Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 20 (23.5.1919)
- Date
- 1919-05-23
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte 31? Nr. 20 - .,?r. Bloch's Wochenschrift" GLLtner- Mlerftützt den BsrschlW Plüfchkes. Aas Vertreterko/ltzpum.hckbe immer die MajpriM im Plenum gchübt. DM sei ein unhalMrer Zustand. Es seien Vorstandsmitglieder tzuhrelang nicht zur Sitzung erschienen, so tonnte immer majorisiert und nichts durchs gesetzt werden- Stricher:. Bis jetzt hat das VertreterkoUegium einen KluD gebildet, sogar mit KlubSvang. Der verstorbene Präsident Dr. 'Stern Habe einem Herrn einmal Illoyalität vorgeworfen, weil er mit der Opposition gestimmt habe. Gerade die .Herren, die die ..KontinuiM" nicht unterbrochen sehen wollten, stimmen heute fürs Hazardieren. Die Absicht, sich jene herLuszusuchen, die der Majorität paßten, .wirre korrumpierend. Jeder Majorität, die nicht nach dem 'Proporz vorgehe, sei zu mißtrauen. Es' sei kein vernünftiger Grund vorhanden, den Proporz ccktzule'hnen, die in allen Körperschaften eingej'ührt sei. ' Dr. Pol lat macht der Mehrheit den Vottvurf, daß Ze ihr Versprechen der DemokratisieruM nicht gehalten und nur im Proporz vachgegeben hohe. Es werde nicht gehen, sich krampfhaft. an der Macht zu halten. Vizepräsident Dr. 'Pappenheim meint, die Ausgäbe des künftigen Vorstandes werde sein, das Vertreter-, kollegium so ZusamMenzusetzen, daß Herren hineinkommen, mit denen man verhandeln könne. Kultusvorsteher Dr. Schreibe r erklärt, er per-- lönlich sei gegen den Propoch, habe g?gen seine Einführung gestimmt. Nachdem man einmal den Fehler gemacht .hat, .sei er nicht gesonnen^ >.in diesem Fehler forchu-. fahren und durch, seine weitere Anwendung. die Nach-* teile zu vergrößern, die unweigerlich seine Folgen sind. HofraL L ö w n e r erklärt, dqß der Proporz auch Mrs Vertreterkollegium gelten müsse, damit der Grundsatz, daß Mch der andere gehört werden könne, erhalten bleibe. Durch Zusammenarbeit werden sich die Gegensätze mildern, nicht verschärfen. Das lehre die Erfahrung- Auch Mos. Ehrmann ist der Meinung, daß j^de Partei den ihr ^gebührenden Anteil An der Verantwortung tragen Müsse. " - . Dr. Plaschkes: Es handelt sich eben darum, daß Herrn Dr. Pappenheim nicht Gelegenheit gegeben werden könne, sich ausZuwählen, mit wem man verhandeln könne. M werde zu keinem System der Barrierestöcke kommen. Gerade die Begründung des Herrn Dr. Pappenheim zeigt die Absicht, welche die Herren hier leitet. Wir wollen als freie Männer im VertreterkvllMum debattieren, aber die Meinung des Herrn Dr. Pappenheim soll nicht immer richtunggebend bleiben dürfen. Mit dem Prinzip Pappenheim muß gebrochen werden! Dr.> Pollak beginnt gleichfalls mit einer Polennk gegen Dr. Pappenheim. Er bemerkt, daß Herr Dr. Monath mit einem Kollegen, anscheinend Herrn Dr. Breuer, spricht, fühlt sich vielleicht dadurch gestört und rügt die Störung in einem Ton, den wiederum die betroffenen Herren als verletzend empfinden; sie remonstrieren und Herr Dr. ^llak antwortet in Ausdrücken gesteigerter.Heftigkeit und so entsteht ein Lärm und wird immer lauter, derart, daß eine Anzahl Borstandsmitglieder durch Verlassen des Saales sich diesen Szenen entziehen, wodurch die Verhandlung wegen Bxschlußunfähigkeit um 7 Uhr unterbrochen werden mußte. 4- » * .Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: In einem Aufruf in der „Wiener Morgenzeitung" vom 11. Mai erwDnt der Provisorische Jüdische Nationalrat in Deutschösterreich die Tätigkeit des Jüdischen Zentralhilsskomitees. Die Art der Erwähnung, die zu einer falschen Auffassung der Zusammenfetzung und Leistungen dieses Komitees führen könnte, ^veranlaßt das Jüdische Zentralhilsskomitee mit Ausnahme des folgenden Berichtes in Ihr geschätztes Blatt zu ersuchen: „Den Exekunoausschuß des Jüdischen Zentralhtlfskomitees bildeten Mitglieder des Vorstandes der Jsrae Litischen Kultusgemeinde, des Jüdischen Nation-alrates. der Srtzialen Hilfsgemeinschaft Airitta Müller, des Für-- sorgekomitees für heimkehrende jüdische Soldaten^ der Jüdischen Soldatensürfor^e, des Verbandes der.Israeli tischen Humanitätsvereine B'nai B'rith, der Israelitischen Allianz zu.Wien und der Ehewra-Kadischa. Das ^Wische Zentralhilfskomitee widmete seine Fürsorge den nach Wien, sowie in die östlichen Länder heimkehrend-en Soldaten. ferner Pogromslüchtlinoen, ÄrbeitSlolep, bedür§ tigen Studenten und sonstigen Notleihenden. Die Hilfsleistung erfolgte durch Verköstigung, Bekleidung, Lrzt lichen Beistand und Geldunterstützung. Die Ausgaben überstiegen l1/* Millionen Kronen. Dieser Betrag wurde durch folgende Leistungen aufgebracht: Infolge der Intervention des Fürsopgekomitees für jüdische heimkeh rende Soldaten stellte HM Staatsamt für soziale Fürsorge aus einer Sanimlung K. 536.000-— Wr Ver fügung; die Israelitische Kultnsgemeinde widmete K. 150.000.—; das Komitee für die Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder K. 100.000.—; Herr Nathan Eidinger K. 100.00Ö —; der Rest wurde zumeist durch Sammlungen der unter Mitwirkung der Bezirkskom Missionen der Kultnsgemeinde gegründeten Lokalkomitees beschafft. Die Agenden des Jüdischen LentvalhiMkomitees führten das Bureau der Fürsorge Mr Demobilisierte (anfangs 3. Bezirk, Reisnerstraße 3 und 2. Bezirk, Ennsgasse 13, später 6. Bezirk, Mariahilferstraße 47), ferner die Bureaus der Israelitischen Kultusgemeindc und der Sozialen HilWgemeinschaft Anitta Müller. Tie Schweizersahri Wiener Mischer Kinder. Die Sünden von Jahrhunderten haben das Menschenrlend, die Menschennot in die Welt gesetzt und. gro^rzogen. Vier 5triegsjahr< Wären der Gipfel dieser Sündenlast, und der Gipfel der Not, welche die Menschen ertragen mutzten. Eine Neue Gvsellschaftsordnuug soll nun versuchen, das Elend an. der SJafte Kt packen und den Menschen günstigere, gesündere Lebensbedingungen §u geben. Es soll nicht mehr möglich fein, datz Mensen langsam verhungern, datz sie wie dir Tiere in engen, ungesunden Gelagen leben, einander den Todeskeim der Tuberkulose einpflanzen. Eine so ungeheure Revolution der Weltordnung kann sich nicht in wenigen Monaten und Jahren ooltziehen. Hoffen wir aber immer hin, datz unsere Kinder schon die Früchte der Arbeit ernten werden, welche Heute für die Menschheit geleistet wird' 1 Wenn wir aber unsere' Binder betrachten, wie sie heute tznd, wir fii vier entsetzliche Jahre der Not geschwächt, zermürbt hoben, so kernen wir. uns nicht mit dem Gedanken an eine bessere Zukunft zu trösten, sondern nach einer raschen, schnellen Hi.fc fü: l^nte und morgen zu suchen. Wenn wir unseren Kj.rdrrn nicht heute beispringen, sie heute nicht der Kräftigung und Grne^rng zu-- führen, so wird für viele, viele das goldene Zeitalter zu spät kommen. Sie ^werden tränst:, müde Menschen geworden sein, wenn sie dann überhaupt noch unter den Menschen sinL Helft, helft unseren Kindern! Das matz das Streben unserer Tage fein, unbeirrt des grotzen Weltgeschehens, das neben uns he r schreitet. Die Wiener Kinder, und unter ihnen jene, die unserem Herzen zunächst stehen, dir Wiener jüdischen Kinder, haben unter der Kriegsnot aufs furchtbarste gelitten. Sie brauchen Kräftigung und Erholung, wie nur jemals ein Mensch sie gebraucht hat, dessen Organrsmlls dem Zusammenbruche 'Nahe war. Der Jüdische Nationalrat hat eine Aktion ringelet tet, die mehreren hundert Wiener jüdischen Kindern diese Hilfe bringen soll. Der Werbearbeit der Herren Oderrabbiner Dr. Chajes und Dr.- Margulies ist - es gelungen, die warmfühlenden Schwetzer Juden für et,i Hilfswerk zugunsten Wiener jüdischer Kinder oii gewinnen. In fast allen grützeren Schweizer Städten haben sie fteudige, bereite Helfer gefunden, die sich zum „Schwerer Hilfäkomilee zur Versorgung jüdischer Kinder aus Wien" zustmrmenschloßer,. Das Schweizer Komitee versuchte vor allem, einzeln« Familien zur -Aufnahme von Frrienkmdern zu bewegen. Weyers wurden geeignete Gebäude eruiert, welche zu Heimen, insbesondere für schMchliche Kinder adaptiert werden sollten, rlin dir Kostea für die Heimpftege auszubringen, welche pro Kmd mi: SO) Franken für den sechswöchigen Aufenthalt berechnet werden, wurden Äpevdenfamrnkmgen eingrlettet^ Vstle Familien fanden sich bereit.