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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-07-25 · 29 (25.7.1919) · p. Seite 360

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
29 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 360 (sequence 4)
Language
German
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\ Seite -456 Dr, BLOßH'S WOCHENSCHRIFT 'Är; 29 daß sie überhaupt nicht , im künstlichen Lichte politischer Sicherungen, sondern nur im hellen Sonnenlichte, persönlicher Freiheit und Entscheidung gedeihen 1 Noch einmal: alles Nationale muß entpolitisiert werden!« (S. 16/17.) - ~ . . »Heute ist es mehr denn je notwendig, die Lösung der judenfrage im Sinne der ihr innewohnenden Idee anzubahnen. Diese Idee war zwar bisher in vielen Köpfen lebendig, ist aber dann nur von wenigen'konsequent durchgedacht worden. Rufen wir ihnen allen ins Gedächtnis^ was sie sich s.war ungegähr immer gedacht, aber in bestimmter Form auszudrücken scneuten: Werdet bewußte Diasporajuden!« . >Nicht um die Bildung einer neuen jüdisch'en Nation handelt es sich, sondern um^en alten ewig leb enden jüdischen Geist, dem wir unter den Völkern als ihre gleichberechtigten und. mitberechtigten Glieder zu neuer Blüte verhelfen wollen.«-^S. 18.) »Der Triumph der nationalen und liberalen Idee wäre auch die stärkste Bejahung der Juden diaspora. Aber schon die Stärkung und das Mächtigwerden dieser Idee allein unter den Juden müßte bei deren Stellung im Geistesleben aller Völker überall auf die Intellektuellen zurückwirken. Die geistigen Verhältnisse in der jüdischen Diaspora würden dann infizierend weiterwirken auf-alle Kulturvölker und würden im Gegensatz zur nationalistischen Weltanschauung jene Anschauung zur allgemeinen Ueberzeugung bringen, welche die ganze bewohnte Erde nicht in Siedlungsgebiete und Interessensphären einzelner Nationen einteilt, sonder-n auch nur als Diaspora aller Menschen, anerkennt. Dies wäre der stärkste Sieg des jüdischen Skeptikers über die t(Machtideologen.« (S. 17—18.) »Ihr alle, denen das Bekenntnis zum Judentum keih- Phrase, auch keine nationale Phrase ist, Ihr, die Ihr gerade die nationalistische Färbung eines solchen-Bekenntnisses als unjüdie sehe erkennt, kommt alle in unsere Reihen. Bekennt Euch mit uns als Glieder eines bewußten Diasporajudentums, dem die Wohlfahrt der Juden in allen Ländern der Zerstreuung am-Herzen liegt, mehr aber" noch die besondere Wirksamkeit jüdischen Geistes unter den Völkern.« (S. 19.) . r »Ihr all«, die Ihr als freie jüdische Bürger auf einer durch keine nationalen Hindernisse, zergrenzten Erde wohnen wollt, schließtEu c h zu einem festen Bunde .zusammen, um den Völkern das Beispiel eines/,Äftes, das jedem nationalen Machtstreben aufrichtig entsagt hl^ zu veranschaulichen.« (S. 20.) AehnHchen Gedankengängen, wie die vorstehenden Ausfüllrangen, begegnet man in meiner Schrift „'Der nationale Zwist und die Juden in Oesterreich". Wien 1884. Verlag, von M. Gottliebl Wenn wir . unsere Literatur durchblättern, so fesselt uns zunächst dasjenige Kapitel, welches unr sere Geistesgeschichte einleitet und dem histori,1schen Bewußtsein unserer Gesamtheit zum' .ersten^ Male Ausdruck gibt. Er erzählt von der ersten göttlichen Vision, weiche Israels größter Prophet und Gesetzgeber geschaut, als der Entschluß in ihm' reifte; seinem Volke die - Sklavenketten Aegyptens . zu lösen. In der einsamen öden Wüste erblickte, er plötzlich einen Dornstrauch1 in lichten Flammen, der nicht verzehrt ward. Diese allen Naturgesetzen widersprechende Erscheinung reizte seine Gedanken, „er trat hin, um zu schauen, warum' verzehrt dieser Dornstrauch nicht?"-Er glaubte dann die Stimme •des Herrn aus dem Dornstrauch' zu vernehmen: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der Gott Abrah^ms^ Isajrs und Jakiqbis." > Ist es uns nicht,* wenn wir in das1 Bild dieser Vision uns versenken, als1 sähen wir Israel selber, wie es verachtet und gehaßt, ausgeschlossen und gemieden von allen Völkern, die Geistesfackel hoch! in der Hand trägt? Das rätselhafte Bild unserer ewigen Dauer, ob auch alle Mächte ider Welt zu unserer Vernichtung und Zerstörung sich vereint haben/als wäre Israel ihnen ein Dorn in der' Seele,. — ob man gleich Scheiterhaufen und Holzstöße ohne Zahl ihm geschichtet und angezündet .— „aber der Dorn verzehrt nicht"! * < i i i .;^.VlJ^I L.r „Warum erfolgte die göttliche Offenbarung gerade im Dorn Strauch?'*, fragten unsere Alteni Und che Antwort lautet: „Weil es, rür das damalige Israel, weiches in der [ägyptischen, Sklaverei schmachtete, eine Zeit der Not und Bedrängnis' war, und in Not > und Bedrängnis Israels weilt Crott im Exil.'' Was beueutet dies> umgekleidet in nüchterne moderne Gedankenform? •■. „Zur Zeit der Bedrängnis, Israels weilt die Majestät Gottes im Exil," Mit dem Gojttesbegriff ver,- einigen wir eine Sumine, der höchsten. Attribute: der nöch'stenv Weisheit; der höchsten Gerechtigkeit, Menschenliebe, Brüderhobkeit und Eintracht usw. . Ein Blick um uns;» aut die Vorgänge innerhalb der Völker Europas^ und eift Blick in die Gedenkblätter der Menschheit bietet die überraschende Wahrnehmung, daß wo und wann immer i diese göttlichen Ideen der Y^eis'heit,;der Gerechtigkeit, der Menschenliebe, der Freiheit und Gesittung; triumphieren, da erstrahlt am Firmament auch" der lätern Jakobs in seinem vollen Glänze. — Und wir sehen die göttclichen Ideen der Gerechtigkeit vergewaltigt, die Menschenliebe zurückgedrängt, den Vuikerhali triumphieren, die Mächte des! Rückschrittes Oberhand gewinnen — überall und allezeit, da der Groll und die Wut wider Juila. :sich kehrt, — da weilt dann Gott im Exil I Der große Gedanke der Zusammengehörigkeit, der Brüderlichkeit, der Blutsgemeinschäit der Menschen und Völker, flüchtet sich in das1 Zelt Israels, seines uralten erkorenen Apostels in der. Völkerfamilie. Das ist die durch eine Gunst der Vorsehung, uns gewordene Auszeichnung und iLuserw&hitheit, daß^ indemwir für uns; streiten, wir zugleich für die höchsten Ideen der Menschheit kämpien. Ein Kampf für uns, aber zugleich, ein Kampf iiir etwas, was mehr - ist, als wir selber —. ifjür den, Fortschritt der Gesamtmenschheit! Darum zagen wir nicht in den Zeiten der Bedrängnis und die neue Not finde uns:' nicht 'mutlos. ' \- , ■ i . .; i . i i Eine geheimnisvolle, Macht waltet in den Geschicken der Menschheit. Durchj ein beispielloses! Martyrium vom 19 Jahrhunderten sindwir geschritten, gepeinigt und mißhandelt von Haß, Habsücht und; Aberglauben. Die Legionen des1 Römerreiches' haben „auf unseren. Rüoken gepflügt"; .e.uropäis'che, asiatische und afrikanische Barbaren haben an uns als „von Gott Verfluchten" ihren Blutdurst gestillt; die Großimajüsitoren aus unserer Mitte die. reichsten Opfer geholt, um ihre Gefängnisse und ihre. Kassen zu füllen; alle Mächte der Reaktion, alle Elemente der Finsternis haben zu allen Zeiten ihr Gift auf uns ausgespritzt,, die Gewalten der Er.de vereinigt, 1 um unser Volk auszutilgen, „aUiPdaßf der Name Israel fürder nicht gedacht werde": Was hat uns gerettet," was uns erhalten, was hat das .Sinnen unserer Hasser zuschanden. gemacht? Dpdh sicherlich nicht unsere materielle körperliche. Uieberlegenheit und noch weatiger etwa unsere politische. Klugheit! Unsere Rettung bildet ein unendliches Geheimnis der Jäescmcihte; die Hand der Vorsehung hat uns! geleitet — ^durch Flammen und Fluten". Dasj konnte nur geschehen, weil ujns noch' eine großfe Aufgabe in der Zukunft vorbehalten ist. . Mi 1919. Dr. Joseph S. Blochl

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