Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 29 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 367 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Dr. BLOCH«" WOCHENSCHRIFT Seit» 463 Fleseil, Oberrabbiner,Dr. Jakob Hotfman,n (Radautz), Rabbiner Samuel Neuwerth, Rabbiner Dr. Joel Pol 1 a k, Herr Albert Breuer und Herr Salomen Schreiber. . Herr Gabriel Fi sicker stellte sein Lokal zur Verfügung, doch: erweist es\ sich! als zu klein und muß ein neues1 [würdigeres1 Heim geschaffen werden. Durch Beiträge kam eine stättliche Bibliothek zustande, Welche den Mitgliedern während der Besuchszeit im' Vereinslokale zur Benützung steht und wo ihnen stets Gelegenheit geboten wird, sich in freier Zeit mit Gleichgesinnten zusammenzufinden. Auch! auf soziale m Gebiete haben wir durch , reges Interesse unserer Mitglieder schon" manches geleistet, indem' wir durchreisenden Flüchtlingen Speiste besorgten. Kranke werden besucht und gelabt. Die amerikanische Aus'speiseäktion Anitta Müller für 3000 jüdische Kinder im Verein mit der Schifföchül Unter Leitung ihrer -Führer rituell durchgeführt, bei der Aktion ^Kinder nach Hollaad'4 werktätig mitgearbeitet. Stellenvermittlung und Fürsorgeaktionen werden noch angegliedert. Die Jugendgruppe zeigt schon in ihrer Anlage und praktischen Betätigung, daß ihr die Fähigkeit eines fördieriichieh Schaffens! im Geiste der Thauroh, gegehien ist und wir richten dahler die Aufforderung an alle, denen eine Färderungi dieses; Zieles, am Herzen Hegt, geiötig und materiell am Werke mitzuhelfen, einen Mittelpunkt zu schaffen, wo wir unsere Befttrehuniiiein verwSrkHdhen können, dann wird die Thauroh1 aufsi nsue ihre lebenspendende Kraft siegreich bewähren. - Die Leitung ä Ai#r wAygendfl^PPe" des1 Vereineszur Wah- >r r runig Inleregsfen de« orifoodoxen- Judentums, Wien. II., Große Schiffgasse 16. Bi&'her eingelaufene Spenden:-Siegmund BondiK. 1000.—i, B.jS chiff und S0hlneK.S0O.r-, Salomen S c h r ei her K. 300.—>, Michael Sternfeld K. 300.— M. D. Schlesinger K, 300.—, Julius' Schreiber K. 300—, J. Lemberger K. 300.—, S. Krochmal K, 200^—, Wilhelm S c-hfreiber K. 200.—, G. Weinsitock K. 200.—, Benjamin Schreiber K. 200.—, Bela Deut&'ch K. 100.—, Benno S chlrei ber K. 100«—, Adolf Grü n w a ld K. 100.—. Geldsendungen sind zu richten an den Wiener Bankverein, Filiale, IL, Stephanie&traÖe, auf Postsparkassenkonto Nr. 172.829 für „Jugendgruppe", oder an Herrn David B a u m g.a r t e n,. II., Herminengas'se. 13. " _ Gegen Bela Kuns Jüdenrazzien. Der Budapester Gesandte der westukrainischen Volksrepublik, Herr Biberowy cz, hat an die ungarische Regierung folgende Note gerichtet: . „Die in Budapest wohnenden westukrainischen Juden wenden" sich an-mich durch eine Deputation mit der Bitte um eine Iriterventimi bei der ungarischen Räteregierung/ man möge sie bei den angeordneten Razzien, Einsperren im Schubhaus und. Abschieben aus1 .Budapest verschonen. Bei vollster Anerkennung! des Umstahdes, daß •infolge, der in Budapest herrschenden. Hungersnot die ungarische Regierung alles; unter- . nimmt, um der bodenständigen Bevölkerung die Exi- . Stenz zu ermöglichen, bitten, die aus der westukrainis'chen Volksrepublik stammenden Juden, ihre Aufmerksamkeit darauf lenken zti Wollen, daß sie alle bereit-sind, Budapest je eher zu vorlassen, falte ungarische Regierung ihnen $te Cpegenden zuweist, wohin sie sich begeben könnten, da sie in ihre Heimat, wo die polnischen Okfeapationstruppen unausgesetzt Pogrome veranstalten, momentan nicht zurückkehren können. Außerdem bitten ade, die ungaiisehe Räteregierung möge ihnen die Möglichkeit -bieten, ihr karges; Privateigentum im Sin<ne der Erlässe mitzunehmen, und verändern, wie dies gegenwärtjg geschieht, daß die Leute «(sei Nacht aus ihren Wohnungen in das Schübhaus abgeführt und von. dort, ohne die notwendigsten beider und Wäsche mimehimen zu können, in die Gebiete abgeschoben werden, wo sie dem . sicheren Tods entgegengehen. {Wenn sich auch vielleicht .unter diesen Leuten einzelne befinden, die tatsächlich während der Kriegszeit sieh mit dem Schleichhandel beschäftigt haben sollten, hoffen die. westukrainischen Juden, daft die ungarische Räteregierung es Tausenden von Unschuldigen nicht entgelten und sie nicht den Pogromen entgegenschicken wird. Sie erlauben sieh daher folgende Bitte zu unterbreiten: „Die ungarische Räteregierung möge bekanntgeben, wohin sich die westukrainischen Juden aus Budapest begeben können, einen solchen Termin für die Abreise ausi Budapest festsetzen, daß sie sich ihre Reisepapiere verschaffen und ihre dringlichsten persönlidheh Angelegenheiten ordnen können, weiters. bitten sie um die JErmö^Uchung, ihr Gepäck in die neu bestimmten Aufenthaltsorte tait-- zunebmen.'' In der Hoffnung, daß die ungarische Rätere^enmg Tausende von -unschuldigen luden ,d&a Psgjpomisten nicht ausliefern wird,, bitte ich die Scbobhauschrektion anzuweisen, die westujprainisiehen luden bis zur .igrlassung der Anordnungen im Sinne der vorliegenden Bitte bei den Razzien zu -verschonen." Griechische BluUiigen. ,,Jewish Ohaponiela" berichtet: D*ei griechische Frauen in. Tchorlou bei Adrianopel beschuldigten die kleine jüdische Gemeinde dieser Stadt, ihren kleinen fünfjährigen Bruder zum PaäSahfest entführt und-getötet zu haben. Ein angesehener Jude, namens Nissim, und seine Frau wufden von eini|»en fanatischen griechischen Soldaten grausam gepeinigt «nd ins Gefängnis geworfen. Die griechische Bevölkerung bezeugte den Juden gegenüber eine dÄende Haltung und überfiel einige jüdische Häuser. Während der Nacht wurde eine Deputation nach Adrianopel gesandt. u|nd dank der energischen . Intervention des Qbenabbiners! telegraphierten der £&uve*neur Colonel Samson, das! Haupt der englischen Mission, und der griechische Metropolit den Behörden von Tchorlou, das Leben der rJuden zu sehützen. Nach! zweitägigem Suchen ivurde 'der vermißte Knabe, der mit. einigen Kameraden nach einem Nachbardorfe, gegangen war, gesund und wohlbehalten (aufgefanden. 3ie zwei angesagten Personen wurden natürlich in Fieiheit gesetzt, aber unglücklieheraeisje verlor Frau Msr sim infolge der ausgestandenen Tostus den ITeästajid. Eine englische Mission wurde nach' Tchorlou gesandt,- um EBkundi^ungen einzuziehen xmä die a©&uldjgen Personen zu verhören.