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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-30 · 21 (30.5.1919) · p. Seite 317

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
21 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 317 (sequence 9)
Language
German
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9fe 21 „Tr. Bkoch's Wochenschrift; Seite 3/3 gibt ein paar reiche Leute in der Gemeinde, die vielleicht inehr -als 20.000 Wahlen können und es ist beschämend für uns, wenn wir als Geschenk anzunehwen genötigt wären, was uns eigentlich als Steuer gebührt. Wenn die Herren schon Juden Meiden wollen, so ist nicht einzusehen, warum sie ihrer Verpflichtung gegen die Gemeinde nicht eibenso Nachkommen sollten, wie gegen irgendeinen GeselligkeiUklM" KommeHialrat Simon schlägt als Kompromiß eine Erhöhung der Maximalgrenze auf K. 30.M0 vor. Bei der Abstimmung wird eine Ermäßigung der unteren Grenze auf K. 10.— einstimmig angenommen,, der Antrag Ehrlich auf Erhöhung der oberen Grenze auf K. 50.000 abgelehnO und sodann der Antrag Simon — Festsetzung der oberen Grenze mit K. 30.000 — mit 18 Stimmen angenommen) Weiters werden die von der Kommission vorgeschlagenen Aenderungen des Kultu s st en er r eg u l at iv s, welche nur einige Formalien betreffen, ohne Debatte angenommen. N o ch m a l Z d a s B e a,m t e n w a h l r e ch t. Da. Auerbach stellt den Antrag auf Reassu^ mierung des beschlossenen § 8 der Wahlordnung, betreffend den A ns s ch l u ß aller in einem besoldeten BeÄragsverhältnis Zur Kultüsgemeinde stehenden Funktionäre und Beanrten von der Wählbarkeit in den Vorstand- Zur Begründung des Antrages verliest der Redner die Resolution, welche der Angestelltenverband der Kultusgemeinde in seiner Vollversammlung gefaßt bat und die dem Priäsid'iüm sowie sämtlichen Kultusvorstehern zugesandt wurde. Dr. Auerbach bemerkt, daß els nicht janjgeht, dieser ^Resolution der Beamtenschaft gleichgültig gegenWertzusteßen. Argument des Dr. P.appe.nheim, daß man nicht in, der Anwesenheit des Beteiligten Wer diesen betreffende materielle Fragen sprechen könne, ist hinfällig. Wer nach Recht und Pflicht handelt, der kann alle Fragen offen beraten. Der Held zu sein in der WwesenheiL des andern ist keine Ritterlichkeit. Wer den Dr. Pappenheim kennt und weih, mit welcher Unmnwundenheit er den Bittenden Las starre „Rein" entgegensetzt, wie er hier in der Kultusstube, den Geldsack vertritt, in den Fragen, die die Beamten an- -gehen, und sich durch ihre Anwesenheit nicht bürreu läßt, der weiß, daß! er sich in seiner*Offenheit auch nicht wird behindern lassen, wenn die anderen da sind- Deswegen beantragt Redner Reassumierung des Beschlusses', Si r eichun!g des § 8. Kommerzialrat Simon konstatiert, daß dieser ReassumierunlKantrag dem Neunerausschuß nicht Vorgelegen, und daß die Majorität des Vorstandes nach wie vor dagegen ist, jenen Personen, die im besoldeten VertrggsverhälLnis gut Gemeinde stehen, die Wählbar feit in den Vorstand zuMerkennen- Bei der Abstimmung Mer den Reaffumierungsantrag wirdderselbe mit gl l e n g e g e n acht S t im - . in e n .(fünf Nationale,- Gärtner, Löwner, Prof. Ehrrnann) abgelehnt. Dae Staatsbürgerschaftsf lausel. 1 Einen Zweiten ReassumierungZantrag stellt Herr Dr- Auerbach, betreffend die Staatsbürgerschartsk lause l. h Dr. Auerb'ach: Ich habe noch einen Reassumierungsäntrag zu stellen. Das Statut, das setzt verabschiedet wurde, enthält eine Bestimmung, die dem Geiste der Demokratie widerspricht. Es ist die . Knüpfung d-es aktiven Wahlrechtes an die Bed.i n g' u ng d e r d e nt s Ä ö st e -r r eich i s ch e n S 1a a t s - f ü r g e r s ch a f t. Damit treiben Sie f einen Keil , in die Judenschaft, Sie schaffen eine Situation, die Sie nicht wepden meisternkönnen und deren Folgen Sie nicht jübersehen. Redner begründet hierauf Eingehend seinen Antrag. Es kann viele Gründe und wichtige' Interessen geben, die einen davon abhalten, die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Dies geht aber die Kultusgemeinde nichts an. Es ist ein Rechtsbruch, Steuer ftu nehmen und das Wahlrecht zu Herweigern. Diese Leute werden die Kult ns st euer verweigern. Die Leute werden über auch zum Austritt aus der Gemeinde bewogen, sie werden sich separieren, wie die türkische Gemeinde. Bezüglich der Flüchtlinge, die nicht Staatsbürger werden können, hat auch Dir. Schwarz-Hiller zugegeben, daß Viesen ein Unrecht geschieht. Den Flüchtlingen gegenüber Haben Sie eine noch größere Verpflichtung, denn die Flüchtlinge erheben die laute Anklage, daß Sie mit schuld sind an ihrer Entrechtung. Als Dr. Ofner zum vernichtenden Schlag ausholte, haben Sie es unterlassen, ihm in den Arm zu fallen. Sie hätten sagen sollen, du bist von Juden gewählt und darfst nicht ein Referat Wer ein judenfeindliches Gesetz, übernehmen, das dir nur darum übertragen wird, weil die Sozialdemokraten sich nicht mit dieser Kulturschande beflecken wollen. » Redner wiederholt schließlich seinen Antrag auf Reaffumierung. Dr. P lascht es und Nationalrat Stricker unterstützen den Antrag und Stricker bemerkt zum Schluffe, in den entrechteten Kreisen wird eine große Bewegung entstehen, der Gemeinde die Steuern zu verweigern. Wir werden diese Bewegung unterstützen. Sie werden von diesen jüdischen Parias keinen Kreuzer bekommen. — Wir werden überall in der Welt und bei jeder Gelegenheit gegen die Wiener Kultusgemeinde protestieren, daß sie die Einheit, des Judentums zerstört und Juden entrechtet hat. Wir werden verlangen, paß die Kullusgemeinde, die so etwas getan hat, bei-allen alljüdischen Aktionen, die uns mit den Auslandsjuden in Verbindung^bringen, ausgeschlossen wird. 1 Hofrat Low ner erklärt, so sehr ihm die Ostjuden rache stünden, so glaube er doch, daß ihnen das Wahlrecht nicht gegeben werden soll, weil sie die Träger des Nationalismus sind, den er aus innerster Ueberzeugung als schweren Schaden ansieht. Aus diesen rein opportunistischen Gründen werde er auch gegen die Reassu- Mierung stimmen. . Bei der Abstimmung wird der ReassumierunrBantrag mit allen gegen sechs Stimmen abgelehnt. Hofrat Rappaport dankt allen Herren für ihre Mitarbeit bei der. Fertigstellung der Wahlordnung. .Nach seiner Ansicht gebe es keine Sieger und Besiegten, vielmehr sei das Statut das Resultat eines Kompromisses.. Die letzten Worte des Vorsitzenden, der die öffentliche Sitzung für geschloffen erklärt, gehen in dem Lärm unter, der sich im Auditorium erhebt, lieber die Szenen, /die sich da abspielten, wollen wir lieber nicht berichten. Verein Mr Unterftützuüg armer kMNker Israeliten. Dieser Verein, dessen Aufgabe es ist, arme Kranke rin den Wiener Spitälern mit ritueller Kost zu versehen, hat, wie alljährlich, auch am heurigen Pessachfeste, trotz der außerordentlichen Schwierigkeiten der Lebensmittelbeschaffung 'beinahe sämtliche Wiener Spitäler aus seiner eigenen im allgemeinen Krankenhause etablierten Küche mit streng ritueller Kost versehen. Die Ausstzei- . .sung erfoMe nicht nur in ausreichenden Menaernipndern auch in einwandfreier ausae^eickmeter Qualität. Trotz der -großen Fleischnot und der horrenden Preise wurde an die meisten Patienten fast täglich Fleisch verabreicht; den Schwerkranken an allen Tagen Geflügel. Die zahlreichen Dankschreiben, die sowohl an

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