Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-13 · 23 (13.6.1919) · p. Seite 341

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
23 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
Seite 341 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022376--27806-3053244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Zentvalorgan kür die gesamten Unteressen des Judentums Dr. Bloch’s Aayrgang XXXVI □--—. — -———-o Postspardalsenamt Clearing-Verkehr: 810,976 B O Redaktion tmb Administration: Wie» II/i, Pralerslrahe Nr. 9 Telephon 45.359 -- — Wim, 13. Juni 1919. Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, II/I, Pralerflratze Nr. 9 Telegramm-Adresse; Dloch's Wocheufchrifl Wien □ ---Q Bezugspreis: Kalbjahrlg..,10 Kronen Ganzjährig... 20 Kronen Einzelexemplare 60 Keller 'Anzeigen: Die 2mat gespaltene Pelitzeile 70 Keller. □ ---d Inhalt: Leitartikel: Georg Brandes und die Polen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Nn Pogrom iu Krakau. — Pogromberichte. — Das antisemitische Amtsblatt -ex tschecho-slvwakischen Republik. — Aus Schillers LeidenZzeit. — Judentum und Freimaurerei. — Der Wiederaufbau des Leypo'-dstädter Tempels. — Serbien, Jugoslawien und die Juden. — Korrespondenzen: Stimmen airs dem Publikum. — Zum Religionsunterricht am Sonntag. — Bvrstehung . der israelitischen Kultusgemeinde Linz s. D. — Aus der Kinderfursorgeaktion der israelitischen Kultusgemeinde Wien. — Bereut „Zukunft" zur Förderung schulentlassener verlassener Kinder. — Prater Behaus verein „Tesilath Jeschurnn". — Aufruf. — Uriel Birnbaum. — Borlesung Uriel Birnbaum. — Karlsbad. — Aus dem antisemitischen Deutschland. — Moritz Manheimer-Stiftung der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. — Berlin. — Das Hilfswerk der amerikanischen JndiM. — Vorwände für Judenpogrome. — Vermischtes. ■— Feuilleton: Es war nur ein Jude. — Erinnerungen an Kaiserin Eugenie. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Georg Krarrdes und dis Pate«. „ Georg, B r a n de 's veröffentlichte .in der dänischen T^eszeitung „Politiken" eine Artikelserie r „Zustände in Polens die besonders interessant durch ihre Tenders waren. Der Abdruck in unserem Blatte war seinerzeit durch die KrieMpressezensur inhMert worden. Die Pogrompolitik der Polenregierung, welche mit schauderhafter grausamer Konsequenz fortgesetzt wird, läßt es ratsamer erscheinen, die Stimme eines alten Polenfreundes in Erinnerung W bringen. Brandes hat jahrzehntelang zu den Vorkämpfern der polnischen Freiheit gehört, wie er denn Überhaupt wählend seines ganzen Lebens ein Anwalt der unterdrückten Völker gewesen ist. Er hat ein Buch Der die .Polen geschrieben, das Wn Begeisterung für das Land üjberquoll, und das Au einer Zeit, als die Polenfrqge nicht auf der Tagesordnung stand und nur ganz wenige Personen seine Gefühle teilten. Und er hat vor einem Menschen-- alter geschrieben: „Man liebt Polen nicht, wie m.an Deutschland oder Frankreich oder England liebt, sondern wie. man die Freiheit liebt. Dtznn was heißt das/ Polen Au lieben, anderes, als die Freiheit Au liMn, eine tiefe Syntpathie für das Unglück AU empfinden und den Mut .Sowie die streitbare Begeisterung zu bewundern! Polen ist das Siirnbrld. alles dessen, was die 'Besten der Menschheit geliebt und. wofür sie gekämpft." Nur für ein einziges .Volk hat.Georg Brandes nie seine Stimme erhoben, und das war das Volk, dem er selbst entstammte, befielt eigenartige Begabungsmerkmale sein ganzes literarisches Schaffen kennzeichnen, nämlich das jüdische Volk. Wetm er jetzt glaubt, für diese unterdrücktesten Parias Mußlands gegen die Polen eintreten und ihnen warnende Worte Anrufen zu müssen, so kann man ermessen, zu wMem'^Hrädä dB. Mends und der VeiOveislung die russischen Juden getrieben sein müssen. Kr and e s gibt Zunächst eine geschichtliche Uebersicht.der Beziehungen Awisch^en Juden und Polen. Er erinnert daran, daß seit alten Zeiten gerade in Polen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsklaffen und -Stämmen ein außerordentlich herzliches Verhältnis bestand und daß die Juden in der polnischen Geschichte wie in der polnischen Literatur eine ganz hervorragende Rolle gespielt haben. Bereits im Jahre 1794 kämpfte unter Kosciuszko ein Regiment jüdischer Freiwilliger, dessen Dberst im Jahre 1809 fiel. Als im Jahre 1861 von den Russen in Warschau.aas die knienden Volksmengen geschossen wurde, welche das' Vaterlandslied „Z dymen pozaröw“ sangen, folgten die Juden ihren Rabbinern in großen Mengen in die katholischen Kirchen, ebenso wie die Christen in großen Mengen in die Synagogen tzogen, um dasselbe Lied anzuftimmen. Dieser letzte Zug, die Prozessionen der GlaubenMkenntnisse in die Kirchen der anderen Konfessionen, machte .auf den großen nordischen'Dichter Henrik Ibsen einen so tiefen Eindruck, daß er in Unterredungen immer davon sprach als von dem Größten und Schönsten, das er je erfahren. Und Adam Mickiewiez. hat in seinem berühmten Nationalepos „Pans Tadenz“ einen jüdischen Gastwirt zu einer der sympatischsten Hauptpersonen des Gedichtes gemacht. So haben die Verhältnisse früher gelegen. Heute spricht man in Polen von den Juden als von Todfeinden. Und der Wgeorhnete Kuch ar ewsky hat öffentlich erklärt, daß er in die Duma gewählt zu werden Wünsche, „um für die Ausrottung der Juden aus Polen zu wirken". Wer denkt nicht unwillkürlich dabei an das Zarenwort: II taut ecraser la Pologne?~ Und all dieser Haß ist aus dem fehlgegangenen volnifchen Nationatgefühl entstanden, das ein Polen ma für die slawischen Pölert wünscht, allen anderen Stämmen, die das Land bewohnen, in engherziger Beschränktheit gegenübertritt und während es selbst einen Freiheitskampf kämpft, die Freiheit der anderen Stämme beschneiden möchte. Seit den Wahlen des Jahres 1912, aG man jenen 'selben Kncharewskh,. der die Juden ausrotten wollte, zum Kandidatett füir die Duma aufstellte und verlangte, daß die Juden ihm ihre Mmme AeVen sollten, ist der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.