Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 23 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- Seite 344 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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min IHWIPMIM II Ulli H.'iiWWIlH1 ML- M; .Dr. WchMjMst"? Nr. 23 ins Abscheuliche wurde mit folgender ErkWuug gepflastert: „Die Wahlen in die Nationalv ersammlung und ftis- Kesondere in die Wiener Gemeindevertretung hohen je" doch den Beweis erbracht, daß düs Bestreben der bürgerlich-demokratischen Partei leider nicht auf fruchtbaren Moden gefallen ist, sondern e£ hat sichMe Werraschende Tatsache eingestellt, daß insbesondere die'Mehrheit des Wischen Teiles, der Wählerschaft, dein in der bürgerlichdemokratischen Partei die politische Mitarbeit im breitesten Ataße gewährleistet worden , war, einerseits durch die Erstarkung der fudischnaLionalen Bewegung, anderseits durch ihre Stimmenabgabe für die Sozialdemokraten eine freiheitlich bürgerliche Partei M untecstützÄl, überhaupt nicht die Wsicht Hatte. Tie bürgerlich-demokratische Partei plant den, Zusammenschluß aller ehrlich freiheitlichen und nationalen Parteigruppen ganz Deutschösterreichs und hat zu diesem Zwecke ihre frühere Organisation nlngestaltet, um unter WahTung der kulturellen und sozialpolitischen Grundsätze der überwiegerrden. Mehrheit der Partei als „D! e u t s ch e Ar beit s g e m e i n s ch a f L" ein Zusammengehen mit der Hauplorganisation der ' Nationalen, nämlich dem Deutschnationalen Verein für Oesterreich, zu ermöglichen." Also mit den Worten: Die Juden haben uns nicht auf Kommando gewühlt, wir brauchen also unseren Gefchüftslibemlismus nicht-und kehren in die antisemitische Heimat.unserer Gefühle zurück. Die .Akten Mer eine solche Partei sindwohl geschlossen. . . __; i; . Mn Pogrom in KrMu. Zweitägige Plünderun-g. B'i^le Personen schwer verletzt. . - Zwei Tage lang ist in Krakau geplündert worden. VLÄe Menschen wurden schwer verletzt, -viel Hab und Gut geraubt, und wenn -auch dieser Pogrom, soweit bisher bekannt wurde, kein Todesopfer gefordert hat,, 'so berührt es doch als eine Unverständlichkeit, daß in einer großen Stadt von mchr als hunderttausend Einwohirern die Opfer vogelfrei waren und dem Zugriff einer fanatisierten Menge preWegMn. Wir haben noch den Schauder im über die Nachrichten aus Lemberg, wir haben seither gehört, daß in Wilna mehrere tausend Menschen ermordet oder verwundet wurden mrd haß der Äindmütige Haß auch in anderen Orten zu entsetzlichem Ausbruch kam. Ein englischer SpeziaKommisUr hat mitgeteilt, daß im November ungefähr chundertzehn Pogrome statigefunden haben. In Ppzernysl seien drei MMonen an Wsegeld gefordert, in Kielce sei die Plünderung militärisch organisiert gewesen; in Chyrow, in ItzesMv, in Pinsk und Proskurow seien viele Juden beraubt und ausgepeitsch^worden, und so gingen die Be- -richte weiter: Verhaftung, Mißhandlung und Beraubung, Dergewalligung und Peitschenhiebe. Dieses Bild entwarf der englische Spezialkormnissär. Soll diese düstere Reihe fortgesetzt werden, 'diese Grausamkeit kein Ende haben? Rach Erzählrmge« hier «ingetroffener Reisender. - Wie mitgeteilt wurde, ist es in den letzten Tagen vor Pfingsten am Freitag den 6. und Samstag den 7. d., zu argen Ausschreitungen, in Krakau gekoumren, bei denen zum größten Teil Angehörige der Mischen Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Unruhen ruchmen teilweise einen direkt pogromartigen Charakter an und die Verlustliste verzeichnet 70 Schwerverwundete und 100 Leichtverletzte aus dem Zivilstand. Zahlreiche „Mische Geschäfte wurden total ausgeplündert. Der Schauplatz der Exzesse wären zumeist jene Stadtteile, in Leuen sich die Juden angesiedelt haben, das Stadtviertel Kaszimierz und. die Grodzkagaffe. , - Die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Krakauer Unruhen war nach übereinstimmenden Schilderungen die folgende: In Krakau befindet sich: derzeit der Stab der Armee Haller. Auch der General selbst halt sich gegenwärtig in der Stadt auf. In seiner Umgebung. sind zahlreiche französische Offiziere: Am Freitag, gegen 2 Uhr nachmittags besorgten zwei Soldaten der Hallerschen Armee in. ber „Sukiernice" in dem Laden einer Trödlerin namens Schönauer ihre Einkäufe. Als sie Taschentücher. verlangten und nach dem Preis ftagten, verlangte die Verkäuferin einen Betrag, den die beiden Soldaten zu doch fanden. Es entstand^ ein Streit, in dessen Verlauf die beiden Käufer angeblich beschinipft würden.' Der Konflikt wurde immer lebhafter. immer mehr Personen mischten sich ein, bis auch die Polizei erschien und die Soldaten auf die Hauptwache brachte. In der ganzen Stadt hatte sich aber unterdessen wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitet, daß „die Hallerczyka geschlagen werden". Ungefähr, gleichzeitig war in der «Sukiernice ' ein streit zwischen zwei eben aus dem Gefängnis entlassenen Häftlingen entstanden, der in eine Messerstecherei ausartete. Es entwickelte sich ein Straßenauflauf, zu dessen Teilnehmern viele zweifelhafte Elemente und Straßenjugend gehörten. Plötzlich wurde die Losung ausgegeben, ins Mische Viertel zu ziehen und dort zu plündern. Ein Teb der Menge begab sich in die Floryanskagasse, wo zu-ächst das Geschäft des Herrn Straßburger ausgeplündert wurde. Die Mehrzahl stürmte.in die Grodzkagaffe, wo fünf Kleider- und Schuhmagazine dasselbe Schicksal erlitten. - Als der Abend anbrach, nahmen die AusschrektungeÜ zu. Man begann bereits gegen jüdische Passanten tätlich vorzugehen. Die Inden wurden geprügelt und beschimpft. Als die Polizei nicht mehr imstande war, die Sxzedenten an ihrem Vorgehen zu hindern, wurde eine Abteilung Kavallerie und eine Kompagnie Infanterie von der Hallerscheu Armee unter dem Kommando des Oberstleutnants Modenski als Sukkurs geschickt. Das Militär bildete einenKordon und b.mühte sich/ die Straßen zu säubern. . Unterdessen hatten aber die Ausschreitungen bereits auf.das Jüdenviertel, den Kaszimierz. in die Podgorze-, in die StarowiSlna- und die Siemsagasse sowie auf den Schtschepanplatz übergegriffen. Ganz wie bei den srine^eitigen Pogroms in Lemberg wird auch bei den jetzigen Krakauer Unruhen gegen die Juden die haltlose Beschuldigung erhoben, sie hätten aus die Attlitärpatrouillen aus den Fenstern geschossen und siedendes Wasser hiuabgegössen. So behauptet der polnische Bericht, daß au?, dem Hotel London geschossen worden sei und bei.einer Revision sei dort tatsächlich ein Gewehr konfisziertworden. Dieselbe Befchuldigrpig wird gegen die Bewohner der Wolnicagasse ausgesprochen und' erklärt, daß dort 15 Gewehre beschlagnahmt worden seien. Es kam zu heftigen Schießereien, bei,denen, "wie, yben. erwGnt^. nicht-weniger als 70 -Personen durch. Gewehrschüsse schwer verletzt wurden. Die Zahl der Leichtverletzten wird mit über 100 angegeben. Außerdem^ wurden auch eine Anzahl von.Angehörigen des Soldätenstandrs in Mitleidenschaft gezogen. Unter den Verwundeten befinden sich ein frmrzösischer Offizier und ein französischer Soldat. Die Unruhen und Zusammenstöße dauerten den ganzen Samstag über bis spät in die Nacht. Die Abgeordneten DaSzyrrski und Steinhaus begaben sich als Abordnung des Stadtpräsidimns. zum General Symon und baten, das Leben und die Habe der Zivilbevölkerung zu schützen. General. Symon teilte den Abgeordneten mit, die, Soldaten hätten den Befehl erhalten, die Kasernen nicht zu verlassen. Dieser Befehl beziehe sich jedoch nicht auf die Angehörigen der Hallerschen Armee, die unter einem separaten Kommando stünde. Ans Grund des ss 14 des städtischen Statuts würde die Bürger», wehr einberufen. Jeder Bürger vom 20. bis zum 50. Lebensjahr ist verpflichtet, sich zu melden. Hingegen wurde die jüdische Bürgerwehr daran verhindert, in Aktion zu treten, indem ihr Waffen und Munition konfisziert wurden. Während der Exzesse wurde in der DietlowZkgasse eine. Frau, die ungefähr 25 Jahre alt war, von Unbekannten getötet. Auch der Pükizeikommissär Jauickä wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Die Gast- und Kaffeehäuser wurden zum großen Teil gesperrt. Unter-den Beschönigungsversuchen des KrakäÄGc Pogroms tritt auch die Behauptung auf, daß es sich um eine planmäßig inszenierte Aktion gegen die Hallersche Armee gehandelt habe und daß deutsche, ukrainische und jüdische Agitatoren gegen die Truppen des Generals Haller agitiert hätten. Die Zahl der Verhaftungen - beträgt etwa 150. Bon polnischer Seite wird behauptet, daß sich unter den Verhafteten ein Mann befunden habe,, der sich der Menge gegenüber als Polizeikommissär ausgab und zum Raub aufforderte. Es habe sich heraulgestellt, daß es ein Deutscher war, der auch von deutschen Behörden ausgestellte Legitimationen bei sich trüg. Dieser Mann habe eingestanden, daß er vor zwei Tagen aus Wien in-Krakau eingetroffen sei. Ferner seien zwei ukrainische Offiziere verhaftet worden, von denen ver eine sich im Besitze eines Revolvers befunden hatte. Bei einem Juden, der Militäruniform trug, sei ein Revolver mit drei ausgeschosfenen Patronen saisiert worden. Ueberhaupt hätten sich unter den Verhafteten viele befunden, welche die Uniformen widerrechtlich trugen. UMr SrnÄerg wurde wiederum das Wandrecht 'verhängt, da. auch dvrt /verschiedene Ausschreitungen und CWesse .gfätn Juden vorgefommen finbJ