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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-30 · 21 (30.5.1919) · p. Seite 313

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
21 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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Seite 32» N». 31 T>r. Bloch'S Wochenschrift" Natürlich Möchte der Mörder Polen sein Verbrechen vor der Welt beschönigen und sendet zu diesem Zwecke den Lügner Polen äps. Dazu unterhält er feine Gesandtschaften im Auslande. Seme Diplomatie ist dis Schule des Leugnens und Verdrehens in der allgemeinen Politik wie in der Jüdenfrage. Dis Wiener 'Gesandtschaft versuchte es bereits mit gefälschten Berichten, wurde jedoch zurückgewiesen. Bei der Entente werden jedochdie skrupellosen Lügen noch ärger aufgetragen, wie gus folgendem Bericht aus England hervvrgeht: Oberst Wedgood interpellierte im Unterhause den Staatssekretär -es Aeutzern, ob' das Amt Nachrichten über die Ermordung von 46 polnischen Juden in Minsk durch die Polen am 5. April erhallen hvbe und ob die britische Regierung bei den .Polen Schritte unternommen habe, um ihnen klar zu machen, datz diese Pogrome aufhören mützt en, da sonst jede britische Unterstützung,ein Ende haben müsse. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen antwortete, datz die britische Regierung über die Ereignisse die Nachricht erhalten habe, datz 3 4 Personen, w a h r s ch e in li ch Juden, an dem ^genannten Tage und dem genannten Orte getötet wurden. Die polnischen /Behörden hätten festgestellt, datz diese Personen in eine Verschwörung verwickelt gewesen seien. Sie wurden durch polnische Patrouillen entwaffnet und ermordet. Oberst Wedgood stellte fest, datz diese Juden bei einer Versammlung, welche eine Rote Lreuz-jOrganisation betraf, von den Polen angegriffen wurden und datz der Befehlshaber der polnischen Abteilung, der den Mord zülietz, durch die polnischen Behörden zurückgezogen wurde. Weiter sei jedoch nichts geschehen..T)iepolnische Regierung müsse durch die britische"Regierung daraus aufmerksam gemacht werden, datz die systematisch e Ermordung von Juden ein Ende haben müsse. Oberst Shaw fügte hinzu, datz Mitglieder des Parlaments die telegraphische Nachricht erhalten haben,- dätz Tausende von Iuden, Männer und Frauen, unter Mitwissen der gegenwärtigen polnischen Regierung ermordet worden seien. Der Unterstaatssekretär antwortete, datz ihm diese Informationen neu seien und datz er hie Interpellanten um Einzelheiten ersuche. Möge sich die englische Regierung, die Entente und die ganze Nulturwelt vom Lügner Polen über den Mörder Polen nicht täuschen lassen! - $ * , Manchmal muß man die Ehristlich sozialen auch bewundern, und War wegen ihrer -Eigenschaft, sich auf der Stelle völlig umzudrehen und gegen ihren eigenen früheren Standpunkt aufgeregte Opposition fi machen. Wir wollen nur erwähnen, daß es doch nur ihre Partei war,, welche seit Kuegers Wort: Laßt's mir meine Böhm' in Muh! mit den Wiener Tschechen immer sehr Mt Freund war, sich um Me Stimmen bewarb, sie unterstützte und sich ihrer Anhänglichkeit rühmte. Seitdem jedoch die Tschechen in das Kager -er Sozialdemokraten Übergegangen sind und mit der Mehrheit stimmen, sind es die Christlich sozialen, welche den tschechischen Ansprüchen, welche doch sie selbst immer ermutigt haben, mit Schärfe ent-gegentreten. So erhält man für die verlorenen tschechischen Stimmen in Zukunft deutschnationale. Allerdings' haben sie sich bei ihren Angriffen gleich die richtige Kritik Ungezogen. Ein tschechischer Redner sagte, die Haltung der Ehristlichsozialen sei eine echte jesuitische Heuchelei. Wenn er für diese Aeußerung Unterschriften sammeln wollte, so würde er sehr viele bekommen. - Eine andere Heuchelei ist die Stellung der Ehristlichfozialen zu dem neuen hohen Tramwaytarif. Jetzt spielen sie auf billige Art Opposition, lehnen die Anträge ab und nehmen die Bevölkerung! in Schütz. Wie soll map jedoch die Ansprüche des Personals -ecken ^md den unter christlichsozialer Herrschaft niedergebrochenen -Verkehr wieder halbwegs ausrichten? Die Schaffner der Straßenbahn verlangen ein Einkommen, mit dem sie unter der: heutigen wahnsinnigen Verhältnissen leben können. Diese Verhältnisse sind durch den Krieg ge^ schaffen und der Krieg kam durch die Hetzereien der Ehristlich sozialen und ihrer aristokratischen Hintermänner. Wenn die Ehristlichsozialen die verlangte Bezahlung des Personals ablehnen, dann sollten sie sagen, wie man die schweren Sünden ihrer früheren Verwaltung wieder gut machen könnte. Wer darüber wird man niemals eine Silbe hören, weil es ja auch ganz unmöglich ist. Die Ehristlichsozialen find und bleiben Mwissenlose Demagogen. * * * Es ist nicht einzusehen, warum unan die bisherige Mehrheit aus dem Rathause feierlich verabschiedet. Man muß es als ein Glück betrachten, daß diese Gesell-! schüft endlich verschwindet und in das politische und geistige Nichts verschwindet, aus dem sie gekommen ist. Erinnern wir uns nur daran, daß die Pioniere und Vorkämpfer dieser unerhörten und nur in Wien möglichen Partei die Viehtreiber aus St. Marx gewesen finb, denen dann dicht aus so edle Gestalten wie der Mechaniker Schneider, der Bergauf, Gregorig, Pfarrer Deckert, der rote Prinz und Amliche folgten. Das Programm war und blieb die ödeste Judenhetze, die dümmsten Verleumdungen, der politische Vertrieb des Ritnal- . mords, betrügerische , Versprechungen an alle Stände, die niemals eingehalten werden konnten. Es ist wirklich die höchste Zeit, , daß diese Partei der Lüge und des Schwindels das Rathaus endlich räumt und Parteien Platz macht, welche ihre Ziele mit ehrlichen und anständigen Mitteln und Methoden verfolgen. Man hat den Eindruck, als wäre ein zu Kulturzwecken errichtetes Gebäude vorübergehend von plündernder Soldateska belegt gewesen. Sehr zu bedauern ist es, daß der Widerstand weiter Kreise gegen Sozialisierung und Kommunismus die Ehristlichsozialen am flachen Land gerettet hat. Aber auch für diese wird. die Stunde schlagen, in der man sich von ihrem hohlen und verlogenen Wesen äbwendet. WWon und die polnWen Pogrome. Lyon. Präsident Wilson hat am 26.' d. M. nachmittags den Vorsitzenden des Pariser Judenkomitees empfangen, der ihm einen langen telegraphischen Bericht über die Judenprotestverfammkung von Madisonsquare in Newyork überreichte, in welcher die polnischen Pogrome erörtert worden waren. Wilson wird den überreichten Bericht prüfen und mit dem Ministerpräsidenten Paderewski erst nach Nlärung dieser Frage über die polnischen Gebietsforderungen verhandeln. _ „Dafty Telegraph" »her die polnische Jüdenfrage. N o p enh a g e n. „Daily Telegraph" vom 2. Mai bringt einen Artikel über die Judenfrage in Polen. In diesem Artikel wird der Bericht eines amerikanischen Journalisten über die polnische Lage Wiedergegeben. Er schildert den wirtschaftlichen Notstand und die politische Unzufriedenheit und bezeichnet die 'Regierung als reaktionär. Paderewski' wird von den rechten Parteien nur unterstützt, weil sie hoffen, datz es ihm gelingen wird, in Amerika eine Fünfmilliardenanleihe zu

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