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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-13 · 23 (13.6.1919) · p. Seite 351

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
23 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 351 (sequence 11)
Language
German
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Rr. 23 r - „Tr. Blmtz'S Wochenschrift" . ' - Sette 387 heutigen Stand der politischen Verhandlungen Der ein jüdisches Palästina darlegte und die Aufgaben zeigte, die der zionistischen Organisation bevorstünden. Nachdem Herr Dir. Klee unter stürmischer Zustimmung der Versammlung die polnischen Pogrome gegeißelt hatte, hielt Herr Woll st einer ein Referat iüi&er die Ausgaben des Jüdischen Nationalfonds, dessen Aufgabe bekanntlich darin ^besteht, Grund und Boden in Palästina als unveräußerliches Eigentum des indischen Volkes' zu kau-' fen. Die Einnahmen des Nationalfonds sind in starkem Steigen begriffen, so sind in Deutschland bisher im Jahre 1919 Mer 400.000 K. gesammelt worden, eine Summe, die größer ist, als das an und für sich hervorragende 'Gesamtresultat des Jahres 1918. Die Tagung brächte eine Reihe ausführlicher Referate der besten .Sachkenner, in welchem die verschiedenen Seiten der palästinensischen Kolonisation eingehend geschildert wurden? Herr Tri et sch referierte Mer die allgemeinen Grundlagen der Kolonisation, die Herren Dr. Brünn- Jerusalem und Dir. A u e r b a ch-Naifa Mer bie hygienischen Aufgaben im Müde, Herr Architekt Baerwald, der Eibauer des Technikum in Naifa, sprach Mer Baufragen, Frau Rechtsanwalt Gro.nemann setzte die speziellen Aufgaben der jüdischen Frau beim-Aufbau ^Palästinas auseinander. Einen wesentlichen Teil der Verhandlungen nahm die Aussprache Mer den sozialen Aufbau des Mischen Palästinas ein. Hierzu referierte Herr Dr. Sternberg! Mer die Nationalisierung des Bodens und Rechtsanwalt Strauß Mer Kapital und. Arbeit. In einem besonderen Referat wurden die Fragen der Finanzierung der Kolonisation durch Herrn Goslar besprochen. An sämtliche Referate schloß sich eine leb- - haste und mit großem Jntresse geführte Debatte.. Hierbei zeigte sich, daß Mer alle wesentlichen Fragen eine weit- . gehende^ UeVereinstimmung unter den deutschen Zionisten besteht. Wohl glauben die einen, daß das Hand Paljä- .stina imstande sein wird, auch die größten Waffen von Einwanderern aufnehmen zu können, während die große Mehrzahl, so vor allem der langjährige Leiter der zionistischen Kolonisationsä^beit, Herr Dr. Ruppin, eine regulierte Einwanderung. fordert, die die Möglichkeit geben würde, im Laufe eines' Menschenalters etwa zwei Millionen lEinwanderer nach' Palästina M bringeir. Aber beide Anschauungen stimmten darin Merein, daß-die zionistische Leitung alles tun müsse, um eine möglichst große Einwanderung aus^unehmen, soweit die Fassungskraft .des Landes es -gestattet. Die von beiden Gruppen vorgelegten Resolutionen stimmten innerlich völlig 'überein. Neben dieser Frage konzentrierte sich das Interesse . besonders auf die Frage des sozialen Aufbaues', wo ein Antrag der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft fast einstimmig angenommen wurde. Dieser Antrag fordert vor allem, daß der gesamte, in jüdischem Besitz befindliche Boden Eigentum des Volkes bleibt und in der Form des jErbpächtrechts Mgegeben wird, daß die Naturschätze, sowie die öffentlichen gemeinnützigen > Anstalten, wie Gas--, Wasser- und Elektrizitätswerke, Eigentum der Gesamtheit bleiben. Im Mrjgen treten die Anträge für weitgehende Anwendungen des' genossenschaftlichen Prinzips und für Gewinnbeteiligung der Arbeiter an den Unternehmungen ein. ' Der Delegiertentag fand seinen Mschluß in dem Beschluß^ ein PaUstinaamt der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu errichten, das die Arbeiten der Deutschen Zionisten in bezug auf - Palästina leiten wird. ' Die außerordentlich interessante Tagung schloß in begeisterter und tzukunftsfteudiger Stimmung. TD Hilfstverk der amerikanischen Juden. Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Gemeinden. Paris. Das amerikanische Joint Distribution Committee unterhält seit Ende März ein besonderes! Bureau ln Paris, in dem provisorisch alle Fäden seiner Hilfstätigkeit zusammenlaufen. Tgs Bureau entfaltet eine sehr energische Hilfstätigkeit zugunsten der jüdischen Kriegsopfer. ÄußA mehreren Mitgliedern des Joint Distribution. Committee befinden sich zurzeit in Paris auch fast alle Persönlichkeiten, die vom Joint Distribution Committee in die kriegführenden und neutralen Länder entsandt worden waren. Dias Joint Distribution Committee hält häufig Sitzungen ab, an denen je nach dem Gegenstand der Beratung auch die im „Komitee der jüdischen Delegationen" vereinigen Abordnungen der jüdischen National rate der verschiedenen Länder teilnehmen. Auf diesen Sitzungen werden die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung der einzelnen, Länder beraten. " ' . Man beschäftigt sich in Paris des ferneren bereits mit dem vorbereitenden Programm für die zukünftige große Hilfsaktion in Amerika, die den Wiederaufbau der zerstörten jüdischen Gemeinden bezweckt, und versucht die Richtlinien zu ziehen, nach denen die Kampagne für die Aufbringung der gewaltigen Geldmittel, die hierfür nötig find, geführt werden soll, und das System ihrer Verwendung in den in Betracht kommenden Ländern ausznarbeiten. Das Joint Distribution Committee ^schloß, auch weiterhin in alle erreichbaren Länder Delegierte zu entsenden, die für die Durchführung der beschlossenen Maßnahmen Sorge tragen und den Kriegsopfern auch moralische Unterstützung bringen sollen. Zn diesem Zweck werden in diesen Tagen Delegierte nach Rumänien und den benachbarten Gebieten, sowie nach Galizien und der Ukraine entsandt werden. Dias ganze Problem des Wiederaufbaues wird auch vom „Komitee der jüdischen Delegationen" in seinen nächsten Sitzungen behandelt werden.. Vorwände für Judenpogrome. Die großen Umwälzungen, die wir jetzt alle beklommenen Herzens miterleben, sind wahrlich dazu angetan, selbst den verstocktesten, blindwütigsten Haß gegeneinander wenigstens vorübergehend zuM Stillstand zu bringen. IM Zeichen des Demokratismus soll Deutschösterreich, dieses von allen aus dem! ehemaligen Hab», burgerreiche entstandenen Staaten am schwersten betroffene neue Staatengebilde, zu einem! Leben friedlicher, gedeihlicher Arbeit erstehen. Da sind wahrlich für keinen Menschen und keine.Gruppe» die es mit diesem Staate ehrlich meinen, und den Demokratismus nicht nur im Munde führen, sondern ihn auch im! Herzen tragen, der unversöhnliche Haß, die unerbittliche Verfolgung Andersgesinnter die .geeigneten Mittel, der Demokratie zum Durchbruche, zu verhelfen. Das ist ja eben der wahre Sinn der Demokratie, daß unter ihrer Herrschaft jede Gesinnung, jeder .Glaube und demnach auch jede Religion unangetastet und unbehelligt bestehen und zum Ausdruck kommen können, soweit sie nicht darauf ausgehen, andere Meinungen, anderen Glauben gewaltsam zu unterdrücken. Im Reiche der wahren Demokratie kann es wohl einen Kampf der Ideen und der Anschauungen» ninrmer aber die Unterdrückung Andersgläubiger in jedem Sinne dieses Wortes geben. Aber .noch .eines ist das Merkmal echter, unverfälschter .Demokratie. In ihrem Reiche ist jedes Individuum! für feine Handlungen, Br seinen Ideenkampf

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