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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-30 · 21 (30.5.1919) · p. Seite 323

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
21 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 323 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 21 ,>Lr. Bkosch's Ä-schenschrtst" Seid» SSZ -Festen M erscheinen, bann entfaltete die Familie Mendel Me volle'Pracht. In dem Werke „Jüdische RMKvstrdigketten" von Schudt steht geschrieben, daß anläßlich der Krönung. König Wlvdrslaws IIin Szekesfelchniär der 'jüdische Präfekt nnt vierundKiMnM edlen - arabischen .Pferden und mit solch glänzendenr Gefolge erschienen fei, wie es ein menschliches Auge noch nie gesehen habe Auch Dr. Ko'hn -hat nachgewiesen, daß diese Mitteilung Schudts'auf Wahrheit beruht und sich tatsächlich ans die Krönung Wladislstws II. bezicht. DreiundseckHig Jahre hindurch hielt sich dieses jüdische Prinzipat. Wir kennen vier jüdische Präfekten: den alten Mendel, und feilte Nachkommen: Jakob, Israel und Jsak. Alle vier hießen mit Namen Mendel. Mit hem PriMpat war auch eine große Viacht verbunden- Der Prttcheps schrieb die ordentlichen und außerordentlichen Steuern aus, er war der Wortführer der Juden. vor dem König, wenn es galt, für erlittenes Unrecht Wuhne W fordern, oder Zwistigkeiten zwischen städtischen Körperschaften und Juden zu schlichten- Der Prinzeps wachte auch Wer die Priv ilegien der Juden und hatte auch die Strasgerechtsame Wer die ganze Judenschast i.nne. Der Jude Mendel als Prinzeps genoß auch von der Gnade des Königs' das Vorrecht, die für die Juden sonst voMschriebene Kaputze nicht trage'n zu müssen. Und «!§-• .'der Sohn-, desPräfekten - einst -nach Venedig zog, unr dort beim Dogen' vorzusprechen, ersuchte der König den Dosten von Venedig, .er möge gestatten,, daß der Jude Mendel nicht in dem für die Juden sonst vo/geschriebenen Kleide vor ihm erscheinen dürfe. Ein gar mächtiger Jude Ofens war auch Akiba Ko.hen aus dem 15. Jahrhundert. Sein 'Grab befindet sich in Pmg und trägt gleichfalls die Ueberschrist: Pi'ineeps Juctaeörnm-. Auch Stephan ZLvolYa titulierte Akiba Kaher: PrinzeM Später jedoch wurde er heim/König verleumdet und mußte nach Prag flüchten, wo er sein' Neben in gottgefälliger Wohltättgkeit schloß. Diese seine ArÄrnmigkeit verschaffte ihm später einen anderen Titel: Res -Golutha, -dH-. -Haupt derBerbamum'g, ein glanzender Titel, aber ein tieftrauriger. .. Der letzte' mächtige Jude Ofens war Emmerich. SzerencsLs. Sein Neben verlies -abenteuerlich genug. Er hieß eigentlich Etzel .Ben" Eftajim alias Salomo::. Er war verheiratet, unterhielt aber auch ein intimes Verhältnis mit einer Chriftensrau. Zur Strafe ward er vor die Wahl gestellt: entweder Verstümmelung erleiden "oder -aber zur katholischen Religion -übertreten.' Etzel Ben Efrajim entschied sich für das letztere und übeitrat zum Christentum. Die Taufe vollzog der Eßtergomer Fürstprimas Ladislaus Szalkay, der Taufpate war der' Palatiuus Emmerich Berönyi. Von diesen: erhielt Etzel den Namen Emmerich. Der Name Szerencses ist wohl die ungarische Uebersttzung des Namens ^Selia". Szerencses hörte auch nach dem Uebertritt nicht auf, für das Wohl der Juden M wirkest, wie dies stuchett: Zeit genössischer -Rabbiner /aus 'Konstantinopel -.bezeugt'. - -Er hatte dafür/auch viel zu leiden und mußte. oft schwere Opfer an Geld bringen, um den vielen Verfolg-unger: und Strafen zu enMhen- Einmal wurde auf Grund der Aussage eines Juden gegen die Ofner jüdische Gemeinde die Anklage wegen Ritualmordes/ erhoben. Szerencsös wußte es durchzusetzen, daß der .Verleumder an', die jüdische Gemeinde in Ofen ausgeliefert wurde, hie dann Heu Renegaten mit dem Tode bestrafte und das Urteil "auch vollstrecken ließ. ) ■ Auch -die Prager Juden rettete Szerenesös vor ster Vertreiburrg. Tie großen Verdienste des ehemaligen -Juden Emmerich Szerencsss um die Judenschaft finden sich iübrigens in den ’ Schriften des Konstantinopeler Rabbiners- Elijehn Levi vecheichnet. Seine 'Glaube::sgenossen - hatten den: Renegaten vevziehen,' mit desto glühenderem Haß aber wurde ex von d-m ungarischen Standen verfolgt. Man legte ihm alle Schuld-bei an.. den zerrütteten Finanzen des Landes, und niemand- Geringerer als der große Stephan Werbö^ch schleuderte der: Bannfluch geger: Szerencses. Und dieser Bannfluch hatte böse Folgen. Auf Drängen des Landtages vom Jahre. 1525 ließ König Ludwig II. -Emmerich Sze? rencses in das Gefängnis werfe::. Schon nach fitr$eir zwei Wochen aber wurde er aus dem Kerker entlassen und von Hosleuten in seine 'Wohnurrg geleitet. Szerencsös feierte feine Befreiung mit einem glänzenden Festnrahle, "bei dem der Wein irr Strömen floß, allein die Sache.sollte bald eine schlimme Wendung nehmen. Die anläßlich der-Tagung des Landtages versammelten--. adeligen Her re::, ganz be/onders aber die Reisigen und Knappen derselben, rotteren sich zusammen und^oqen vor das Haus -des Dzerencses. -sie erbrachen das Tor, stürmten in die inneren Räume und richtete:: eine gräuliche Verwüstung an- SZxrencsps selbst konnte dem sicheren Tode nur so entgehen, daß er sich auf einen: Seile aus einem Fenster seines Hauses herabließ und in die sin - sie re Nacht hinaus floh. Der wildgewordene Bolkshaufe zog hieraus auch vor das Haus des Gönners Szerencsös, des Fürstprimas S/alkay, aber hier schritt die. bewaff nete Macht ein und die Mordbrenner wurden zerstreut. Auch von den Hausern der Böheim und Fugger wurden die Aufrührer vertrieben. Dafür rächten sie sich an den .Juden und 'plünderten das Judenviertel gründlich aus, bis endlich Stephan Züpolya mit seinen Reitern die Ruhe wieder herstellte. Vom Hause des Szereucses war aber kein Stein auf den: anderen geblieben. Aber der Stern des Szerencsös leuchtete bald wieder stuf. Im Türtenrr'iege des, Jahres 1526 lieh er dem -König Ludwig II. große summen Geldes. Die .Katastrophe. von Mohärs hat aber auch Szerencs^s nicht, überlebt. Er starb noch im selben' Jahre, voll Reue über sein Leben und hinterließ seinen Söchwn auf dem Sterbebette die.Mahnung: „Hütet Euch vor Geldgier!" 1 Tie Nachkommen des Emmerich Szerencsös zogen von Ofen fort rmd nahmen den Familiennamen Sachs an. Das war das Ende des letzten mächtigen Juden Ofens: sein Leben glich durchaus nicht seinem Ramem es war nichts weniger als glücklich.... Wie die Chronik erzählt, soll die Erjncchnung des Emmerich Szerencse-s. sich vor der Geldgier zu hüten, in der Familie Sachs bis auf den heutigen Tag vom Vater auf den Sohn -übergehen. Irrdsrs-Kavarirs. . Das „FndenprMem" und seine Löfttgg. Ein Wort zur Akärung.^ Regensburg 1919.-Verlag der ,,Laubhütte". Preis 5 Ä. 70 Seiten. Die rühzige nationalistische Propagandatätigkeit der zionif.i'hctt Organisation hat die deutschen. Juden gezwungen. zu der Frage Stellung zu nehmen, ob das Judentum eins nationale oder «hie religiöse. Einheit sei und damit gleichzeitig. sich darüber schlüs Hz zu werden, ob sie gH als Glieder der deutschen oder süsrschen- Ration fühlen^ Im Anschlüsse an eine von I. Breuer verfatzie Schrift ,Judenproblcm" behandelt Judaeo-Bavarus diese Fragen' in einer Gegenschrift „Das Judenproblem und seine Lösung' von Grund auf. Im .Gegensatz zu Breuer versucht Judaeo-- Bavarus de» Nachweis, daß die Jude» auch heute noch eure religiöse Einheit oorstellen, während!i: in national-kuIturAler Hinsicht in eine unendliche Vielheit zerfallen, lehnt dagegen vir von Breuer geprägten Begriffe von den Juden als ciaer „Einheit des ^Hasses" und einer „Einheit dex Liede" als vecallgemeplemde Uebertreibungen ab. Weder di: Einheit der Religion noch die Einheit der Geschichte, noch die Einheit der Rasse falls von einer solchen bei den Juden gesprochen werden könne -- genüg«. , um die Juden für eine „Nation" zu erklären, denn der - vprr^ gebrauch verstehe unter „Nation" Line Einheit, die sich auf - gemeinsamer Heimat, Landessprache, Kultur und

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