Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 20 (23.5.1919)
- Date
- 1919-05-23
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
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9te. 20 •- „Dr. «tzoch'S SSoHenschrip Setzern werfen und an der Gesundung des kranken, Mer noch LcbeMfaWen Staates ehrlich miMarbeiten, wollen ihn' die Ehristlichsozialen schonungslos erwürben. Als die Kommunisten drohten, schlossen sie sich Mar mit den .Sozialisten gus Furcht zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, kaum Mer ist die Angst vergangen, sind sie wieder die alten schamlosen Verräter der Gemeinschaft, welche sich von ihnen politisch und materiell nicht ausbeuten lassen will. In Wien spielen sie Staatsregenten, am Land sind sie Staa^erstörer, -haben sich hinter den Vochanjg der Soutanen der Landpfarrer zurückgezogen und bonihardieren die Dummheit der Bauern mit ihren Lägen. Von ihnen aus kann Deutschösterreich -verhungern und zugrunde gehen, soweit es Nicht unter Wer Herrschaft steht. Sie kennen kein Vaterland, keine Gesellschaft, keine Moral, sondern nur sich, ihre Politik ist eine ewig fressende 'Krankheit, unter der wir mehr und läniger leiden werden als unter der Ungunst der PeMltnisse. ( Mer so sind die. Klerikalen Überall. Sie lassen das arme Spanien nicht zur Ruhe kommen, sie wiegeln Portugal auf, sie machen in Italien ihre Umtriebe. Nur-ihre Herrschaft allein harf^gelten. Und wenn die Situation zu gefährlich wird, so schwenken sie ohne Bedenken ah. Die italienischen Klerikalen haben an der Agitation gegen das katholische Oesterreich teilaenommen und haben M seiner Rettung keinen Finger ' gerührt. Die Klerikalen in Oesterreich sind vor dem ehemaligen Kaiserhaus auf dem Bauch gelegen, Mer sie haben nicht den leisesten Versuch fiijr den Thron gemacht und haben ihre Mandate, geschwind und klüglich in die -Republik hinübergerettet. M ist eine edle Rasse und aller Ehren wert. * . * * Die neueste polnische Heldentat ist eine Verfügung, daß die Juden aus der Annee ^entfernt werden. Dazu muß'man bedenken, daß die Juden in der polnischen Armee nur'geduldet waren, wenn sie gm die .Front gingen. Die. Mappe und das Hinterland waren den edeln Polen allein Vorbehalten. Mer selbst die Möglichkeit, für die neueste Kulturnation zu fallen, soll den verhaßten Juden genommen werden. Denn diese könnten am -Ende daraus die Ansprüche Meilen, im polnischen Staat volle Bürgerrechte zu beanspruchen und man bereitet sich offenkundig fetzt schon darauf vor, sie ihnen zu nehmen. Die Entente sieht also, was sie mit der Schaffung dieses Staatesangerichtet Hat. Mitten in Europa werden nun unter Millionen Menschen einige hunderttausend Juden als Parias und Heloten leben, Werden verfolgt und unterdrückt und alle Schrecken des finstersten Mittelalters erleben. Soll das eine Frucht -des' Weltkrieges sein, den die Entente gngMich zur Erneuerung des Menschenrechtes geführt hat und in welchem ihre Führer soviel Von Idealismus und Völkerbund' gesprochen haben? - Amerika hat einmal einen groften Krieg gegen die Südstaaten zur AufhÄung der schwarzen Sklaverei geführt. Nun ist offenkundig Gefahr vorhanden, daß im Nordosten Europas eine weiße Sklaverei bestehen bleibt und daß ein intelligentes und fleißiges Volk vor der Peitsche der rückständigen und grausamen Polen zittern muß. Die Juden werden es so elend haben, wie unter dem Zarismus und die Befreiung der Polen wird mit ihrer Verelendung enden. Das muß natürlich die. Quelle immer neuer Beruhigung in der ganzen Welt werden. Denn diese unerträgliche Verelendung wird zu großen AuswanderunigWewegungen und innerem Widerstand Wren. Wer'noch ist die FriedenskonfereW beisammen Md vermag ein kräftiges Machtwort zu sprechen. Sie ist geneigt, -die Wünsche und Beschwerden der Juden an- -uhören, und sie kann es' verhindern, daß . die mittelalterlichen und rückständigen Polen zum Feste ihrer Befreiung die Leiber der in ihrem Reich gefangenen und gemarterten Juden opfern. * * * Pogrome ohne Ende! Kein Tag vergeht, ohne daß neue Schmerzensruse aus den nördlichen Ländern an -unser Ohr und Gemüt dringen, ohne daß wilde Horden im Ghetto Schreckensszenen, ausführen und wie Barbaren gegen Leben und -'Eigentum wüten. In Polen werden die Juden am Leib und Gut verfolgt, weil sie die polnische Sache an die Ukrainer verraten, in der Ukraine gibt es ein Gemetzel aus den entgegengesetzten Gründen. Man sieht, daß es überhaupt keine anderen Gründe gW, als die Wische Wehrlosigkeit und die christliche Raubgier, als die Hetze der Schlachten und per Popen, welche den Pöbel von sich und ihrem eigenen Raub weg in die Judengasse führen. Die Zeit hat sich also für die Juden in den nördlichen Ländern mit Ausnahme Rußlands, durch den Krieg nicht verändert, sie hat nach fünf Jahren wieder genau dort eingesetzt, wo sie vor den Schlachten lausgehört hat. Das jüdische Unglück - nimmt gar kein Ende. Erst ist der ganze Zug des Krieges wiederholt,Wer den AnsiedlunAraYon hmübergegangen, hat die Häuser zerstört, die Menschen getötet, die Familien zersprengt, das vorhandene Vermögen vernichtet. Und jetzt, da jeder daran denkt, seine Hütte und sein Dasein wieder auszuhauen, kommt der Legionär mit dem Bajonett, der Mob mit dem Knüttel und toben gegen die endlos gehetzten Juden. Darf das vor dem Angesicht der ganzen Welt geschehen, darf die Lust zum Morden und Rauben erhalten bleiben, soll die Heiligkeit des Menschenleben niemals verbürgt werden, auch wenn es ein jüdisches Leben ist? Wir hüben schon oft daraus verwiesen, daß ein Unrecht gegen die Juden sich -an der ganzen Menschheit rächt. An den Juden lüben nämlich die Völker immer jene Gewalttätigkeiten ein, welche solches Entsetzen erregen, wenn "sie sich dann gegen jemand anderen richten. Bolschewismus, Fanatismus und jede Art von Grausamkeiten und blutigen Leidenschaften hat ursprünglich Pogrom geheißen und läßt sich von der Judenverfolgung ableiten. ' i * » * Eine entsetzliche Nachricht kommt.aus.'Prag. Dort hat die aufgeregte Menge das Ehepaar Minger gelyncht, welches in seinem Geschäft in einer Vorstadt die tschechische Nation beleidigt haben soll. Wie nicht anders zu erwarten war, evvi^ sich die Polizei gegen die aufgeregte Menge als machtlos und nachmittags, mußte eine Abteilung Legionäre ausgeboten werden, nur den aus Tausende von Köpfen vermehrten Mob im Aaune zu halten. Die Verleumdung des Ehepaars liegt aus der Hand. Sie werden sich wohl hüten, in ihrem Laden der tschechischen Nation Trotz zu bieten. Ganz gewiß war es also ein Konkurrent oder ein auf Plünderungen ausgehendes Individuum, welches die Nachricht aussprengte. Nun ist .ähnliches in der Tschecho-Slowakei in der letzten Zeit wiederholt geschehen und das Freiheitssest wurde mit Plünderungen jüdischer Geschäfte an vielen Orten begangen, wobei sich die Behörden immer als machtlos erwiesen, weil sieihre Macht nicht gebrauchen wollten. Es hatte den Anschein, gls hätte die' nationale Ehre der Tschechen diese traurigen Erscheinungen wieder eingestellt. Mer nun kommt diese Nachricht aus dem ewig aufgeregten -Prag, von seinem immer zu Skandalen aufgelegten Mob.'Prag ist ein .äußerst gefährlicher Boden für-die^Juden. Die Geschichte eMhlt uns, daß wiederholt dort PauschalverdächtiLUNgen die schrecklichsten Folgen nach sich zogen. Eine der größten Judenverfolgungen des Miteltalters wurde durch die Lüge verursacht, daD