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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-06 · 22 (6.6.1919) · p. Seite 330

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
22 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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Seile ‘SH „Dr. tUodi * WQfljfn{chrisl Nr. 23 Die KoWMUNistMlMlMMg von Münchsn. Wir lesen in reicksdeutschen Blättern : „Wenn die Bayern sich Aber die „Landfremden" entrüsten und dahei — neben den „Saupreutzen" und denr 27jährigen Verkehrsminister Uanlukum, einem Tschechen, der kaum> deuffch sprechen kann — insbesondere Adische Bolschewisten aus Rußland oder Spartakisten aus dem Reiche im Auge haben, so mutz zur Steuer der WaWheit doch gesagt werden, daß zu dieser Gesellschaft von geistig Üebergeschnappten, politischen Trunkenbolden und eiskalten Verbrechernaturen nicht nur die Juden, sondern auch ändere VöÜer und Rassen ein r eichli che § Kontingent gestellt haben. Da Mar der Greifswa-lder Aniversttätsprofefs o r Dr. Karl Mo lens k e, als „Finanzbeirat" ein HÄfer Guido Gesellst da ist ferner der Schweizer Silvio Gesell, der mit seiner phantastischen Münzreform, der Abschaffung des Geldes und seiner Ersetzung durch ein Arbeitswertzeichen, bisher nur in völkischen Blättern Gegenliebe gefunden hah dann der Walache Wesow, den man der Menge als „Volksgenossen Waibel" aus dem ^Schwabenlande vdrstM- und andere^ Aber auch' die einheimische Intelligenz) das llrbay ertum> auch O f - fiziere, Hochad elige, stellten ihr reichlich TM M der Galerie aus denk geistigen Gleichgewicht gebrach?- ter Reoolutionshelden. In Würzbürg stehen mit an der Spitze die Söhne von Professor Seiff er 1, ferner der SöHr des verstorbenen Würzburger Oberbürgermeisters Ringelmann sowie das Mitglied des Stadttheaters Rolf Gärtner. Datz die Antisemiten am liebsten das ganze bayerische Ministerium als Hauptquartier eines „geheimen Judenverschwörerbundes" ausgeben nchchten und — wie der bekannte Mitarbeiter der „D. T--Z." Dr. Stolz in g in der Wiener „Q. R." auch die kernÄrischeu Minister Simon, Sauber lem früherer H-tMausmeister) und' den Violksschuh. lchrer Niekisch zu Juden stempeln, sei zur Charakteristik antisemitischer Wahrheitsliebe nur nebenbei erwähnt. Verschiedene Rassen und Konfessionen waren an dem Wahnsinn beteiligt. ES ist sonach eine historische Aalsch u n g, nur von Juden zu reden." Diie Mojkastmabank der Orthvdoren. Bekanntlich hat die in Zürich stattgefundene Weltkonferenz der jüdisch-orthodoXen Verbände die Gründung einer- Siedlüngs- und Handelsbank für Wckästrna beschlossen. Als Hauptsitz waren London oder Rewyork gedacht. Der -Bankrat, dem ü. a. die Herren Saly Guggenhei-M (Basel), Julius' Holländer (Kopenhagen), Leo Wreschner (Frankfurt a. M.), A. Hornstein (Kiew), Rachum Rosenfeld und I. Rosenbaum (Warschau) angehören- und der noch einige Lenen aus Zürich kooptierte, hat nrit Rücksicht auf die schigen Verhältnisse und zwecks schneller. Organisierung di^er Bank beschlossen, die Zentrale rrach der Schweiz zu verlegen. Gleichzeitig sollen in den verschiedenen Ländern Bankinstitute gegründet werdendie als Filialen di^er MrKstinabank in der Schweiz, resp. als selbständige ' AMernehmungen gedacht sind und in enger Verbindung mit der schwetzerischen Zentrale stehen sollen. Infolge des vorläufigen Sitzes der Zentrale in der Schweiz find die Statuten umgeändert und der schweizerischen GesetzgÄung angepatzt worden. Die Bank wird den Mynen' „Jüdische Siedlüngs- und HandAshank für Palästina" Uhren. Ilnter diesem' RaMen wird eine Aktiengesellschaft mit Zentrale in Zürich gebildet. Zweck der Bank ist: Unterstützung aller Unternehmungen in Pa- Nstina, die E^bW:Ä'en,vWlÄMnL-^inr'Gttshe der Thora zu -entwickeln. Das Aktienkapital besteht aus "100.000 Inhaberaktien ä 100 .Franken. Alle. Bekanntmachungen der Bankverwaltung Müssen" im offiziellen schweizerischen HandelsaMtsblatt veröffentlicht werden. Alljährlich mutz eine Generalversammlung stattfinden. Jede . Aktie hat eine StiMMe, kein" Aktionär darf.jedoch mehr als.V5 aller Stirnmen hab en. Die Bankverwaltung besteht aus einem Verwaltungsrat von 15 bis 25 Mitgliedern, die Kr drei Jahre gewählt werden. Jedes Verwaltungs- Mitglied mutz.mindestens zehn Aktien zeichnen. Abschaffung »der Keivehaltung des offenMche« u«d >obUgatorischen ReUsioWSNNtersichte». Vom jüdischen Standpunkte aus beleuchtet von Prof. Dr. M. Rosenfeld. Im Gefolge der durch den großen-Umsturz bedingten Umwettung aller Werte und Umwandlung fast aller bisherigen Einrichtungen wird von verschiedenen Seiten in konzentrischem Angriff gegen die Stellung, die dem Religionsunterricht.jetzt bei uns eingeräumt ist, Sturm gelaufen. Einerseits betreibt der Verein „Freie Schule" eine Massenügitation in Versammlungen und auf der Strätze, die. keineswegs von dem Ehrgeiz' zeugt, vor der klerikalen Propaganda die Vornehmheit.voraushaben zu wollen. Der Seelenfang, auchmit religiös negierender und destruktiver Tendenz, ist Kr ein feineres Empfinden abstoßend, zumindest unsympathisch. Anderseits' rücken unbedingt ernstzunehmende Fachkreise, Lehrerver- - einigungen usw. die Fratze der Abschaffung oder Beibehaltung des öffentlichen und obligatorischen Religionsunterrichtes in den "Vordergrund der öffentlichen .Diskussion und verraten, wenigstens soweit es sich um Korporationen handelt, die auf sozialistischem. Wand- 7-pünÄe stehÄ^'schon^^ sich N ihnen weniger uM eine vorurteilsfreie Untersüchung Han- W dM, als vielmehr darum-, den ihnen anscheinend günsti- Jj gen Zeitpunkt zur Durch'UhrUng ihrer altgewohnten, - dem Religionsunterrichte abholden Anschauung auszunützen. So fand vor einigen Wochen im Pflichtverband der deutschosteneichischen Mittelschullehrer eine mehrere Sitzungen füllende WMelrede über diesen Gegenstand statt, die sichan ein Referat des Professors Dr. F u r tmüller 'anschlotz. So sehr es auch an sich geboten schiene, diese eminente Kulturfrage, die natürlich auch. uns. Juden angeht, voM jüdischen Gesichtswinkel aus' zu beleuchten, sind es insbesondere zwei Faktoren, welche die Behandlung dieses Gegenstandes vor der jüdischen Oeffentlichkeit als höchst aktuell erscheinen lassen. Einmal ist nach einem jüngst herausgekommenen Erlasse der Unterrichtsbehörde die Bildüng von Elternräten Ur jede Schule angeordnet, denen ein weitgehender Einflutz auf die Organisation der Schule kaum versagt werden wird können, zumal Delegierte der Lehrkörper in diesen Elternvereinigungen Sitz! und Stimme haben werden. .. ZuM anderen ist es Die durch die Erfahrung wielfach erhärtete Tatsache, daß unsere Volksgenossen.Forderungen, die unter der Olagge des Fortschrittes segeln, sich begeistert anschlietzen, datz sie Vorkämpfer derartiger Bestrebungen werden, ja datz sie zu. jedem Martyrium Ur dieselben bereitsind, ohne; sich darüber Rechenschaft zu geben, ob denn eigentlich die dem Geiste des Judentums entsprechende Stellungnahme zu" den in Frage stehenden Dingen wirklich, reaktionär ist oder jenes Ziel des .Fortschrittes sich vielleicht längst selbstzu eigen gemacht hat. . . 7 So waren es, als die „Freie- Schule", zunächst wohl als Protesh g'egen Beicht- und - Kirchenzwang "der

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