Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 21 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 322 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022374--27785-3053221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lek- LtzS - .E'ÄDMW .berÄöteiitbeM« Öfen mm; auch das .Haupt 6e.r MMn un-gar'-scheu - Judensäm'ft-.^ Larmindest Mt es paKr. In dem uralten.-. Mischen Friedhof in ÖMN-wurde Vor £an$er Zeit, ein Grabstein ausMgrMen, -auf welchem geschrieben stand, daß das' Jahr 1405 das „Jahr des Fluches gewesen sei. Schon im Jahre 1331 Herrschte Tmuer und Jammer im ungarischen Judentum, und die ersten Jahre der Regierung König-Sigismunds toaren Zeiten -unsäglichen Wehes. Der Grabstein, .der Wn . dem Jahre des. Fluches zeigt, ist der Grabstein des Juden Isaak. Und. wohl .hatte die Aufschrift recht, denn dieollberühmte AudengLmeinde Ofens hatte sich vollständig aufgelöst und den damaligen gelehrten Ofner Rcköbrner Naihan nahm die böhmische Stadt Eger als Flüchtling auf In den JaWüchern der Deutschländischen Juden finden wir aus dieser.Zeit gar viele Auszeichnungen von dem Märtyrertum der-ungarischen. Juden- - „In einer Stadi namens Budnn" lBuda). erzählte Der eine Chroniker, „wurde auf dem öffentlichen Platze der Stadt, eine; WachÄkeche augezündet und ein Herold veMndete folgendes: Es wird lsunnt L?kanntgegehen: wer sich zur Taufe meldet, ehe noch diese Wachskerze zu-Ende gebrannt ist, der wird selig werden, denn er wird Aufnahme finden in die allein seligrnachende kathoiifd>€ Kirche. Alle) die später Zur Taufe kommen, wenn die Wachskerze schon zu Ende gebrannt sein wird, sollen verbrannt werden." Bald loderten die Scheiterhaufen in Hellen Flammen und die ganze Ofner Gemeinde, ,Weiber und Kinder, erlitten den Feuertod, denn es fapd sich keine einzige Seele, die bereit gewesen tväre, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden.' , Nur sehr langsam kehrten die Juden wieder in die entvölkerte Stadt zur.M Man brachte die Juden aus dem Äüslalche, zumeist Franzosen, die sich im Jahre 4433 in Ofen .«Lederließen. Es ist bekannt, Hast König Sigismund , auch in Pest französische Handwerker angesiedelt hat- Es geschah dies zur Zeit, als jener große Turm am User der Tunau gebaut wuroe, der als'erster Pfeiler der späteren- Ke;tenLMcke geplant war. Der Turm wurde natürlich niemals fertig. gAaut. König. Bsla IV. Hatte seinerzeit den Juden Ofens einen Freibrief gegeben- und dieser Freibrief wurde später von allen Mnigen bestätigt- Im Jahre 1406; baten zwei Juden, .Der eine aus Ofen, der' andere aus Pest, den Bischof von 5z6kesseh6rvär um die Bestät'jgung des Privilegienbriefes König BLlas IV. Auch von König. SiWmund wurde diese Bestätigung erbeten, und zwar von den Juden Jakob aus Preßburg und Nivi aus Ofen. Im Jahre 1438 bestätigte auch König Albert die alten Gerechtsame. Von König Mrdislaus V. erbaten die Ofner Juden gleichfalls' die Bestätigung des königlichen Freibriefes, und War waren dies die Ofner Juden Mayer ' und Wolf- Die Namen dieser beiden Juden sind uns aus dem PeWamente .Ladislaus V. überkommen, wo es in der Klausel heißt, daß diese beiden Inden den Honig untertänigst gebeten harten, die alten Gerechtsame auch PrivilMen der Juden mit königlichem Siegel besteigen und erneuern zu wollen. Die geeignetste Zeit für hie Unterbreitung sylcher MaiestätKgesuche waren hie oft genug wiederkehrenden Krönungsfeierlichkeiten Bei diesen , Anlassen entfalteten die JMeri bie volle mürMntzaste Pracht' des Orients. Und - sie prunkten im GstMe ihres 'Reichtums. Als im Jahre 4458 König Machchias in Ofen einzog, erschienen drei Juden vor ihm,.' Hotzmann Wayer, Wolf und Rivi, die Thora in der Amhs? und baten um .. Erneuerung, ihrer. Vorrechte. MMias' -.iÄwinus.'pnllstMtLihrer Bitte unst^ als er sechs . Jahre später Mm König von Ungarn .gekrönt Nmrde, bestätWe er die Pripilcgieir der Juden von neuem. ' ' ' '■ MNfchMft m. 2i Als König Matthias nach SMesfehavtzün zogf um sich Hort krönen zu lasserr, ritt dem Zuge ein groWs WischeS Banderium voran. Der -Jude-' -Mendel'"-aus ' Ofen, das Haupt der alten Ofner Mendel-Familie, ritt mit sechzehn Knappen vor dem König einher. Voran ritt auf prächtig geschirrtem Rosse, eine Fahne in der .Hand, der Herold. Hinter ihm zwei Knappen in silbergesticktem Gewände, mit türkischen Säbeln zwei Knappen, Hinter diesen Mendel, gleichfalls in strahlender sitberöeschlagener Gewandung, mit Gurt und Schwert.- bewaffnet. Den .Zug schlossen die - Begleiter Mendels, durchivegs in Prachtgewändern, die Helme -mit Straußenfedern geziert. Die Hochzeitsfeier König Matth'as sah die Juden Ofens in ihrer vollen Pracht, und die Gemeinde nahm an'der Hochzeit würdigen Anteil. Eine Deputation der Wischen Gemeinde erwartete König. Matthias und. die Königin ' Beatrix vor .dem Tore der Stadt, voran der Vorsteher.--der Gemeinde.hoch zu Roß, zu ieder Seite sechzehn Ritter in dunklen GMvänderu aus feinstem Mechelner Gewebe, reich mit Silber gestickt- Der Vorsteher der Gemeinde hielt den Muckten Säbel in der Hand und an.dem Griff des Sabels hing ein kleines Körbchen, in deniielbLn zehn Pfund Silber. Das war. zu ixner Zeit gar viel Geld! Hinter deNr Vorsteher der Gemeinste saß auf kohlschwarzem Rosse gleichfalls mit gezücktem Säbel der sugLndliche Sohnpes s-Vorstehers mit einem zweiter - Korbe, der -gleichfalls zehn- Pfund Silber enthielt. Dann kamen vier- Andzwanzig Ritter in Purpurgewändern, die Helme mit Straußenfedern geziert. Den Trstß bildeten zweihundert turbanbekleideta,- Juden mit roter Fahne, welche das - Wappenzeichen König Davids trug. Unter diesen! dreisilberne Sterne Mer einer goldenen Krone- Die Aell-e? sten der Gemeinde standen unter einem. Baldachin, umgeben von derchüdischen JMenst.--Mn-...MLnn-:hiLlt' eines goldgestickte. Thora in der, Hand. Die ganze Deputation intonierte den Psalm: „Heil dir, o Israel. Tein-König naht!" So steht es ^geschrieben in den trefflichen Werken von S, Kohn und Büchler. Letzterer sagt,;daß dasfn der Sammlung Schwandtner vorkommende Wort', „tzkot" mit Turban sWersetzt worden sei, weil eine später erschienene Flugschrift einige "ungarische Juden mit dem Turban zeigte. Tatsächlich war der Turban ^die damalige Kopfbedeckung der Juden. s - Auch der Nachfolger König.Matthias, König WW dislcüv 14 wurde Don den Juden Ofens mit der Thora empfanden. And Körrig Wladislaw'II., bestätigte gleichfalls den.alten Freibrief. Mer schonGunter der Regierung König Matthias trat in der Verwaltung der Juderrs.ch.aft eine bedeutsame Aenderung ein. Der Vorsteher der JudeUgemeinde in Ofen bekam, eine wichtige politische Rolle, sein Wirkungskreis er- ^rveiterte sich weit Mer die Grenzen seiner eigenen meinde hinaus, Mer die Judenschast des ganzen Landes.. Irr den gleichzeitigen Urkunden wird der Vorsteher der füdischen Gemeinde in Ofen?r1n26p8 ckuckaeorum Luclae Coimiröraiitiain -Princeps der in Buda weilenden Juden) und Luprmnus ckuüasoruw Luckeusium genannt. Das war also der erste Wische Fürst in Ofen. Düs Haupr der Ofner Wischen Gemeinde wirb! also.gleichzeitig zum Haupte der gesamten Jndenschafr Ungarns) . und diese Würde -übertrug König- Matthias auf. das Haupt der Familie Mendel,, und zwar aus besonderer königlichen Gnade auch auf die Nachkommen, so daß das Mische Prinzipat in der Familie Mendel erblich war-. * Me Familie Mendel war allerdings sehr -angeschdn, reich und mächtig, sie waren die Bankiers, die Vertrauten; des Königs. Sie liehen Geld den Städten, den Großen -' des Reiches, sogar dem' König selbst, ganz besonders . aber König Wlaoislaro kl., der ihren Kredit püch-reiche ' iich in, Anspruch nahm- Wenn es galt, bei -königlichen