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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-23 · 20 (23.5.1919) · p. Seite 299

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
20 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 299 (sequence 7)
Language
German
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Seit« 31& st*. 2# ..Dr. Mcktz'S WMMttwkft" »Welch« Szenen sich vor unseren Augen entrollten«, bemerkte der Vortragende, »läßt sich schwer in Worte kleiden. Ganze Züge flüchtender Juden begegneten uns und einmal mußten wir einige von ihren Pferden zum Yorwärtsbringen unserer Wagen requirieren, was nicht ohne Einspruch erfolgte. Wir boten den Protestierenden einige Weihnachtspakete an, die sie als Juden, , die' keine Weihnachten kennen, anfangs 1 refüsierten. Schließlich siegte aber doch ihre Habgier. Ein andermal stellte uns die Begleitmannschaft einer Munitionskolonne, die wir zur Hilfeleistung aufforderten, rundweg die Bedingung, daß sie nur dann mittue, wenn man sie auch mit Liebesgaben bedenke, was natürlich gern getan Wurde.« Also, Wenn jüdische Flüchtlinge, die vom Feinde ausgeraubt sind, Haus und Heim verlassen, in der Fremde auf ihrem traurigen Wanderzug eine Liebesgabe annehmen, so ist das ein Beweis von „Habgier". Wenn aber die Begleitmannschaft einer Munitionskolonne für ihre Hilfeleistung Liebesgaben beansprucht — das ist selbstverständlich keine Habgier. Das ist die arische Moral mit doppeltem Boden. Hat der Herr Rittmeister von - S eutter niemals Goethes „Hermann.und Dorothea" gelesen? _ Kriejglserleünisse eines jüdischen KnWen. .Johann Miohanyi, gehören in'VögsszentmihLly (Komitat TorontÄ). ■ im Jahre 1900 aV Sohn des Solomon Mohanyi, StadLbeamten in MarmarosfMet. 'Nachdem er aus der dritten Ghmnasialklasse in Szeged entflohen, hat er sich im Monate Dezember 1914 bei dem iErsatzbiataillonWommandanten Major Stephan Tiko's des W.'-unstar. Mnved--Jnfanterie-Megiments Nr. 7 in Verseaz Mm Militärdienste freiwillig gemeldet, wurde Hort der 3. Ersatzkomp.agnie Mgeteilt und >ging nach zwei Wochen mit einer Marschkompagnie auf den russischen KrieMchauplatz M. - Dort wurde er dem Bataillon Nr. 407 des kgl.-- uW. tzonved-.Jnfanterie-iRegiments Nr. 305 Mgeteilt, er die Mmpse in den Karpathen mitmachte. Wchrend dieserZert wurde er Mm Gefreiten befördert. -Im Monate Mai. 1915 bei Turka in GaWen durch Schuß iam rechten Unterschenkel verwundet, wurde er' in einem Feldspitale gepflegt und ist nachher sofort M feinem lRegimente wieder rüchgekehrt. Im Monate Juni kam die Verordnung, daß junge Knaben bei der Armee nicht verbleiben dürfen, infolge^ dessen er Wr ukrainischen Legiontransferiert wurde. Bei dieser Legion hat er die "Kämpfe in OstgalMen und . in der Bukowina ständig mitgemacht. Der ruthenischen 'Sprache Mächtig, da in seiner Vaterstadt viele Rutheneu wohnen, war es ihm ein leichtes, sich bald auch iu der polnischen sowie russischen Sprache verständlich M machen.. Nachdem er nun dieser Sprachen mächtig war, ging er. mit einem Kameraden in Zivil gekleidet.als Konfident an die russische Front spionieren. Dort gelang es ihm, als OfMersdiener in den Dienst eines russischen Majors M treten, hei dem er 'bis iEnde des Monates Märtz 1916 im Dienste gestanden war. Dann flüchtete er in der Richtung Mr österreichisch-ungarischen Front, wurde Mer durch einen russischen Leutnant aufgehalten, bei dem er weitere drei Wochen als OfMersdiener Angebracht hatte. Am 17. -April ist er mit den russischen Truppen bei Bojän (BessarMien) in Uefastgenschaft der eigenen Truppen gekommen, wo. er sich als Ungar ftu erkennen gM. Er wurde dem Generalobersten Pflanzer-Baltin borgesüh-rt, dem er seine -Erlebnisse vorgetragen hat, wurde Mm Korporal befördert und mit der silbernen -Tapferkeitsmedaille'2. Kl. ausgezeichnet. In den Kämpfen an der besfarMischen Wertze erhielt er eine .Schußwunde an der linken 'Hand und wurde mittels Kranken? Füg in das k. u. k. Augusta Barackenspital nach Budapest iabgefchoben, wo er sich derzeit befindet. . Dis Heldentat des Rsgünsntsarrtes. Se. Majestät hat, wie „Egyenlöfeg" mitteilt, dem Rsgimentsarzt Dr. Ignaz Ney für fern tapferes und erfolgreiches Verhalten - vor dem Feinde das Signum laudis verliehen. Dr. Ney Hat sich diese schöne Aus-, Zeichnung nicht nur als Arzt, sondern auch als Soldat verdient. Bei einer Gelegenheit befand sich sein Bataillon im Rückzuge vor dem Feind. Der wackere Arzt Hielt, vereint mtt mehreren Offizierskollegen> die Truppen zurück und vercmlatzte sie zur Umkehr, was zur Folge hatte, daß der nachdrängends Feind furchtbare Verluste erlitt. Dr. Ney gehört übrigens zu denjenigen Aerzten, welche an der Front den überwiegenden Teil ihrer Zeit im Feuer der heftigsten Kampfe, und in den.Schützengräben verbringen. Aus dem GefameoeMaser m Minden i. W. Im hiesigen Gefangenenlager, in welchem anfangs nur vier Franzosen Mischen Glaubens und neun russische Zivilgefangene sich befinden, sind seit Anfang März noch ungefähr 180 russische jüdische Gefangene interniert. Seit Mitte September wird dort alle drei Wochen Gottesdienst mit Predigt abgeyMm. Zu Bestach erhielten die Gefangenen drei Mund Mazzot. Auch werden sie mit Gebetbüchern und sonstigen Ritualien, wonach sie sich besonders sehnen, von hier aus versorgt. Die gefangenen Juden werden von ihren nichtjüdisc^n russischen Kameraden vielfach beschimpft, indem man ihnen Feigheit und Vaterlandsverrat vorwirst. Man droht, bei der Rückkehr mit ihnen abzurechnen, ja, sie schon bei der Fahrt nach Rußland aus dem Eisenbahnwagen zu werfen. Unsere russischen Glaubensgenossen haben endlich die Geduld verloren und sich an die Mitiftärische Lageroerwaktung befchwerdesuhrend gewandt, die sofort mit strengen Strafen eingefchritten ist. Welch. traurige Aussicht bietet sich da nach der Rückkehr den Mischen Kriegern! KftWtreue der Juden. Ein Mann mit klarem Blicke und weitem Horizonte, nicht eingeengt durch ererbte oder anerzogene Vorurteile, frei wie das kont'mentumspülende Weltmeer, auf dem er sich jahrzehntelang heimisch gefühlt, ein Mann mit tapferer Stirne und warmfühlendem Herzen: der k. u. k. Kontreadmiral d. R. Geza delk^Adami von Tarczal, hat den Mut gehabt, in dieser sturmdurchtobten großen Zeit die Worte zu schreiben: „Die Juden haben heldenmütig in der Front gekämpft, als Aerzte Außerordentliches geleistet» in Galizien hat die Mische Bevölkerung einen nicht genug hochzuschätzendenUatrio- - tismus bewiesen. Der Nachweis der Beteiligung der Juden an den Kriegsfürsorgezwecken und all den anderen Wohltätigkeitsanstalten würde für die Stellung und das Ansehen der gesamten Iudenschaft der Monarchie opit großer Tragweite sein." Diese so wohlwollenden, von uns ach so selten gehörten Worte aus dem Munde eines Nichtjuden begleiteten mich bei einem Besuche der Ausstellung des Ministeriums, des Innern „für Zriegshikfe und Flüchümgsfürsorge" iu der B-ognergaste, und es fei mir gestattet/ einige Bausteine zu der großzügigen Anregung dieses wahrhaft freisinnigen Admirals in dieser vom Mischen Bürgertume.so hochgeschätzten und vielgelesenen Zeitschrift beizutragen. j I \;

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