Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 21 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 324 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 340 Sitte und' einheitlichen, politischen Zielen auf? baug. <Smfe solche Einheit seien die Juden nichts D'äs Judentum sei Mar Volkseinheit im' weiteren Sinne,, aber keine „Nation": . Das „Judentum ist eine Religionseinheit, die . auf einer Mmaligen Nationaleinheit aufbaut. Die Nationaleinheit ist verschwunden, die Religionseinheit ist geblieben. So bilden die Juden dir in der Welt einzig .dastehende Erscheinung - eines . Volkes, das religiös eine Einheit, national eine Vielheit darstellt." (Seite 20.) i . ' 1 Der Begriff „Nation" dürfe daher nach seiner inhaltlichen Sprachbedeutung. auf das jüdische Volk überhaupt nicht angewendet werden, weil es ein politischer Begriff sei. dessen Anwendung irreführend wirken müsse. Judaeo-Bavarus behandelt hierauf die Stellung des überlieferten Judentums zur jüdischnationalen Frage an Hand der Quellenschriften der jüdischen Religion und der jüdischen Geschichte zum Zwecke des Nachweises, Latz Lei den Juden des Altertums wie des Mittelalters eine kulturelle, und politische Assimilation an die Länder der Diaspora, soweit sie religiöse Gebiete nicht berührte, niemals verpönt wa'^.. Schon die "Worte des Propheten Jeremias (29, 4—7) gebieten dem jüdischen Völle die völlige kulturelle und^. politische.Einbürgerung innerhalb der Nationen, unter welche Israel zerstreut wurde. Dieser Befehl 'Gottes aus Prophetenmund müsse als der gesetzgebende Akt gelten, durch den es den Juden zur religiösen Pflicht gemacht wird, in den Ländern der Diaspora Wurzel M fassen- und bodenständig zu werden und ihnen jede nationale Sonderpolitik in der Zerstreuung verboten wurde. So wurde das jüdische Voll in nationaler Hinsicht aufgeteilt, während die religiöse Ueberzeugung es auch fernerhin einte und vor der Auflösung inmitten der nichtjüdischen Umgebung bewahrte. Der Verfasser unterscheidet streng zwischen kultureller und religiöser Assimilation^ Letztere habe von jeher als Verrat am Judentum gegolten, während die Treue zum jüdischen Religionsgesetz -automatisch jeden Auflösungsprozeß des Judentums bei seinen Getreuen trotz kultureller Assimilation verhindere. Dir Lösung des modernen jüdischen Bildungsproblems sieht der Verfasser in der Durchführung des altjüdischen Prinzips: ,,tauroh im derech erez", das heißt, auf die Gegenwart angewendet: „Treues Festhalten an den Geboten der Thora, vereint mit tätiger Mitarbeit an den Zielen des modernen Kulturstaates" oder auf deutsche Verhällnisse übertragen: ' ,,Judentum in harmonischer Vereinigung , unt Deutschtum", was jedoch nicht zu einer einsejtigen Hingabe an die moderne Kultur zum Schaden des Judentums führen LLW<^M deinem besonderen Abschnitt „Judentum und Deutsch- - tarn" weist. Judaeo-Bavarus nach, daß die deutschen Juden zu einem integrierenden Bestandteil der deutschen Nation geworden seien und daß.sie nur eine religiöse, aber kerne nationale Scheidewand von der christlichen deutschen Bevölkerung trenne? Die Hoffnung des gläubigen Israel auf seine einstige Rückkehr, ins heilige Land durch Erfüllung der göttlichen Verheißung könne ebenfalls nicht als" Zmchen einer noch bestehenden jüdischen Nationaleinheit angefAhrt werden; denn die Erfüllung dieser HoMung fei mit dem Glauben an die gleichzeitige Ankunft des Messias und die Erlösung der ganzen Menschheit unlöslich verknüpft und liege drcher nicht auf politischem, sondern auf religiösem Gebiete. Die Kolonisation Palästinas, welche bereits vor mehreren Jahrzehnten von orthodorer, Mischer Seite begonnen worden sei, bedeute die Schaffung eines religiö sen, nicht eines ua 1 iunalen Zentrums im Heimatlande der Eotteslehre, von dem aus die Religionseinheit des Judentums in allen Ländern der Erde * gestärkt werden solle und so die Ankunft des Messias vorbereitet werden solle. Gleichzeitig solle damit notleidenden heimatlosen Elaubensbrüdern auf dem geheiligten Boden Palästinas eine Heimat gegeben werden, in der sie ihre Religion frei ausüben und als freie Bauern auf eigener Scholle seelisch und körper- Lch erstarken können.' Die nationale Zugehörigkeit der. Juden in Deutschland und in anderen Staaten zur Bevölkerung ihres . Wohnsitzes könne aber durch die Ansiedelung eines Bruchteiles der Mesamtjudenschast in Palästina keinesfalls berühr werden^ Als Men Gewährsmann für feine Anschauungen führt Judaeo- Bavarus Samson RäpLael Hirsch, den Vorkämpfer. des orHodoXen deutschen Judentums im 19. Jahrhundert, an, indem er verschiedene Abschnitte aus dessen Werken' zitiert, in welchen 'Hirsch sin klassischen, für die Jetztzeit hochaktuellen Darlegungen Wer Zionssöhnsucht und Vaterlandsliebe",' ,,Staatsbürgerliche' Pflichten? her Juden im Eril", „Emanzipation im Geiste des Achentums" sich Äußert.- Was das Siedllmgsproblem der Ostjuden Mlange, so biete auch, für diese .die Durchführung des von <2f. R. Hirsch Änd feinen Epigonen als Parole ausgegeöenen Prinzips: „tauroh ^im derech - erez"-^die einzige mögliche Lösung im jüdischen Geiste, während die Schaffung einer besonderen pöllüschen. Mischen Nationalität, der OstMen — wie - der Verfasser unter Berufung auf Zivier „Zur Rassen- und Ostjudenfrage" .näher ausführt — neben dem Kampfe, den sie ihrer Religion wegen weMr zu b'eswhen haben würden, den'noch häß- ' kicheren RationalMtenkampf auferlege und sie damit einer Fortsetzung .der von den -Russen gegen sie großgezogenen Verhetzung und der vnrtschaWchen Verelendung preisgebe. Auch die Kultur Nr. 21 der Ostjuden sei ja nicht altjüdische Nationalkultur, . sondern, von ihren religiös-jüdischen BestandteKen abgesehen, ein Werk der Assimilation, eine MjHung von 'mittelalterlich-deutscher und neu- Feitlich-siäwischer Kultur. Gegenwärtig gelte es, den Osijuden die' Errungenschaften der modernen Kultur zugänglich zu machen^., ohne daß sie dabei ihrer religiösen Kultur verlustig gingen. — Im Abschnitt „Glauben oder Nationalbewußtsein" widerlegt Judaeo- Bavarus die Breuersche Auffassung von der jüdischen.Religion als „Nationalgesetz.", indem er an Hand der überlieferten Quellen nachweist, daß' der jüdische Glaube völlig unabhängig..von irgendwelchem Nationalbewußtsein sei. Im Schlußkapitel feiner Arbeit zeigt der Verfasser, daß'das Judentum als „Nation" zu deuten, die Anpassung anden Geist der Zerf,' sei, jn der soviel von den -Rechten der kleinen Nationen gesprochen werde. Die politischen Fragen, welche unsere Gegenwart beschäftigen, dürften aber kein Anlaß sein, die Mischen Ewigkeitswerte in ein modernes Gewand zu Hütten und so, politischen Strömungen Rechnung tragend, aus dem Judentum etwas zu machen, was es in Wahrheit nicht fei. Erzählungen von Knut Hamsur^ Ausgewählt und einge-' leitet von Walter von M o l o.. Einbandzeichnung von'Feiger. Preis vornehm gebündelt 3 Mark.. Verlag von Albert,Langen in München. Wer von Hamsun noch nichts oder nur leinen Einzelzug. seines Wesens kannte, erhält aus diesem Bande den ersten beglückenden Begriff seines überreichen Wesens. Hier ist „Schwärmer", em kurzer Roman voll eines köstlich versteckten Humors und erfüllt '.von dem mit immer neuer Farbigkeit geschilderten Leben \an den norwegischen 'Fjorden;, da ist eine Satire, die lächelnd mit symbolischen Bosheiten spielt; weiter eine Spiekergeschichte von großer Schärfe' der Menschmzeichnung und da ist schließlich„Vagabondage", eine 'jener wilden und rücksichtslos wirklichkeitsgetreuen Präriegefchichten, die aus Hamsuns eigenster Erfährung stammen^ Ml dies ist in einem einzigen Band vereinigt, der buchtechnisch und künstlerisch vorbildlich ausgestattet ist. Auswahl und-Einleitung sind düs Verdienst Walter von 'Molos, der ^durch beides von neuem seinegroße ' Einfühlungskraft in das Werk anderer beweist und -die Fähigkeit, dem Leser durch Vermittlung der-^eigenen Eindrücke-den Weg zum Verständnis zu erleichtern^, { ' - ■ _; - KxrsMaAerr. F. Sie haben Recht? Das gleichgültige Verhalten unserer Führer" angesichts der grassierenden. Taufseuche erinnert an den klassischen Böhm' in Amerika:. . . . i ' - Was geht' das uns an? - 's Däs geht uns gär nichts an! \ Das ist auf jeden- Fall °! Ans tont egal. 's Es.: B. D. Der 8. Juli 1903 {fiel auf den -13. Tamus 5663. ZWelitische KultrMemeinde Wien. ' Z. 1183/ISIS. r Wien, Mai 1919. WndrnjachllnAl, betreffend die Könsirmätion der Mädche r in denGömeindetenlpeln>. Die diesjährige Konfirmationsfeier findet statt.: 1.. Bezirk: Stadttempel, 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4: ' - Sonntag, den 1. Juni .1919, um 10 ,Uhr vormittags. 2. Bezirk: Türkischer Tempel, 2. Bezirk, Zirkusgasse 22: Donnerstag, den 29. Mai 1919, um 10 Uhr vormittags. 15. - Bezirk: Fünfhaus, Turnergasse 22: , Sonntag, den 8. Juni' 1919, um 10 Uhr vormittags. 16. Bezirk: Ottakring, -Hubergasse 3: . , Sonntag, den 1. Juni 1919, . um 9 illhr vormittags. 21. B^irk: Floridsdorf, Holzmeistergasse 12: Donnerstag, den 19. Juni 1919, um. 9 :silhr vormittags. ' Der Eintritt in den Stadttempel und Türkischen Tempel kann -wegen Raummangel nur gegen Abgabeder Eintrittskarte gestattet werden. - - I Die Plätze für die Verwandten der Konfirmandinnen bl-ubem nur bis ^10 Uhr vormittags reservier^. ' < l Der Vorstand!. M üdsrnedmo Luttrsgv LunstaSt, II., rauSölmarktgssss 9, T. 15. 8 KÖCMIK. _ »Für unsere im Allgemeinen Krankenhause befindliche Küche wird bessere. Frau oder Mädchen. als Köchin aufgenommen. Yorzusfcellen; Verein „Einheit“, II., Malzgassel2 Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck L Sohn, Wien, VH. „Dr. Bloch's Wochenschrift'