Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-07-25 · 29 (25.7.1919) · p. Seite 359

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
29 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022377--27825-3053264
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Är. 20 Dr. BtOCfi'S. WO€HiN«eiöa^ Sehe 45o keine äußeren Ehrungen ~aüsgemärzt und durch innere vEffölge nur gestempelt -wird." (ß. WS:) 'So wenig ist das Wirken des "Juden unter fremden Völkern ein Fluch1, daß vielmehr "entjudete; Länder" an Wohlstand, Kultur und Gesittung merkliche EiiiBuße erleiden. - 1 Die gemeinsame Abstammung hat dem Juden eine , besondere Eigenart aufgeprägt, die in jedem einzelnen als' Erbschaft" von Jahrtausende lebt und wirkt, die auch1 durch: die äußerliche Zugehörigkeit zu einem änderen Volke nicht gemindert wird. *Die Stellung des Juden innerhalb der einzelnen Völker wird durch' seine Leistung bestimmt; der Inhalt dieser Leistung wird durch die jüdische -rSonderart nicht' herabgemindert, sondern gesteigert und auf die s'pezifisch'-jüdischen Begäbungen, auf die nur vermöge ihrer Sonderart ermöglichten für die Ges'amt- .heit. wertvollen Sönderleistung«?i kann kein Volk ohne Schaden verzichten. / Das Diasporajuden tum init seiner doppelten Verbundenheit, die sich gegenseitig .wohltätig ergänzen, hat, wie wir erkannt' li'aben, wichtige ^-Funktionen für die höchsten Ziele der Menschheitsentwicklung, eine geschichtliche Sendung.-- Als ein energischer Protest gegen das von Jakob Klatzkin in konsequenz seines nationalistischen Gedenkens über das Diasporajüdentum verhängte Todesurteil und den angekündeten unrettbaren Untergang; plsi eine eindringliche Manifestation starken Lebenswillens liest sich! dieüberaus wichtige „Progrämm/- s!chrift" des Prager „Herderbundes", der mit einer Absage sowohl an das- Assimilantentum' wie an. den neujüdischen' Nationalismus sich1 den traditionellen Ideender Prophetenwieder zuwendet, um sie in Aktivität umzusetzen. Aus' der uas vorliegenden^ bedeutsamen1 Publikation' heben wir nachstehende Sätze heraus:;i ' »Jener Ruf, der schon einmal" in unserer Geschichte laut geworden ist, muß wieder ertönen, daß wir kein Volk wie alle anderen Völker sind; kein Volk, das nach einer •nationalen Existenz wie andere Völker strebt, sondern ein Volk bewußter Antinatiönalisten, das, jedem Chauvinismus abhold, in der Entideaüsierungaller Chauvinismen seine geschichtliche Mission erblickt. Nur in der Diaspora und nur in. ihrer bewußten Betonung kann das j ü d i s c he Problem restlos, völkisch und geistig b e z w u n g e n we f d e n.« (S. 11.) > Diese Meinung mag: heute - noch" .vielen phantastisch: erscheinen-: sieist es aber, nicht,. Sie. beansprucht nur die ganze Kraft des jüdischen Optimismus für sich, um sich, zu bewahrheiten. Ja, es muß und wird sich bewahrheiten, daß der bewußte Jude seinen- An teil am Schicksal des Landes, in welchem er leb t, nie wie der zu verleugnen braucht, daß er sich überall als b ewußte-n Träger j üdischen Geistes fühlt. Und wie es diesem vorbehalten ist, die überlebten Völkerideale zu entwerfen und solche an ihrer Stelle zu se zen, welchen al&gemeinsame Menschheitsideale künftige Geschlechter nachstreben werden, so will er auch kein jüdisches Paläs;ina für eine jüdische Nation, sondern eine jüdische Er de für a 11 e." (S. 14.) >Nehmen wir auch den sehr günstigen Fall an,„ daß dem geeinten Streben der Judenheit und der judenfreündlichen Nationen es gelingen wird, durch internationale Gesetze, zu deren Annahme aüer Mitglieder des Völkerbundes verpflichtet wären,, den berechtigten Ansprüchen der Juden in allen Ländern zu genügen, wie ließe,sich-selbst dann einwirksamer Rechtsschutz organisieren, der böswillige Behörden und Gerichte daran hindern könnte, das formale Recht unter allerhand Vorwänden undmit Hilfe erklügelter Deutungen ins schlimmste Unrecht zu verkehren? Armes, rumänisches Judentum, traurigstes Beispiel!< >Die besten Gesetze bieten hoch keine ausreichenden Rechtsgarant^en, wenn die Menschen, die unter ihnen leben, das in der Gesetzesformel verschlossene Rechtsgut nicht in die eigene Rechtsr Überzeugung ubertragen. Darum betrachtet es die jüdische Aktion a,ls ihre Aufgabe, die .Notwendigkeit des - von ihr erstrebten Rechtsschutzes zur allgemeinen Ueberzeugung zu bringen. Niemand denunziere die Absicht als unklug oder verfehlt, weil im politischen Leben nur die reale Macht, ausgedrückt ' in der wirtschaftlichen Stärke und in der Zahl der Fäusle, entscheidend sei. Die so sprechen, verkennen die Schlagkraft einer Idee, welche mächtiger und zukunftbildender ist als jede Summ j materieller Machibeweise. Selbst ein politisch geeintes Judentum würde pochend auf seine Zahl, seinen Besitz, seine Verdienste, seine guten internationalen Beziehungen und seinem Rückhalt an einem verwirklichten palästinenischen Staat, in . allen Ländern der jüdischen Zerstreuung kaum einen anderen Erfolg erzielen, als daß man sich überall auf pfiffige Gegenrechnungen besänne. Und wenn vielleicht in Rumänien oder in Polen oder vielleicht sonst irgendwo sich als Rechnungsergebnis herausstellen würde, daß die Aktivbilanz jüdischer Politik bedeutungslos sei im Vergleich zu jenen Vorteilen, welche die rücksichtslos betriebene eigene Nationalpolilik bieten könnte, dann wäre in einem solchen LanA fcdie Lage der Juden trotz allem internationalen Rechtsschutz keine, beneidenswerte. Aber sie wäre nicht unverdiente wei 1-s*i,e den Bankerott einer jüdischen Politik veranschaulichen würde, die »ich ihrer wesentlichen Wafle: geistiger- Wirkung, nicht bedient.« " »Reißet herab den Schmuck der Fahnen> die nur euere verirrten Gedanken stolz im Winde flattern ließen! Fort mit allem repräsentativen nationalenGeschnas! Verzichtet^auf Symbole, welche nur eine nationale Machtideologie verkörpern .vfcund verfälschte Nachahmungen fremdnationaler Distinktion sind! Hinreißende, völkerhinr ei Bend» Symbolik jüdischer Idealsetzung werde allein jüdische Denkungsar t, jüdische Handlungsweise, die überall am sinnfälligsten einem allgemeinen Humanitätsidearl zustrebt! Das ist der tiefere, der eigentliche Sinn der jüdischen Aktion: Entwertung, der überlebten VölkericLeale, Diskreditierung jedes äußerlichen Machtstrebens, daa den Bereich innerer G-eltunj künstlich erweitert.« (S. 12/13.) »Aber um Mißverständnissen vorzubeugen, sei gleich betont, daß jene weit verbreitete Gesinnung, welche die vorhandenen nationalen Unterschiede der Menschen einem internationalen, charakterlosen, d. h. merkmallosen Typus zuliebe gern wegleugnen möchte, nicht die geringste Aehnlichkeit mit unserem antinationalen Gedanken besitzt.« (S. Ii.) »Wa* ist aber wertvoller nationaler Besitz? Ist es ein möglichst großes sprachliches Geltungsgebiet, besteht es in der Bevor- -rechtung und in Sonderrechten der Volksangehörigen, öder ist darunter vielleicht doch eine gewisse» geistige Haltung und Orientiertheit zu verstehen, welche alle Volksgenossen notwendig in ähnlicher Weise teilen müssen, weil sie eben ein Volk sind?" Ist es nicht höchste-nationale Pflicht, diese geistige Sonderb«achaffen-' heit, die noeh den letzten Taglöhner auszeichnet, verständig zu pflegen und ihre Wirksamkeit zu steigern, damit die Geistigen des Volkes als innerlich ungebrochene Menschen das zu leisten vermögejjfewas an allen Orten der bewohnten Erde den Respekt vor der fremdnationalen Kultur mehrt und als erwünschter Beitrag zum Baue der Menschheit gewertet wird? Ja, für einen solchen Nationalismus treten auch wir ein, in diesem, aber nur in diesem Sinne darf man auch uns als Nationaliren ansprechen.« »Warum bezeichnen wir uns dann aber trotzdem als Antinatiönalisten?« »Um unsere unbeugsame Absicht zu betonen, allem Unfug, der heute mit nationalen Gütern und dem Worte Nationalismus g*tritben wird, entgegenzutreten, den gefährlichsten Hindernissen für eine freie Entwicklung des Menschengeistesr Darum basiert das Wesen dea Antinationalismus, wie ihn auch die jüdische Aktion verstehen muß, auf der Einschränkung des Nationalismus auf seine geistigen, sittlichen und kulturellen Werte; und diese Einschränkung reicht soweit, als es notwendig ist, ihn auf allen Gebieten seines agressiven Charakters zu berauben.« »Wenn das gelingt, so sind wir einen großen Schritt dem Humanitätsideal näher,. jenem Humanitätsideal, das der alte Liberalismus betont hat und dem er sich in neuer Gestalt wieder nähert. Mögen seine Prinzipien sich auf dem Gebiete der Wirtschaft vorläufig als überlebt erweisen, jene Tendenz, welche nach dem möglichst größten Äusmal an Freiheit für alle Mens chen unter möglichst größter gegenseitiger Rücksichtnahme strebt, kann aus dem Gedanken der Menschen nicht seh winden. Diese Tendenz, muß auch im Zusammenleben der Völker die Tendenzen . des Antinationalismus stärken und zum Anbau des Nationalismus beitragen. Laut, und immer lauter muß die Forderung vernehmbar werden, daß nationale, ähnlich wie religiöse Besitzrechte von keinen pofisehen Bestrebungen mehr in Frage gestellt werden dürfen. Alles Nationale muß. entpolitisiert, dem vergewaltigenden Zugri Ff ~j;ldf e r P o 1 i t i k, de-i bürgerlichen B es l r e bxt n-gte-n entzogen werden.« »Und vor alkm; s-chützt alles Nationale vor politischer Mißhan diu ngf Seid überzeugt, daß nationale Güter keiner gesetzlichen Schutzzöte bedürfen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.