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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-13 · 23 (13.6.1919) · p. Seite 342

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
23 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 342 (sequence 2)
Language
German
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SE, 356 „Dr. Blöch'S Wochenschrift' Sk,. 22 geschäftliche und gesellschaftliche Boykott gegen die Juden prEätt.. DenndieJuden, die selbskverMndlich nicht ihren eigenen Henker zu ihrem Vertreter nckhlen konnten, bewirtten die'WW des SoMldemokwLen Jagiello und zogen dadurch; den Haß der fanatischerk Nationalpolen in verstärktem Maßze auf sich. Dieser 'Boykott ist in Formen dnrchgefÜhtt worden, wie sie bisher in der Geschichte der Wirtschaftsbewegungen unerhört sind. Aber auch an GewalttätWeiten hat es nicht gefehlt. Man hat harmlose alte Männer gemordet, in der Stadt Wettin Hauser mit Petroleum ^Wissen und angesteckt, die ungebildete Dorfbevölkerung durch die Beschuldigung aufgehetzt die polnischen Juden hatten „unlängst" den Heiland ermordet. In ganz Rußland waren es fast nur ' die polnischen Blatter, die nach dem Beilis-Prozesse die Existenz des Ritnälmordes als solchen für erwiesen erklärten. Vergebens hat Ladislaus! Mickiewicz unter Tranen seine Landsleute, die doch schon Feinde genug haben, beschworen, nicht noch obendrein als Feinde der Juden auszutreten, die stets' ihre Freunde gewesen seien. Seine Worte hckben so wenig genützt, daß.zu Beginn des' Krieges jglpße polnische Blätter, z. B. „Glos Luv heMi", in satten Lettern die Kunde verbreiteten: „In England große Pogrome gegen die Juden, die englische Regierung hindert sie nicht." Die Tendenz war klar, es wuM ein Beispiel zur Nachfolge ausgestellt. Polnische Blätter hckben. die Juden beschuldigt, nach Kriegsbeg'mn, als das Metallgeld in Polen knapp wurde, in einem Sarge eineinhalb Millionen Gold-Rubel nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Sie haben jiddisch abgefaßte Proklamationen drucken lassen, worin die Juden zum Aufruhr gegen Rußland ausgefordert wurden. Sie hMen die unschuldigsten Leute - den Russen wie den Oester-- reicherw als Spione der Feinde denunziert und so ihre Erschießung verschuldet, so in den Städten Bechava, Krasnik und Samysz. In einer ganzen Anzahl von anderen Städten, hcchen die Polen schwer jan den Juden . gesündigt, sie verfolgt, Pogrome des Militärs gegen sie verschuldet, Angertzeugen HÄen Brand es berichtet von Mischen ^rldaten, die wahnsinnig!- in den Lazaretten darniederliegen, Wer nicht infolge der Schrecknisse des Krieges, sondern der Pogrome, deren Zeugen sie waren, der Ermordungen, NoMchtigungen und schrecklichen Mißhandlungen unschuldiger Menschen. Wenn die Polen sich nicht alle Sympathien Europas verscherzen wollen. Jo ist es hohe Zeit zur Selbsteinkehr. Sind Me deutschen Waffen in diesem Kriege siegreich, so wird die Karte Europas eine weitgehende Veränderung erleiden. Wer nur ein Volk, .das Garantien dafür hietet, die westeuropäische Kultur geistig in sich verarbeitet zu haben, nicht ein Volk von Barbaren, sondern nur ein Voll von Menschen, welche der Freiheit wirklich wert sind, wird aus sie Anspruch erhAen können. „Soll ich mich schämen", fragt Brandes, „Worte der LiM für. Po len geschrieben zu haben, jetzt, wo die Zukunft Polens bestimmt witt)?" Vom ZÄdrmsrkt des Lebens. Mr DvUor Me i&MivMne r ist zum Wrendoktor der technischen Wissenschaften promoviert woMn. "M ist tvirllich nicht emMfehen, welchen Einflüssen der Wgekvachte Politiker diese ganz unverdiente Ehrungzu verdanken hat. M h at d enn auch' beim feierlichen Akd gleich die Ansicht der öffentlichen NkeinnW anzuWren' bMmnen. Ein Sttrdent MMDnden^urch-' vor' Wen Uestgästen den Rekwr nnä Senat ersuch-t,- keine GhrettpvonVtLonen v y n Leuten vjochunehmentvÄche Mt der tÄhnischdn Wissenschaft gar nicht im Zusammenhang stehen. Der Rektor tat seine Pflicht, indem er gegen den Protest protestierte, aber seine Worte gingen, im tosenden Beifall der Studentenschaft unter, welche ihrem Sprecher gegen Weiskirchner applaudierte. So . nahm denn der ehemalige Bürgermeister zu der ggltz Werftüssrgen Promotion noch einen moralischen K.atzenjammer und. das Bewußtsein mit, daß man ihn auch von akademischer Seite als'eine Mull betrachte. Wenn die akcchemische Höflichkeit nicht wäre, so wäre der Protest' gewiß noch Von manchen Seiten wird indessen behauptet, daß. Weiskirchner doch mit der technischen Wissenschaft in - Zusammenhang: stünde.!Er hat das Gebäude, der Lägen konstruieren geholfen, in welchem seine. Partei so behagliche Unterkunft gefunden hat: Er ist Sachverständigerin der BeleuchtunlKfrage, weil er zvr Verfinsterung: des geistigen Horizonts so viel beigetwgen hat. Er hat das Geleise logen, gchvlfen, auf welchem D^utschösterreWzu seinem, jetzigen Schicksal gelangte. Er ist ein her-' vorragender Kenner der Mathematik," wie das' Von ihm hinterlassene Budget der Gemeinde beweist. Auch ans die Wahlgeometrie hat er sich vorzüglich verstanden und seine zahlreichen Pensionsh^üge beweisen, wie .vorzüglich seine Kenntnisse im Versicherungsweseir waren. Es ist nicht sein Fehler, daß die Maschine des 'christlichsozialen Wählterrorismus zum^ Schluß' versagte und gewiß' war er als Bürgermeister hervorragend bei dee Hehelwirkung des Hausknechtparagraphen. Solche Fähigkeiten mußten wohl mit dem Doktorhut belohnt werden. * * Der geistreiche Mann des' christlich sozialen Spätabendblattes gibt unter dem Strich häufig Sinnsprüche "von sich. Von diesen hat neulich einer geheißen: „Daß Deutschö sterreich so., beschnitten worden ist,., haben win den Beschnittenen zu verdanken". Diiese, Robe Mrech-' hört macht es unbedingt notwendig, bei dem Aphorismenkönig eine lleine Gedächtniskur vo.rzunehwen und ihmeinige Mittel Hur Auffrischung! seiner Erinnerung, zu verschreiben. So mWe er unbedingt die Monatsbände der „Reichspostt' Juni, Juli und. August des Jähires! 1914 aufschlqgen und unbarmherzigden politischen Teil lesen. Er wird alsbald finden, daß! Jndianergeheul, Kriegstänze und Schwingungen des Tomahawks gar nichts bedeuten, gegen/ die 'johlende und' tobende Wegshetze, welche in. dem christlichfozialen Hauptorgan betrieben wurde. Welchedie geheimen Triebfedern dieser Hetze waren, wollen : wirvorläufig: noch nicht , sagen: Wer das eine wird' der geistreiche Verfasser der Sinnspr-üche wohltzugeben,: daßhinter der „Reichspöst^' nicht die Juden stehen, sondern die.garrze bankerotte Gesellschaft der Generäle, von denen die meisten Ebenso , unfähig waren als - antisemitisch, die streng judenfeindlichen Feudalen,, welche: aus dem heißgeliMen und' weit hinter der Front verteidigten:- Vaterland ein- /aMaKsches MeschäftsMM machten/ und schließlich die : Klerikalen, welche jetzt noch lieber. Deutschösterreich zugrunde gehen lassen als ihre. Herrschaft. Der geistreiche Verfasser. der Aphorismen .mag sich ferner an die berühmte Rede seines Parteihäuptlings' 'Weiskirchner erinnern, in welcher „seine MajesAt untertänigst gebeten wurde, dem unerträglichen Zustand der Ungewißheit sv>/ioder. so ein Endezu mach^. / h; V. r Das war der KriegWeginn- und ihm entsprach/ der iKriegsverlauß Unter der Führung'der-Parmas hätten die Feudalen und Klerikalen in der immer von ihnen beherrschten MvMrchie -ein neues'Paradies? Gin Regen aus Gold, Orden und-Würden.ging:-auf ihire/mächttgew Häupter nieder/ die'Tpre der Hofburg. waren ihnen spermugekweit geöffnet undzu - ih!rer Unterhaltung' und auf ihr Geheiß wurde eine maßlose Judenhetze betrieben.

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