Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 29 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4&4 Dr: Bboctfä yf<k^msU$t: Är. ä§ 2. ) ünd~an einer anderen Stelle sagt Jo?eplms: .„Die jüdische Nation hat sich überdieganze Erde höi unter den Eingeborenen zerstreut" (Bell. Jud. VII; 3. 31) Als' Agripßa II. die Juden vom Kriege gegen die Römer aMsalten woilte>; betonterer in« seiner-Red& eindringlichst, sie mögen bedenken, daß die Gefahr nicht bloß die- Juden in Palästina, sondern auch jene in den andern Staaten treffen .würde. „Denn" :—fügte er hinzu — „es gibt kein Volk auf der Erde, unter welchem - nicht ein Teil euerer Stainmesgje;- nossen leben würde." (Joseph. Bell. Jud. II,., 16, 4. ) Aehnhch lesen wir bei Philo: i5Die Juden vet; piag, wegen ihrer Menge ein Land nichit. zu fassen. Deshalb bewohnen sie die meisten''bluffenden Städte auf dem Festlande und den Inseln ßuröpas1 und Asiens1: Sie, halten zwar die heilige Stadt, da sich in ihr de^Tefa.iyiel/'dö'ff-'feö^li,-- s1 ö o 11 es" befindet, für diö Metröfföle; aber das Land, wo sie seit der Vä te f üffd Ur Täte'r Zeit wohnen, betrachten sie als' ihr V a t e r^ land, da sie daselbst geboren und erzogen sind." (Philo in Flace. II, 524.) lieber die Verbreitung der Juden inallen lindem lange vor Zusammenbruch des' jüdischen Staatswesens besitzen, wir ein weiteres interessantes' Dokument. Iii seinem Schreiben an Cajuer Caligula Isagt Agrippa I. unter ariderem: „Jerusalem' ist <üe Hauptstadt nicht nur des Landes Judäa, sonr dem -auch vieler anderer wegen der Kolonien, die sie ausgesandt in die angrenzenden Länder: Aegypten, <Phönizien, Syrien, Cölesyrienj ferner nach de» entlegenen/ wie- Pamphilien, Zilizien, in die: meisten Teile von Asien bis nach Bithynien und in die entlegensten Gegenden des PontuSi Sie hat ebenso nach! Europa;^ und zwar nach Thessalien, Böotieri, Maze^- dönien, Aetolien, Atlika, Korinth und nach den schön!- srten, Teilen des Peloponnes Kolonien versandt. Aber ancht bloß Eas' Festland ist voll von jüdischen Ansiedelungen, sondern, auch) die hervorragendsten Inseln, wie Euböa, Zypern, Kreta — nicht zu. sprechen von - jenen, welche . jenseits des Euphrat sind. Denn mit-Ausnahme eines unbedeutenden Teilest von Babyloniea und einiger anderer Satrapien sind alle Städte* welche fruchtbares Land haben, von Juden bewohnt. Wenn also mein Vaterland deiner Gnade teilhaftig werden kann, wirst du zu gleicher Zeit mit; seiner Dankbarkeit auch Rechte auf die in einer großen Anzahl in allen Ländern in Asien,. Afrika, Europa, den Inseln an den Küsten und im Binnenlande gelegenen Städte -dir erworben haben." (Philo, legat. ad. Caium II, 587.) Dieser Bericht aus der vorchristlichen Zeit entiaäit nicht nur keine Ueberlreibung, er ist vielmehr, wie Defauney richtig bemerkt, bescheiden abgefaßt, , da er die cyrenäischen und italischen Kolonienganz übergangen hat*) * - .;§o kam es> daß das jüdische Sabbatgesetz vbe,- reits in der vorchristlichen Zeit bei den Völkern vielfach Aufnahme gefunden. Josephus konstatiert (kontra Äp. fl, 38, 39. Vergleiche auch II, 10): „Es gibt keine einzige griechische oder nichfgriechiscbe Stadt, kein einziges Volk* wohin sich nicht die Sitte des siebenten Tages, welchen wir feiern, verbreitet hätte, und' wo nicht die Fasten, Lichterfeste und yiele 'unserer .Speisegesetze beobachtet würden; Kai- *) D e griechischen1 Insclirifteir in der nierkwüYdigen S^fiagogfe zu F 6o d o 8 i.a und die -Grabsteine hv K e r t'8«h beweisen die-Talsache, daß auch in den Gegenden vom Bosporus schon zu den Zeiten der hasmonäischen Fürsten Juden gelohnt haben. Ueber die Juden im bosporcanisehen Reiche sind Arbeiten von Staatsrat Harkavy und eine Abhandlung von Prof. Emil Schür er erschienen. ser Augustus verordnete, „daßr die Juden am Sabbat undschön am vorhergehenden T^ge von derneuntes? Stunde^ ai^ nic^t mehrl z# geriÄlMi!e# Ifendiungenxherggigez^gen", t^olaö Ä zu öffentlichen VertelhuSj^n ^läStgölSie <Mä Oder Getreide, wenn die Verteilung an einem Sabbat stattfindet für die Juden auf den nächsten Tag. verschoben werden sollten, dä bei diesenjede" wie' imitier geartete Geschäftsgebarung am Sabbat strengstens1 verpönt war. Es' kam So weit, diÖ*ttülfef^Mtd^c^'^GhleMsik^ es' sich angewöhnt haben, il^e,v'':V^^äge?a. äin' Sab* bat zu halten. So lesen wir.bei: Suetöniü^' daßr der Grammatiker Diogenes1. seine Disputationen nur am Sabbat zu veranstalten gewohntv war, und äaßr er dem Wunsche-des Kaisers-- Tiberfttsy weieh%r'gelegentlich seiner Anwesenheit , auf Rhodüs ilm an-- eineiff a^^rets- Tag£ inder Woche zu Mren verlangte^ keiäfer .Fdlp gab, sondern durchsfeteetf* Di# ner des.' PM-serT: auf den siebenten' Tag^ beschied:"*) Hatte somit das kleine Palastina noch' zur Zeit, of& einjüdische.!' Staat bestand, keinen Kaum für die gesamte Seelenzahl der jüdischen Massen, war -; schon idamalsdie Judenheit ein Volk der Diaspora im eigentlichen^ Sinne, so kann heute der nationale Gedanke um so weniger eine erschöpfende Lösimg des Judenproblems, eine Befreiung von der Judennot bringen. Diaspora ist ein Dauerzustand, kann nicht weggedacht werden. 14. Dr.. Jak. Klatzkin/in seinem gedankenreichen, sicharisi^gen BüÄ „Probleme des' modernen Judentühis.1'' (Jüdischer Verlag, Berlin^ das wohl unstreitig?^«-den b^deute^ds^n Erscheinüngencauf dem Gebiete der jüdiicheit r%f sAng def letzteir Zeit gezählt .werdenmuß ein kompxomißfeindhcher Denker, der d^sl jü<£'sidmationäle..,PrjQ$lejn:;i:iiü.ti;Ei4^ dringlichlieit und 'Sc^iäriEe'' t erö'rteri' imd die ideehi niäfögen' ferse^en^eüc dir tia^oitälfsfiSÄif4 de*- dä®^öf'#ige unerbftÖicB= bis*:' zu ^hde' vM<^ hat dem Ju^ntufnin-der Diaspora das To d^es>u*rte;il g e s' p r o c h e n u n d s! e i n e n ü n v e-r m e i d I i c h'^e n Untergang ahgekündigt. -Öie Trage,_ die Klatzkin sich selbef* vorlegt-: ,;Steht denn das1 Gelingen des' Staatsexperimenfs auf denx BodW uWi'äiteitf- Fälästtn^ so' äußer Zweifel, daßi diese radikale Eiixsei%kei:t; in. det Negjerüisg unseres Galuth-Daseins sMthaft wärebeantwortet er: „Diese Fragen haben in unserer, Problem^ Stellung keinen Platz.", „Dem Volke droht der Untergang und es' gibt nur eine Rettmigsmt-glichkeit. Muß: sie GewißheiJ: sein, tinT*p&cfä' ihr -zu" greifen? #el a.h!en Sinn hätte es', nach1 ihren Aussichten zu forschen? Es. geht um das* Sein< oder- Nichtsein der jüdischen Nation. Da darf njch11 gefragt>werden." (S. 178.) , Kurz und scharf formuliert er als Resultat seiner Untersuchung,: i}Es ist .Zeitj. die grausame Wahrheit auszusprechen^ daß - das Galuth-Jüdentum keine nationale Zukunft hat und unrettbar dem- Untergange en^egeageht." (S.. 82.) f Indessen das: DiaspoTäjudentuBäs wehirt siÄ nicht mit Unrechtgegea die Annahme : . ,,Un^ör* Leben-, und1 Wirkenunter fremden'- Vi*- kefn ist1 unsr ein- Flüch^ deif duföh1 keiäen rnttfeei*iefieH Se^en entkräftet und dtäreh uösere^ l^rninfes^chäfi^ -eher genährt Wird> ist uns eiüe^ SchHJa^h), die durch *) Sueton. " Tiber. 3ä: Diogenes grammaticus disputare Sabbathis sohtus, venientem eum (Tiberium) Rhodi, ut se exfra ordinem audiret, non admiserat, ac per servulum suum iR septimum diem distulerat.