Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 23 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- Seite 347 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 363 Nr. 23 „Dr. Moch'A Wochenschrift" reichen wollten- Jedenfalls/VeruhiLen jene Berichte, die in nichtjMischen Tag^MuMen?chre AblagerunAstätte fanden, Auf entschiedenen Jrrtümern. Es ist wahr, daß in einigen Gerieten Kroatiens und Slawoniens Plünderungen stattgesunden Hatzenallein diese Plünderungen trugen keinen antisemitischen EharMer, denn die Guts- Höfe der Grafen und Barone und sonstiger nichtjüdischer Grundbesitzer sind ebenfalls geplündert worden. Die HlünderuNgen richteten 'sich hauptsächlich gegen die Kriegsmilsionjäre ohne'Rücksicht aus Konfession und Rationülität. Dann muß die Tatsache in Betracht gezogen werden, daß die Plünderer zum Wüßten Teile keine Angehörige Jugoslawiens waren. Als die seMsche Macht die Zügel der Regierung in Jugoslawien ergriffen hatte, sind alle politischen und . Justizbehörden sofort angewiesen worden, gegen alle Teilnehmer an den 'Plünderungen strengstens! zu verfahren, was auch geschehen ist. In keinem Lande der Welt, selbst nicht in England, erfreuen sich die Juden einer solch'politischen und nationalen Freiheit wie in Jugoslawien unter dem demokratischen Regime Serbiens. Vordem Kriege hatte'man daran Gefallen gesunden, Mer Kroaten und Serben mit Geringschätzung M sprechen- DM kam daher, weil man einerseits diese echt demokratischen Völker nicht kannte, andererseits Hat eine servile.Presse viel dazu beigetragen, die-südslawischen Völker in ein dunkles Licht zu stellen. Wieviel davon auf das,Kevbhiolz der Klerikcsten -zu setzen wäre, wollen-wir hier nicht näher untersuchen. Der einzige freie und vorurteilslose Schriftsteller und Gelehrte lvon Bedeutung, der in seinen gelehrten und populären Schriften Mer Südslawen aufrichtige objektive Aufklärungsarbeit -geleistet hat, war der gelehrte Jude Dr. Friedrich S. Krauß- Mas nützte aber die Arbeit eines -eiilzelnen .gegen die KriecDhetze einer ganzen Preßmeute! Wäre"inän vor^ dem Kriege mit dem wahren Wesen des serbischen Volkes vertraut gewesen, hätte man sich der . Miihe unterzogen, die brave naive und unverdorbene Volksseele der Südslawen am Balkan kennen zu lernen, so hätte man gewiß den Weg Hur Verständigung gesunden und es wäre nicht zum entsetzlichen Kriege gekommen, denn wenn es vom Dichter gilt: „Willst du den Dichter verstehen, mußt du in des Dichters Land gehen", so!gilt dies um so mehr von Völkern. Der Umsturz hat besonders die Deutschösterreicher den Südslawen .^näher gebracht, und wenn erstder Friedens- Vertrag unterfertigt, .die Freizügigkeit der Völker herge- , stellt sein wird, dann werden erst die guten Eigenschaften der Südslawen. auch außerhalb ihrer Gemarkungen Hum Ausdrucke kommen. Ein Volk, das wahrhaft demokratisch gesinntest, kann nicht antisemitisch gesinnt sein, weil antisemitische Gesinnung und Tat Barbarei und Reaktion bedeuten. Soschlicht und einfachso. treu und.ausdauernd das serbische Volk ist, so einfach ist sein Heer, so schlicht sind seine Heerführer .und Offiziere. Ein slawvnischer RcWiner, der zu den Sederahenden des Peffachfestes seine halbe Kehille zu Gaste hat," hat zu den Sederabenden des vergangenen Pessach- . festes auch den nichtjMischen serbischen Kommandanten und dessen Stellvertreter geladen. Nachdem der zeremonielle Teil des Abends vorüber war, begrüßte der betreffende RcMiner die serbischen Offiziere in kroatischer .Sprache und hieß sie willkommen in seinem Hause. ' Darauf bedankte sich der seMsche Kommandant mit folgenden Morten: „Josua sollte das von Moses begonnene ErlösunrDwerk fortsetzen, .beziehungsweise vollenden". Als er.dann in einer Schlacht an dev Spitze seines Volkes tapfer kämpfte, da befahl er der Sonne, daß sie Wle Hetze in GMeon und dem Mond im Tale Ajalon. . „Wir Serben", sagte dann der. Redner,, „hatten auch einen Lebensftyrrtzf für die Zukunft und Freiheit unseres Volkes zukämpfen. Gleich Josua baten wir die Sonne, daß. sie nicht untergehe, daß sie vielmehr uns leuchte, bis wir den Sieg erfochten Hatzen. Und die Sonne stand stille und -den Sieg Hatzen wir errungen und hie. Zukunft unseres Volkes gesichert. Ihr Juden Mer habt noch viel zu Mmpftn, Ws Ihr Euere bolle Freiheit Euch werdet erkämpft Hatzen. So möge denn auch Euch die Sonne leuchten und wir Serben werden alles mögliche anwenden, Euch den Sieg Hu erringen helfen, auf daß auch Ihr Euch in politischer und sozialer Hinsicht der wahren Freiheit erfreuen könnt." So spricht ein serbischer Offizier, ein treuer Sohn der großen jugoslawischen Völkerfamilie. Daher ist auch für. die Zukunft die Hoffnung berechtigt, haß der österreichische Antisemitismus den Weg pnt Herzen der Jugoslawen nicht finden wird. ' _ Stimmen Ms dem Publikum. Wien, am 3. Juni 1919,* Sehr geehrter Herr Redakteur! Als ich Ihnen mitteilte, daß bei dem am letzten Pessachfeiertage atzgehaltenen, mit der Maskir-Andacht verbundenen Fruhgtzttesdienstim Tempel in der Inneren Stadt kein Bethausborstand anwesend war, erwiderten Sie mir, daß Sie meine berechtigte Beschwerde an den Kultusvorstand weiterleiten werden und Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, als auch ich waren sicherlich 'der Meinung, daß nun Abhilfe geschaffen worden fei. ' Der Weg, den Sie hiefür eingeschlagen haben. Machte wen Erfolg, daß heute, am 2. Ähewrwt-Feste, beim Frühgottesdienste (der Tempel war dicht gefüllt) ein Tempeldiener im Festkleide mit Zylinder erschien und beim Oeffnen der Bundeslade sowie beim Borlesen der Thora die Funktion eines Bethansvorstehers versah. Nicht, daß ich die Tempeldiener für unwürdig erachten' Würde, ein derartiges! Amt zu bekleiden, wenn es aber geschieht, so müßte dieser Vorgang ein allgemeiner sein und nicht ittuf Pen Tempel in der Inneren .Stadt beschränkt bleiben. Wenn man bedenkt, daß in den Bethausern der Vorstadt beim Frühgottesdienste.der Festfeiertage gewöhnlich mehrere Bethausvorsteher anwesend sind, zumeist latzgeplagte Menschen, die wahrend der Wochentage schwer arbeiten, und es als besondere Ehre betrachten, iM Amt auszuützen, so könnte man doch mit vollem' Rechte zumindest von einem der jüngeren Bethausvorstchier in der Inneren Stadt verlangen, daß er, wenn es ihm auch noch so schwer fällt, dieses Opfer bringe ünd der Thora, die jeder gläubige 'Jude als höchstes Heiligtum betrachtet, seine Ehrfurcht bezeuge. Ick bitte Sie, sehr 'geehrter Herr Redakteur, als getreuer Leser Ihres Mattes und Förderer der von Ihnen verfochtenen Ideen, diese meine Zeilen der Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen, damit der auch hon Ihnen angefireÜLe Zweck erreicht wird. HochachtuuMvoll Josef Lemberg er, Oberbuchhalter der Firma B. SWegker & Söhne. Zum Religionsunterricht gm Sonntag. * Euer WphlgMrren! Es wäre wirklich hoch an der Zeit, wenn Ihr letzter Artikel Es fruchtbaren Boden fallen würde. Warum soll der Sonntag gerade bei uns Juden zum Religionsunterricht verwendet werden? Kinder, Eltern und Lehrer würden aufqtmen, wenn der Sonntag, besonders im Sommer, frei sein würde. - Hochachtend Max Eckstein, Juwelier, Wien, 19. Bezirk.