Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 29 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 357 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 29 Dr. Bloches Jahrgang XXXVi Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums _Po»tspaikMsenanit Deutschösterreich: 810.976 Ungarn: 5.634 Tschecho-SIowak.: 10.976 oooo Redaktion und Administration: Wien, II/l, Praterstraße 9 Telephon 45.359 § ooooooooooooooooooooooooooooooooooooo Wien, 35. Juli 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien', H/1, Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien ooooooooseoo« Bezugspreis: Halbjährig ... 15 Kronen Ganzjährig .; 30 Kronen Einzelexemplare 80 Heller Anzeigen: Die zweimal gespaltene Petitzeile 70 Heller Inhalt ^Leitartikel: Das jüdische" Zentralproblem. — Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen xur Tagesgeschichtc. — Georges Clemenceau gegen Georges Clemenceau. — Clemenceau über den Friedensrertrag mit Polen. ^— Eine amerikanischenglische Untersuchungskommission.— Eine Untersuchungskommission der Liga für Menschenrechte. — „Kindische Streiche." — Eine Rundfrage derAliiance. — Die Judenfrage und die Friedenskonferenz. —* Gottfried Keller und die Gleichberechtigung der Juden. — Araber und Zionisten. — Jüdische Friedhofkunst. — Quo vadis? — Korrespondenzen: „Dr. Blochs Wochenschrift" an ihre Freunde und Gönner im Ausland. — Aufruf der orthodoxen Jugendgfuppe! — Gegen Bela Kuna . Judenrazzien. — Griechische Blütlügen. — Vermischtes. — Feuilleton: Fahnenflucht, — Briefkasten. — Inserate. An unsere Abonnenten, Gönner und Freunde! _ Infolge, neuerlicher Steigerung aller Löhne im Druckereigewerbe erhöhten sich wiederum die Druckkosten jeder Nummer des Blattes rund um 100%. Wir sind aus diesen Gründen auch gezwungen, ab 1. Juli den Bezugspreis unserer „Wochenschrift« anstatt K 20.— jährlich auf K 30.— jährlich festzusetzen. Einzelexemplare' 80 Heller. Unsere bisherigen Gönner und Freunde bitten wir, in dieser schweren Zeit uns Treue zu bewahren. Erlagscheine zur Abonnementerneuerung lagen der Nr. 25 bei. Redaktion von „Dr. Blochs Wochenschrift". Das jüdische Zentralproblem. Zur Massenflucht aus dem Judentum. IV. 13. Auf dem' Boden-des1 nationalen Gedankens' kann das1 jüdische Problem unmöglich1 eine befriedigendei Lösung eitwaxfcen — selbst wenn die Hoffnungen auf iein jüdisches Palästina, die jetzt auf ein bescheidenes Maß herabgestimmt sind, restlos' sich! erfüllen. Henry Morgentha, der Freund Wilsons, ehemaliger amerikanischer Botschafter in Konstantinopel, der gegenwärtig im Auftrage Wilsons an der Spitze einer Kommission zur Untersuchung der' polnisch-jüdischen Beziehungen in Warschau Weilt, Sagte am Tage seiner Ankunft zu einem jüdischen Publizisten: „Was wollen wir uns täuschen? Nicht Palästina, noch irgendein anderes Land wird die jüdische Gesamtheit aufnehmen können. Die Juden Werden dort bleiben, wo sie geboren und erzogen sind." Wir sind lein Volk von 14 Millionen in der Diaspora. Wenn eine Mitteilung die Bestätigung findet, derzufolge 1897 im Petersburger Ministerium die Anzahl derrassischen Juden mit acht Millionen festgestellt worden, dann müßte man die Gesamtzahl dex-Juden der Welt auf 20 Millionen beziffern. Was) kann da selbst ein großer Erfolg in Palästina noch besagen? Nach den optimistischen Berechnungen hervorragender fachkundiger Zionistenfuhrer können nach Ablauf eines! l&enschenalters drei Millionen Juden in Palästina ihre Heimat finden — das wäre etwa der natürliche Bevölkerungszuwachs, während dieses Zeitabschnittes; für ein Mehr bietet der neue Juden- Staat keinen Raum. Unsere Volkszahl in der Diaspora bliebe unverändert. Das! ist aber nicht bloß eine Erscheinung der neueren Zeit; in den ältesten Epochen unseres Volksitums War es' auch nicht anders. Die Dias'pora ist nicht erst , das! Ergebnis5 der nationalen Katastrophe und des Zusammenbruches der Staatlichkeit. , , Die Zerstreuung war eine natürliche Folge der Ueberbevölkerung, weil jener winzige Landstreifen Palästinas s'chon für die damalige Menschenmasse von sieben Millionen keinen Raum hatte. Bereits zur PerSerzeit hieß es: „Sie sind zerstreut und verteilt zwischen den Völkern." Die jiddische Kolonie in Alexandrien war keineswegs^ geringer als die Zahl der jüdischen Einwohner in Jerusalem. . Um die Mitte des' zweiten vorchristlichen Jahrhunderts konstatiert die jüdische Sibylle: „daß jedes Land und jedeS Meer von dem jüdischen Volk erfüllt sei" (Orac. Sib. III, 271). Strabo sagt: „In der Stadt Cyrene gab ess vier Klassen von Einwohr nern, Bürger, Ackerbauer, BeiSaßien und Juden. Diese letzteren sind jetzt schon in jeder Stadt verbreitet und man kann nicht leicht einen Ort finden, welcher dieses Volk nicht beherbergt..." (Antiqg. XI?, 7,