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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-07-25 · 29 (25.7.1919) · p. Seite 363

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
29 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 363 (sequence 7)
Language
German
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Nr.- 29 Dr. BLOCHE WOCHENSCHRIFT Seite 459 ächweinnit würden; gleiches geschehe in. Fabriken, Ej&öj&ahn^gen uöw. Man arbeite sichtlich mit großen Mitteln. Jiünglst ^sei allein -eine Broschüre, betitelt: „Vergiftung des1 deutschen Volkes" in 200.000 Exemplaren an deutsche Geistliche und Lehrer von Berlin-aus versandt-worden. „Den Juden schlägt man", &»^?nfUdie „Freiheit" aus!, „und die Revolution meint man4',. mdem -man, *me seinerzeit in Rußland, Rumänien und -Polen, eine kontrarevolutionäre Pogromhetze-systematisch'betreibe. ■ . So ist es". Auf dem Umweg -ither die Pogrome wollen die alten, mit ihrer Beute vollgestopften Plünderer des Volkes1 wieder zur Macht' gelangen. Wie verlogen und verbrecherisch * die J.udenhetze in Öeutschland ist, geht wohl aus der Tatsache am besten hervor, 'daß die Juden im Reich überhaupt nur ein Prozent der Bevölkerung betragen. Georges Cfemeneeau gegen Georges Ciemeneeau. „Glaube nichtjan HicHbis' zum Tage deines Todes." Am dieses Wort unserer Alten muß man" denken, wenn man sich einer Szene erinnert, die sich am 11. Februar 1903 in Paris abgespielt hat'. Am 11. Februar 1908 fand in" der Halle des! "Lu- .3B€anlwrgerpaJb,stes zu Paris die Gedenkfeier für den edlen ScheuBertKestner -statt, dessen von Dalou gekernte Stelle ^eingeweiht wurde. Der Redner war damals .Georges Gleeienceau und er sprach von Frankreich und DeoitäcMand und von den Pflichten des . Siegers^ den-er vor dem Mißbrauch der Gewalt warnte. Axt seine damaiigeii Worte sollte man heute wieder erinnern. Er.sprach folgende Sätze: - . " »Im Siege birgt g ich die Gefahr, den Sieg z u f m i ß b r a u c h e n,- im Widerstand! -gegen Mißgeschick stärken: ■ich die'Seelen. Jeder Mächtige muß diej'flictit empfinden, in den großen Kampf um die -moralisch* Vorherrschaft einzugreifen, die allein den Frieden bringen kann! Zu diesem edlen Wetteifer bringen .wir JtUe die Stuten Wüle-tskräfte-einfs Volkes und einer Regierung .mit, die «ich zu ei-nler -großen Aufgabe vereinen: zur Erzeugung einer würdigen und mächtigen Demokratie. Wir a'le 'haben das ^Bedürfnis nach Frieden. Wir verfangen Achtung für unsere Verträge, für unsere Empfindungen, -'weil *wirdie Verträge, die Empfindungen anderer loyal respuktieren. Das Land hat ein furchtbares Schicksal überstanden; um es in seine alte Würde -wieder einzusetzen, brauchen wir aber weder zu hassen noch zu heueheln. "Wir richten unsere Blicke .ruhig in die Zukunft. Alle Völker -habsn gleich uns den Stolz der Siege unddie Schmach der Niederlag« *gefcuhlt. Vielleicht ^erwächst -aus -der Erinnerung an die jemeiosamen Leiden weit eher,dar Gedanke an das gemeinsame,, große Vaterland der Welt als aus dem Gedenken an Tftge des Triumphes. Söhne einer großen Geschichte! Wir dürfen ruhist die Nachkommen jenes Volkes betrachten, das seit Jahrhunderten mit uns um den Preis der Siege-auf-blutigen Feldern gestritten hat. Zwei große V ö 1 k e r, d i e;mi t ei na n,d « r r in geji, lta.b>e n da» .gleiche Iiu t e r^s s e, te i ri.aji.der m i t Ach tu^n g z u b e- - ha n d ein, wei 1 dies er We t t.kamjp f j e,dem von ihnen zur Ehre gereicht.« .Heute ist .es1 derselbe Georges' Clemenceau, der . in seiner Siegestrurikenheit, jedes Maß überschreitet, die Gewalt mißbraucht .und die einzige Gelegenheit verabsäumt, der Welt zu'zeigen, wie die Demokratie ihre Aufgaben und -Pflichten ernst nimmt, um einen Frieden Her Dauer, jder Versöhnung h^rbeizuiührien, Georges Clemenceau bietet, der demokratischen Welt .eine .große Enttäuschung und einen neuerlichen ' Beweis für dieWaiuäj.eit .des' Wortes .in den Sprüchen der Väter: ^Glaube nicht an .dich; bis zum „Tage deines ,Hinscheidejas." . . Cfeemenceau ilbi&r den Friedönsvertraö mit Polen. Dem jüdischen Pres^ebuieau in Stockholm wird aus Paris telegraphiert: Der-Präsident der Friedenskonferenz Clemenceau richtete an den polnischen Ministerpräsidenten Paderewski einen den Minoritätenvertrag begleitenden Brief, der unter anderem* folgende Stelle enthält: „Die von den Alliierben erhaltenen Informationen über die Entwicklung der jüdischen Fragen in Polen zeigt, daß die Beziehungen zwischen den ■ Polen und den Juden große Animosität angenommen haben, die einen speziellen Schutz für die Inden notwendigi macht, aber die bezüglichen Bestimmungen sind auf das1 Minimum dessen beschränkt, das unter den Um- . ständen notwendig ist." Eine amerikani^ive^flsche UntersuchurtgskoRTmlasiön. Dem jüdis'chen Pressebureau in Stocfchblm wird aus London telegraphiert: Der Kommandant Menworthy richtete im Unterhause an die Regierung die Anfrage, ob -sie eine spezielle Kommission zur Untersuchung der Pogrome nach Polen zu entsenden gedenke, da die bisher erhaltenen Berichte nicht zuverlässig seien. In seiner Erwiderung teilte der Unterstaatsser kretär des Auswärtigen Amtes Harmsworth mit, daß? die englische Regierung Amerika ersucht habe, ihir zu gestatten, englische Vertreter der amerikanischeh Kommis'sion beizugeben. Harmsworth teilte ferner mit, daß ein voller Bericht über die Pogrome von den englischen Vertretern in Polen noch nicht erhalten worden sei. Die englische Regierung ist bloß im Besitze einer Anzähl provisorischer telegraphischer Berichte und denkt, daß est ratsam ist, mit ihrer Publikation bis' zum Empfange eines' ausführlichen Berichtes zu warten. _ h Ein« Uniersuchungskommission der Liga für Menschenrechte. Die französische Liga für die Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte entsendet eine spezielle Kommission zur Untersuchung der Judenverfolgungen nach Polen. Wahrscheinlich! wird der sozialistische Abgeordnete Moutet, der sich vielfach als Verteidiger der Juden hervorgetan hat, dieser Kommission angehören. _ „Klnipchd StrefcWe." Die Warschauer „Gazeta Poranna", welche bisher eine ausgesprochen antisemitische Haltung einnahm/hat am 29. Juni folgenden Aufruf veröffentlicht : „An die Soldaten der Armee des Generals Hallerl Wir wenden uns an Euch, im eigenen Namen und im Namen der polnischen Nation mit der warmen und dringenden Bitte: Laßt die Juden und ihre Barte in Frieden l Alle Eure kindischen antisemitischen Streiche werden in der ausländischen Presse zu ungeheuerlichen. Dimensionen au5gebauscht und schaden Polen, indem sie unseren Feinden die Möglichkeit geben, Polen alä ein Land schrecklicher Barbaren riinzusteHen. . Der polnis'che Reichstag hat alle an den Judenverübten Gewalttaten verdammt. ~ Wir bitten Euch alsk>, Soldaten der Armee Haller, sich aller gegen die Juden gerichteten Handlungen zu enthalten, wenn Ihr dasi Wohl Polens? wollt, dolens, um das* zu kämpfen, Ihr gekommen seid." Die Redaktion der „Gazeta Poranna",.

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