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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-30 · 21 (30.5.1919) · p. Seite 311

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
21 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 „Dr. Bluch's Wochenschrift" Seite 33^ -lense h:w 8 r ä u n g, den Leiden, Sterben und der Auferstehung una.e res Her?n Jes u Ghris t i; . . . . di© gö ttliclie Mut terschaf t de r heiligen Jungfrau Maria sowie' ihre makellose Jungfräulichkeit- Die wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart des Leibes und Blutes unseres HerrnJesu Christi samt seiner Seele und Gottheit im allerheiligsten Sakramente des Altars. .. .Ich glaube an, das Fegefeuer . . . anden Primat (Vorrang) d ss römischen Pa p s t e s . . . endlich glaube ich alles, was durch, die heiligen Kanones, durch die allgemeinen Kirchenversammlüngen . . . namentlich über den Primat und das unfehlbare Lehramt des römischen Papstes "gelehrt, entschieden und erklärt worden ist. M i t aufrichtige mIIersen und ungeheucheltem Glauben verabscheue ich daher und schwöre ab j egli-chem Irrtum, jeglicher Ketzer ei und Sekte, welche derbe sagten heiligen, katholischen und ap os to lisch-römischen; Kir.c he entgegen sind. Das verspreche, gelobe und schwöre Ich N. N. So wahr mir Gott helfe und dieses heilige Evangelium Gottes.“ Nach diesem Bekenntnis empfängt der Bekehrte die Absolution und wird in die Kirche aufgenommen. . . So also sieht „die leere Form" aus',, als welche mein die ohne Ueberzengung genommene Taufe so gern hinstellen möchte, um sich zu entschuldigen. In Wahrheit ist'die Taufe ohne eine Ueberzenguug vom ersten bis zum letzten Schritt eine' ungeheuere L'Me. Zuerst wird der- Geistliche Mer die Beweggründe belogen und ' getauscht; dann wirb diese Hüge Monate hindurch beinr Unterrichte wiederholt; sie wird dann protokollarisch dem bischöflichen Ordinariat vorgelegt; und endlich ist i m.Mu nd e eines (vom katholischem Standpunkt aus) Ungläubigen jedes Wort des ^Glaubensbekenntnisses eine e r tz ä r m l ich e L! üg e, die .sich zum Schluß zu MotteWstemW und Meineid steigert! .Und diese ^Üge, diese Gotteslästerung, diesen Meineid schleppt man durchsganze Leben! — Aus all dem folgt, daß der Jude/der nicht aus. innerer Bekehrungsondern um anderer Gründe willen seinen Glauben abschwört, ein erbärmlicher ner, ein Meineidiger und Gotteslästerer ''ist, den jF)er xhrenhafte Mensch — gleichviel ob Jude oder Christ — mit dem Fuße von sich stoßen müßte. Nicht vom Standpunkte des religiösen Zelotismns, sondern von jenem der bürgerlichen Rechtschaffenheit und der gesellschaftlichen Reinlichkeit müßten solche.Individuen der öffentlichen Verachtung anheimfallen. Auch darüber sind heute die Urteile aller einig : _ Wer in einer solchen Zeit feige und v erräterisch aus den, Kamp.fr eihen sich sortsch leicht und mit seiner schm ä hlsHen Fahnenflucht die bei der ruhmreichen Fahne der Pflicht treu Ausharrenden entmutigt, der ist auch vom Standpunkt der bürgerlichen Ehre dibßamiert. . Vor wenigen Jahren schrieb einmal Hofrat- Dr- Itpdo in' einem Weihnachts'artikel des „Pester Lloyd" Wer die zutage tretende V e r schür f.un g de r antisemitischen Bewegung in Ungarn: „Merkwürdigerweise hat noch ein besonderer Umstand, . zur Verschärfung der antisemitischen Strömung, beigetragen, von denr man eher einen ausaleichenden Effekt' erwartet haben tpürde. Es sind dies.die Judentaufen- Indem der Austritt aus dem Judentum fast ausschließlich durchdasBestreben, gesellschaftlich emporzusteigen, hervorgerufen wird, so muß der Neophit sich naturgemäß schroff von den ehemaligen StammesKnossen fernhalten und alle sozialen VeMndiinaen mit ihnen lösen-' Die Taufe hätte ja sonst weder Zweck, noch .Sinn. Tie Taufe ist 'ja das Mittel, um dein sozialen Ghetto zu entsliehen und die christliche Gesellschaft zu erobern. Vergebens hat Heinrich Heine Mer die Berliner Jüdinnen ge spöttelt, die große Kreuze bis an den Nabel tragen. Eine getaufte Buchhändlersgattin mit einer Merans langen Nase hat recht schnippisch versetzt: „Wie würde man sonst in mir die Christin erkennen?" Man muß also, um des sozialen Zweckes wegen noch einen Schritt weiter gehen und antisemitisch schillern. Ein witziger Kopf hat gesagt, es genügt nicht, zum Christentum' zu übertreten, man muß sich zum Antisemitismus bekehren. Auch die Zwischenheiraten haben überwiegend eine antisemitische Nebenwirkung- Die christliche Familie, die den jüdischen Eindringling ausgenommen, fühlt sich gedrungen, zu demonstrieren, daß sie dadurch nicht verludet worden. Neuchrist und Altchrist wetteifern also durch eine Schaustellung von Antisemitismus, .um-die gefährdete Integrität ihres unverfälschten Christentums aufrechtznerhalten." Das war so seit je! Seit je haben jüdische Renegaten durch Eifer in der Verfolgung ihrer Glaubensgenossett die christlichen Fanatiker zu übertrumpfen getrachtet. Schon der große spanische Kirchenfürst Julian von Toledo um das. Ende des siebenten Jahrhunderts, hat als Präsident des 12. Konzils von Toledo Gesetze gegen die.Juden verordnet, die an Grausamkeit kaum zu übertreffen waren. Den Inden wurde befohlen, sich nchstallen Kindern und Angehörigen innerhalb eines Jahres taufen zu lassen, sonst würden sie durch hundert Geißethiebe, durch Konfiskation der Güter, durch Skalpieren, dh. .Llbziehen der Kopf- und Stirnhant (!) sowie durch Landesver^ Weisung bestraft werden. 1.164 veraulaßte in Frankreich der getaufte Dominikaner Pablo Christiani, daß Mnig*Ludwig XI. von Frankreich das alte kanonische Edikt vom Tragen der Jüdenäbzeichen wieder einschärfte. Der Befehl blieb denn auch bis zur Vertreibung der Juden aus Frankreich im Jahre 1306 in Kraft. Der unerbittlichste und gehäßigste Judenfeind, der dem schwergeprüften Israel unsagbare Leiden angetan und mehr noch zügedacht hat, war Salomo Levi aus Burgos (1350 bis 1435), ein Rabbiner, der infolge pon Judenverfolgungen in jjeinent 40. Lebensjahte (etwa 1390) die Taufe annahm und seitdem in der Geschichte des Judentums unter dem Namen Paulus a Santa Maria (Paulus Burgensis) eine sehr traurige Berühmtheit erlangt hat. Er wurde spater Erzieher des minderiährigen Johann II. und benützte .seinen (Einfluß, um Grausamkeiten gegen die Jitden auszuübeu und suchte sie zu Parias herabzndrücken. Auch der Christ, der einem Juden ein Amt Mb, sollte schwer »bestraft werden. . Das Hauptwerk dieses Renegaten waren aber die berüchtigten 21 Artikel vom 12- Jänner 1412( die nach dem Urteil von antisemitischen Christen „kränkend hart, unmenschlich grausam" waren. D'urchaus des Vaters würdig, waren auch seine Söhne, welche Gonzala (1379 bis 1448) und Also nso (1384 bis 1456) de Cartagena hießen: beide waren spanische Kirchenfürsten, die auf dem Baseler Konzil (143}1 bis 1448) „dem Judenhasse des Vaters eine europäische Tragweite gegeben". — Der preußische Jude Julius Schlesinger, der als Christ Julius Stahl hieß, eine Leuchte der protestantischen Orthodoxie, gründete die scharfe antisemitische konservative Partei in Preußen- Der Renegat D. W. B. Frankel publizierte ein Werk unter bem Titel: „Die Unmöglichkeit der EmattzWa- 'r i v n der I u d e n i m ch r ist l i ch e n S t a a t c".

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