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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-06 · 22 (6.6.1919) · p. Seite 326

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
22 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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Seite 342 ,Dr. Mach'S Wochenschrift' Nr. 22 terr. Von einer auch nur einigermaßen geordneten %y nanzwirtschaft kann keine Rede sein- Mur. lebt von der Hand Ln den DW: Enb! Ur alledem tritt nun noch das! ÄOylonische R-ativnaliMenjKwLrr und die internationale politische Konstellation, die einem polnischen Imperialismus Don vier verMvaltigten Nachbarstaaten droht: von Rußland, von der Ukraine, von Deutschland und von Litauen. ' - ' ' Die PMome mußten schließlich Me Protektoren der Polen in der ganzen Welt stutzig machen. Fehlt ihren eigenen Staatsmännern die MMderartige wilde Giesse, die, wie Den dargestellt, weit Aber lokale Leidenschaftsausbrüche hinausgehen, einAudammen, sp ist es' begreiflich/ daß die Entente als ihre Pflicht endlich erkannt, dem Volke, das sie politisch einflußreich machen will, eindringlichst bLMbringen, daß derartige barbarische Treibereien — eben nur bei Barbaren, nicht aber bei einem ambitionierten Kulturvolk vörhommen können. Das hat nun endlich die Friedenskonferenz zur Einsicht gebracht, daß es! Pflicht der Großstaaten ist, der wehrlosen Minoritäten sich anKunehmen, und in den Uriedenstraktat ist ein Passus ausgeMmmen.worden, der den polnischen Chauvinisten nicht gerade angenehm in die Ohren klingt. Die. polnische Presse hat sogar herausgefunden, daß angeblich im F.riedenstraktüt in bezug auf Molen auch ein „Judenpunkt" Vorkommen soll. In Wahrheit erwähnt der Traktat nicht mit emE einigen Wp.rte der Juden; er verfügt bloß ausdrücklich, daß Polen werde achten müssen „alle BeschNffe, welche die Entente für notwendig befinden wird, um in dem neuen Staate Polen alle Einwohner zu schützen, welche sich v0n der Mehrheit durch Rasse, Sprache und Religion unterscheiden". Der antisemitische ,)Gl0s narodu" hat wohl instircktmäßig empfunden, daß hier eigentlich Maßnahmen zum Schutze der Juden' verstanden werden. Denn erstens, mit allen anderen Minderheiten. Wen die Polen arUMich. in Frieden, und zweitens zeigt schon der Ausdruck „Rasse", daß man einen spezMen Judenschutz beabsichtige, nachdem die Antisemiten seit je den Glaubenshaß leugnen und die Raffe in den Vordergrund ihrer häßlichen Agitation stellen. .Da Wr sie die Judenfrage angebW bloß eine „Raffenfrage" sei, fa offenbare die Wahl des Ausdruckes „Raffe" daß die Tendenz vorwalte, dem polnischen Judenhaß einen Zcrum> anzÄegen. Die antisemitischen. Redakteure erwähnen jetzt, was sie früher verschwiegen, haben, daß Wilson gegenüber einer jüdisch-amerikanischen Delegation die bestimmte Zusage erteiltMt, Wx. die Juden in Osteuropa Mmderheitsrechte zu sichern/ weil anders ihr Leben dort eine „Hölle" wäre. Eine solche Aussicht des Völkerbundes über Polen j finden die antisemitischen Zeitungsredakteure in Warschau für unertrÄglich und erheben Anklagen gegen „jü-i dische Wühlereien und Intrigen". Die gesamte polnische Presse ist mit dieser in Aussicht stehenden Bestimmung ' nicht seht zufrieden. Die Taktik jedoch, die sie beobachten, ist durchausunklug und unpolisisch. zugeben ist, daß eine solche AusnahMsbestirnmuttjr Wr Polen in der Tat! ein beschäm mendes Mißtrauen bedeutet, eine Beleidigung für Polen, worau aber nicht die Juden die Schuld tragen, sondern die polnische Antisemitenhetze, die in den grau-I samsten Pogromen im polnischen Lande seit dem> Tage der Befreiung die traurigen Folgen zeitigte und den Unwillen der Welt und das Mitleid aller zivilisierten Völker mit den Wehrlosen Opfern erregen mußte. Allem statt ein Schuldbekenntnis «Anlegen und einzugestehen, daß man durch die Mordbrennerei und die verübtem Grausamkeiten den polnischen Namen geschändet und das! polnische Reich schon bei seinem Entstehen in Mißkredit gebracht hat, stellen sie das Verlangen, man solle.Polen nicht nach den „Echessen" der letzten Jahre, sondern nach den alten judenfreundlichen Traditionen beurteilen. Indes ist die Welt nicht blind, und alle Delegationen, welchebie Entente nach Polen entsendet hat, brachten die Mitteilungdaß das Leben der Juden in Polen gegenwärtig zur Hölle geworden ist, und daß es nicht angehe, diese Millronenbevolkerung schutzlos dem Wüten der blutdürstigen polnischen E^edenten zu überlassen. Der „Lzas" urteilt einigermaßen nüchterner und fordert von der Regierung endlich ernste Maßnahmen zur Unterdrückung der Pogrome, welche die polnischen. Interessen schwer schädigen. '! Wichtiger wäre, daß Polen sich bemühe, anstati einem Ausnahms!gesetz unterworsen zu sein, das Prinzip des Mino ritätsschutzes zu eignem allg e meinen, europiäischeit'p erheben und jede Unterdrückungspolitik in Men Ländern unmöglich zu machen. Wird diese -Bestimmung verallgemeinert und erhält sie Geltung für alle Länder, so steht das Polenreich nicht mehr unter, einem Ausnahmsgesetz des Völlerbundes. Die Polen selber haben solange unter Unterdrückungen gelitten, daß sich für sie ziemen dürste, gegen jede Unterdrückung irgendeiner Minorität auszutveten und dadurch die Schmach von sich Muwaschem haß man das Polenreich unter Kuratel des Völkerbundes stellen muß. Es gilt alle nationalen und konfessionellen Minoritäten in jedem Lande einen Rechtsschutz zu gewähren unter Aufsicht des Völkerbundes, damit nirgends mehr Wehrlose einer ungerechten Gewalt unterliegen und ausgeliesert bleiben. Werden solche Prinzipien in die. Bestimmungen des Völkerbundes ausgenommen, so werden sie allen nationalen Minoritäten zugute koMmen, und es wird dann nicht ew ' einziges Land eine besonders beschämende Behandlüng erfahren. Dahin Müssen die Bestrebungen aller edlen Menschen gerichtet sein. Dias gleiche Alt von Rumänien, das nicht minder zu einem >großen Staat ausgestaltet wird, wo die Regierung nicht ausjgehört hat, mit der alten Brutalität die Juden zu. verfolgen. - Besondets schlimm scheinen die Rumänen in dem. von Men erodierten B ef f ,a rab i e n Kl wüten. liegt uns ein Rundschreiben des. BefWRhMers der Truppensektion!Securmn0ffVärnvwa (Beffarabien) vom 16. jJänner 1919 vor, das' sich „an alle Priester, B.ürAch« meister, Hehrer und Lesekundi'ge des Bezirks Moldowa- Naslawkä" «richtet. Dieses Rundschreiben einer offiziellen rumänischen '.Behörde stellt sich als? 'eine Pogromhetze schlimmster Sorte dar. Il§s heißt darin: „Liebe christliche «Brüder! «Ich bringe Euch zur Kenntnis, baß das Genesralhauptquartier der rumänisch^französischen Truppen in sOdessa benachrichtigt wurde, daß die Bolschewiki von Juden unter der Firma „Befreiungskomitee BessarMen" jorganisiert «und geführt werden" W wird dann behauptet, ^has' Programm dieses Komitees! sei,- daß die Juden, die essarMen Wovhuten, es auch beherrschen nMten. Das iAbzeichen der Bolschewiki feien zwei auseinandergelegte rrote Dreiecke. Nachdem dann aus die Verbrechen von UÖeittTt; -Trotzkj, . Kerenski und anderer jüdischer Führer" lhingewiesen ist, werden die Christen wie folgt aufge- „Tapfere Christen! Betet zum Herrn und reiniget Idas. von Juda und den Verrätern besudelte Kreuz." Ueberhaupt scheint die Hetze gegen die Juden vor iallem in der^Form icstMrt zu werden, daß man sie, lals Anhäng'er. der sozialistischen Parteien verdächtigt. IDie Zeitung „Äd'verul" Verö.ffentliDe am 27. März ein »Zirkular, bas das Preßbureau des MnistermrnK -ÄS

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