Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 21 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 316 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seilt 332 „Dir. Btoch'Ä Wochenschrift' , Nr. 21 der letzten Konsequenz dieser Erkenntnis picht zurückschrecken, Mutz gestehm, Latz dieses so 'dringend und unbedingt notwendige, wahrhaft jüdische Leben nur in einer jüdischen Gemeinschaft, in Erez Israels verwirklicht, gelebt werden kann. Und darum, Väter, legt ^uern Kindern keine Hindernisse in den Weg, wenn sie glücklicher leben 'wollen, ials ihr gelebt habt. Wenn sie sich des abends emMal nicht mehr werden fragen: Wieviel habe ich heute verdient?, sondern: Wieviel Habe ich heute gelebt, wieviel Lebensfreude in mir ausgenommen? ßLrst bis wir unsere Seele ganz mit jüdischen Werten gefüllt haben, wird die jüdische Äugend gesund und glücklich sein. Hier int Galuth kmm man manche Arbeit vorroegnchMen. Man kann uns wirkliche jüdische Menschen Zu Religionslchrern und Erziehern geben, man kann uns das ZusaMMenpferchen mit Schülern -nderer Nassen und Konfessionen durch die eigene jüdische Volks- und Mittelschule ersparen, man kann unserem Bildungstrieb durch jüdische BibliothÄen und unserer Sehnsucht nach Zusammenleben durch jüdische Äugendherme Gewährung bieten. Vieles kann man gut machen, was an uns gesündigt worden ist. Die wichtigste Forderung, die die jüdische Äugend an die erwachsene Generation stellt, aber kautet : Wenn ihr selbst uns nicht zu Juden erzogen habt, so laßt uns wenigstens freie Bahn, hindert uns nicht, wenn unsere Sehnsucht danach geht, im Lande unserer Vater aufatmen, froh, glücklich, gesund, stark zu werden. Dann werden wir vollkommene Menschen sein, und zwar Menschen von jüdischer Art. Robert Weitz. Die WMreform in der Kuttnssgemernde. ' Der Kultüsvorstand hat in seiner öffentlichen Sitzung vom 26. d. M> endlich die Beratung der Wahlrep Ende geführt. Die neue Wahlordnung! ist nun zur Gänze angenommen und auch die damit zusammenhängenden Aenderungen des' Kultusgemeindestatuts' .und des Steuerregulativs find durchgeführt. Das! vorliegende Wahlgesetz beseitigt die Kurie der Höherbesteuerten, verleiht jedem, der K. 10.— Beitrag! leistet, das Wahlrecht. Damit wären allerdings die Führer der jüdischnationalen Opposition nicht vollständig: befriedigt; unterließen aber Hen weiteren Versuch, einer GefetzMvendung dieser Wahlreform Hindernisse zu bereiten. Zu Beginn der Sitzung! wurde eine vom Vertreterkollegium eingÄrachte Protestresolution gegen die ^polnischen Pogrome angenommen. Nachstehend der Sitzungsbericht: , Der Vorsitzende, Hvsrat Rg p p a p o r t, eröffnet um 6 Uhr die Sitzung^ Das Vertreterkolleginm schlägt der Plermrsitzung nachstehende Resolution vor, die einstimmig durch Erheben von den Sitzen angenommen wird : Gegen d ie polnisch en Pogrom € ■ Ter Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat in seiner öffentlichen Plenarsitzung vom 26. Mai' ß.919 die nachfolgende Resolution beschlossen: „Seit Wochen wird die gesamte Kulturwelt durch Nachrichten Mer blutige- Judenpogrome erschüttert, welche in jenen Gebieten Osteuropas, die von der polnischen Nation dauernd — oder ^vorübergehend — in Besitz genommen wurden, stattfinden. Ströme jüdischen Blutes bezeichnen den verheerenden Zug der polnischen Legion, der polnischen Mtionalarmeen, In Wllna allein find nach M'ereinstümnenden Berichten Tausende Juden den blinden Judenhaß der Polen zum Opfer gefallen. Kem'behg, Pinsk,. Prosrurow, Kalucz und zuletzt Wilna sind die neuesten- Leidensstationen unserer Glau- . bens!- und Stammesbrüder in Polen, deren grausamer Herrschaft mehr als ein Dirittel des gesamten ,Judentums nunmehr aüsgeliefert sind.! , , Ohnmächtig, unseren Brüdern in Wer verzweifelten Hage werktätige Hilfe M leisten, vermag der Vorstand der Wiener israelitischen Kultüsgemeinde nichts anderes, als unter^dem Ausdrücke seiner tiefsten Empörung Mer die'Unmenschlichketten, durch welche die Polen die Wiedererlangung, ihrer nationalen Freiheit, die Mederaufrichtung ihres unabhängigen Staatswesens! für alle Zeiten brandmarken, sich der gerechten Forderung anzuschließen, daß diejenigen Mächte, die Mer das künftige Schicksal der Völker zu entscheiden hüben, auch Sicherheit schaffen, welche die Juden in Polen vor der barbarischen Behandlung seitens der Mehrheit des Landes, dauernd schützen. . - Unseren unglücklichen Brühern, die nach fünfjährigen unsäglichen'Kriegsleiden,' kaum von der jahrhundertelangen Bedrückung durch den Zarismus befreit, einem neuen noch fürchterlichen Martyrium ausgesetzt sind/ .sprechen wir unser tiessW Mitgefühl mit Wem schweren Leid aus, mit dem innigen Wunsche, daß die Wffchaffende neue Weltordnunig. endlich, guck chrit Gerechtigkeit 'gegen das schwer geprüfte Judentum in allen Landen ohne Ausnahme erfüllt sei." Zar Tjageso.rdnnng' Hhergehend. wird die Beratung des Wcchlstatuts fortgesetzt. ' Zu §25: „Wahl des Präsidiums und Vertreterkolle-!giums" liegt ein MändLrungsantrM der JMschnatiouälen vor, auch bm diesen Wahlen den P r v p o r z einzu- - führen. Dieser Antrag erhW nur 11 Stimmen, anstatt der erforderlichen 18, so daß er abgelehnt ist. . Hierauf werden die M 26 bis 31 ohne Debatte ^angenommen, so-daß die Wahlordnung erledigt -ist-';; Man schreitet nun foit Beratung der Aenderung des . Kultüsgenreindestatuts. In § 6 wird an Stelle der bis!- herigen sechsjährigen Mandatsdauer eine vierjährige eiWefühvt, für den Präsidenten wird eine vierjährige, 'Wr die Vizepräsidenten eine einjährige Funktionsdauer festgesetzt. Ein Antrag Pappenheim auf Kreierung, einer dritten Vizepräsidentenstelle wird abgelehnt. ' Die Steue-rgren^en. Eine Debatte entspinnt sich bei § 97, der die niedrigste Kultussteuer mit K. 10.—, die höchste mit K.>. 20.000 festsetzt. , Dr. Ehrlich hält den Maximalsatz von K. 20.000 hei den heutigen Verhältnissen für viel zu niedrig. Er beantragt daher Erhöhung auf K. 50.000, womit nicht gesägt ist, dgß die Kultusgemeinde auch tatsächlich .jemandem K, 50.000 vovschreiben mW sondern nur die Möglichkeit igeboten wird. Dir. PapPenheim meint, daß ein solches Statut niemals die Zustimmung der Behörden, vor allem des Staatsamtes für Jnneres und für Finanzen, finden wüjrde. Dgs sei eine Erfahrung, die man berücksichtigen muß. r - Stri ck e r antwortet: „Die ^Erfahrung" des Herrn - Dr. Pappenheim stammt; aus der Zeit, wo auch die Staatsbehörden dazu da.waren, die Reichen zu schützen und die Armen Hahlen.tzu fassen. Ich möchte'die demokratische Regierung, sehen, die es verbieten wollie, daß die .Reichen ihrem Vermögen entsprechend zur BettpaMei-- .stung hepanMogxn werden. Wenn wir Aon' durch das Gesetz gezwungen»sind, eine obere Grenze festzusetzen, so., schaffen -wir uns wenigstens Kewe.gungsfreihe.itt W'