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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-23 · 20 (23.5.1919) · p. Seite 302

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
20 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 302 (sequence 10)
Language
German
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Sette SIS „Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 -eil: ganzen. Betrag, gleichsam als/ Ablöse Kr einen Ferienplatz im Serien Hause zu leisten, aber auch kleinere Gaben wurden entgegeng«wmMett., So Zelang es, die Aktion auf eine feste Basis zu stellen' und die Einreise von mehrmals 500 jüdMen Kindern Kr einen sechswöchigen Aufenthalt zu ermöglichen. Gerade die Schweizer» die Bewohner des glücklichen. Landes, das die Wögen des Krieges nicht berührt haben, sind in all den vergangenen Jahren unermüdlich tätig gewesen, den notleidenden Völkern zu helfen. Dennoch ist ihre Hilfsbereitschaft nicht erlahmt und die flammende Beredsamkeit des Oberrabbiners Dr. LHajes, 'welcher den Schweizern, nach dem vom sozialen Organisationsamt des Jüdischen Nationalrates für Deutschösterreich gesammelten Mtenmaterial, über die Not'der Wiener Juden sprach, hat unter den Schwetzer Volksgenossen das heißeste Mitgefühl erweckt. Ein Züricher .Graphiker, Dr. G. R a b i n o w i t s ch, hat, beeinflußt durch dir erschütternden Photographien der Wiener jüdischen Elendsquartiere, welche Frau Anitta Müller mit hinausgesandt. eine 'Radierung geschaffen, .die das Kinderleis in solch einer tieftraurigen Behausung darsteM und ihren Erlös der Aktion gewidmet). i So waren die Schweizer Vorarbeiten erledigt, und das Wiener Komitee der „Ferienaktion für bedürftige Wiener jüdische .Kinder" innerhalb des Jüdischen Nationalrates konnte, im steten Einvernehmen mit den in der Schweiz verbliebene^ Herren des Nationalrates, - seinerseits an die Arbeit gehen.. Die Leitung der Aktion liegt in den Händen Frau Anitta Müllers, die, wie stets, mit voller Hingabe die Sache der Kinder vertritt. Ihr zur Seite stehen Herr Adolf Böhm, ferner Bruno Frei, der im Rahmen des Organisationsamtes bereits verdienftvollst gewirkt hat. Als Vertreter der Kultusgemeinde, arbeitet Herr Oberoffizial Moritz Ungar mit. Professor Hoch sing er hat dir ärztliche Leitung der Aktion übernommen und läßt durch seine bewährten Mitarbeiter, Frau 'Dr. Mela Bloch, .und Di. Sanel. Beer di: Kleinen im Ersten Wiener Kmderkrankeninstitute untersuchen. So werden Ende Mai die 500 Kinder Hinau^ichen können in ein Land, wo ihnen die Liebe ihrer Volksgenossen eine Stätte der (Ächolung und Kräftigung bereitet. Soweit wäre, alles gut und schön, doch wird , die Freude über das Gelingen des Werkes durch einen Umstand getrübt: 500 Kinder ziehen hinaus, 2000 aber haben sich angemeldet. Änd hinter diesen 2000 stehen viele, viele andere, die genau so schwach, so müde, so unterernährt, so unendlich erholungsbedürftig sind wie jene wenigen Glücklichen^, für die Platz ge- . schaffen wttden konnte. Im Vorjahre gelangten bei der großen Krnderferjenaktisn 8000 jüdische Kinder tzur Anmeldung, und, wer . . miL/Leu:/DLihältAiss«r der arnren jüdischen Bevölkerung Wiensvertraut ist, muß sich sagen, daß auch, diese Ziffer kaum die Hälfte darstellt von allen jenen jüdischen Kindern, welche die Not-, an jene Grenze getrieben, wo die Gesundheit - längst erloschen ist und. schon das Siechtum einsetzt. Allen zu helfen, wird in diesem Jahre Ger bittersten Erschwernisse wohl kaum möglich fein. Aber die Juden Wiens müßten, versuchen, durch reiche Spenden den. Jüdischen Natkonalrat in die Lage zu versehen, weitere Kinderreisen durchzuführen. .'Vielleicht würde es gelingen, die Schweizer Judenschast zur Aufnahme eines zwri/en Turnusies zu bewegen, es könnten dcmn auch im Lande selbst Sommerlinderheime erstehen, um den Ausfall an Kinderferimplätzen zu decken, welcher sich durch die Abtrennung mährischer und ehemals ungarischer . Gebiete, die alljährlich Wiener jüdische Kinder bei sich aufnahmen, ergeben hat. Die Rettung der jüdischen Kinder Wiens, das sei das Ziel, welchem dile Wiener Juden heute mit aller K'raft entgegenstreDen müssen. . '! Spenden für die Aktion sind an die.Redaktion dieses Blattes oder an das Soziale Organisationsamt, 2. Bezirk, Praterstratze 17, zu richten^ - i - Aufruf Mr die Ppgromopftr in Rzeszow! Am 3. und 4. Mai 1919 ist die Mische Bevölkerung der Stadt RAesAow und der benächbarten Ortschaften KolbusAowa, StrAyAow, Niebylec und EAudec durch einen PoMom heimgesucht worden. Der städtische Wbo% unterstützt von plündernden Bauern, ML nicht nur M den HMelWeiten, sondern . -auch «am Leben und Gesundheit der Mischen Bevölkerung sein Mütchen geWlt, in. seiner Naivität glaubend, daß die -Juden am Kri^Aelend schuEtragend sütd. . LLnAätzWe Familien sind aller Einrichtungsgogen- Mnde, ihrer Kleider und Schuhe beraubt, ohne Mittel MuH nur die LchensdutM Au stillen. j . Als Landsleute richten wir an die Oeffentlichkeit die.Bitte, der notleidendxn Mischen Bchölkerung obiger^ Ortschaften. Hilfe M irtitp unb ,/auch die kleinsten UnterstützunjAen an den Merein der RAeDtzower, Wien, 2. B^irk, Taborstraße,. Cafs NWa", oder an die Wministration dieses' Blattes Au.senden. Für den „Verein der Me's^ower'ln Wien" L. Emer, Schriftführer. Dr. Mör. K a ha n e, ObmMN. Ein Misch-MdqgogischeZ Archiv. Am 1. Mai 1919 würde hier, 2. BeArk, Obere Tonaustraße 91 (Jüdisches Jugendheim), ein/jüdisch-pädagogisches Archiv eröffnet. - Dasselbe hat es sich zur Aufgabe gestellt, der Erforschung und Förderung des -Mischen ErAiehüücMwesens Au dienen. Das. Archiv ist als Vorbereitungsstelle Mr jüdisch-pädagogische Institute gedacht. Die Grundlagen des Archivbestandes bildet' eine Sammlung von Materialien Mer alte guf das/Mische ErAiehuNgswesen bezüglichen Angelegenheiten, als da find: Jüdische Erziehungsgeschichte, Wesen und Ziele der jüdischen ErAiehung, Methodik des Mischen Unterrichtes usw. Die Bücherei des Archives enthält u. ü. den Beginn einer Lehrbuch ersammlung in allen Sprachen, insbesondere für Hebräisch und Jüdisch, die Mr das Pädagogium zu Jerusalem bestimmt ist. . Den Plan tzur Begründung des Archives faßte Supplent Dr. Heinrich G lau A gelegentlich seiner Wirksamkeit an den hebräischen Schulen in Jerusalem. Dort zeigte sich bei der NeübdgMndung des Mischen. Pädagogiums anläßlich des Sprach enkampses, daß für die jüdische Lehrerausbildung so. gut wie alle wissenschaftlichen .pädMvgischen Grundlagen fehlen. Die Wiener Vorbereitungsstelle ist also nebst ihrer engeren Ausgabe in Deutsch österreich und in Mitteleuropainsbesondere dafür bestimmt, einem Aentrialen pädagogischen Institute in Palästina als Vorbereitung Au dienen. D;ie Leitung des Jerusalemer Pädagogiums erwartet.sich von dem Melingen.der Unternehmung wertvolle Mithilfe für ihr eigenes/Institut. , . - -- / i ‘ // /:' ,. .;: y Schön in der Zeit der Vorbereitung haben-eine Reihe namhafter Fachgelehrter ihre MitwÄung shr/Spezialgebiete Augesagt. HierWer wird ein Memorandum der Institute demnächst referieren. Erwähnt sei insbesondere, daß Herr DvAent Dr. med. und Phil- .Siegmund Korüfel'd ein Laboratorium für-experimentelle Psychologie und Pädagogik dem Archive angegliedert hat. Das Zustandekommen hat u. a. die „Wiener Zionistische Vereinigung" durch eine namhafte Subvention gefördert. Ueber die in allernächster 'Zeit durch geführten Arbeiten werden wir regelmäßig Bericht erstatten. Das Archiv ist Montag und Donnerstag von 2—5 Uhr nachmittags geöffnet. In dieser Zeit steht die Bücherei, die ältere und neue pädagogische und psychologische Werke sowie Zeitschriften, "insbesondere viele heibräische Lehrbücher, Grammatiken und Chrestomathien enthält, der Benützung /offen. MiLgliedsanmeldungen in den -Lesestunden oder schriftlich. ZusMmMMM der OMdm ftl DMtschland. Der „Bund Ostjüdischer Vereine" publiziert fol-' genden Aufruf: „Das jüdische Volk ist an einem Wendepunkt in seinem geschichtlichen Werdegang angelangt. Gemäß dem von der gesamten Weltdemokratie proklamierten Selbstbestimmungsrecht der Völker ist es im Begriff, die Gestaltung semes Schicksals selbst in die Hand zu nehmen. - Die Träger und Verfitzter einer selbständigen jüdischen -Politik sind in erster Reihe die o st jü d isch en Volksschichtenin der alten-und der neuen Welt. Dem Gebot der historischen Entscheidungsstunde muß nun auch d ie in Deutfchland heb end e Ostjude nheit folgen. Sie nimmt keinen Anteil an dem Meinungsstreit, der gegenwärtig in der deutschen Juden-

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