Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-06 · 22 (6.6.1919) · p. Seite 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
22 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 335 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022375--27799-3053236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Pr. 22 7 „Dr. Wach s Wochenschrift ' ' Seite 3br Art' Gleichgewichtsorgan darstellt, dienten die Bogenss gänge Zur Uebermittlung der akustischen Reize an die 1 MusMatur. Sie übertragen Gehörreize in Muskelarbeit. Ohne 7cutf die weiteren Details dieser schwie-ß rigen Frage einzugehen, wandte sich Professor Neu-8 nt a n n zur Besprechung des Einflusses der Melodien auf das menschliche Leben. In fesselnder Weise bautet er eine neue Hypothese auf, die den Ton und den! Rhythmus auf die Arbeit zurückführte. Jede Muskel-! arbeit müsse rhythmisch vor sich gehen. Arbeiter singen8 bei der Arbeit, um sich die Arbeit zu erleichtert Beim schweren Arbeiten stützen die Arbeiter rhythmisch einen! Laut aus. Dis Melodie wurde aus der Arbeit geboren.« Die ersten Instrumente wurden aus Handwertzeugen» gebildet und dienten nur der Betonung des Rhythmus! (Pauke, Trommeh Tschinellen, Becken usw.). Erst später! kam die Melodie hinzu, während die Harmonie eine» weitere Entwicklungsstufe darstellt. j Die Musik beeinflußt den ganzen Organismus.^ Feierliche, langsame Melodien wirken auf den Stoff-8 Wechsel hemmend, der Puls und die Atmungen ver-8 langsamen sich, die ganze Gemutslage wird ernster und! getragener. Diese Wirkung nutzt die Kirche aus, um! durch die Kirchenmusik die Gemüter zur Andacht zu' stimmen. Rasche und feurige Melodien haben die ent- , .gegengesetzte. Wirkung. Während die feierlichen Klänge beruhigen und die Muskel entspannen, regen die raschen, rhythmisch pikanten Klänge die Bewegung an und fordern zu Tanz und Marsch auf. Auch die Heilkunde bedient sich mit Vorliebe dieser Wirkungen. Man könne. Kranke durch ein Adagio beruhigen, durch einen Marsch anregen. Aber nicht nur die Musik wirkt durch das Ohr auf den Körper, auch die Geräusche wirken als Anregung und Belebung. Es ZoMm Mewöse ^MychasMMker^ - durch, Jbie. Geräuschs ^ENroMädt 'geheilt werden, während die Ruhe des Landlebens sie Niederdrücke. Die Wirkung des Ohres zeigt, sich^ auch deutlichbei Schwerhörigen, . die, eins ganz gestimmte Charakteränderung durchmachen müssen, da sie von der Außenwelt der Töne abgeschlossen sind. Sie lauschen oft den inneren Geräuschen (Ohrensausen, Pfeifen, Klingen usw.), welche dann in ihrem Seelenleben eine große Rolle spielen. Die Harmonie der Musik wirkt beruhigend und besänftigt die Gemüter. Der'Vortragende schloß mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß vor deM Schall der einigenden FriedensWnge — wie einst vor'der Stadt Jericho — die Mauern fallen werden, welche die Volker trennen. : . Reicher Beifall lohnte die geistreichen, fesselnden Ausführungen des Vortragenden, der es verstanden hat, allen Gästen einen Vorgeschmack von den Leckereien zu geben, welche seine Schüler erwarten. ' Professor Dr. Markus Hafek. Der mit dem Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessorsbekleidete Privatdozent Dr. Markus H ä j ek wurde zuM außerordentlichen Professor der Kehlkopf-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Wiener Universität ernannt. .Professor H a j kk übernimmt die laryngo-rhinologische Klinik im neuen Allgemeinen 'Krankenhause, dieseitdem' Tode Chiaris verwaist ist, und hat. die Aufgabe, diese Klinik auch zu einer Ohrenklinik auszugestalten.?__ GenemlversUmmlunig des. Vereines „!Tlie Brüder" und die SoMWemM der Armenpflege. . In einem Nebensaale des Vase Peptun im 20. Bezirks fand Montag, den 26. Mai, die ordentliche Generalversammlung;des Humanilär-gemeinnützigen. Vereines „Dis Brüder", zur Bekleidung armer Schulkinder statt. Der Obmann, Herr Heinrich Weiner, begrüßte die anwesenden Damen und Herren, insbesondere den Obmann des Tempelvereines im 20. B^irk, Herrn Ellbogen, und in Vertretung des Brigittenauer Frauen-Wohltätigkeitsvereines mit deren Präsidentin Frau Dr. Weiß und-erteilte n<^ Verlesung des Protokolles über die letzte Generalversammlung seitens tbes k Schriftführers, Herrn F altit sch ek, dem Veremskassier» Herrn! Steuer-Oberverwalter in P. D. Kaufmann, das Wort zur -Erstattung des Kassaberichtes; demselben war zu entnehmen,'daß her Verein trotz des anfänglichen Debets von 4564 ft., und -trotz des Aufwandes für Schuhe von 11.470 -ft. mit einem Aktws Saldo von 534'ft., beziehungsweise nach Hinzurechnung von 800 jfttonen für uns bei der Administration der <„N. Fr. Pr." erliegenden ftraitzspenden von 1334 ft. schließt. Obmannstellvertreter!Herr Josef ftohn erstattete den Tätigkeitsbericht. Er verwies .zunächst auf die gedruckt Vorlage, aus welcher sich ergibt, daß ^es trotz der furchtbar bitteren Not der .Zeit und trotz der , märchenhaft hohen Preise aller Bedarfsartikel dem Vereine auch heuer gelang, 212 ftindern sehr gute Friedens-Lederschuhe und l außerdem 42 ftindern Schuhe mit Lederoberteilen und beweglicher! Holzsohle zu verschaffen, sowie -atz der Verein während seines nunmehr 27jährigen Bestandes 3597 Kinder vollkommen bekleidet und außerdem 3559 Kinder 'mit neuen Schuhen -versehen hat. Anülüpfend an diesen Bericht führte der Redner aus, daß nach einer ihm von hochstehender Seite zugekoMMenen Information jbas Staatsamt für soziale Wohlfahrt sich mit dem Gedanken! beschäftige, die Armenpflege und das Wohltätigkeitswesen zu sozialisieren, das heißt zu verstaatlichen. Allerdings kommt M dieser Beziehung zunächst die geschlossene Armenpflege, das ist 'die Armenfürsorge in den verschiedenen Anstalten, wie-Wöchnerinnenheimen, Krippen, . Horten. Kindergärten, Waisenhäusern, Erziehungsheimen. Speise- und Teeanstalten, Greisen- und Versirrgungshäusrtn u. dgl., in Betracht, und die'Sozialisierung dieser Anstalt^ das ist die Uebernähme und Ileberführung derselben in den Staatsbetrieb, dürfte keinen großen Schwierigkeiten begegnen. Ilm so schwieriger, ja in manchem Belange -undurchführbar dürfte sich die Sozialisierung; der offenen Armenpflege erweisen, wovon einen kleinen Teil zu -versehen, die Aufgabe unseres Vereines ist. / Bei dieser Sachlage und im Hinblicke!darauf, daß die jüdischen Vereine eines allzu großen Entgegenkommens seitens der VehördÄv sich^wHl -niemals zu erfteuen hatten, .gab' der Redner die Anregung, f^Tniögen die Vorstände der:in unserem Bezirke wirkenden jüdischen WohÜüiigkeitsvereine, Frauenvereme, Anterstützungsvereme, Verein „Toldi" ufw. eingeladen werden,, gemein-, sam mit uns zu beraten, auf welche. Meise bei vollständiger Autonomie jedes'einzelnen Vereines bei eventuellem EintrMe -der geplanten Sozialisierung des Wohltätigkeilswesens man am wirksamsten sinkende Eristenzen stützen, gefallene Eristenzen aufrichten, und überhaupt unseren bedürftigen Glaubensgenossen Helsen könnte. Muster und Beispiel hiebei Mögen übrigens sein die Zentralstelle für die Reform des jüdischen Armenwessps, der wir für die Wiederholte tatkräftige Förderung unseres Bereins- Koeckes zu großem Danke verpflichtet lind und Welche, folgend dem Zuge der Zeit, vor kurzem ihren Namen 'in" „Zentralstelle für jüdische Fürsorge" umgeändert hat. Diese Zentralstelle, hat zu dem schon bestehenden ftinderbekleidungs- und fturfürsorge-Verband auch den jüdischen Jugendfürsorge- und den jüdischen Aktersfürforge- Verband ins Leben gerufen. Eine Zentralisierung der jüdischen Wohltätigkeitsvereine in den einzelnen Bezirken würde ficherliÄ» auch den Zwecken jedes einzelnen Vereines' förderlich fein, da bei gemeinsamen Arbeiten größere Wohltätigkeitsaftionen leichter zu vollbringen sind und wir 'Juden bei der 'altruistischen Tätigkeit als Richtschnur zu nehmen haben den Spruch der Väter: „Weit offen sei deines Hauses Türe, und Arme jseien deine Hausgenossen"; denn „Armut ist die größte .Plage—(Armut -ist dis schwerste Last -— Wer auch immer diese trage — Sei,!Hilfe heischend, unser Gast". An diese Anregung schloß sich eine interessante Wechselrede'» an welcher sich Frau -ftath. ftohn und!die Herren Eltbogen, Hi. Weiner und Prof. Dr. Rosenfeld beteiligten. -Alle stimmten der Anregung zu und letzterer führte »noch im besonderen aus, daß es gewiß der gegenwärtigen Zeitströmung entspräche, wenn die Gesellschaft dafür .sorgte, daß bedürftige Schulkinder von Staats wegen bekleidet und gespeist würden, daß es aber auch dann noch Liebesaufgaben genug geben wird, welche im Interesse unserer bedrückten Volksgenossen nicht aus dem Auge gelassen werden dürfen, wie tzum Beispiel eine entsprechende Aktion für den jetzt sehr leidenden Mittelstand u.!dgl. Er beantragt« „ noch, dem vierblätterigen Arbeitskleeblatte des Vereines „Die ^Brüder", der Frau Dr. Emilie Weiß und den Zerren Heinrich Weiner, Josef ftohn und Lehrer Faltitschef, sowie ash not least dem Kassier ft aufmann, den besten Dank au^usprechen, worauf, einem Anträge des Herrn Ellbogen entsprechend, dem Vorstande die Entlastung erteilt und die Wahlen der Dereinsfunktionäre vorgenommen wurde. Sämtliche bisherige Funktionäre wurden per Aftlamation gewählt. Jüdijlch-pSdaASgWss Archiv. Der Eröffnungsabend des Jüdisch-pädagogischen Archivs, dev Samstag den - 24. Mai 1S1K stattfcknd, hatte die Aufgabe, über einige Arbeitsgebiete und Me--

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.