Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 21 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 328 - „Dk. Müch's WoHjMschrift'! - Nr. 21 Selbst Dr. Karl Lne>g!er war offenbar Mischer MstammunU. Er selbst hat sich einmal mit nicht geringem Stotz Mf Las Alter seiner Wstammung! berufen. Eines Bürgers Lueger erwW'nt die Geschichte der furchtz Laren, von HeWZ AlbrechL anWordneten JUdender-- folgung, Mer welche die von D!r. I. ZeWst im „Archiv für Künde österreichischer Geschichtsquellen" .publizierte „Kleine KlosterneubuWer Ghronik" -eingehend berichtet. ,Jn dieser Wronik heißt es .nun (Band VlII S. 245) wörtlich: . ' . „Darnach afh schwarzen suntag Mordert man „dieselbenJuden, all die zeigten viel guets an, vnder der „erden, zu Wien und hat man allein verprent 240 person „ein Jüdin zu closterneuburg liess sich tauffen und wardt „genant barhara, hat vor zu der ehe den schehelein „Juden gehabt, die nam darnach zu der ehe niclasen, „des lueger, eines ehrbaren burgers son.“ Die dem Flammentode entgangene Gattin des Juden Schebelein, die in der Taufe den Namen Barbara erhielt und sich mit Niklas Lueger WM Weiten Male verehelichtewar die Stammutter Luegers. Darum kann eine sittliche'Natur es schwer fertig! bringen, aus dem Kager.der Unrechtleidenden in das der Verfolger sich M flüchten — in der Voraussicht, dätz seine Kinder einmal Judenpogrome machen oder qtitmachen werden. „WtMnniger du," — dichtete Salomon Ludwig .Steinheim — „verleugnest die Sitte deines geschlagenen Volkes und trittst, du Dükischer, höhnischen Mundes Wm Widersacher: daß deine ruchlosen Kinder, ein 'fremd Geschlecht, mit Steinen werfen - nach deines Vaters Haupt und ihm den Wauen Bart .zerraufen." Vom Jahrmarkt des Lebens. ■ <# . Klaffe» z«r Tagesgeschichte. Pvlen mordet Md lügt. — DM Abschied vom Rathaus. Molen Mordet und Polen lugt. Schauerlich schreien die Klagen über diese Natron der Raubmörder und blutgierigen Banditen von zweitausend frischen Gräbern aus Wilna Hers vom Unglück tausender Familien, vom Elend zahlloser Kinder) von den Schmerzen gemarterter unschuldiger Menschen, von den Brandstätten und Blutlachen in der Judenstadt. Die Neuzeit des moralisch tiefstehendsten Reiches in Europa wird eingeleitet mit unvergänglichen Verbrechen, die ein ewiges Brandmal für den polnischen Namen bleiben werden. Um ffie richtig mit Geschehenem und Gesehenem zu vergleichen, genügen die Bilder des Mittelalters nicht mehr, sondern man mutz in jene Jahre des Unglücks zurüÄehren, in welchen die mordgierigen Horden entmenschter SteppenvöVer über das zitternde.Europa herembrachen und weder Greise noch Kinder schonten. Tagelang dauerte das entsetzliche Morden der Banditen gegen friedfertige, und wehrlose Einwohner, die vergebens 'in Todesangst um ihr armseliges Leben flehten und keine Waffe gegen ihre 'fluchwürdigen Mörder erhöhen, sondern schwache und gefaltete Hände. Ueber den Leichen ihrer Kinder wurden die Ellern niedergemetzelt und die Stufen des Gotteshauses trieften vom Blute der im geheiligten Raume gemeuchelten Opfer. Die Todesschreie, und das Röcheln waren Musik für das Ohr der verkomwenen und verruchten Befreier Polens und von den blutenden Leichen rissen sie mit der Begierde von Räubern und Dieben ihre armselige Beute. Arme Juden Wilnas! Der Rauch von euren niedergebrannten Häusern, vermögt mit dem Geruch der angesengten Körper, zieht über die ganze Welt als der Rauch des heiligsten und größten Opfers, däs ihr eurem Glauben und eurem- Volke gebracht habet, als das erhabene Zeugnis eures Martyrertodes. Der letzte Schrei von eurenstummen Lippen ruft ein vielfaches Echo in jedem Herzen'wach, das noch eine Spur von Gefühl besitzt, und steigt dann auf zum'Pjmmel als eine schreckliche Anklage vor Gott und dLa'Menschen gegen die feigen Buben, welche euch mit Schwert und Feuer Überfallen haben, Jg den Gebetbüchern der hohen Feiertage, deren großer Teil die feierlich geschilderten Leiden der Juden sind, wird auch euer grausames Schicksal aufgenoMnen werden und ihr werdet immer genannt und beweint werden von unseren Gemeinden bis an das Ende alter Tage, Aber auch unsere geistige . und moralische Kraft wird niemals versagen, um vor aller Welt das Kainszeichen aus die Stirne der ruchlosen Mörder zu brennen, datz sie unstet und flüchtig unter den Völkern werden sein müssen, weil jeder sich von ihnen abwendet als von den durch göttliches und menschliches Gesetz Gezeichneten. ■ J .Schämt sich die Entente noch immer nicht dieses . elenden Volkes, das den Thron seiner neuen Herrschaft mit dem Blute der Unschuldigen kittet? Es wird wahrlich kein Segen sein über dem polnischen Staat, über diesem Reich, das nicht ehrenhaft Und stolz den Geist des zwanzigsten Jahrhunderts zur Gründungsfeier einladet, sondern die von den Fesseln des Zarismus freigewordenen Sande zu Mordtaten benützt und noch grausamer und gemeiner wütet als die früheren Schergen des Zaren. Statt am Schlachtfeld ihr Blut für die Freiheit und Grütze Polens zu lassen, vergießen die polnischen Legionäre Ws Blut ihrer eigenen Bevölkerung, die jüdischen Glaubens ist. Darf das ungestraft geschehen und darf der Staat der feigen Mörder, wie zur Belohnung, aus den Händen der Entente noch Landstriche, Rechts und Besitz erhalten? Nie und nimmer sollte. es geschehen, dätz noch neue Untertanen unter diese Herrschaft kommen, deren Zeichen das gemeinste Verbrechen ist. Nicht das erstemal) sondern schon wiederholt hat sich, der polnische Geist als der Geist der schwersten Massenver- ~ brechen gezeigt. Fortgesetzt meldet man bald aus dieser Stadt, bald aus jenem Flecken, dätz die Mordbrenner dagewesen sind und sich gegen Wehrlose ausgetobt haben. Nun ist es aber genug der Grausamkeit, genug des Fluches mit dieser riesigen Tragödie von Wilna, Cs hieße das Verbrechertum der Welt erobern, wenn nicht Gesetz und Moral wieder hergestellt werden, es hietze Polen zum Henker seiner Juden machen, wenn man keine Rechenschaft für Wilna verlangte. - Keine Rechenschaft der Worte, keine Bürgschaft auf Papieren. Das haben wir schon einmal bei Rumänien . gehabt, das seine Versprechungen wie einen .Fetzen Papier und seine Juden wie Parias behandelte. An dem Tage, an welchem' endgültig über das Schicksal Polens in der Welt entschieden werden wird, soll die Stimme des Blutes von Wilna . gegen dieses' Reich zeugen. Dann möge aus den Gebeinen der Tausende von Märtyrern, aus deM Schutt der Brandstätten Än Rächer erstehen und sich' gegen -Polen kehlen. An diesem Tage.wird sich zeigen, oh die Entente wahrgesprochen hat -mit ihrer Beteuerung) datz sie für die Befreiung und das Glück der Völker gekämpft hat. Die Schatten tausender Moter warten, ob man ihre Mörder belohnen oder bestrafen, ob' man die neue Zeit Und die neuen Ziele der Menschen bestätigen oder betrügen wird. Wenn die Polen die Bestätigung ihrer nationalen Ziele von der Friedenskonferenz verlangen werden, dann mag ein Künder der Gerechtigkeit. vor aller Welt eines der . nationalen polnischen Ziele nennen: den Mord! -