Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 23 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- Seite 349 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 365 Nr. 23 ..Tr. Moch'S Wochenschrift" und die Tendenz unserer ^Sache .mit geradezu hervoxragerrdenr 'Verständnis ersaßt- Seit Beginn seiner Tätigkeit wurden seitens! des Jugendkonntees 396 Mitglied«: geworben. Hiezu wollen wir noch bemerken, daß das Jugendkomitee auch die Geselligkeit pflegt und diese für unsere Vereinszwecke insofern günstig ausnützt, indem es irns bereits durch eine Reihe schöner Veranstaltungen namhafte Beträge Angeführt hat. Das finanzielle Ergebnis seit Bestand des Jugendkomitees beläuft sich auf etwa K. 11.000.— und auch der geistige und sittliche - Einfluß auf unsere Schützlinge ist der denkbar günstigste. Dchter BethärOverein ..Tefilath Jeschurun". Am i. Juni, 9 Uhr vdrmittaM fand in Schönhofers Restauration im Prater die 4. ordentliche Generalversammlung unseres Vereines unter Zahlreicher Beteiligung statt. Der Vorsitzende Obmann Herr Bernhard May er begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder herzlichst. Vor dem Eingehen in die Tagesordnung gab der Vorsitzende in tief empfundenen Worten den. Gefühlen des Schmerzes und des Wscheues Ausdruck über die Mmenhaft blutigen Verfolgurnftn, denen unsere Brüher in Galizien und Polen seit Monaten seitens der polnischen .Soldateska ausgesetzt sind. In sichtlicher Ergriffenheit wurde die Kundgebung stehend angehört. Hieraus-erstattet der Schriftführer Leopold Al'tholtz -den Jahresbericht, der in der Einleitung den Heimgegangenen Mitgliedern stimmungsvolle Worte des Gedenkens widmet. Aus dem reichhaltigen Berichte sei besonders hervorgehoben der Ankauf eines Bauplatzes zur Aufführung eines Tempels um den Betrag von 96.000 Kronen, welcher innerhalb Jahresfrist zur vollständigen Abzahlung gelangte. Aus dem vom Kassier Herrn Goldberger erstatteten Kassabericht läßt sich die erfreuliche finanzielle Lage und der rasche Aufstieg, des Vereines entnehmen. — Nach dem Berichte der Revisoren wird dem Vorstande das Absolutorium erteilt. — Bei der hierauf vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurden die Herren Moritz Alt mann, Leopold Altholtz, S. I. E B e r g ni a n n, Salomon D> r u ck e r, Max F r i e b, Josef Goldberger, Jonas I mb ermann, Karl IeHinek, Moritz Kraus, IsidorLö.blvwi cz, Bernhard Mayer, Israel Meller, Elias Schenkelbach, Markus .Schlesinger,' SiegMund .S ta r k, Adolf Steinberg, Samuel Stern, Josef Teller, David Waldm a n n wieder- und die. Herren Heinrich Edelstein, Heinrich Glaser, Leopold Kammer, Salo'- nwn NatowicZ und Ludwig S p i r a neugewjählt? Als Ausdrpck der verdienstvollen Tätigkeit des Obmannes, namentlich für die hochherzigen Spenden, die es^ermöglichten, den Bauplatz in so kurzer Zeit zu erstehen. Wurde Mer Antrag die Ernennung des Herrn Bernhard May er Zum Ehrenmitgliede des Vereines unter stürmischen Beifall beschlossen. Mit Dankeswvrten ^an die Mitglieder für die beispiellose Opferwilligkett und mit Worten der Anerkennung für die Unterstützung, .die er seitens des verdienstvollen Bethausvorstehers Herrn David Waldmann und der übrigen Funktionäre gefunden hat, schließt der Obmann die Versammlung. .. .Bei diesem Anlasse spendeten für den Tempelbaufonds : die Herren Adolf W e i l K. 500.—, Jgmtz Eisler und Rottner je K. 200.—, Jakob Hirsch K. 150.—, H ia as, .Ad, W o hl st ei n, Siegmund S ch ö n, Nathan Ri eck er je K. 100.— und Jakob Günser K. 50.—? Im VolkWsiaftg enthüllen sich die geheimsten Regungen der .Volksseele, darum ist seine Pflege Kulturarbeit. '.Auch im jüdischen VolksgesaW offenÄrren sich '.Eigenhetterr des GeMlMens so wunderbarer Art, daß ihre Vermittlung mehr M Goß völkisch^ Wirken bedeutet. Unser Schicksal des LLenslaufes innerhM fremder Ufer, die vielen Muttersprachen, die Zerstreutheit und Einheit in Mer Welt — diese so rätselvolle Möglichkeit unseres Bestandes läßt in unseren Liedern Eigentöne Mitschwingen, die nicht vielen unter uns und unseren Mitmenschen vernehmbar sind. Unsere .Volkslieder pflegen, sie wetteren Kreisen zu Gehör und zu Herzen bringen, heißt kostbares Mensch» heitsgut bewahren helfen. Aus diesem Grunde war die vor Kriegsausbruch erfolgte Gründung und ^Einführung des jüdischen Ge», sangsvereines „Hakinor" ein verheißungsvolles Beginnen, das nun wieder ausgenommen und auch nach der Richtung ausgestaltet werden soll, daß durch Aufnahme weiblicher Mitglieder die Wiedergabe gemischter Chöre ermöglicht werde. Wobei es aber nicht nur auf die Frauenstimme, sondern auf die Frauenseele ankommen wird, deren Ausdrucksmütek die künstlerische Fassung unserer Lieder erhöhen soll. Und so ergeht unser Ruf an sangesfreudige Damen und Herren, am schönen Werke des „Hakinor"" mitMarbetten und es Zur Vollendung Zu bringen, damih sich jedes empfängliche Gemüt an der herrlichen BMe unsere Volksgesanges erfteue und erhebe. Das Ehrenkomitee: Oberkantor Don Fuchs, Professor Dr. Wilhelm Roth, AtwlfD tan d, Dr. Geza Winter. Stimurprüfung durch Obcrkantor Don Fuchs und Professor Arthur Wolf, 1. Bchttk, Postgaffe 16, Tür 13, an Feiertagen von 3—6 Uhr nachmittags und an Sonntagen von 9—11 Uhr vormittags. Uriel BirMyrm. Ein jüdischer Maler und Dichter. Keine fachmännische Beurteilung wollen diese Zetten geben; nur einen eindringlichen Hinweis auf die bedeutungsvolle „Kollektiv-Ausstellung", die dieser junge, .bewußt jüdische Künstler in der „Wiener Zeitkunst", X- Bezirk, Maysedergasse 2, noch durch einige Tage (bis 15. Juni) darbietet. — Bis zum Ueberdrusfe hat man uns den Krieg im Bilde dargestellt. Diesem Künstler aber, dem Aer Krieg ein Bein geraubt, wurden all seine furchtbaren Greuel und Martern „Ein We g zu Gott" Die Welt als Gottes Wer? ist ihm Inhalt aller Kunst; der Krieg selbst ist ihm Gottes Krieg. In einem fesselnden Aufsätze seines Ausstellung^ katalogtzs nennt Uriel Birnbaum sein Schafft» „Gläubige Kunst".!Eben darin finden sich die beziehungsreichen, schicksalbewußten Worte Birnbaums: „Usbel angewandt ist Mitleid, das Menschen gezollt wird, an. denen Gott feinen Willen beweist, mit deren blutigen Leibern Gott seine Straßen baut! Denn eine Lüge ist es, den Menschen für einen besonderen Wert Zu halten. Jedes Ding der Welt besteht nur in seiner Beziehung Zu Gott — und in dieser Beziehung ist der Mensch ein „Wurm" und sein Elend vor Gott nicht mehr, als das eines Wurmes!" Die etwa 300 Blätter umfassende Ausstellung des gemäßigten Expressionisten BirrÄrum ist zyklisch geordnet. In Schwartz-Weiß-Technik bietet sie „BMische Köpfe" und eine tiefschürfende Serie „Der Seelenspiegel", die mit wenigen Strichen haarscharf die menschlichen Tugenden und Laster bloßlegt. In Oelkreidetechnik auÄgeführt sind die aufwühlenden Zyklen „Ein Weg zu GE, „Gottes Krieg" und der mythische Zyklus Me Schöpfung". An „Wurm" zeigt Birnbaum in furchtbaren Visionen seinen eigenen Gang durch die Schrecknisse der KriecMölle auf.. . Dieser Zyklus, sowie ein