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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-07-25 · 29 (25.7.1919) · p. Seite 364

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
29 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 364 (sequence 8)
Language
German
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Seite 460 ' ' Dr. BLOCH’S WOCHENSCHRIFT ' ' Nr. 29 Ein« Rundfrage der Alliance. Die „Alliance Isfaelite“ wandte sich mit einer Rundfrage über die Pogrome gegen die Juden an alle französischen Armeeführer in den Ländern des ehemaligen Rußland. Der ZWeck^der Enquete ist die Feststellung der Schuldigen an den Pogromen. Es langten bereits mehrere Antworten ein. Das Ergebnis diesfer Rundfrage wird, demnächst veröffentlicht Werden. ' Die Judeirfrage und die Friedenskonferenz. * Aus St Germain wird uns1 gemeldet: Eine Anzahl Deputierter hat an Pichlon ein Schreiben gerichtet, in welchem sie diesen über die Haltung Frankreichs auf der Konferenz in der Judenfrage befragen. Pichon antwortete, daß die französische Regierung von Konferenzbeginn an die Initiative zu einem gründlichen Studium des jüdischen Problems gegeben habe. Es sei anzuerkennen, daß die Vertreter der polnischen und rumänischen Regierung die völlige Gleichberechtigung und Freiheit der Juden |n'ihren Staaten akzeptiert hätten. Nichts wäre jCdoch gefährlicher, als' den Juden besondere Privilegien zu geben, da die Garantie des (Schutzes1 der Minderheiten nur. ein Ueb'ergangsätadium zur völligen Verschmelzung mit der betreffenden Nation darstellt. Gottfried Keller und die Gleichberechtigung der Juden. Der berühmte Schweizer Dichter Gottfried Keller, Seit dessen Gehurtstag am 19. Juli d. J. hundert . Jahre verflossen sind, war bekanntlich auch Staats- Schreiber des’ Kantens Zürich und hätte alljährlich' daS Sogenannte Bettagsmandat zu verfassen, das von allen Kanzeln verlesen Wurde. Das Mandat von 1862 enthält auch ein schönes Denkmal seines Freisinns und seiner Duldsamkeit in konfessionellen Dingen. Ein Gesetz jenes Jahres! hatte den Juden im Kanton endlich Freiheit und Gleichberechtigung, mit den Christen gebracht —Keller_ Schrieb: „Und wir haben keine Stimme vernommen, die sich aus eurer Mitte dagegen erhoben hätte. Ihr habt euch1 dadurch selbst geehrt, und Ihr dürft mit diesem Gesetze, das ebensosehr. '“ von der Menschenliebe wie aus1 Gründen der äußeren Politik endlich geboten War, am kommenden Bettage getrost vor den Gott der Liebe und der Versöhnung* treten. An euch wird es sodann sein, das geschriebene Gesetz zu einer fruchtbringenden, lebendigen Wahrheit zu machen, indem Ihr; den Entfremdeten und Verfolgten auch im gesellschaftlichen Verkehre freundlich entgegen gebet und ihrem' guten Willen, wo sie Solchen bezeigen, behilflich seid, ein -neues bürgerliches1 Löben zu beginnen. Was aber der verjährten Verfolgung und Verachtung nicht gelang, wird der Liehe gelingen; die Starrheit deS Volkes’ in Sitten und Anschauungen wird sich lösen, seine Schwächen Werden sich nützliche Fähigkeiten, seine mannigfachen Begabungen in Tugenden verwandeln, und Ihr werdet eines Tages' das Land bereichert haben, anstatt es zu schädigen, wie blinder Verfolgungsgeist es wähnt.“ (Vgl. „Gottfried Keller .als Politiker“ von H. M. Kriesi, Leipzig 1918. Huber & Co.) Araber und Zionisten. Wie feindlich sich1 jetzt gewisse Kreise der Araber zu den Zionisten verhalten, zeigt folgende Nachricht: , Der arabische Klub in Jerusalem erhielt folgendes1, in allen syrischen Zeitungen veröffentlichte Ter : legramm: „Wir erhielten Euer Telegramm, .dasl deutlich Eure aufrichtigen Gefühle für Palästina zum Aufdruck bringt. Wir haben es auf unserer Versammlung > vorgelesen, wo es einen sehr guten Eindruck machte. Wir publizierten es in allen arabischen. wie auch zweisprachigen Zeitungen Amerikas. .Wir wandten uns auch schön mehrmals telegraphisch an Euch wegen der Gründung einer nationalen Agrarbank mit dem Zwecke, dem arabischen Bauer Hilfe angedeihen zu lassen, damit er nicht gezwungen wird, seinen Boden den Zionisten zu verkaufen. Wir sind sicher, daß die Gründung einer solchen Bank das einzige Mittel ist, der schrecklichen Gefahr, die seitens der zionistischen Kolonisation droht, zu entrinnen.' Deshalb haben wir beschlossen, oben erwähnte Bank zu gründen und wir sind sicher^ daß Ihr uns behilflich Sein werdet, dieses Ziel zu ert * reichen.“ Gez.: Der Palästina-Verband zur Bekämpfung des Zionismus in NeW-York. Die arabische Zeitung „Muktabät“, die in Damaskus erscheint, bemerkt dazu: Wir freuen uns, daß unsere Brüder die palästinensischen Araber, sowohl Muselmanen wie Christen, beschlossen haben, sich gegen die vorauszusehende Gefahr zu wehren, denn nur Eisen schmiedet Eisen. Rollendem Geich kann nur durch1 Geld entgegengewirkt werden. Dies ist das einzige Mittel zur Bewahrung unseres Bodens und seiner Kulturen. Wir hoffen, daß! dieser Vorschlag rasdhestenS durchgeführt und der Allmächtige alle Beschützer des . Vaterlandes schirmen wird. . Jüdische Friedhofkiuist.,, Wer alte jüdische Friedhöfe, betritt, wird gebannt durch dein Anblick einer versteinerten Welt gleicher Gesinnungen . . gleicher Steine.. . Keine Mischlinge dm Volke — keine Mischlinge in den Steinen. Die Grabsteine — entweder die zwei Täfeln Moses darstellend, oder einen offenen Thorasohr ein, Wer aber einen Friedhof moderner jüdischer Kultusgemeinden betritt, der empfindet Schmerzhaft, Wie wenig jüdische Kultur hier Einzug gefunden. Ja, noch mehr: er empfindet, welches Weh! der jüdischen Kultur hier angetan wird. Sicherlich! nicht aus Absicht; wohl aber aus Unwissenheit. Hier rächen sich' die Sünden moderner Gemeindeväter, die so wenig für die Durchdringung' der Gemeinde mit jüdischer Kultur vorgesorgt haben. Alljährlich danken wir dem Allmächtigen beim Sederahend, daß Er uns herausgeführt hat aus dem Lande MizrajTm, und die Ruhestätten unserer innigst Geliebten belasten wir, mit ägyptischen. Obelisken und Gräbertoren, sp daß jeder Aegypter sich hier auf einem mizrjSchen Friedhöfe versetzt glauben könnte. Alljährlich zünden wir die Ch'anukahi-Kerzen zum Andenken an die Seelen der jüdischen Mutter und ihrer sieben .tapferen Söhne, die dem' griechischen Tyrannen im' Glutofen zum Opfer gefallen sind. Aber — auf modernen jüdis'dhen Friedhöfe,n (errichten [wir griechische Tempel' auf jüdischen Gräbern. Das ist — zu Stein gewordene Ignoranz unserer Reichen. . < - Ausnahme hievon machen die spaniolischeri Gemeinden. Auch sie suchen mit schweren Geldopfern

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