Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 23 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- Seite 355 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 i „Tv. Bloch's Wochenschrift" . Se«e an meiner rKankexaden. .Auch eine schwere Wunde hatte ich empfangen" — hierbei nahm ex 'seine- Mütze ab und ich sah, -Mie^ sich bie^ 3%rbe,00». bepr Stirn fast bis zum Hinterkopf buxch das weitze Ha.ax zog —, „und fchlieblich war ich von Blutverlust, Hunger und Kälte so geschwächt, daß ich umzusinken drohte. Dabei streiften die Kosaken im Walde, und nur mit grober Mühe war es mir bisher gelingen, mich vor ihnen zu verbergen. In dieser Not gedachte ich an diesen Rüben, der mir immer .als ein redlicher und den Russen nicht wo.hlgesinnier Mann erschienen war. Er wohnte jenseits des Baches, wo jetzt der Sandkrug steht, es war an einem Freitagabend, als ich unter dem Schutze der Dunkelheit zu ihm schlich. Als ich leise ans Tor pochte, öffnete mix sein Meid, die bejahrte Rebekka — wex weiß, wo. sie Ruhe gefunden hat — und starrte mich an, als ob ich ein Gespenst sei. Dann kam er, festlich in seinem Kaftan gekleidet, heraus, der qlte Rüben. Auch er war starx vor Schreck, doch faßte er sich bald und sagte zu mir: „Komm rasch herein, Martin, damit dich niemand sieht." Halbtot wankte ich. ins Zimmer, wo noch zur Feier des Tages, wie die Iuden . es doch halten, die Lichter brannten. Sein ganz alter Vater, der bereits sehr schwach war, sab im Lehnstuhl und betete. Er ruht hier neben ihm. Auch die alte Rebekka, hatte sich inzwischen gefaßt und bald war meine Wunde verbunden und ich neu gestärkt. Doch jetzt kam die Sorge. Der Alte erzählte mir, wie man auf meinen Kopf hundert Rubel gesetzt hätte und dab die Kosaken rastlos nach mir suchten. Auch bei ihm, dem sie nicht trauten, seien sie bereits gewesen. Es sei ein grobes Wagstück, mich zu verbergen. Die alte Rebekka, jammerte, fljs sie vernahm, daß Rüben mich dennoch aufnehmen wollte, doch dieser sagte: „Ist .er nicht gekommen, Hilfe suchend, am Tage des Herrn zu uns? Gott-Hat ihn gsführt, der wird auch uns nun beschützen." Und so. kam es, dab ich dort blieb. Einmal kamen die Kosaken, suchten, aber fanden mich nicht. Man hatte mich in dem Stalle hinter einem .Haufen von Fellen gut versteckt und weich gebettet. So. erholte: ich mich unter der sorgsamen Mege bereits langsam, als plötzlich das Unglück kam. Es war gerade zwei Tage vor dem' Versöhnungsfest der^ Juden, da belauschte uns ein Knecht Rubens, doch zum Glück wurde er von der alten RebeÜa bemerkt. Sofort sahen wir ein, dab ich fliehen nfiisse. EyrchMnnter Fuhrmann, der in der Nahe der Grenze nach O. fuhr, brachte mich, unter Heu versteckt, dorthin, und ich entkam auch glücklich nach Meutzen.zu Freund.en. Doch den guten Rüben trafis. Der Knecht, Herr, der Christ, lieh sich vom GeM blenden und verrietmeinen Aufenthalt. Kaum war ich fort, so kamen die Kosaken. Man suchte im Stall, im ganzen Gehöft, und als man mich nicht fand, machte man sich a.n Rüben. Der Offizier war listig, er bot ihm zweihundert Rubel und Straflosigkeit, freilich hätte .er es späterdoch nicht gehalten. Rüben, schlug-alles mit deM Vorgeben ab, nichts von mir zu wifsem - Nun drohte- Man. ihm', schlug ihn und sein Weib, .jedoch vergebens. Ms die Kosaken einsahen, daß sie bei. diesen-Edlen: nichts uusrichteten> dtohtensie^ihnM, sie wüü>en das Haus niederbrennen. War .es nun. Absicht, war es Unachtsamkeit, plötzlich ging das Strohdach in Flammen auf. Mit einem furchtbaren 'Schrei riß sich Rüben los^ denn drinnen in der Stube, war fein greiser, gelähmter Vater. Hinein ins Haus kam er noch. Rebekka sah auch, wie pz, der selbst so. Schwache, den Vater aüfzuheben versuchte,- doch ^heraus kamer nicht mehr. Düs brennende Strohdach fiM herab-, eine brennende Mauer um das Haus bildend- und an ein Retten war nicht -mehr zu denken. Wer sollte auch retten? Die Kosaken sahen ziemlich gleichgültig darein. Am Versöhnungstage zog man . beide hervor. . Der Knecht ging später unter; er endete als Sträfling. Rebekka zog gebrochen von dieser Statte des Unglücks zu ihrem Sohne nach Galizien, und' nur die - beiden ruhen hier. Ich kehrte nach Jahren zurück Mein liebster Gang ist mm' zu diesem Grabe. Hier bete ich für den Mann, der in edler Aufopferung mit Hintansetzung von Gewinn und mit dem' Verlust seines Lebens in der Erfüllung des Gebotes der Nächstenliebe einen schönen -Tod fand. Er war Kux ein Jude." Nachdenkend kehrten wir heim. Martin starbbald darauf. Ich aber gehe noch oft hinaus an diesen stillen Ort, um eigenen Gedanken nachmhängen. Es ist eine' einsame Statte; der Wind spielt mit dem hohen Gras der Gräber, ein paar wilde Rosenstöcke treiben duftende Blüten, und über die geborstenen grauen Steine kriechen bunte, glänzende Käfer. Gleich schillernden Tränen hängen sie an der Tafel, und ich neige mich immer, seltsam gerührt, über diesen Matz der Versöhnung. ' GxlKAerrrnKrrr arr Kaiserin G^KM-v. Anläßlich des bevorstehenden Erscheinens ihrer Memoiren.^ Von Klothilde Benedikt. Als Backfisch war ich tzu einer Moorbadekur in Karlsbad. Durch den Bürgermeister erhielt ich meine Kabine im „Fürstengang" neben dem Fürsten von^Bulgarien und Sonu'enthal Ms ich über zum ersten Male ins Moor steigen sollte, erfaßte mich unwiderstehlicher Ekel vor der schwanen Masse. Nachmittags 'wurde ich daher zu meinem goduldigen-Krtzt, Dr. Benjanr-n London, befohlen, der mir versicherte, meine Torheit fei nicht einmal originell,, in /derselben KMne habe sich feine Patientin, Kaiserin Eugenie, vor Fröschen im Moor gefürchtet undgleich wieder abrmsen wollen. Mir war der Vergleich nicht angenehm. Wir deutsche» Madels ward» doch von der Schule her 'gedrillt, in der Kaiserin, der angeblichen Kaupturheberin des siebziger Krieges, einen Zlusbuudpon jÄesall- und» Verschwendungssucht, Bigotterie und Beschränktheit %u seihen, die in dem berüchitigten Worte chren Gipfelpunkt erreichte: „Ma Petite guerre" („Mein kleiner Krieg"). Wie schon dis Memoiren des Kriegsministers Ollivier, sollen wohl jetzt die eigenen die Kaiserin von diesem Vorwurf rei« nigen. Ich glaube, keine Indiskretton zu begehen,^ son< dern im Sinne dev Fürstin Päuline Metternich zuHan^ dein, wenn ich Hier :Hre mrk gegebem. Versicherung wiederhole, daß dre Kaiserin, mit der sie so Wreundetz war, die so oft am Arm des. Matten oder des Königs von Belgien die Hausbälte^der damaligen BotsMfterin besuchte, dieses Wort -ne gesprochen Hat „,wM «äk durchaus ihrer Gesinnung widersprach". Gegen Eugenie fei ein wahres Kesseltreiben von Verleumdungen gerWet worden, weil die aufgeregte Molksseele in Frankreich nach einem verlornen. Krieg hei dem dorttgjchr Einftuß der Frauen auf die Regenten 'stets nach dtzir Suche nach einer schuldigen Frau ausging; so geschah es der Mrini tenon, der Pompadour, Marie Antoinette.- Eugmie dürfte übrigens Mf chren Matten Endlich weniger ^Enstuß gehabt Haben als jene Frauen, da der Kaiser Mrs^AeA des Krieges. in anderweittge galante Abenteuer verstrickt war. -‘V Dir. L o n d 0 n untersagte mir damals meine Bemerkungen Der die .Mrkaiserrn; Wer ihre politische WM habe er kein Urteil, über ein .GrWnU zeige,. daß Mdiel? leicht sehr fromm, aber Leine Frojnmnlerin taqr. 'E»^ gab mir aus seiner interessanten. AutographensamMung einen Brief in ftanzösischer Sprache und merkwüMgev Schrift tzu lesen, der) Ungefähr so lautete: ,^WveMirWäkk Die BevöMMng dev osterxeWschen. Emarchie HÄM mit Liebe und Bewunderung an Gllver MajeM, m