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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-13 · 23 (13.6.1919) · p. Seite 345

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
23 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 345 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 Wr. Bloch's Wochenschrift" Sette 361; DogronOerichte kommen.auch Ms Warschau, wo in der Vorstadt Praga geWrliche. Unruhen und eine Jagd nach Juden stattfand 'und 30 Juden schwer verwundet wurden. Aus Eholm wird gemeldet: „Vorigen Dienstag brach in Eholm ein jürchter- Licher Pogrom aus, der. ursprünglich gegen die Mischen Fleischhauer gerichtet war, später jedoch sich auf die gesamte jüdische Bevölkerung ausdehnte. Das Militär und die Miliz verhielten sich passiv. Einige Juden wurden, getötet und diele Verwundet. -Es wurden auch viele Geschäfte -ausgeplündert. Am ersten Schowuothseiertag waren sämtliche Bethauser geschlossen. Die Juden, wagten sich, uicht auf die Gasse. Erst Mittwoch nachts fanden^ die Räubereien ein Ende." - " Polen wird' ein Staat, ans den die Ententelnächte verschwenderisch Begünstigungen häufen, es ist der Hans im Glück dieses' traurigen Friedens. Es soll Millionen von Deutschen erhalten- Millionen Wn Ukrainern, viele Litauer und Weißrussen, lauter Minderheiten, die zusammen eine mächtige Gegenströmung bilden und die -ohnehin vorhandenen Schwierigkeiten steigern. Polen übernimmt eine - gewaltige Verantwortung. Es würde sich vor der garten öffentlichen Meinung der Welt, soweit sie nicht unter der Peitsche des Deutschenhasses steht, empfindlich schaden,'wenn es die Kulturkrast, die inr Leid so wundervoll erhalten blieb, nach den: Zerbrechen der Ketten verleugnest würde. Die polnische Regierung muß wissen, daß solche Ereignisse schmerzlichen Widerhall erwecken, und aas polnische Volk, das sicher in großer Mehrheit von den Ausschreitungen nichts wissen willmuß sich deutlich scheiden von den Untaten des Rassenhasses: Der Pogrom ist keine gute Frucht der Be- - - M- IMchEmmkischen Republik. Das „Prager Taghlatt" schreibt unter dem 8'. Juni: „Wiederholt, wenn auch bisher ohne Erfolg, haben wir darauf Angewiesen, daß das staatliche Amtsorgan „Prarsks Novmy" amtliche Kundgebungen, welche sämtlichen'Bewohnern des Staates, also auch den Deutschen gelten, ausschließlich in tschechischer Sprache bringt, amtliche Mitteilungen,btc in dem kleinen deutsch geschriebenen Stiefschwefterblatt »Prager Zeitung" nicht enthalten sind. Dafür bemüht sich aber dieses Staatsblatt, frei von jeder Objektivität zu bleiben, und scheut nicht einmal davor, zurück, den Rassenhaß zu pflegen. So bringt es heute eine Nachricht über einen Heiratsschwindlernicht ohne hervorzuheben, daß dieser Schwiudlerein Jude sei.-Wir stellen dieses Faktum nur als beschämende Illustration fest und -hoffen, daß sich die Regierung endlich entschließen wird, in der Würde des Staates entsprechendes, also objektiv und den nationalen Verhältnissen Rechnung tragendes Amtsblatt zu schaffen." Bei dieser Gelegenheit möchtest wir bemerken, daß auch die unter der Eheftedaktion von Dr. Reichenauer in streng liberalem Sinne redigierte „Grazer Tagespost" neuestens antisemiteln zu müssen glaubt. Es ist lächerlich, wenn Auch dieses Blatt bei irgendeinem Schwindler die Konfession angGt, als vb das Gaunertum nicht' interkonfessionell wäre. _; . mm. JQlfi^en^eU. Dr. Siegmar Schultze-Gallära schreibt: Folgenden Bericht, der auf die wirtschaftliche Not Schillers in seiner ersten Weimarschen Periode einscharfes Licht fallen läßt, fand ich in dem handschriftlichen Nachlaß I. D.' Falks, der sich in meinem Besitz befindet und der über Goethe und Schiller, über den,Hof und seine Gesellschaft mancherlei Neues und Bemerkenswertes bringt. Es sind teilweise abgerissene,- oft schwer leserlich geschriebene Blätter, die aber ihren besonderen Wert darin haben, daß sie , augenblicklich hingeworfene Berichte, wie sie Falk soeben, erfahren hatte, sind. In meinem Buche „Falk und Goethe", Halle 1900, habe ich darüber Näheres mitgeieilt und die Glaubwürdigkeit Falks von manchem Vorurteil befreit. . Nach den neuesten Forschungen. Schiller weilte vom Juli 1787 bis' Anfang Mai >l789, einzelne Unterbrechungen abgerechnet, in Weimar. Unser Bericht weist in die ersten Monate, und zwar aus folgenden Gründen: Uhlemann erzählt, daß er auf die Messe (1788) bereits 500 Taler Assignacionen an Schillers Verleger Crusius hatte, und daß er in der Folgezeit (in Weimar), ehe Schiller heiratete, noch häufig Geschäfte mit diesem abwickelte. Das Werk, das Schiller für Crusius arbeitete, ist die Geschichte des Wfalls der Niederlande. Es war keineswegs schon dem Ende nahe. Crusius hatte recht, daß Schiller langsam arbeitete, dieser mußte sehr viel zu der Arbeit lesen, und sein Zweifel, ob Schiller das Werk wirklich zu Ende brächte, war nur zu sehr berechtigt. Die „Niederländische Rebellion" sollte bereits Ostern 1788 erscheinen. Es kam aber erst im Herbst dieses Jahres der erste Teil heraus; später folgte noch einer. Die -übrigen vier Teile sind nicht erschienen- Schon am 5. Juli 1788 sing Schiller an, dieser Arbeit satt - zu werden (Brief an Körner vom 5. Juli 1788), Schiller war am 21. Juli 1787 zu 'Weimar im Erbprinzen abgestiegen. Er hat schon nach einer Woche eine Privatwohnung bergen und das teure Aasthopzimmer ausgegeben; unser Bericht nennt einen Kaufmann Keil in der Nähe des Schwan, bei dem Schiller gewohnt hat. Des Dichters Vermögensverhältnisse, die schon keineswegs gute waren, als er nach Weimar kam, verschlechterten sich in den neuen Verhältnissen zunächst noch mehr. Er -war so ziemlich in allem „abgebrannt". Der Frau v. Wolzogen in Bauerbäch schuldete, er 540 rheinische Gulden und dem Juden Beit in ^Leipzig einige hundert Taler, beide Posten hätte er Aerne getilgt, aber vor allem mußte er Geld für seinen Weimarschen Aufenthalt auftreiben. Am 18. August 1787 schreibt er an Körner: daß er zwischen 6 bis 8 Louisdors gebrauche, er wolle eventuell von Crusius avancieren lassen; und an seinen Freund Huber am 6. Oktober: „Ich warte nunmehr mit Schmerzen aus Nachrichten, auch wegen Geld. Das verfluchte Geld! An Crusius schreib ich nächsten Donnerstag, zu Ende des 'Monats muß ich Gelb haben, weil ich da ganz aus dem Sande bin." Unb desselben Tages meldet er Crusius, die „Niederländische jRebellion" sei fast fertig (etwa 20 Bogen), er müßte aber bis zum Ende des Monats zwölf Louisdors haben, den Rest mit Neujahr, Am 5. November dankt er Crusius für achtzig Taler, die er erhalten, aber am 19. hatte cher Dichter eine Reise nach Bauerbach angetreten, war dann im Umwege »über Meiningen,. wo er Schwager und Schwester besucht hatte, am 8. Dezember nach Weimar zurückgekehrt, die Reise hatte ihm 138 Gulden 51/* Kreuzer gekostet; und so erklingen neue Jeremiaden über das' leidige Geld in dem Briefe vom 25. Dezember an Huber. — In diese Zeit also, August bis' Dezember 1787, muß unser Bericht eingereiht werden, der wortgetreu hier folgen soll: „Als ich", so erzählte der Me Jude Uhlemann, „beim „Schwan" vorüberging, rief mich der Kaufmann Keil daneben aus seinem Hause an, wo er in der Tür stand und sagte: „Herr Uhlemann, . ich habe da oben im Stübchen einen Gelehrten sitzen, wenn Sie sich doch zu .ihm herausbemühen wollten, vielleicht könnten Sie mit ihm ein Negoz (Geschäft) machen!" Ich dachte, es kommt aus einen Versuch an und ging hinMs. AN ich in die Tür trat, sah ich einen langen, hageren, Mann, weder Koffer noch Kleider, Mes um ihn in dem unseligsten Zustand. Selbst der Hut taugte nichts, ein paar große Kurierstiefel und ein Hieber standen in dem Winkel. Diese nebst einem Men Ueberrock schienen der ganze Hausrat zu sein. Tier Mann kam darauf sebr höflich auf mich zu, nahm mich bei der Hand und sagte: „Mein

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