Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 22 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
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344 ■ 4.-: M . Äl ffinf Juden. tt&ftr schon tut Berlin und Weimar wurde der Wtz geboren, daß eine deatjchöjterreichßch« Mission immer Mindestens Vier Fünftel jüdisch s-.il müsj«. Um ldiesen Prozentsatz einzuholen, wird nun allmählich, der Nachschub für die FriedensaborLnung nach St. Germam entsprechend ausgestaltet. Es wurde bereits die „wirtschaftliche Vertretung" besprochen, die sich der Präsident der Anglodank. Dr. Landesberger, derzeit in Men zusammensetzt und. der Lin einziger Gewerbetreibender, wohl aber lauter Juoen angehören sollen. ' Dr. Landesberger wird wenigstens als Fachmann auf finanziellem Gebiete berufen; 'daß er M um kapitalistischer Finanzmann ist, scheint ja die Sozialdemokraten nicht weiter zu genieren. Datz aberider Direktor der.Eskompte» bank und Dörsenrat Marime Ä t aßny eine 1lnentbehrlichk.it für St. Germain sei, werden nicht einmal seine besten Freunde behaupten können, da doch sogar die Berufung des Direktors der Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, Paul Hammer« schlag, der als „sehr, tüchtiger" — Theoretiker geschützt wird, in . Fachkreisen Kopfschütteln erregt. Am köstlichsten i.t aber die Berufung des Direftors Weiner von der Bodenkreditanstalt, eines Mgarn, der erst fetzt deutschösterreichischer Staatsbürger geworden ist, ' als er zum Bbrssnrat gewählt 'werden, sollt«. Diese vier Frankfurter, Landesberger, Kratzny, Hammerfch l a g und Weiner, sollen nun in St. (Germain unsere „wirtschaftliche Vertretung" darstellen! Datz es lastter Judenist M« insoferne richtig, als ja bei uns 'in Deutschösterreich das, Geld zu Judenbesitz geworden ist. Und die.Entsendung der rirr Dankjuden enthält zugleich das. Geständnis der sozialdemokraiiri Regierungspartei, datz Pr dieser Umstand bekannt ist, datz also ganz genau iweitz, wo der Most zu holen ist, wenn einmal mit der „Enteignung" begonnen wird. Datz gerade ausgerechnet dir Angloba k, ELkomp'ebank, Kreditanstalt und Boden-- deditbank sich als DeutschSsterreichs stranzieH« Vertretung zubrmmenftNdei4 datz gerade sie uns jetzt liquidieren dürfen, '.ist bezeichnend für den Geist, der uns im angebrochenen, aniikapita- Astischen Zeitalter beherrscht. Diese -vier „Frankfurter" find;bte Unentbehrlichen geblieben, wie^ einst, so auch — im St. Gernurin." - Das nennt man wieder einmal den Spi?ß umkrhren! Dekrnntlich haben doch vor und während des Krie- «es die Christlichsozialen Oberwasser in der Regierung und Verwaltung gehabt und haben uns einen Zustand der F na: zen hinterjassen, der HD, vollkommene ' Bild des ' Augiasstalles bietet. Es sind also ausschließlich die Sünden ibrer Partei, von denen man \ tzt den auf Deutschösterreich ent 'allenden Teil in Paris wieder gütmachen muß. M wäre fa ganz gut, ihnen selbst diese Austragung zu Merlassen. Ader für solche Experimente haben wir nicht G-ls genug, wir können christlichsoz'ale VerwallnnWkünste ein Uveiles Mal nicht mehr „dürchhalsten", wie es im Kri^ssargon der Antisemiten so schön ge- Wißen hat. Es ist nowendig geworden, die Gescheitesten und Berufensten zü Wahlen, damit sie retten, was zu retten ist und wir können die Antisemiten leider nicht vor der Tatsache retten,, daß man bei der Suche nach diesen Sachverständigen gerade Juden gefunden hat. Mögen doch die Christlichsozialen diese L ute genau so ablehnen, wie sie Dr. Klein als Führer der Friedens-- del^ation abgelehnt haben, und andere Namen nennen. Das können sie aber einfach nicht. Sie haben niemanden, der den gehörigen. Verstand für die verwickelten finanziellen Verhandlungen hat, vor' allem aber niemanden, fru dem man Vertrauen hyben könnte. Denn man kennt sie schon von der Seite, daß sie vor allem an sich selbst denken und ihren eigenen Vorteil wahren. Die Partei mit Hrem Lärmercken Terror deckt dann schon hie merkwürdigsten Geschäfte. Der persönliche Besitz in der christlichsozialen Partei ist während des"Krieg:s enorm groß geworden und wenn es in dem vorstehenden Artikel heißt, daß das Geld Judenbesitz geworden ist, sö ist das die freche Verkchrung der Tatache, daßes zum allere größten Test agrarisch-christlich ozial und polirisch-christ- Üchfozial geworden ist. Leute mit solchen Instinkten kahn man unmöglich nach Paris schicken. Von den gewählten JudenHrnn man es, als notorisch annehmen, daß sie ihre höchste Ehre daransetzen werden, möglichst günstig abzuschneiden und mit höchster -Anstrengung. den Schaden^ bt$ Staates verringern. Von den Thriftlichsoziales bmn man diesmal wie immer nur . eines annehmen: Die Korruption. i Es ist in der Nationalversammlung gelungen, eitre antisemitische Klausel in einem wichtigen Gesetz durMudrücken. Beim WiederbesiedlunWgesetz wurde. bestimmt, daß die Grundstücke nur an Bewerber, „deutscher Volkszugehörigkeit" fallen dürfen: Wir sind zwar her Ansicht, daß dadurch Juden nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, aber die' Absicht drvm ist unverkennbar, und eine Reihe von Abgeordneten l-Oben auch gMN diese Bestimmung Protest erhoben, den sie sogar an die Entente weiterleiten wollen. An und für sich ist dieser Beschluß, ein Unsinn, denn jede nationalistische Maßnahme wird von den Nationalstaaten vergolten. Was würden wohl die Christ! ichsozialen und Großdeutschendazu sagen, wenn für Grunderwerbungxnin Böhmen die tschechische VolN- AUgehörigkeit festgesetzt werden würde?;■ - Was nun die Juden anbelangt/. 'HMn.-- wir. den -typischen Fall des Antisemitismus vor unS, der. die Juden vom Landerwerb ausschließt und sie dann heftig beschuldigt, daß sie fic^y der harten Bauernarbeit entziehen, wie Nationmrat Stricker . in seiner eindrucksvollen Rede den G.gnern vorhielL.^. Gerade setzt, da - eine allgemeine Flucht chch. her Großstadt aufs Land stattfindet, wäre wohl der Ueber tritt vieler Juden'zur Landwirtschaft am leichtesten , gewesen. Daß. es nun zu einem solchen Verbot kommen konnte, soll dem einigen bürgerlich-demokratischen Abgeordneten, dem Industriellen Friedmann tz^u verdanken sein. Bei der Abstimmung hielten sich nämlich. die-Stimmen das Gleichgewicht, worauf Friedmann mit einer einzigen Stimme den Antisemiten zum Siege verhalf. Vielleicht ist das eine Folge, der Pakeleien, von denen man, setzt ^spricht^vM^MrMblWmgen derihÜMrlichenWsWo^K mit den radikalen deutschen Antisemiten. Aber wenn der ^Abgeordnete Friedmann wirklich durch sein Votum diesen Bund fördern wollte, dann wird er wohl als ehelicher Mann sein Mandat in die Hände seines Wähler zurücklegen. Henn sein- Bewußtsein muß ihm-wohl sagen, daß es vorwiegend jüdische Wähler .sind. Wenn er wirklich gegen ihre Interessen gestimmt hat, dann soll er es nur,wagen, in einer Versammlung von ihnen auszutreten. Er wird dort erfahren, baß er nicht für seine Zukunft gesorgt hat, sondern nunmehr sicher ist bald der politischen Vergangenheit anzugehören. , Noch zur Zeit, als' das Deutsche Reich auf der Höhe seiner Macht, gebietend in Europa, dastand, war die rBenachteiligung des „Fremden" eine schwere Schädigung deutscher Nationalinteressen in allen Weltteilen. Das deutsche Volk ist das einzige .überhaupt, welches mehr Gastfreundschaft genießt als gewährt; deutsche Siedlungen befinden sich in allen Weltteilen. In Ensstaud' hat e&. timme^zehnmal soviel Deutsche gegeben gls Engländer, z. B. in Deutschland; in Frankreich zehnmal soviel Deutsche als Fran-psen in' Deutschland. ' In Rußland Wb es zahllose deutsche Kolonien, die Millionen" Seelen zählten. Täe Heiligkeit btä GastrechW war somit ein nationales Gebot für das deutsche Volkstum. Gegenwärtig Wr, wo ganz ansehnliche Teile des deutschen Reichsgebietes mit deutschen Volksgenossen an die Randvölker gelangen, müßte jeder Nationah deutsche für. hie Heil^seit des Gastrechtes mit "alter . Energie des Geistes kämpfen. Denn nur die Heiligkeit des- Gastrechtes wird die deutschen Minoritäten, in den verschiedenen neu entstehenden Staaten für hie Dauer . dkm Deutschtum, erhirltey können- Allein, die nationalen Chauvinisten sind üMelehchar.. Jene Elemente," die den Begriff Wutsch" m der.gesitteten Wett so arg in Verruf