Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 22 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 22; „Dr. Bloch's Wliklnutchrrfk Seite 343 Innern, also wiederum, eine amtliche Stelle, >über eine Sitzung Kes sozialistischen Studentenklubs versandt hat, irr welchem die Namen der Anwesenden angeführt werden. >(B0. werden ausschlieUich Mische Namen genannt, und zwar «unter Gehvauch der antisemitischen .Schimpfwörter, mit denen man in.Rumänien die. Juden zu beschimpfen pfleMDias Preßbureau scheint es . also für seine Aufgabe zu halten, durch derartige Lügnerische und hetzende Berichte Hass Men die Juden zu Ken. Wieschrecklich die Laste ist, beweisen uns vorliegende 'Briese, in Welchen gesagt wird, daß, auf Grund jeder anonymen, oder von jedem VeliMsten unterschriebenen. Ar^eiste Juden. verhaftet werden, um viele Monate,ohne Anklage und ohne jede Vernehmung im GesänzgnisHU sitzen. „Keiner von uns", so heißt es in einem, derartigen Brief, „kann die GewiHeit haben, am nächstfolgenden Taste nicht in irgendeinem Polizeiloch oder Militärgefängnis M stecken." Mit welcher Schamlosigkeit man unverhüllt zum Pogrom Msfordert, folgt daraus, daß Vitttila Bratianu, der Bruder dO! Ministerpräsidenten, auf der Sitzung einer rumänischen Bantwörtlich geäußert hat: „Die Juden machen uns Unannehmlichkeiten, ein Postrom wäre willkommen. Leider ist es setzt nicht m östlich." F,ür.alle Schandtaten, die in Rumänien gegen die Juden v er>übt werden, ist die Entente verantwortlich. Dias miüffe Amerika, England, 'Frankreich und Italien stets einstedenk bleiben. Hilfe kann allein eine internationale Kontrolle in Polen und Rumiänien hrinsten. VomAabrmgrkt desLebens. zur Dias Recht läßt sich nicht beleidigen, auch wenn es sich. nur. um Juden handelt. Dafürboten die Ereignisse in Böhmen setzt lehrreiche Beweise. Als die Heimkehrer , zurückkamen,' fanden sie eine sonderbare Art der Betätigung. Sie „regulieren" mit ihren Bajonetten und Stöcken die Preise in den Wischen Geschäften. Für ihr Vorgehen erfanden sie damals den schönen Ausdruck der freiwilligen Feilbietung. Sie rotteten sich; nämlich zusammen, dranjgen in die Geschäfte ein und verschleuderten nun durch ihre Anführer die teuer einstekauften Waren an das ehrenwerte Publikum. Am der mährischen' Südostgrenge in WesMhmen lhväch bald nach dem Ende des Meges diese Mode aM und fand nicht nur die Billigung, sondern sogar die Unterstichung der Behörden, deren Sicherheitsopgane den mehr oderminder verhüllten Plünderungen mWst Mfah. Damals handelte es sich.ja nur um Inden und. es war höchste Zeit,, daß diese Rasse einsah, ihre Wut der Ausbeutung eindämmen zu müssen. Auch die jetzigen 'großen Ausschreitungen richteten sich vorerst stiegen die Juden und die Behörden , schautenvorläufig'mit verschränkten Armen zu. Heute aber höben die .Unruhen has stanze-Gebiet der Tschecho-Slowakei ergriffen, eine Hauptstadt und Provinzstadt folgt der anderen der angerichtete Schäden stM in viele. Millionen und. einige Minister werden wohl oder Mel daran glauben müssen. DjaD alles kommt von. der Ungenügsamkeit und Unerzögienheit des Bolkes.^ DieW Wollte sich... absolut nicht hamrt hestnlüsten, nur die Wischen Geschäftsleute zu ruinieren und ihre Läden äuWrplüjndern- Der. Pöbel ging auf die feineren ' Unterschiede der Konfession nicht ein .und htzgNiücfte sich nicht. mit der Wischen Beute. Sollte, dös etwa .ein.kAüsWch,her.'...>^Ueichenden. Gerechtigkeit sein? 'Man"'Vehauptel''Mär, '-'daß' 'der Handel sich fast ausschließlich in Wischen Händen - befinde,. aberwie sich , jetzt herausstellt, sind nur ein Bruchteil der Geplünderten Juden. Man hat auch behauptet, daß nur die Juden Preistreiber sind, aber es stellt sich jetzt heraus', daß der „KettenHändler schwur unter dem Galgen" hauptsächlich von Ariern geleistete werden mußte. Man hat ferner behauptet, daß nur die Juden große Vorräte hamstern und verstecken, aber der strößte Teil, des Raubes ist bei chriWchen Kaufleuten gemacht worden. < So ist denn wieder einmal eine Läge bloßgestellt und widerlegt und eine verruchte Methode bestraft worden.. M mag eine Genugtuung für uns Juden sein, daß für uns, die 'wir so wenig bereitwillige Schützer und fast niemals gerechte Richter finden, daß die Ereignisse die Bestrafung der Schuldigen -übernehmen. Immer wieder kehrt die Tatsache zurück, daß die entfesselten Instinkte des wütenden Pöbels an der Grenze des Judenviertels nicht halt machen und schließlich jene bedrohen, welche dem Brand des Ghettos müßig oder gar mit Genugtuung zusahen. Jetzt ist die' Ehre. des tschecho-slowakischen Staates befleckt, seine Sicherheit ge-- fährdet, sein ganzes wirtschaftliches Leben aufgeschreckt. Die ganze Bevölkerung bittet jetzt bei der Regierung um Schutz, sogar die Agrarier, die auf dem flachen Land das Zittern lernen. Das alles, hätte wahrscheinlich vermieden werden können, wenn man im Herbst den Plüniderungen gegen die Juden Ginhalt getan und den Schuldigen durch strenge Strafen bewiesen hätte, daß Recht auch gegen die Juden Recht bleiben müsse. —* * ♦ Schreckliche Nachrichten kommen .über d.as Schicksal der Juden in der Ukraine. Sie werden, nebenbei bemerkt, geflissentlich taus Warschau - aus verbreitet, wo man die Schandtaten der eigenen' Truppen durch die Schandtaten feindlicher Truppen verdecken niöchte, dieallerdings! um Monate .zurückliegen. Die ukrainischen Truppen in dem GrenzgMet, das an die Gegend Tarnopol anstößt, sollen in der Zeit vom 1. bis zum 3. März ungefähr 5600 Juden getötet und 2000 verwundet haben. So erzählen es AuMrHeugen, welche aus der Stadt Proskurow gekommen sind und ihren Nachrichten hinzufügen, daß weder Weiber noch Kinder verschont wurden und die armen Opfer in besonderer Grausamkeit nur mit Säbeln und Bajonetten umgebracht wurden- In Siez allein hätten die Kosaken, die. ganze jüdische Bevölkerung umgebracht. Diese entsetzlichen Bilder erinnern an die Schrecken'sszenen aus dem Roman Sinkiewicz „Mit Feuer und Schwert". Ebenso wie es vor Jahrhunderten geschah, ist es «auch heute. Wenn die Polen mit den Ukrainern kämpfen, sind es die Juden, die vor allem daran glauben müssen. Auf diese stürzen sich beide Feinde ganz unparteiisch und metzeln sie nieder, wohin immer sie kommen. Die Wische Geschichte unserer. Tage wird leider mit BW geschrieben. Wer trotz dieser unerhörten Barbarei wird der' Antisemitismus bei uns. seine ganze infame Gehässigkeit auch weiter auf die Juden aus diesen Gebieten werfen ünd unausgesetzt verlangen, daß sie an . ihren Wohnsitz zurückkehren, wo biß Ruinen ihrer Häuser rauchen und der Mord noch heute in den Straßen mst. Teut und die Ehristlichfozialen kümmern sich nicht um solche Kleinigkeiten. jfc * .; _; * . Es erregt die Heiterkeit des antisemitischen Spätabendblattes, daß die Finanzdelegierten in Versailles Juden sind. Es schreibt unter dem Titel „Die vier Frankfurter" folgendes: . „Für. die Oeffentlichkeit, strrs Vuze befanden stch!«nter den . offiziell mitgeteilten 34 tzriedensdelegierten Deutschösterreichs „nur"