzherzogs' Franz Ferdinand und Seines Hofes standen und von ihm zu ihrer Haltung kommandiert wurden. So wurden Steuergelder in Haufen dazu verwendet, um die Bürger auf die Schlachtbank zu schleppen, den Staat zu verwüsten und endlich' zu - zerschlagen. Unter den Blättern nun, deren Schuld am schrecklichen Krieg und seinem entsetzlichen Ende in erster Reihe steht, befindet sich DanzerS „Armeezeitung" und wenn ess tatsächlich zu einer Verantwortung der wirklich. Schuldigen vor Gericht kommen 'Sollte, müßte ihr Herausgeber unbedingt angeklagt werden. Natürlich sitzt er wohlgeborgen mit seinem beträchtlichen Vermögen irgendwo in den Alpenländern in Sicherheit. Selbst kämpfen konnte er allerdings* wegen eines verkürzten Beines nicht, aber um so tapferer war er immer für die anderen. Eine der Fronten nun, gegen welche dieser unermüdliche Kriegshetzer im Sinne seiner Auftraggeber auch stets mit gewaltiger Kühnheit kämpfte, waren natürlich die Juden. Die Zeitung war jmmer voll von läppischen und albernen Lügen gegen die Juden und der tapfere und wohlgeborgehe Herr Danzer suchte den Antisemitismus in der Armee auf jede Weise zu fördern. Natürlich geschah das, um die Begeisterung der Juden für den Soldatenstand zu erhöhen. Endlich aber verließ der tapfere Danzer die Stätte seiner in jeder Beziehung verdienstvollen-Wirksamkeit und in der Hoffnung, ein gutes; Geschäft zu machen, übernahm die „Armeezeitung" ein anderer Offizier gegen Bargeld. Dieser sucht nun die Lust seiner x4.bönnenten durch die alten albernen Mittel zu heben und wandelt in der Judenfrage in den schmutzigen Spuren seines Vorgängers. In jeder Nummer bekommen wir zu hören, daß wir feig und unzuverlässig sind, und ein paar blöde Jargonbemerkungen zeigen den hohen Geist des Herausgebers, der die ganze Schale seines nicht mehr pauschalierten Zornes auf die im Krieg so feigen (wir müssen das Wort so oft als möglich wiederholen) Juden ausschüttet. Wer ist nun der Herausgeber und mit welchem moralischen Recht wirft er sich in jeder Nummer auf die Juden,' deren Betragen Sein tapferes Kriegerherz So erschüttert? Wahrscheinlich ist es ein mehrfach verwundeter Frontoffizier, der sich seinen Antisemitismus von niemandem verbieten läßt und der aufzählen kann, wieviel Juden neben ihm gefochten haben. Er hätte allerdings unrecht, denn z. B. die Reserveoffiziere, unter denen sich doch so viele Juden befinden, wurden in einem eigenen Armeebefehl besonders belobt, aber schließlich1 darf ein Frontoffizier über Tapferkeit eine Meinung haben, ob sie nun den Juden freundlich ist oder nicht. Der Herausgeber ist aber kein Frontoffizier; keine Spur von einem Frontoffizier, 'sondern ler ist ein ehemaliger Generalstäbler, der nicht einmal bei einem Kommando war, sondern die ganze Kriegszeit bei den echtesten Durchhaltern und Kriegsgewinnern, nämlich beim Armeeoberkommando in Baden gesessen istj, wenn

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